Digitale Medien – Perspektiven für MigrantInnen

Der Zugang zu den digitalen Medien kann jungen Menschen mit Migrationshintergrund in vielerlei Hinsicht integrierende Potenziale eröffnen – beispielsweise über die Verbindung mit Gleichaltrigen aber auch mit Fachkräften, für das Erlernen der Sprache, die Orientierung in der Aufnahmekultur und an den neuen Orten.

Zwei Teenie Maedchen haben Blumen im Haar und halten sich die Augen zu
sam-manns/Unsplash

Mediennutzung von Menschen mit Migrationsgeschichte

Studien zeigen, dass insbesondere MigrantInnen ab der zweiten Generation mehrheitlich beide Medienwelten kombinieren – die aus dem Herkunftsland und die aus Deutschland. So bleiben sie mit Verwandten und FreundInnen in der Heimat in Kontakt und halten sich andererseits über die Geschehnisse in Deutschland auf dem Laufenden.

Mediennutzung von Geflüchteten

Die starke Zuwanderung von Flüchtlingen seit 2015 hat verdeutlicht, dass das Smartphone als soziales, mediales und individuelles Kommunikationsmedium im Flucht- wie Integrationsprozess unverzichtbar ist. Internet und Handy werden dazu genutzt, mit FreundInnen und Verwandten in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. Die Bewältigung der Fluchtsituation über Apps wie Skype, Viber, WhatsApp oder Facebook wird als ebenso wichtig beschrieben. Darüber hinaus wird das Internet genutzt, um sich über die Situation in Herkunfs- bzw. Ankunftsland zu informieren. Im Ankunftsland erleichtert das Smartphone das Einleben sowie das Erlernen der deutschen Sprache, zum Beispiel mit Apps.

Potenziale nutzen

In einer Studie zur Nutzung digitaler Medien durch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt sich, dass der Zugang zu den digitalen Medien in vielerlei Hinsicht integrierende Potenziale eröffnet – beispielsweise über die Verbindung mit Gleichaltrigen aber auch mit Fachkräften, für das Erlernen der Sprache, die Orientierung in der Aufnahmekultur und an den neuen Orten.

Digitale Medien haben sowohl eine verbindende Funktion (im Kontakthalten mit der Herkunftsfamilie, Verwandten an anderen Orten und Freunden) als auch eine Brückenfunktion in die Aufnahmegesellschaft haben. Die Brückenfunktion, die erweiterte soziale Beziehungen eröffnet und neue Kenntnisse, Unterstützungsoptionen und Fähigkeiten zugänglich macht, wird bislang erst teilweise durch die jungen Flüchtlinge aber auch seitens der für sie Verantwortlichen durch eine gezielte Gestaltung von entsprechenden Angeboten wahrgenommen.

Gute Gesprächssituationen schaffen

Kinder lernen von Personen, sie brauchen die Beziehung zu vertrauten Menschen. Am besten vermitteln Menschen mündliche Sprache und Sprechstile. Gerade bei jüngeren Kindern sind vertraute Erwachsene die idealen Gesprächspartner. Suchen Sie sich gemütliche und ruhige Orte, um miteinander zu erzählen, setzen sie sich gegenüber zu Ihrem Kind und halten Sie Blickkontakt.

Wichtig ist, dass man deutlich und in ganzen Sätzen spricht gegenseitig aufmerksam zuhört, auf den Gesprächspartner eingeht und den anderen zu Wort kommen lässt. Zeigen Sie Zustimmung mit kleinen Lautäußerungen und kurzen Rückfragen. Wenn Sie die Aussagen in der richtigen Form wiederholen, nehmen die Kinder diese Korrekturen positiv wahr.

Mehrsprachige Angebote für Kinder

Suchen Sie gemeinsam mit Kindern Medieninhalte aus, die zum Mitmachen einladen und gezielt die Sprache fördern.

Mini Sprachkurse

Auf der Website für Kinder in Niedersachsen werden kurze Sprachkurse für verschiedene Sprachen angeboten. Von A wie Arabisch bis V wie Vietnamesisch - der ein oder andere Satz ist hier schnell gelernt!

Hier geht’s zur Website.

