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Nacktbilder aufs Handy – Phänomen Sexting

"Sexting" beschreibt das mobile Versenden von eigenen Nacktaufnahmen unter Jugendlichen. Diese Bilder können leicht ins Internet gelangen und sind dann für jeden einsehbar, wie bekannt gewordene Fälle immer wieder zeigen. SCHAU HIN! gibt Hinweise, wie Eltern damit umgehen können.

© tarajane / Fotolia

Bei einem Berliner Fall kursierten aufreizende Bilder einer 13-jährigen Schülerin im Freundeskreis. Ihr damaliger Freund hatte sie immer wieder aufgefordert, solche Fotos von sich zu machen und ihm zu geben. Doch statt die freizügigen Bilder nur für sich zu behalten, verbreitete er sie per WhatsApp. Das Amtsgericht Charlottenburg verdonnerte ihn dafür zur Zahlung von 1000 Euro Schmerzensgeld.

Bekanntes Phänomen

"Sexting" setzt sich zusammen aus "Sex" und "texting" - dem englischen Wort für das Versenden von Textnachrichten. Jugendliche machen dabei erotische oder pornografische Bilder bzw. Videos von sich und verschicken sie per Handy an andere. Mal geht es um den privaten Foto-Austausch innerhalb einer Beziehung. Manchmal gilt es als Mutprobe innerhalb einer Clique, Aufnahmen herzustellen und zu verbreiten. Es kommt auch vor, dass Kinder und Jugendliche Sex-Bilder geschickt bekommen und belästigt werden.

Sozialer Druck und mediale Vorbilder

Jugendliche sind gerade während der Pubertät auf der Suche nach Orientierung. Sie wollen für sich herausfinden, inwiefern sie interessant und vielleicht begehrenswert für andere sind, oder sich schlicht vor anderen beweisen. Sozialer Druck, bestimmte Vorbilder für ihre Identität nachzuahmen, besteht dabei sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen. Diese Vorbilder finden sie im persönlichen Umfeld, aber zunehmend in den Medien, beispielsweise bei freizügigen Pop- und TV-Stars sowie in drastischer Form durch den leichten Zugang zu pornografischem Material im Internet.

Empfehlenswert ist die Verwendung von Jugendschutzfiltern bzw. Jugendschutz-Apps, um das Aufrufen von solchen Inhalten möglichst zu verhindern. Besonders wichtig ist zudem, dass Eltern nicht nur darauf achten, in welchem Umfeld sich ihr Kind bewegt, sondern auch, welche Stars es anhimmelt oder welche Inhalte es in den Medien konsumiert.

Strafrechtliche Folgen

In Deutschland sind das Sammeln, die Weitergabe und das Veröffentlichen pornografischer Darstellungen von Kindern und Jugendlichen strafbar. So kann der Versand und der Besitz pornografischer Aufnahmen ab Vollendung des 14. Lebensjahres strafrechtlich verfolgt werden, gerade wenn es sich um kinder- bzw. jugendpornografische Darstellungen handelt. Laut §184b StGB sind Darstellungen sexueller Handlungen von Kindern unter 14 Jahren ausnahmslos verboten. Bei Darstellungen sexueller Handlungen Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren lässt §184c StGB im Falle des Besitzes eine Straffreiheit zu, wenn die Beteiligten zum Zeitpunkt unter 18 Jahren waren und das Material mit Einwilligung der dargestellten Personen erstellt wurde. Diese kann aber etwa nach Beziehungsende widerrufen werden. Zudem gilt die Straffreiheit nicht für die Verbreitung.

Darüber hinaus gilt: Fehlt bei verschickten Bildern die Einwilligung der abgebildeten Person, bedeutet dies eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts bzw. wäre als Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs sogar strafbar nach § 201a StGB, wenn die Aufnahmen in privaten bzw. intimen Räumlichkeiten wie in der Wohnung oder beim Duschen erstellt wurden. Auch die Straftaten Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung können beim Verfremden und Verbreiten von Bildern im Rahmen von Cybermobbing berührt sein. Erziehungsberechtigte haften in der Regel nicht, da es unzumutbar ist, dass sie mediale Aktivitäten der Kinder ständig überwachen.

Tipps für Eltern

Digitale Medien wie Computer und Smartphone ermöglichen nicht nur eine einfache Aufnahme und Verbreitung, sondern auch eine schnelle und vor allem nachhaltige Weitergabe solcher Bilder und Filme. Das bedeutet, dass Heranwachsende nicht mehr kontrollieren können, wer ihre Daten sieht und wo sie zu finden sind. Das kann Betroffene lebenslang verfolgen.

