Sexting: Vorsicht bei Nacktbildern!

Viele Heranwachsende stellen sich selbst dar und teilen diese Bilder. Manche erstellen – etwa im Rahmen intimer Beziehungen oder aus Neugier – auch erotische oder pornografische „Selfies“ oder kurze Videos und versenden sie über Messenger oder Nachrichten in Sozialen Netzwerken. Dieses „Sexting“ genannte Phänomen kann leicht zu Cybermobbing oder dem Erpressen weiterer Aufnahmen führen und unangenehme Folgen für alle Beteiligten haben.

Ein Maedchen liegt auf ihrem Bett
Kinga Cichewitz/Unsplash

Das Phänomen Sexting

„Sexting“ (Mischform aus „sex“ und „texting“, englisch für das Schreiben von Kurznachrichten) bezeichnet allgemein das einvernehmliche Versenden von sexuellen Inhalten an andere Personen, meist handelt es sich dabei um sexuelle Aufnahmen oder Nacktbildern des eigenen Körpers. In der Regel geht es beim Sexting um den privaten Foto-Austausch innerhalb einer Beziehung oder darum zu flirten.

Welche Beweggründe gibt es?

Sexting entsteht meist aus Neugier oder auch sozialem Druck: Viele Jugendliche setzen sich mit ihrer Sexualität auseinander – dazu gehört die Frage, ob man für andere interessant und begehrenswert ist. Was begehrenswert ist, definieren sie für sich, orientieren sich dabei aber auch oft an Vorbildern. Diese finden sie im persönlichen Umfeld, aber auch in den Medien, etwa bei freizügigen Pop- und Film-Stars, begehrenswerten Influencenr in Sozialen Netzwerken sowie durch pornografisches Material im Internet.

Welche Risiken hat Sexting?

  • Cybermobbing
    Den VersenderInnen ist oft nicht bewusst, dass Sexting leicht zu Cybermobbing führen kann, wenn die Bilder weiterverbreitet werden. Das hat psychische, soziale und mitunter auch rechtliche Folgen für alle Beteiligten. Was als Liebesbeweis zwischen PartnerInnen oder aus Neugier geschieht, kann als belästigend empfunden oder etwa aus Rache nach einer gescheiterten Beziehung auch leicht für Cybermobbing genutzt werden, um die abgebildete Person zu diffamieren, indem die Aufnahmen weitergeleitet oder online verbreitet werden.
  • Sextortion
    Der Begriff „Sextortion“ beschreibt die sexualisierte Ausbeutung von Menschen mittels Nacktbildern oder anderem pornografischem Material. Durch Erpressung wird Geld gefordert und mit der Veröffentlichung oder Verbreitung des expliziten Materials gedroht. Im Falle von minderjährigen Opfern werden auch vermehrt weitere, explizitere Bilder gefordert. Die Aufnahmen können schnell an Fremde gelangen, die diese Bilder sammeln und online teilen.
  • Diebstahl oder Hacken
    Auch der Diebstahl diffamierender Fotos etwa durch HackerInnen oder der Verlust des Handys ohne Sperre kann zum Problem werden, wenn diese veröffentlicht werden

Wie steht es um den rechtlichen Hintergrund?

Aus rechtlicher Sicht ist Sexting problematisch, da sich aus dem zuerst einvernehmlichen Tausch expliziter Aufnahmen schnell Cybermobbing entwickeln kann. Der Versand und der Besitz pornografischer Aufnahmen ab Vollendung des 14. Lebensjahres kann strafrechtlich verfolgt werden, gerade wenn es sich um kinder- bzw. jugendpornografische Darstellungen handelt.

Laut §184b StGB sind strafrechtliche Folgen zu erwarten, wenn beim Sexting Darstellungen von Kindern unter 14 Jahren hergestellt, versandt und aufbewahrt werden.

Zu kinderpornografischen Darstellungen zählen dabei Darstellungen von sexuellen Handlungen, die Wiedergabe eines ganz oder teilweise unbekleideten Kindes in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung sowie sexuell aufreizende Wiedergaben unbekleideter Genitalien oder des Gesäßes.


Das Gleiche gilt in der Regel für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren, wenn die Darstellungen sexuelle Handlungen oder die betreffende Person ganz oder teilweise unbekleidet in einer unnatürlich geschlechtsbetonten Körperhaltung wiedergeben. Bei jugendpornografischen Darstellungen lässt §184c StGB nur im Falle des Besitzes eine Straffreiheit zu, wenn das Material mit Einwilligung der dargestellten Personen ausschließlich zum persönlichen Gebrauch erstellt wurde. Die Einwilligung kann aber, etwa nach Beziehungsende, widerrufen werden. Zudem gilt die Straffreiheit nicht für die Verbreitung.

Darüber hinaus gilt im Falle des Cybermobbings: Fehlt bei verschickten Bildern jeweils die Einwilligung der abgebildeten Person, bedeutet dies eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts bzw. wäre als Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs sogar strafbar nach § 201a StGB, wenn die Aufnahmen in privaten bzw. intimen Räumlichkeiten wie in der Wohnung oder beim Duschen erstellt wurden. Auch die Straftaten Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung können beim Verfremden und Verbreiten von Bildern im Rahmen von Cybermobbing berührt sein. Eltern haften in der Regel nicht, da es unzumutbar ist, dass sie mediale Aktivitäten der Kinder ständig überwachen. Jedoch können Jugendliche selbst neben strafrechtlichen Folgen auch Schadensersatzansprüchen der betroffenen Person ausgesetzt sein.

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