Medienhelden

© Fotolia/Myst
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Neben Menschen aus dem eigenen Umfeld spielen Vorbilder aus den Medien gerade für viele Heranwachsenden eine wichtige Rolle. Viele sind quasi omnipräsent und im Fernsehen, im Internet, in der Presse und auf Plakaten zu sehen. Für Eltern ist wichtig, dass sie verfolgen, welche Idole warum bei ihrem Kind gerade angesagt sind, ob diese dem Alter des Kindes angemessen sind und darauf achten, dass diese nicht zu den einzigen Orientierungspersonen zählen. Hilfreich ist mit dem Kind deren Rolle in den Medien zu diskutieren.

Vorbilder im TV

Während ihrer persönlichen Entwicklung orientieren sich Kinder und Jugendliche oftmals
an Vorbildern und Idolen. Diese können Modell für das eigene Verhalten sein oder sie
bilden Projektionsflächen für Wünsche und Träume. Die Wahl des Vorbilds hängt stark vom jeweiligen Alter der Kinder, ihren Vorlieben, ihrem Umfeld und nicht zuletzt vom Zeitgeist ab. Außerdem gibt es oft Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Im Vor- und Grundschulalter bevorzugen Jungen meist mutige (Anti-)Helden wie Spiderman oder Bart Simpson, Mädchen tendieren eher zu weiblichen Figuren wie Prinzessin Lillifee und Bibi Blocksberg oder zu kindlich, niedlichen (Tier-)Figuren wie dem Hasen Felix oder Puh dem Bären. Wichtig ist hierbei vor allem, dass Kinder einen Bezug zu ihren eigenen Erfahrungen und ihrem Umfeld herstellen können.

Laut KIM-Studie 2016 schwärmen zwei Drittel der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren besonders für eine bestimmte Person oder Gruppe. Mit 39 Prozent kommt diese am häufigsten aus dem Bereich Film und Fernsehen. Jedes vierte Kind nennt eine Person aus dem Bereich Sport, jeder Fünfte bewundert eine Person oder Gruppe aus der Musikbranche. Für jedes zehnte Kind kommt die besonders verehrte Person aus dem privaten persönlichen Umfeld und fünf Prozent favorisieren Figuren aus Büchern oder Comics. Mädchen und Jungen suchen sich ihre Vorbilder in verschiedenen Bereichen: Während Sportidole für Jungen eine sehr große Projektionsfläche bieten, schwärmen Mädchen für Personen aus der TV-, Kino- oder Musikbranche. Mit steigendem Alter der Kinder werden Vorbilder aus dem privaten Umfeld sowie aus Büchern oder Comics seltener genannt, während die Nennung von Idolen aus den Bereichen Musik und Sport zunimmt.

Laut einer Studie von Maya Götz sind Medienhelden besonders für Kinder interessant, wenn diese

  • auch in ihrem Umfeld, also bei Freunden und Freundinnen, beliebt ist,
  • wenn sie jemand ist, mit dem man gern befreundet wäre,
  • wenn man sich von der Figur etwas abgucken kann,
  • wenn Kinder sich in ihrem Erlebten wiederfinden.

Vorbilder im Internet

Unter Jugendlichen in Deutschland ist laut JIM-Studie 2016 YouTube die beliebteste Online-Plattform. Zu den beliebtesten Youtube-Kanälen in Deutschland zählen solche von Menschen um die 20, wie LeFloid, Ratgeber Sami Slimani, die singenden Zwillinge DieLochis, Videospieler Simon Unge oder die Modebloggerin Daaruum. Das zeigt auch, welche Form von Clips besonders beliebt sind: Tutorials von Technik- oder Beauty-Experten, Comedy und Let's Plays. Dabei sind Youtuber oft Vorbilder, bester Kumpel, großer Bruder und Ersatzelternteil in einem. Jugendliche fühlen sich ihnen näher als Popstars oder Fernsehschönheiten, da sie direkt zu ihren Fans sprechen und mit ihnen auf Youtube und anderen sozialen Netzwerken kommunizieren und manchmal auch bei Kummer beraten.
YouTube-Stars nutzen auch Live-Streaming-Dienste wie YouNow, Twitch oder Apps wie Snapchat, um ihr Leben online zu teilen und die Community mit einzubeziehen. Das kann gerade junge Nutzer dazu animieren, selbst Bilder und Clips von sich online zu veröffentlichen und dabei tiefe Einblicke in ihre Privatsphäre zu geben. Das birgt Risiken für Datenschutz, Mobbing oder Belästigung.

