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Soziale Medien: Mehr Schein als Sein?

Essena O'Neill lebt ein glanzvolles Leben, um das sie viele beneideten, zumindest auf Instagram. Nun zeigt sie, dass viele Bilder wenig mit der Realität zu tun haben, und ruft andere auf, kritischer zu sein.

Essena O'Neill ist 19 Jahre alt und seit rund drei Jahren im Internet aktiv. Auf Tumblr postete die Australierin Bilder und beantwortete Fragen ihrer schnell wachsenden Followerschar, auf Instagram zeigte sie sich an schönen Orten, mit schönen Dingen, in schönen Kleidern. Auf YouTube veröffentlichte sie in letzter Zeit verstärkt Videos zu Themen, die ihr am Herzen liegen: Nachhaltigkeit und vegane Ernährung.

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Sie hatte 200.000 Abonnenten auf YouTube, 500.000 auf Instagram, ihre Videos haben sechsstellige Abrufzahlen, ihre Fotos Tausende Likes. Eine Online-Währung, die viel echtes Geld wert ist. Firmen zahlen gerne für Produktplatzierungen auf Fotos oder Videos, je nach Followerzahl vier- bis fünfstellige Beträge. Essena O'Neills hat diverse solcher Angebote angenommen, viele gesponserte Fotos gepostet und Marken darauf verlinkt. Nutzern wäre nicht bewusst, wie viel Geld damit umgesetzt werde, schreibt sie. Firmen gaben exakt vor, was sie zu dem Foto zu schreiben hat, wie sie das Produkt halten soll, was sie darauf tun soll.

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Welt aus Likes und Klicks

Und doch macht sie nun Schluss mit Social Media, ihr Tumblr ist gelöscht, ebenso wie die meisten ihrer Fotos auf Instagram. Die verbliebenen hat sie neu kommentiert und verrät, welche Kooperation, wie viel Arbeit und wie viel Retusche sich wirklich dahinter verbirgt. Auch auf YouTube hat sie einen Großteil ihrer Videos gelöscht und Clips gepostet, in denen sie ihre Entscheidung erklärt, auch diese sind inzwischen gelöscht. Sie sei süchtig gewesen, nach Anerkennung für ihre physische Erscheinung. Sie habe eine Idee verkauft, die Idee davon, dass schöne Menschen wichtiger seien. Und sie selbst habe sich wahnhaft über die Zahl der Likes und Kommentare definiert, sei davon fast aufgefressen worden.

Bildunterschriften enthüllen die Realität

Damti legt sie den Finger auf das Paradoxe an sozialen Medien, die einerseits Authentizität vermitteln, auf denen aber viele geschönte oder gekaufte Bildern und Profile zu sehen sind. Nichts ist unechter, inszenierter und trennender als Fotos, deren Botschaften stets lauten: Mein Leben ist viel glamouröser als deines, ich so viel schöner, fröhlicher, reicher.

Mit nachträglich hinzugefügten Bildunterschriften zu ihren Instragram-Fotos erklärt sie die Hintergründe dieser Bilder und gewährt damit einen Blick hinter die Kulissen. Zum Beispiel, welche Bilder von Firmen gekauft, welchen Hunderte Versuche vorrangegangen waren, um wie zufällige Schnappschüsse zu wirken. Gerade für junge Menschen eine wichtige, befreiende Botschaft und ein Aufruf zur Reflexion.

Mit dem Internet gegen das Internet?

Ihren Followern stellt sie auf ihrer neuen Seite letsbegamechangers.com die Aufgabe, für eine Woche auf Social Media verzichten. "Benutze dein Telefon nur dafür, Freunden zu schreiben. Kein Instagram, Tumblr, YouTube, Facebook oder Twitter. Mein ganzes Leben hat sich dadurch verändert." Gleichzeitig will sie auf ihrer neuen Seite jeden Tag ein neues Video hochladen - per Vimeo, da es hier weniger um Abonnenten und Likes gehe. Paradox, dass sie dafür erneut das Internet nutzt. Was zeigt, dass es nicht um Verzicht, sondern um einen bewussten Umgang geht.

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