Cybermobbing - Terror im Netz

Beleidigungen und Ausgrenzungen unter Jugendlichen im Netz stellen ein großes Problem dar. Cybermobbing ist weder räumlich noch zeitlich begrenzt, Inhalte verbreiten sich extrem schnell und sind nicht kontrollierbar, da sie von Nutzern gespeichert, verändert und an anderer Stelle erneut hochgeladen oder weiterversendet werden können. Die Hemmschwelle beim Cybermobbing ist niedrig, weil die Täter nicht mit der unmittelbaren Reaktion des Opfers konfrontiert werden und oft versteckt im vermeintlichen Schutz der Anonymität handeln.

© shootingankauf / Fotolia
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Was ist Cybermobbing?

Beim Cybermobbing werden andere dauerhaft und gezielt durch elektronische Medien beleidigt, bloßgestellt und bedroht. Über soziale Netzwerke, Websites und Videoportale oder per Handy werden beispielsweise peinliches Bildmaterial und Gerüchte verbreitet oder Fake-Profile angelegt. Beiträge werden beleidigend kommentiert, über private Kommunikationswege erhalten Opfer Beleidigungen und Bedrohungen. Auch das bewusste Ausschließen z.B. aus WhatsApp-Gruppen einer Schulklasse kann hierunter gefasst werden.

Wie häufig ist Cybermobbing?

Laut JIM-Studie 2014 sind etwa 17 Prozent aller Schülerinnen und Schüler, die das Internet nutzen, schon einmal von Cybermobbing betroffen gewesen. Mehr als ein Drittel (38%) kennen jemanden in ihrem Bekanntenkreis, der schon einmal über das Handy oder Internet gemobbt wurde. Die Täter stammen dabei mehrheitlich (55%) aus dem sozialen Umfeld der Schule. Oft sind die Grenzen zwischen Betroffenen und Beteiligten fließend: So zeigt die Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing, dass mehr als ein Drittel der Schüler, die andere mobben, auch selbst schon gemobbt wurden.

Woran merke ich, dass mein Kind betroffen ist?

Kinder, die betroffen von Cybermobbing sind, können ganz unterschiedlich reagieren: Einige sind eingeschüchtert und ziehen sich zurück, um keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Sie nutzen Computer und Internet weniger oder machen das Gerät sofort aus, wenn Eltern und Freunde in die Nähe kommen. Andere reagieren aggressiv oder werden krank.

Wie sind "klassisches" Mobbing und Cybermobbing miteinander verbunden?

Die Analysen der Studie der TU Berlin zeigen, dass Online- und Offline-Verhalten eng miteinander verbunden sind: Die sozialen Erfahrungen im Schulalltag und die Aktivitäten der Jugendlichen im Internet sind häufig nicht voneinander zu trennen, sondern wirken sich aufeinander aus (z.B. die ganze Klasse lacht über einen Schüler, der auf einem peinlichen Video im Internet zu sehen ist). Cyber-Mobbing und Schulhof-Mobbing ergänzen sich also wechselseitig.

Wie können sich Jugendliche unterstützen?

Jugendliche, haben mehrere Handlungsmöglichkeiten, um Betroffene zu unterstützen. Hier ist es wichtig, dass Eltern vereinbaren, dass Jugendliche sich gerade in schweren Fällen vorher mit ihnen absprechen, um sich nicht unnötig selbst zu gefährden:

  • Absichtliches Ignorieren der Vorfälle;

  • Kontakt zum Opfer aufnehmen und Mitgefühl zeigen;

  • online gegen die Schikane reagieren (z.B. Kommentare auf Pinnwand im Sozialen Netzwerk löschen, beleidigende Bilder oder Hassgruppen melden), offline den / die Täter ansprechen, mit dem Cyber-Mobben aufzuhören;

  • Anzeige bei der Polizei erstatten, Gespräche mit Lehrern bzw. Eltern suchen

Was können Eltern und Erziehende tun?

