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Kleine Spiele, große (Sog-)Wirkung: Spiele-Apps

In der Bahn noch eine Quizrunde lösen, einige Bonbons zum Krachen bringen oder die nächste Mission planen: Spiele-Appssind ein beliebter Zeitvertreib, sind oft aber auch Zeitfresser oder enthalten Kosten- oder Datenfallen. Diese fünf praktischen Tipps helfen Eltern Apps genau zu prüfen.

Mutter mit Söhnen vor Smartphone
© Tobias Schult / SCHAU HIN!

Millionen Spieler nutzen Spiele-Apps wie Candy Crush, die Pocket-Edition des Kultspiels Minecraft oder das Strategiespiel Clash of Clans. Und täglich kommen neue Minispiele dazu - sei es für mobile Geräte oder soziale Medien wie Facebook.

Das Spielprinzip ist meist nicht kompliziert: Bei Candy Crush gilt es, mindestens drei Süßigkeiten der gleichen Art in eine Reihe zu schieben. Diese lösen sich dann auf, so dass eine neue Süßigkeit von oben nachfallen kann. Dies setzt sich Level für Level fort. Andere Apps verfolgen ähnlich simple Spielprinzipien.

Zeit ist bei Spiele-Apps die wichtigste Ressource. Daher ist wichtig, dass Eltern ihr Kind darauf hinweisen, dass diese Spiele gezielt darauf setzen, viel Zeit und auch Geld zu investieren. Gelockt werden Spieler etwa durch Bonusgeschenke, Zusatzlevel sowie Highscores.

Woher kommt die Faszination für Minispiele?

Zwischen Flow...

Der Reiz liegt genau in dieser Einfachheit der Aufgaben. Ohne große Anleitungen oder Aufwand können Nutzer mit dem Spiel beginnen. Die ersten Levels sind meist so angelegt, dass Spieler sie leicht bewältigen. So stellt sich beim Nutzer ein "Flow-Gefühl" ein:

Im Spielverlauf kommen stetig mehr Möglichkeiten oder Problemstellungen auf den Spieler zu, bei denen er verschiedene Handlungsmuster entwickeln muss, um erfolgreich zu sein. Gelingt ihm dies, entsteht ein Flow. Diesen Begriff prägte Csikszentmihalyi: "Im Flow-Zustand folgt Handlung auf Handlung, und zwar nach einer inneren Logik, welche kein bewusstes Eingreifen von Seiten des Handelnden zu erfordern scheint. Er erlebt den Prozess als ein einheitliches Fließen von einem Augenblick zum nächsten, wobei er Meister seines Handelns ist und kaum eine Trennung zwischen sich und der Umwelt, zwischen Stimulus und Reaktion, oder zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verspürt."

Die Spieler fühlen sich in ihrer Kompetenz bestätigt, ist durch Erfolge und gehäuft auftretende positive Rückmeldungen seitens des Spiels motiviert, denken "Ich bin gut in diesem Spiel, das mache ich weiter". Sie konzentrieren sich derart auf das Geschehen am Bildschirm, dass ihre Handlungen mit dem Bewusstsein verschmelzen und sie für eine gewisse Zeit ihre reale Umwelt vergessen.

... und Frust

Der Schwierigkeitsgrad steigt im Laufe des Spiels an und unterstützt bei den Spielern den Wunsch sich stetig verbessern zu wollen. Frust entsteht, wenn sie bei der Bewältigung der Anforderungen scheitern und keine Erfolge verzeichnen. Sie müssen sich neue und zweckmäßigere Handlungsstrategien ausdenken, um im Spiel voranzukommen. Misserfolge werden zwar als emotional negativ erlebt, sie wecken jedoch zugleich den Ehrgeiz des Spielers, das bislang nicht erreichte Ziel zu schaffen.

Wechseln sich hingegen Frust- und Flow-Erlebnisse ab, kommen motivierende Prozesse in Gang. Je herausfordernder diese Frust-Hürden empfunden werden, umso größer ist die Freude über einen Erfolg. Bonusgeschenke, Zusatzlevel und kleine Hilfestellungen, wenn die Spieler nicht mehr weiter wissen, erhalten den Spielspaß dann auch in höheren Levels. Die Spieler werden nach dem Meistern einer anspruchsvollen Spielpassage direkt in ein Flow-Erlebnis katapultiert. Sie konnten ihre Fähigkeiten beweisen und sind für neue Problemstellungen motiviert.

Die Anbieter selbst werben mit Slogans wie: "Dieses Spiel macht süchtig". Und so fällt es vielen Spielern wirklich schwer die App wieder zu schließen.

App vor Download prüfen

Manche Spiele-App ist für Kinder ungeeignet, da sie Gewalt enthalten oder sich als Kostenfalle und Datenkrake entpuppen. Daher ist es ratsam, dass Eltern sich die App vorher genauer anschauen. Generell ist der Download gerade bei Kindern bis zwölf Jahren Elternsache. Damit Kinder Apps nicht selbstständig herunterladen, ist der Zugang zum App-Store mit einem Passwort zu schützen und sind Sicherheitseinstellungen zu aktivieren. Hinweise bietet SCHAU HIN!: www.schau-hin.info/sicherheit.