Einige Mode- und Lifestyle-Youtuber betreiben gezieltes Product Placement, indem sie ihre Einkäufe in die Kamera halten. Diese Videos werden „haul“ genannt, deutsch „Ausbeute“. Sie können Jugendliche beeinflussen, zumal sie selten als Werbung oder „Sponsored Post“ gekennzeichnet sind.Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Extrathema „Online-Werbung“.

Die erfolgreichsten deutschen YouTuber

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Körperkult in den sozialen Netzwerken

Der überhöhte Körperkult, vor allem in sozialen Netzwerken wie Instagram, YouTube oder Facebook, kann Jugendliche verunsichern und Komplexe verstärken. Stereotype Beispiele in sozialen Medien dienen vielen Heranwachsenden als Kompass für ihr Körperbild: Mädchen streben dünne Körperideale an, während Jungen sich in dominanten Posen und Muskelspielen üben. Medienbilder von Stars und Altersgenossen wirken für Kinder und Jugendliche als Norm dessen, was sozial akzeptiert und nachahmenswert erscheint. Dass diese Ideale inszeniert sind und keinen „Normalfall“ darstellen, lässt sich für viele Heranwachsende nur schwer durchschauen. Eltern sollten solche Schönheits- und Körperideale sowie die Inszenierung in sozialen Netzwerken gemeinsam mit dem Kind kritisch hinterfragen.

Position von SCHAU HIN!

Kinder brauchen positive Orientierungshilfen beim Heranwachsen und Erlernen sozialer Kompetenzen. Idole aus der Medienwelt helfen den Kindern mit Stärke, Fantasie und Humor beim Großwerden und zeigen, dass man durch eigene Leistung etwas erreichen kann, sollten aber nicht die einzigen Bezugspunkte sein.
Orientieren sich Jugendliche an besonders attraktiven und stereotypen Personen, die sich auffällig inszenieren, kann sie das unter Druck setzen. Wichtig ist daher, solche Stereotype zu thematisieren und Kinder und Jugendliche darin zu bestärken sich kritisch mit Körperkult und medialem Schönheitswahn auseinander zu setzen. Wichtig ist, dass Eltern das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen dadurch stärken, dass sie sie in ihren Fähigkeiten und Neigungen anerkennen. Dadurch fühlen sich die Kinder ernstgenommen und sind besser geschützt  davor, Unsicherheiten durch die Nachahmung überhöhter oder fragwürdiger Idealfiguren ausgleichen zu wollen.

Tipps

  • Auf altersgerechte Medienhelden achten: Empfehlenswert sind Medienhelden, die zum Alter, den Vorlieben und den gerade aktuellen Themen der Kinder passen.
  •  Interesse zeigen: Ungeachtet des Alters ist es wichtig, dass Eltern sich für die aktuellen Vorbilder aus der Medienwelt interessieren und Kinder nach ihren Beweggründen fragen.
  • Über Hintergründe aufklären: sowie ältere Kinder und Jugendliche über Marketing und Inszenierungen informieren und ihnen vermitteln, dass diese auch kritisch zu reflektieren.
  • Selbstbewusstsein stärken: das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen durch Anerkennungen ihrer Fähigkeiten und Neigungen stärken.

Vom Selfie bis zum Fatkini - Körperkult im Internet

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