Konflikte zwischen Heranwachsenden sind normal. Schwierig wird es, wenn sie online über Beleidigungen und Abwertungen ausgetragen werden. Bei Cybermobbing handelt es sich um ernstzunehmende Attacken, die bei dem Opfer oft seelische Verletzungen verursachen und strafbar sind. Es ist wichtig, dass Eltern sich darüber informieren, aufmerksam sind und Verhaltensregeln im Netz mit ihrem Kind besprechen. Es geht darum deutlich zu machen, welche Folgen Cybermobbing haben kann und dass Kinder und Jugendliche sensibilisiert werden, sich für andere einsetzen. Dabei hilft eine gemeinsame Haltung gegen Mobbing.

  • Respekt vermitteln: Wichtig sind Chatregeln zu vereinbaren, wie respektvoll zu sein. Hinter jedem Nutzer stehen echte Menschen - ein höflicher Umgang gilt auch in Chats. Aber auch Persönliches schützen. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche nichts zu Persönliches preisgeben, auch um keine Angriffsfläche zu bieten.
  • Courage zeigen: Werden anderen online gemobbt, können Kinder auch selbst Courage zeigen und sich gegen Hetze aussprechen. Behutsam vorgehen, um sich nicht selbst zu gefährden.

  • Vertrauensbasis schaffen: Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind das Internet entdecken und über mögliche Gefahren wie Belästigungen bereits im Vorfeld sprechen.

  • Unterstützung anbieten: Das Kind sollte das Gefühl haben, zu jeder Zeit mit seinen Eltern über alle Erfahrungen im Internet reden zu können und Unterstützung zu erhalten, damit die Hürde für das Kind nicht zu groß ist, sich anzuvertrauen.

  • Auf Anzeichen achten: Sensibel und verständnisvoll auf mögliche Veränderungen des Kindes reagieren.

  • Gemeinsam nach Lösungen suchen: Falls Eltern konkrete Schritte unternehmen wollen, ist es sinnvoll, diese mit dem Kind zu besprechen und es in ihre Lösungsversuche einzubeziehen.

  • Nicht bestrafen: Ein Handy- und Internetverbot ist nicht sinnvoll. Cybermobbing ist in der Regel nicht einem Fehlverhalten des Kindes geschuldet, auch unabhängig von der eigenen Internet- und Handynutzung können Inhalte über die betroffene Person veröffentlicht werden.

  • Schule kontaktieren: Hilfreich kann es auch sein, die Schule des Kindes anzusprechen, damit Cybermobbing im Unterricht zum Thema gemacht wird.

Kind betroffen

  • Belege über Screenshots (Bildschirmaufnahme) sammeln sowie alle verfügbaren personenbezogenen Informationen und solche, die den Vorfall beschreiben, also etwa Namen oder Nickname (Spitznamen) der verantwortlichen Nutzer notieren.

  • Sind die Beteiligten bekannt, diese auffordern, die Inhalte zu entfernen. Manchmal ist den Beteiligten nicht klar, dass sie andere verletzen.

  • Löschen die Täter die Inhalte nicht freiwillig, können Eltern dies vom Betreiber fordern, dessen Kontaktdaten über den Hilfebereich oder das Impressum bzw. die Nutzungsbedingungen zu finden sind. Bei Plattformen können Nutzer auch häufig Inhalte über einen Button melden.

  • Bei schweren Verstößen können Eltern rechtliche Schritte einleiten und die verantwortlichen Nutzer bei der Polizei zur Anzeige bringen.

Kind beteiligt

  • Eltern sollten mit Ihrem Kind reden und versuchen die Gründe zu ermitteln, warum es andere belästigt, ausgrenzt oder beschimpft. Ursachen können sein Unzufriedenheit oder die Suche nach Anerkennung.

  • Lage des Opfers verdeutlichen und aufzeigen, wie unangenehm diese Rolle ist sowie Alternativen nennen, wie man mit Streitsituationen umgeht.

  • In vielen Fällen ist es ratsam, Kontakt zu Eltern der anderen Täter aus der Gruppe aufzunehmen und zu besprechen, wie das Mobbing beendet werden kann.

  • Stellt das Kind auch nach Aufforderung der Eltern das Mobbing nicht ein, können Eltern Sanktionen aussprechen, wie etwa eine Surf- oder Chatpause.