So nutzen Kinder Smartphone und Tablet sicher

Tippen, Wischen, Surfen: Immer früher wollen Kinder und Jugendliche die vielen Möglichkeiten von Smartphones und Tablets nutzen. SCHAU HIN! rät Eltern, die Benutzung in gemeinsamer Absprache zu regeln und gibt Tipps für die Nutzung von Smartphone und Tablet.

Bis drei Jahren stehen noch reale Erfahrungen im Fokus. Medienerlebnisse können diese ergänzen, wenn sie altersgerecht, begleitet und überschaubar sind. Ein einfaches Handy empfiehlt sich für Notfälle ab sechs Jahren, sonst ab neun Jahren. Ein Smartphone eignet sich für Kinder im Alter zwischen elf und zwölf Jahren, wenn sie schon genug Erfahrung und Reife besitzen, mit den vielen Funktionen verantwortlich umzugehen.  Diese können Kinder vorher am Smartphone oder Tablet der Eltern gemeinsam mit ihnen ausprobieren.

Geräte gut auswählen

Kinder und Jugendliche sind mit dem neuesten Marken-Handy nicht auch gleich richtig ausgestattet. Dies ist auch zu beachten, wenn Eltern ihren Kindern ihr altes Smartphone überlassen, wenn sie sich ein neues kaufen. Wichtiger ist, dass es zu ihren Bedürfnissen passt und Kinder damit gut umgehen können. Hier können sich Eltern durch Produkttests über das Wunschobjekt informieren und Vergleiche ziehen sowie ältere Kinder dazu animieren, um zu einer sachlichen Entscheidung zu kommen.

Damit Kindern bewusst wird, welchen Kosten das Smartphone verursacht, können sich diese an der Anschaffung und an den Kosten des Handytarifs zumindest beteiligen. Für eine bessere Übersicht eigenen sich Prepaid-Verträge oder solche mit Kostenlimit.

Geräte gut sichern

Vor der Anschaffung und Nutzung im Alltag erproben Eltern mit den jungen Nutzern am besten einige Funktionen und besprechen Themen des sicheren und verantwortungsvollen Umgangs: Dazu gehört

  • Sicherheitseinstellungen aufzurufen und zu ändern,
  • zu wissen, wann GPS, W-LAN und Bluetooth besser ausgeschaltet bleiben,
  • eine Antivirenschutz-App zu nutzen und Anwendungen auf Datenschutzrisiken einzuschätzen,
  • ein sicheres Passwort zu erstellen und dieses regelmäßig zu ändern,
  • sorgsam mit eigenen privaten Daten und denen von anderen umzugehen,
  • anfallende Kosten etwa bei In-App-Käufen zu durchschauen
  • sowie vereinbarte Nutzungsregeln langfristig einzuhalten.

Eltern richten zu Beginn gemeinsam mit ihrem Kind das Smartphone ein und aktivieren die Sicherheitseinstellungen. So können sie erklären, wann GPS, W-LAN und Bluetooth besser ausgeschaltet bleiben und wie sie eine Antiviren-App nutzen. Eine Jugendschutz-App zu nutzen ist ratsam. Wichtig: Diese Hilfsmittel ergänzen die Begleitung durch die Eltern, ersetzen sie aber nicht.

Nutzungsregeln vereinbaren

Wenn Eltern ihrem Kind ein Smartphone erlauben, erproben sie mit den jungen Nutzern am besten einige Funktionen und vereinbaren gemeinsam Nutzungsregeln, die sie auch schriftlich festhalten können. Solch eine Vereinbarung stärkt das Vertrauen und hilft Kindern mit dem Gerät verantwortungsbewusst umzugehen. Die Vereinbarung umfasst Punkte zu Verhalten, Sicherheit, Datenschutz, Downloads und Kosten, aber auch mögliche Konsequenzen. Vorlagen finden Eltern etwa bei mediennutzungsvertrag.de. Ebenfalls interessant: Die 18 Regeln für den Umgang mit dem Smartphone der Bloggerin Janell Burley.

Verbote hingegen helfen wenig. Wichtiger ist, dass sich Eltern dafür interessieren, wie ihr Kind das Smartphone nutzt und mit wem es in Kontakt ist sowie bei Problemen ansprechbar sind.

Nicht ständig ablenken lassen

Damit Kinder das Smartphone bewusst nutzen, können Eltern vereinbaren, dass es beim Essen, bei den Hausaufgaben oder vor dem Schlafengehen Sendepause hat. Denn Forscher haben herausgefunden, dass das gleißende Licht der Bildschirme das Hormon Melatonin unterdrücken kann, das die Schlaf- und Wachphasen regelt. Mehr dazu in unserem Extrathema Medienzeiten. Das Smartphone kann zumindest anfangs abends an einen festen Platz gelegt oder bei den Eltern abgegeben werden. Eltern sind Vorbilder, indem sie zeigen, dass man nicht ständig erreichbar sein muss.

Weitere Tipps, damit man sich nicht ständig ablenken lässt:

  • Vorher überlegen was man im Chat klärt und was lieber persönlich. Ein kurzer Anruf ist oft effektiver als ewig hin und her zu tippen.
  • Das Handy nur in bestimmten Abständen checken, z.B. morgens, mittags und abends.
  • Push-Nachrichten ausschalten, damit man nicht wegen jeder Kleinigkeit abgelenkt wird.
  • Bei Messengern im Status anzeigen, dass man beschäftigt ist, damit andere Bescheid wissen. Ausstellen, dass andere sehen, wann man zuletzt online war oder eine Nachricht gelesen hat. Benachrichtigungen in Gruppen-Chats auch zeitweise stummschalten.
  • Handyfreie Pausen bei Treffen zeugen von Respekt. Handys dabei lautlos stellen, damit der Nachrichtenton einen nicht ständig ablenkt. 

Die kostenlose Android App Menthal, von Forschern der Uni Bonn, zeigt die tägliche Nutzungsdauer des Handys, die am häufigsten verwendeten Anwendungen und Informationen zum Telefonier-Verhalten an.

Daten schützen

Gerade für die mobile Kommunikation können Eltern ihrem Kind zu einem umsichtigen Umgang mit persönlichen Daten raten. Dazu gehört ein sicheres Passwort aus Zahlen, Groß- und Kleinbuchstaben sowie Sonderzeichen zu verwenden, das man regelmäßig ändert, private Daten wie Handynummer, Standort oder Bilder und Clips von sich nicht an Fremde weiterzugeben, unbekannte Kontakte zu blockieren und Downloads oder Anmeldungen zumindest anfangs nicht allein durchzuführen. So können Eltern etwa Anwendungen auf Datenschutzrisiken oder anfallende Kosten prüfen.

Alle Tipps im Überblick

  • Wählen Sie ein Gerät, das zu den Bedürfnissen Ihres Kindes passt.
  • Aktivieren Sie Sicherheiseinstellungen und installieren Sie Jugenschutz-Apps.
  • Vereinbaren Sie klare Nutzungsregeln zu Verhalten, Sicherheit, Datenschutz, Downloads und Kosten.
  • Achten Sie auf Pausen, etwa beim Essen, bei den Hausaufgaben oder vorm Schlafengehen.
  • Machen Sie ihre Kinder auf den Schutz persönlicher Daten aufmerksam.

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Weitere Linktipps

Weitere kindgerechte Informationen bieten Portale wie www.handysektor.de. Hier finden Eltern und Lehrer auch einen digitalen "Erste Hilfe Kasten" gegen Handystress.

Erklärvideo von Dr. Allwissend zu Smartphones