Shooter- und Kriegsspiele: Was spielt mein Kind da?

In der Diskussion um für Kinder ungeeignete Inhalte spielten gewalthaltige Computer- und Videospiele, sogenannte "Ballerspiele", "Egoshooter" oder "Killerspiele" lange eine große Rolle. Um sie davor zu schützen, begleiten Eltern am besten gerade jüngere Kinder, achten auf altersgemäße Inhalte, nutzen die Möglichkeiten des technischen Jugendschutzes und setzen sich bei älteren Kindern mit der Faszination dieser Games kritisch auseinander.

Mädchen steht vor einem Bildschirm und formt mit ihren Händen eine Pistole
Andre Hunter/Unsplash

Gewalthaltige Inhalte sind in Computer- und Videospielen besonders häufig zu finden: von moderaten, kindgerechten und witzigen Formen über distanzierende Inszenierungen bis hin zu realistischen Kriegsschauplätzen und blutigen Horrorszenen. Die technologische Entwicklung erreicht dabei mittlerweile eine (super)realistische Darstellung. Wenn sich das Spielgeschehen aus der Sicht der subjektiven Kamera (in der Ego-Perspektive) entfaltet, wird die sichtbare Distanz zur realen Welt geringer und es erfordert vom Spieler größere kognitive Anstrengungen, zwischen virtueller und realer Welt zu differenzieren.

Da es sich hier um ein sehr interaktives Medium handelt, hängt die Häufigkeit und Dichte von gewalthaltigen Inhalten nicht nur von Genre und Titel, sondern auch von der individuellen Spielweise ab. Im Hinblick auf Mehrspieler- und Online-Games ist zudem die soziale Interaktion der SpielerInnen zu berücksichtigen. Diese können sich zu gewalthaltigen Aktionen animieren und auf den entsprechenden Plattformen spielintern wie -extern persönlich beleidigen. Zudem kann das Spielen unter Wettbewerbsbedingungen unabhängig vom Gewaltgehalt der Spiele die Aggressivität der SpielerInnen erhöhen. Dies gilt auch für spielbedingte Frustrationen.

Die Faszination von Shooterspielen

Folgende Aspekte können Kinder und Jugendliche an Gewaltdarstellungen faszinieren:

  • Spannung: Gewalt dient oft dazu, den SpielerInnen in das Spiel zu vertiefen. Dabei sieht sich der Spieler in seiner virtuellen Existenz gefährdet und muss alle Kraft aufbieten, dies zu verhindern.
  • Macht, Herrschaft und Kontrolle: Viele Computerspiele basieren darauf, dass SpielerInnen Macht entfalten und das Spiel kontrollieren. Gerade Jugendliche, die im Alltag ängstlich und verunsichert sind, neigen oft dazu darüber Selbstzweifel zu kompensieren.
  • Gesellschaftliche Vorbilder: Gewalt ist gesellschaftlich geächtet und doch virulent. Für viele Jugendliche sind Gewaltspiele interessant, weil sie sich so gesellschaftlich abgrenzen können.
  • Mediale Vorbilder: Die Präsentation virtueller Gewalt folgt medialen Vorbildern wie HeldInnen und dient zur Identifikation und zur Projektion eigener Fantasien von Macht und Kontrolle.
  • Dispens von Empathie: Statt Empathie verlangen viele Computerspiele taktisches Verhalten im Rahmen eines festgelegten Regelsystems. Ein virtuelles Gegenüber ist dabei Objekt; die „Spielmoral“ trennt dabei oft in vereinfachender Schwarz-Weiß-Manier „Gute“ von „Bösen“.
  • Emotionsbewältigung: SpielerInnen halten in einer real sicheren Situation bewusst die Spannung der fiktionalen Bedrohung aus und bewältigen Angst symbolisch.

Rezeption von Shooterspielen

Heranwachsende können mediale Gewalt sehr unterschiedlich erleben. Das Zusammenspiel medialer und personaler Faktoren beeinflusst, inwieweit Heranwachsende sich von den Spielen distanzieren können.  sowie geneigt sind, sich in fragwürdigen Werthaltungen und Verhaltenstendenzen bestätigt zu fühlen oder diese zu entwickeln.

  • Kontext,
  • Realitätsgrad und Alltagsnähe,
  • Inszenierung,
  • Identifikationsanreize und
  • Interaktivität

Ferner wird das Erleben medialer Gewalt von unterschiedlichen Faktoren auf Seiten der Heranwachsenden beeinflusst. Hierfür sind von Bedeutung:

  • Alter bzw. Entwicklungsstand
  • gewaltbezogene Werthaltungen und persönliche Erfahrungen mit Gewalt, oft verbunden mit der Geschlechtsrolle sowie dem soziokulturellen und sozioökonomischen Milieu
  • Erfahrung mit dem relevanten Genre
  • für die Mediennutzung relevante Motive
  • Wirkung

Wirkungsrisiken medialer Gewalt sind:

  • situative emotionale Überforderung/Verängstigung
  • Verstärkung eines bedrohlichen Weltbildes
  • Verstärkung einer Wertorientierung, die Gewalt als legitimes Mittel der Durchsetzung und Konfliktlösung akzeptiert und entsprechender Verhaltenstendenzen
  • Minderung von Empathie bzw. Abstumpfung gegenüber Gewalt.
  • Position

Begleiten Eltern ihre Kinder von Anfang an durch die Medienwelt, können sie eher darauf achten, dass sie nicht mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden und können gewaltfreie alters- und kindgerechte Inhalte anbieten. Bei jüngeren Kindern ist es besonders wichtig sie vor Gewalt zu schützen, während Eltern bei älteren Kindern und Jugendlichen Gewaltinszenierungen kritisch reflektieren können.

Der SCHAU HIN!-
Adventskalender

Jeden Tag eine spannende Frage
und viele tolle Gewinne!

Mitmachen