Amira

Amira bietet kostenfreies Lesen auf vielen verschiedenen Sprachen an. Gemeinsam tolle Geschichten lesen oder aber lustige Spiele spielen - das geht nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Türkisch, Russisch, Italienisch, Arabisch oder Englisch!

Hier geht’s zur Website.

Maus International

Die Maus ist sowohl bei Älteren als auch Jüngeren sehr beliebt. Damit auch anders-sprachige Kinder die spannenden Geschichten verstehen, wurde die Maus übersetzt. Die lustigen Lach- und Sachgeschichten gibt es nun auf verschiedenen Sprachen: Arabisch, Kurdisch, Dari, Englisch und Französisch.

Hier geht’s zur Website.

Radijojo

Radijojo ist ein vielsprachiges Online-, Radio- und Medienangebot von Kindern für Kinder. Der Sender versteht sich als gemeinnütziges, nicht-kommerzielles Mediennetzwerk extra für Kinder. Sein Sitz ist in Berlin – von da aus wird in die ganze Welt gesendet.

Hier geht’s zur Website.

Die bösen Wölfe

Kinder- und Jugendreporter zwischen 9 und 16 Jahren berichten auf dieser Internetseite auf Deutsch, Französisch und Polnisch. Die bösen Wölfe sind Kinderreporter, die sich vor nichts fürchten. Es gibt spannende Reportagen zu entdecken. Thematisiert wird auch das Verhältnis der drei Länder zueinander.

Hier geht’s zur Website.

TV & Film

Eltern können gemeinsam mit ihren Kindern eine Fernsehsendung anschauen und sich währenddessen mit dem Kind über das Programm unterhalten. Sie regen dadurch eine sprachliche Auseinandersetzung über die Inhalte der Sendung an. Durch den Einsatz von DVDs oder Streaming können Sendungen sehr gezielt eingesetzt werden. Eltern haben somit auch die Möglichkeit, eine Sendung in der Familiensprache anzubieten. Ebenso können sie die Fernsehzeit individuell auf ihr Kind anpassen und sind in Zeitpunkt und Uhrzeit flexibel.

  • Bei ard.de gibt es eine Sammlung arabisch-eTV-Inhalte, auch speziell für Kinder.
  • Seit 2015 gibt es die tägliche Kindernachrichtensendung "logo!" mit arabischen und englischen Untertiteln. Abrufbereit sind die einzelnen Ausgaben jeweils am folgenden Morgen im Internet.
  • Cinemanya bietet einen Filmkoffer für geflüchtete Kinder und Jugendliche.

Hörspiele & Musik

Eltern können ihre Kindern Hörspiele (auf CD, als MP3 oder via Streamingdienst) oder Musik anbieten. Durch gemeinsames Hören der Geschichten oder Lieder, wird über die Inhalte gesprochen oder mitgesungen.

Internet & Software

Auch durch Lernsoftware wird die Sprachkompetenz (in Wort und Schrift) gefördert (z. B. schlaumaeuse.de). Im Gespräch mit anderen Eltern können Tipps über geeignete Software ausgetauscht werden. Orientierung bieten auch Softwarepreise wie „digita“, „TOMMI“, „Giga-Maus“.

  • A M I R A ist ein Leseprogramm für Grundschüler in neun Sprachen
  • Mini-Sprachkurse bietet auch das Land Niedersachsen online

Apps & Bücher

Eltern können ihrem Kind aus Büchern vorlesen oder gemeinsam ein Bilderbuch oder eine Bilderbuch-App ansehen. Viele Bilderbuch-Apps bieten interaktive Funktionen an, etwa das Ein- und Ausschalten der Vorlesestimme, Spielelemente, Töne und Geräusche oder die Möglichkeit, die eigene Stimme aufzunehmen – so können sie gemeinsam etwa die Geschichten in unterschiedlichen Sprachen neu vertonen. Allerdings handelt es sich bei diesen Apps eben nicht um Bilderbücher, sondern um ein digitales Medium. Darum ist bei der Auswahl darauf zu achten, dass die Effekte verstanden und richtig verarbeitet werden.

Der SCHAU HIN!-
Adventskalender

Jeden Tag eine spannende Frage
und viele tolle Gewinne!

Mitmachen