Das Phänomen Selfie: Was müssen Eltern wissen?

„Selfies“ (engl. Kurzform für Selbstportrait) gibt es schon lange. Durch Selbstdarstellung im Internet bekommen die Selbstportraits einen neuen Aufschwung. Jugendliche nutzen Selfies im Internet zur Selbstdarstellung, um andere in Echtzeit zu beteiligen, zu Kommunikation anzuregen, Botschaften zu vermitteln und Zuspruch zu erhalten. Kritisch zu betrachten ist, wenn Kinder und Jugendliche darüber vergessen, die dokumentierten Lebensmomente zu genießen, sich unter Druck gesetzt fühlen, ständig etwas von sich zu posten und anderen etwas Außergewöhnliches zu bieten sowie darüber vergessen, dass Bilder auch schnell in falsche Hände gelangen können.

Zwei asiatisch aussehende Kinder stehen vor einem Gebäude und machen ein Selfie
Tim Gouw/Unsplah

Trend in Sozialen Netzwerken

Bei Instagram aber auch in anderen Sozialen Netzwerken posten Jugendliche Selfies oft unter einem bestimmten Schlagwort. Daraus entstehen Trends und Phänomene, wie Bilder in bestimmten Posen (z.B. #duckface) und Situationen, etwa beim Essen oder im Fitnessstudio sowie im Rahmen von Challenges. Kommerzielle Anbieter nutzen den Trend für ihr Marketing, um etwa für Wettbewerbe zu bestimmten Selfies aufzurufen. Manchmal dienen sie auch im Sinne des „Social Marketings“ angeblich einem sozialen Zweck um zu Spenden aufzurufen, etwa das „No-Makeup-Selfie“ zugunsten der Krebshilfe, oder auch um auf Missstände aufmerksam zu machen, wie etwa einen übersteigerten Körperkult (#nothighgap).

Selbstdarstellung kritisch betrachten

Manche Jugendliche eifern Stars wie Rihanna, Miley Cyrus oder Justin Bieber nach, die regelmäßig Selfies posten, um die Beziehung zu ihren Fans und das eigene Image zu pflegen. Die scheinbar spontan aufgenommenen Bilder scheinen perfekt. Kinder und Jugendliche können die Inszenierung, welche dahinter steckt, nur schwer durchschauen.

Eltern können ihr Kind dazu anregen, nicht jeden Trend mitmachen zu müssen. Grundsätzlich gilt: Jugendliche sollten gerade auf allzu private Bilder verzichten. Diese sind sehr persönlich und haben im Netz nichts zu suchen. Vor dem Posten sollten sie sich genau überlegen, ob man etwa die Partybilder der letzten Nacht auch Fremden zeigen würde.

Besonders Kinder sollten vor dem Posten genau überlegen.

Bildrechte anderer beachten

Oft sind auf den Schnappschüssen auch andere Personen zu erkennen, deren Rechte am eigenen Bild gewahrt werden müssen. Denn fehlt bei verschickten Bildern die Einwilligung der abgebildeten Person, bedeutet dies eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts und des „höchstpersönlichen Lebensbereichs“, wenn die Aufnahmen in privaten Räumlichkeiten erstellt wurden. Hierauf und damit möglicherweise verbundene rechtliche Konsequenzen sollten Eltern ihre Kinder hinweisen.

Regeln vereinbaren

Wichtig ist, dass Eltern mit ihrem Kind besprechen, welche Motive und Kanäle passend sind, sowie welche Konsequenzen das Verschicken und Hochladen persönlicher Bilder haben können. Denn Bilder, die einmal ins Netz gestellt wurden, lassen sich kaum wieder entfernen. Andere können sie speichern, verfremden oder bearbeiten. Gleichzeitig sollten Eltern mit ihrem Kind Regeln für Soziale Netzwerke vereinbaren. So sollte es sparsam mit eigenen Daten umgehen, stets mögliche Folgen der Weitergabe beachten und Vertrauliches lieber offline besprechen. Zudem sind Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Snapchat sowie mobile Messenger wie WhatsApp für Kinder unter 13 Jahren generell nicht geeignet und erlaubt. Ihre Daten können schnell in fremde Hände gelangen und sie können auf diesen Plattformen leicht durch fremde Nutzer kontaktiert werden.

Unangenehme Bilder melden

Am besten signalisieren Eltern ihrem Kind, jederzeit bei Problemen zu helfen, ohne dass es gleich ein Internet- oder Handyverbot fürchten muss. Kursieren Bilder online, die einem unangenehm sind, können Eltern oder Jugendliche selbst diese dem Betreiber oder Stellen wie jugendschutz.net oder internet-beschwerdestelle.de nutzen und bei schwereren Fällen auch der Polizei melden. Facebook und Instagram bieten etwa die Möglichkeit, Inhalte zu melden.

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