TikTok: Das steckt hinter der Trend-App

Seit 2018 erobert die App „TikTok“ die Pausenhöfe und klettert in den Download-Trends auf die vorderen Plätze. In Deutschland ist die App bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Allerdings sehen sich die Anbieter auch mit Kritik konfrontiert – da sich manche der jungen Nutzer freizügig präsentieren und die App vermehrt mit Werbeinhalten durchzogen wird. Zuvor war die Plattform unter dem Namen „Musical.ly“ bekannt.

Zwei Maedchen machen ein Selfie
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Das soziale Netzwerk TikTok (ehemals Musically bzw. Musical.ly) hat deutsche Pausenhöfe erobert. Laut JIM-Studie 2017 nutzen fünf von 100 Jungen und 17 von 100 Mädchen zwischen zwölf und 19 Jahren die App mindestens einmal wöchentlich.

Mit TikTok können kurze, 15-sekündige Videoclips selbst erstellt werden, die mit Lieblingssongs unterlegt werden. Anfangs wurden vor allem Playback-Clips zu Chart-Songs aufgenommen und hochgeladen. Mittlerweile laden viele NutzerInnen auch Fußball-Clips oder Do-It-Yourself-Videos hoch, auch Themen wie Sport oder Comedy erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Neben der Erstellung von Videos bietet die App auch eine Menge Interaktionsmöglichkeiten.

Warum die App bei Kindern und Jugendlichen so beliebt ist, ist leicht zu verstehen. Witzige, spontane Selbstdarstellung auf der Bühne macht vielen Spaß. Zudem kann man seine Stars nachahmen, Pannen und witzige Szenen als Gags einbauen und wird zusätzlich von der Community wahrgenommen, von der man im Idealfall positives Feedback bekommt.

So funktioniert TikTok (ehemals Musical.ly)

Aus Millionen Songs kann auf dem Smartphone der Lieblings-Song ausgewählt werden. Danach lässt sich offline ein Playback-Video erstellen. Effekte, wie Filter, Zeitraffer oder Zeitlupe ermöglichen eine einfache kreative Bearbeitung des Videos. Bei TikTok geht es anders als beim Vorgänger Musical.ly auch um Comedy und Unterhaltung. Nicht nur Musik-Videos, sondern auch kurze lustige oder beeindruckende Clips sind bei den NutzerInnen beliebt.

Die Clips können auf Instagram, Facebook, Twitter und WhatsApp geteilt werden.Über die interne Suche können über Stichworte oder Hashtags immer neue Videos gefunden werden. Im integrierten Chat oder über die Kommentare zu einzenlen Clips tauschen sich die NutzerInnen aus.

 

Netzwerk mit eigenen Stars

Schaut man sich die Charts von TikTok an, wird deutlich, dass die am meisten geteilten Clips hohe Anzahl an „Herzen“, die Likes und Followern haben. Unter den erfolgreichsten deutschen NutzerInnen sind die Schwestern Lisa und Lena, Lukas Rieger, Florian Kaulen und Falco Punch. Auch die YouTuberin Nicole Sto oder Joely White verfügen über relevante Reichweiten. Zu den amerikanischen Stars zählen etwa Kristen Hancher und Justin Blake.

Die berühmten NutzerInnen von TikTok sind zu Influencern geworden. Durch ihre Bekanntheit haben sie auch in anderen Sozialen Netzwerken viele Follower.: Viele nutzen ihre Reichweite und verdienen mit Produktplatzierungen in ihren Beiträgen viel Geld. Doch besonders Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, diese Werbeinhalte von anderen Inhalten der Influencer zu unterscheiden.

Likes und Fans bekommen – so funktioniert es

Es gibt zahlreiche Tipps im Internet zum erfolgreichen Ausbau des eigenen Accounts. Unter anderem wird geraten, so viele Videos wie möglich zu posten, immer wieder mit neuen Ideen zu überraschen und die Clips spontan zu drehen. Auch Authentizität und Lockerheit vor der Kamera versprechen Erfolg.

Darüber hinaus kann an so genannten „Challenges“, also Wettkämpfen, teilgenommen werden. Hier geht es darum, zu einem bestimmten Thema einen Clip zu kreieren. Die Challenges sind mit Hashtags verbunden, die als Suchfunktion fungieren.

Privatmodus oder öffentliches Profil?

Aufgrund der standardmäßigen Voreinstellungen sind neu angelegte Profile öffentlich. Dies bedeutet, dass jede/r die eigenen Beiträge sehen, kommentieren und liken kann – auch ohne ein eigenes TikTok-Konto zu besitzen. Im öffentlichen Modus können alle ZuschauerInnen das Video auch außerhalb der App sehen, z.B. auf Instagram oder Facebook.

Profile in der App können auch auf „privat“ gestellt werden bzw. einfach nur zum selbstanschauen gespeichert werden. Bei letztere Version wählt derjenige, der das Video erstellt, selbst, wem er seinen Clip präsentieren möchte.

Im „Privatmodus“ sehen nur Leute, die dem Profil schon folgen bzw. die, die angenommen werden, welche Clips hochgeladen wurden. Da es aber wie in anderen Sozialen Netzwerken auch bei TikTok vor allem um die Anzahl der Follower geht, raten leider immer wieder beliebte NutzerInnen, das Profil öffentlich zu machen und möglichst viel preiszugeben.

In-App-Käufe

In Apps können Inhalte erworben werden. Die Abrechnung erfolgt über den App Store.

Um bewunderte NutzerInnen zu unterstützen, können die überwiegend minderjährigen NutzerInnen zudem In-App-Käufe tätigen, zum Beispiel um ihren Stars virtuelle Geschenke zu machen. Der Beschenkte erhält hierdurch – nach Abzug von Gebühren für den App-Anbieter – Geld, welches ihm oder ihr gutgeschrieben wird. Darüber hinaus gibt es für Spezialeffekte in TikTok Apps und Programme, die sich über In-App-Käufe finanzieren.

 

Mangelhafter Jugendschutz

TikTok schreibt in seinen AGB ein Mindestalter von 13 Jahren vor. Für Jugendliche unter 18 Jahren setzt die App in ihren AGB zudem explizit eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten voraus. Das Alter wird jedoch nicht geprüft beziehungsweise genügt die Angabe eines falschen Geburtsdatums. Auch die Einverständniserklärung der Eltern untersteht keiner Prüfung. Nicht wenige NutzerInnen sind zudem deutlich jünger, als das Mindestalter der App vorgibt.

Gerade viele Kinder und Jugendliche geben zudem viel von sich preis, um interessant für andere ZuschauerInnen zu sein und somit mehr Likes und Fans zu bekommen. Die Musikvideos sind öffentlich zugänglich, die Minderjährigen gehen häufig unbedacht mit ihren Kontaktdaten um, veröffentlichen im Chat oder in ihren Profilen persönliche Daten wie Messenger-IDs, um sich beliebter zu machen.

Missbrauchsvorwürfe gegen die App

Die Vorgänger-App musical.ly stand öffentlich in der Kritik, zu wenig für den Jugendschutz zu unternehmen. Unter Hashtags wie #bellydance und #bikini fanden sich in der App immer wieder Videos von Minderjährigen, die vermeintlich aufreizend zu populären Songs tanzen und singen. Kritiker sehen darin eine Gefahr für Missbrauch. Cybergrooming kann die Folge sein, die Videos aber auch zu anderen Zwecken missbraucht werden. Viele Videos zeigen Kinder, die offenbar jünger als 13 Jahre sind.