Wann sind Kleinkinder groß genug für die Medienwelt?

Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien in Berührung. Eltern fragen sich oft, ab welchem Alter Medienkonsum sinnvoll ist und welche Medieninhalte oder –geräte sich eignen. Wir empfehlen, Kinder gerade anfangs zu begleiten, Mediengeräte zu sichern und Angebote gut auszuwählen.

© DURIS Guillaume / Fotolia
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Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien in Berührung. Da Eltern und Geschwister diese Medien oftmals regelmäßig nutzen, wird dadurch auch ihr Interesse geweckt. Zwar ist das Fernsehen nach wie vor Leitmedium bei Kleinkindern, die einfach zu bedienenden Smartphones und Tablets spielen aber auch eine immer größere Rolle. Eltern und Erziehende sind oft verunsichert, ab wie viel Jahren Medienkonsum sinnvoll ist und welche Medieninhalte oder –geräte geeignet sind.

Medien: früher, öfter und länger

Ausstattung

In Haushalten, in denen Zwei- bis Fünfjährige leben, steht eine Vielzahl an Geräten zur Mediennutzung zu Verfügung. Fernseher, Handy bzw. Smartphone sowie Computer bzw. Laptop sind in fast allen Haushalten zu finden, gut neun von zehn Haushalten verfügen über einen Internetzugang oder ein Radio, in gut vier Fünftel der Haushalte gibt es einen CD-Player oder DVD-Player und zwei von fünf Familien besitzen eine Spielkonsole. Die Kinder selbst besitzen selten eigene Mediengeräte, knapp ein Viertel hat einen eigenen Kassettenrekorder oder CD-Player.

Beschäftigung

Der Alltag der Zwei- bis Fünfjährigen wird vom Spielen bestimmt. Außerdem ist die Beschäftigung mit Büchern (anschauen/vorlesen: 87%) sowie Fernsehen (79%) stark im Alltag der Kinder verankert.
Neben Fernsehen spielen auch kreative Tätigkeiten wie Malen, Basteln und Zeichnen (75%) sowie Treffen mit Freunden (68%) eine wichtige Rolle, insbesondere bei den Vier- bis Fünfjährigen. Nach Angaben der Haupterzieher sehen Mädchen und Jungen durchschnittlich 43 Minuten pro Tag fern (2-3 Jahre: 34 Min., 4-5 Jahre: 52 Min.), ihre ersten Fernseherfahrungen haben die Kinder im Schnitt mit 2 Jahren gemacht.

Fernsehen

Der „KiKA“ von ARD und ZDF ist der beliebteste Fernsehsender der Kinder. Bei den liebsten TV-Sendungen ist „Unser Sandmännchen“ bei den Zwei-bis Dreijährigen auf dem ersten Platz. Mit Abstand folgt „Die Sendung mit der Maus“ vor „Wicki und die starken Männer“, der „Sesamstraße“ oder „KiKANiNCHEN“. Die älteren Kinder favorisieren schon eine viel größere Bandbreite an verschiedenen Sendungen.

Bücher

Bücher haben für die Vorschulkinder einen zentralen Stellenwert. Die Hälfte der Zwei- bis Dreijährigen und gut ein Drittel der Vier- bis Fünfjährigen beschäftigt sich (fast) jeden Tag mit Büchern, dabei liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer nach Aussage der Haupterzieher bei 26 Minuten. Außerdem ist das Buch das Medium, das bei der gemeinsamen Nutzung mit den Eltern zusammen die größte Rolle spielt. Die Lieblingsbücher der Kinder kommen hauptsächlich aus dem Genre der Tier- oder Bauernhofgeschichten.

Digitale Geräte

Spielkonsolen, Computer, Tablet-PCs, Smartphones und das Internet werden nach Angaben der Haupterzieher nur von einem sehr kleinen Teil der Kinder genutzt. Mehr als 80 Prozent der Kinder haben noch keinerlei Erfahrungen mit diesen Medien gemacht. Unabhängig von der Nutzung der Kinder haben die Eltern konkrete Einstellungen und Meinungen zum Thema Computer und Internet. So sind knapp neun von zehn Haupterziehern der Meinung, das Internet sei für Kinder gefährlich. Drei Viertel meinen, Kinder sollten nur im Netz unterwegs sein, wenn auf dem PC ein spezielles Filterprogramm installiert ist. Nur 13
Prozent der Eltern würden ihrem Kind erlauben, das Internet ohne Aufsicht zu nutzen.

Kompetenz der Eltern

Beim Thema Kompetenzvermittlung sehen die Eltern sich selbst und später die Schule gleichermaßen in der Pflicht. Das Thema liegt unter 24 vorgegebenen Themenfeldern auf einem mittleren Rang. Ihren persönlichen Wissensstand bewerten knapp drei Viertel der Haupterzieher als sehr gut oder gut. Trotz hohem Kenntnisstand würden zehn Prozent der Eltern sehr gerne und 55 Prozent gerne weitere Informationen zu diesem Thema erhalten. Bei der Information ist für zwei Drittel der Austausch mit anderen Eltern wichtig, die Erzieher im Kindergarten oder in der Krippe sind für 43 Prozent relevant.