Hilfreich ist ein Blick auf Alterskennzeichen wie die der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) bei Google Play und beim Firefox Marketplace sowie auf Empfehlungen bei unabhängigen Portalen wie Spieleratgeber NRW, handysektor.de, app-tipps-net oder spielbar.de. Wissenswertes finden Eltern auch in der Beschreibung, den Screenshots und der Aufstellung der Datenzugriffe.

Benachrichtigungen ausstellen

Oft fordern voreingestellte Nachrichten per Push-Mitteilung die Nutzer auf, wieder ins Spielgeschehen einzusteigen. Diese sind am besten gleich bei der Installation auszustellen, um nicht in Versuchung zu geraten, mehr Zeit zu opfern und andere Dinge auf Dauer zu vernachlässigen. Klare Regeln helfen dabei: So bleibt bei Hausaufgaben oder dem Abendessen das Smartphone aus.

Werbung unter Freunden meiden

Viele Spiele-Apps fordern dazu auf, sich über soziale Netzwerke mit dem Spiel zu verbinden, um Freunde für das Spiel zu gewinnen und locken mit Belohnungen. Doch ist dies nicht zu empfehlen, da die App dann auch Zugriffe auf persönliche Daten und die Freundesliste des Profils hat und Spielinformationen oder andere Werbebotschaften im eigenen Namen verbreitet, die andere stören.

Daten schützen und Störer melden

Oft bieten diese Apps auch integrierte Chats, in denen sich Spieler mit anderen unterhalten und gemeinsam Strategien entwickeln können. Diese Chats sind für jüngere Kinder auszuschalten, da sie mit Daten- und Jugendschutzrisiken verbunden sind. Ältere Kinder ab zwölf Jahren sollen Vorsicht walten lassen und keine persönlichen Daten preiszugeben, da man nie weiß, wer sich hinter dem anderen Account verbirgt. Am besten schauen sich Eltern den Chat und den Umgangston an, um einzuschätzen, ob ihr Kind reif genug dafür ist. Beleidigungen oder Belästigungen sind dem Betreiber oder bei schweren Fällen externen Stellen wie jugendschutz.net zu melden.

In-App-Käufe kontrollieren

Viele Spiele-Apps werden mit steigendem Level immer anspruchsvoller und fordern In-App-Käufe, die Spielern Vorteile durch Bonusgegenstände, Extralevel oder Zeitersparnisse verschaffen. Um die Kosten im Überblick zu behalten, aktivieren Eltern gerade bei jüngeren Kindern eine Drittanbietersperre beim Netzbetreiber. Rat erhalten Eltern auch bei der Verbraucherzentrale, etwa auf surfer-haben-rechte.de. Ältere Kinder können Eltern darauf hinweisen, dass viele Apps auf diesem Spielprinzip basieren und erfolgreiches Spielen auch ohne Zukäufe möglich sein sollte - auch wenn es mühsamer ist. Wichtig ist, dass aus "Free-to-Play" kein "Pay-to-Win" wird.

So können Sie Ihr Kind vor Kostenfallen schützen:

  • Grundsätzlich ist die Installation von Apps bei Kindern bis etwa zwölf Jahren Aufgabe der Eltern. App-Shops sind für Kinder ungeeignet, da sie mit Angeboten konfrontiert werden, deren Folgen sie nicht abschätzen können
  • Aktivieren Sie einen Schutz für das Smartphone oder Tablet, indem sie den Zugang zum eigenen Konto im App-Shop schützen sowie technische Jugendschutz-Angebote nutzen.
  • Aktivieren Sie eine Drittanbietersperre beim Mobilfunkanbieter.
  • Bei iOS von Apple können Eltern in den Einstellungen einen Sperrcode einrichten und darüber in den Einschränkungen den Punkt „App-Installation“ abwählen, damit Kinder nicht mehr selbstständig Apps installieren können. So können Sie auch „In-App-Käufe“ sperren. Wichtig ist, unter „Kennwort erforderlich“ den Punkt „Sofort“ auszuwählen, da der Sperrcode sonst immer erst 15 Minuten nach der letzten Installation benötigt wird. Zum Erwerb von Apps ist im „App Store“ die „Apple-ID“ erforderlich, die Kindern nicht zugänglich sein sollte.
  • Bei Android können Elter im Google Play Store in den Einstellungen einen Code für die Installation von Apps einstellen. Alternativ können sie über den Menüpunkt „Filter für Inhalte“ festlegen, welche Anwendungen und Spiele ihr Kind installieren darf.
  • Auch Jugendschutz-Apps können die Installation von Apps verhindern. Zudem bietet sie über ein integriertes Jugendschutzprogramm Kindern und Jugendlichen Schutz vor unerwünschten Anrufen, Nachrichten und Webinhalten sowie die Möglichkeit, Zeitkorridore für die Nutzung bestimmter Anwendungen festzulegen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum kindgerechten Umgang mit Games und Informationen rund um die Nutzung von Smartphone und Tablets.

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