1. Gespräch suchen

Wichtig ist, dass Eltern an der Online-Kommunikation ihres Kindes Interesse zeigen, mit ihm immer mal wieder über Erlebnisse dabei sprechen und ihm signalisieren, dass es sich bei Problemen jederzeit an sie wenden kann - ohne ein Handy- oder Internet-Verbot fürchten zu müssen.

Spätesten wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind solche Aufnahmen bekommt, sollten sie das Gespräch suchen. Miteinander sprechen ist wichtig, um Kindern zu vermitteln, dass es sich hier nicht um einen harmlosen Scherz handelt und Sexualität etwas sehr Persönliches ist.

2. Auf Risiken hinweisen

Mit älteren Kindern und Jugendlichen ab etwa zwölf Jahren sprechen Eltern am besten frühzeitig über den Schutz persönlicher Daten und Bilder, problematische Inhalte (Gewalt, Pornografie, Selbstgefährdung), Kontaktrisiken (Cybermobbing, Cybergrooming) und (Selbst)Inszenierungen sowie generell über Sexualität und Liebe. So ist zu beachten, dass Beziehungen sich ändern und Vertrauen enttäuscht werden kann.

Wichtig ist auch darauf aufmerksam zu machen, dass es sich bei der Weitergabe persönlichen Materials von anderen nicht um einen harmlosen Scherz handelt, sondern weitreichende Folgen haben kann. Medienberichte über Sexting-Fälle sind ideale Aufhänger.

3. Selbstbewusstsein stärken

Eltern sollten nicht aus Peinlichkeit oder Angst um ihr Kind die Augen vor der Realität verschließen und mit ihrem Kind frühzeitig über Sexualität, Liebe und Beziehungen sprechen. Dies ermöglicht erst ein gestärktes Selbstvertrauen, einen sensiblen Umgang mit dem Thema sowie die Rücksicht auf die Privatsphäre.

Eltern können ihr Kind dazu anregen, die Selbstdarstellung in den (sozialen Medien) kritisch zu betrachten und ihm erklären, dass es sich nicht zu etwas drängen lassen sollte. Schließlich ist Sexualität etwas höchst persönlich und erfordert einen sensiblen, selbstbestimmten Umgang, auch bei digitalen Fotos und Videos.

4. Sicherheitsregeln vereinbaren

Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zum Schutz:

  • Nachdenken vor dem Posten. Keine Bilder in eindeutigen Posen von sich oder anderen verschicken, die man nicht jedem zeigen würde - insbesondere keine erotischen oder pornografischen. Auf die Herausgabe persönlicher Bilder verzichten, mögliche Folgen beachten, Daten schützen und Vertrauliches lieber offline besprechen.
  • Persönliches von anderen auch so behandeln. Keine privaten Aufnahmen oder Daten verbreiten. Dies verletzt die Persönlichkeitsrechte des anderen und kann weitreichende Folgen haben.
  • Gerade bei fremden Kontakten misstrauisch sein. Man kann nie wissen, wer sich auch hinter harmlosen Benutzernamen verbirgt. Bei scheinbar bekannten Chatpartnern kann man nie sicher sein, ob es sich um diese Person handelt oder jemand mitliest und Informationen weitergibt.
  • Bei Störern in Communitys und Messengern die Ignore-Funktion nutzen, um weitere Beiträge auszublenden. Wird ein mobiler Messenger wie WhatsApp genutzt, der die Mobilfunknummer als Kennung verwendet, sollte die Nummer gesperrt werden, um weiteren Kontakt zu verhindern.
  • Jemanden ins Vertrauen ziehen und von Belästigungen berichten; etwa auch online bei juuuport.de nicht alleine regeln wollen.

5. Fotos melden

Ist der Fall eingetreten, dass erotische Fotos des Kindes oder Jugendlichen kursieren, sind nicht die Betroffenen dafür verantwortlich zu machen, sondern diejenigen, die das Foto verbreitet haben. Gehen Sie sensibel mit dieser sehr persönlichen Situation um, erkundigen Sie sich behutsam nach den Hintergründen  und beschließen Sie gemeinsam mit Iherem Kind, welche Schritte nun zu unternehmen sind.

Bei minder schweren Fällen sind zunächst die Bilder bei Diensten wie Facebook und Instagram oder Stellen wie jugendschutz.net, internet-beschwerdestelle.de, www.i-kiz.de zu melden. Zudem können die Eltern der Beteiligten, die Schulen oder Beratungsstellen hinzuzuziehen. Bei schweren Fällen können Eltern mit ihrem Kind auch eine Anzeige bei der Polizei stellen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Kind auch vor Fremden über zum Teil intime Inhalte aussagen muss.

Weitere Informationen

Hier finden Sie Wissenswertes zu Selfies und Sexting.

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