Praktisch alle Haupterzieher nutzen das Internet zumindest selten zuhause oder am Arbeitsplatz. Drei von fünf Internetnutzern sind bei einer Community wie Facebook angemeldet. Auf dem eigenen Profil in der Community haben dann 41 Prozent Informationen über ihr Kind eingestellt – meist Kinderfotos, aber auch Informationen über Erlebnisse sowie Videos, in denen das Kind zu sehen ist. Eingestellte Informationen über das Kind sind bei 83 Prozent nur für die Kontaktliste und nicht für alle Community-Nutzer sichtbar. Dies sind Ergebnisse der miniKIM-Studie 2014.

Kinder gut begleiten

Gerade Kleinkinder brauchen ganzheitliche Erfahrungen wie gemeinsame Spiele in der Familie, Entdeckungen in der Natur und Sport. Dazu können auch Medien gehören, wenn sie begleitet, die Geräte gesichert und die Inhalte gut ausgewählt sind. Dabei sind Tablets leichter und intuitiver zu bedienen als Laptops oder Computer. Diese sind erst ab dem Vorschulalter geeignet.

SCHAU HIN!-Tipps im Überblick

Gerade bei den allerersten Schritten in der Medienwelt sind die aktive und aufmerksame Begleitung der Eltern gefragt, geeignete Inhalte und ein überschaubares Maß gefragt.

  • Kinder immer begleiten: Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind bei den ersten Erfahrungen im Umgang mit Medien stets begleiten und das Erlebte auch gemeinsam verarbeiten. Nur so erfahren Eltern, welche Inhalte das Kind überfordern, denn Kleinkindern fällt es noch sehr schwer, zwischen Realität und Vorstellung zu trennen.
  • Geräte gut sichern: Sicherheitseinstellungen an Mediengeräten vornehmen und Jugendschutzprogramme installieren. Die Internetverbindung deaktivieren, wenn diese nicht gebraucht wird.
  • Altersangaben beachten: Eine erste Orientierung bieten die Altersfreigabe bei Games bzw. die Altersfreigabe bei Filmen. Dies ist auf den Verpackungen oder in den App-Stores zu finden. Dies ist jedoch nur eine erste Orientierung und sagt nichts über die Qualität der Inhalte aus. Wichtig ist, daher dass Eltern diese auch selbst ausgiebig testen und erst danach gemeinsam mit dem Kind nutzen.
  • Inhalte genau prüfen: Gute Angebote sind optisch ansprechend gestaltet, intuitiv zu bedienen und selbsterklärend, knüpfen direkt an die Lebenswelt der Kinder an und ermöglichen es, eigene Erlebnisse darauf zu beziehen, etwa eine Tier-App mit dem Besuch des Streichelzoos, enthalten wenig Text, machen Spaß, vermitteln spielerisch Wissen, sind werbefrei, enthalten keine ungeeigneten Verlinkungen, z.B. zu Social Media, anderen Erwachsenenseiten oder Shops und sind aktuell (gilt nur für Webseiten). Tempo und zeitlicher Umfang der einzelnen Hörstücke, Filme oder Spiele müssen auf das Alter abgestimmt sein. Empfehlungsportale helfen bei der Auswahl.
  • Zeiten vereinbaren: Gerade Kleinkinder brauchen enge Zeitfenster, da Medien sie auf Dauer überreizen. Bei Kindern bis fünf Jahren sind maximal eine halbe Stunde Mediennutzung genug und das auch nicht täglich.
  • Download ist Elternsache: Das Herunterladen von Apps ist immer Aufgabe der Eltern. Vor der Installation darauf achten, ob die App In-App-Käufe enthält und gegebenenfalls nicht installieren. In den App Stores von Google und Apple muss mittlerweile angegeben werden, ob In-App-Käufe in der App möglich sind. Diese können deaktiviert (iOS) oder zumindest mit einem Passwort versehen (Android) werden.

  • Vorbild sein: Kinder orientieren sich stark an ihren Eltern, auch bei der Mediennutzung. Deshalb ist ein bewusster Umgang auch für sie zu empfehlen, um ihrem Kind als Vorbild zu dienen. Oft ist einem nicht bewusst, wie oft man z.B. das Smartphone oder den Fernseher nutzt.

  • Abwechslung bieten: Die digitale Welt kann das Spielen im Garten und auf dem Spielplatz, Treffen mit Freunden oder das gemeinsame (Vor-)Lesen nicht ersetzen. Doch falls Eltern mal keine Zeit zum Vorlesen haben, gibt es Clips zu Kinderbüchern von LivingKidsBooks.

Studien und Literatur

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: miniKIM 2014

BMFSFJ-Broschüre "Ein Netz für Kinder. Surfen ohne Risiko?", 2013

Aufenanger, Stefan: Digitale Medien im Leben von Kindern zwischen null und fünf Jahren. In: merz Frühe Medienerziehung digital 2013/02.

Theunert, Helga / Demmler, Kathrin: "(Interaktive) Medien im Leben Null- bis Sechsjähriger – Realitäten und Handlungsnotwendigkeiten". In: Herzig, Bardo/Grafe, Silke: Digitale Medien in der Schule. Standortbestimmung und Handlungsempfehlungen für die Zukunft. Studie zur Nutzung digitaler Medien in allgemeinbildendenden Schulen in Deutschland

Stiftung Medienpädagogik Bayern: Vorschulkinder und ihre Medien, 2013

Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen: „MIT MEDIEN LEBEN LERNEN - Tipps für Eltern von Kindergartenkindern“ (deutsch, türkisch, russisch), Autorinnen Renate Röllecke, Anja Pielsticker, Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V. (GMK)