Partizipation mit Medien: Mitmachen und informieren

Medien ermöglichen und erleichtern Information, Austausch und Teilhabe, auch für Kinder und Jugendliche. Kinder wollen sich mit zunehmendem Alter gesellschaftlich und politisch orientieren und eigene Positionen entwickeln, mit anderen diskutieren und auf gesellschaftliche Prozesse Einfluss nehmen. Eltern können dieses Bedürfnis unterstützen, indem sie kindgerechte Angebote empfehlen und gemeinsam über aktuelle Ereignisse sprechen.

© Dmitry Naumov / Fotolia
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Zuletzt aktualisiert am 08.03.2016

Medien sind wichtig für die Teilhabe an Gesellschaft. Kinder und Jugendliche brauchen Möglichkeiten, an Medien auch über die Anwendung kommerzieller Angebote hinaus, kritisch und gestaltend zu partizipieren. Eltern können dieses Bedürfnis unterstützen, indem sie kindgerechte Angebote empfehlen und gemeinsam altersgerecht über aktuelle Ereignisse sprechen.

Formen und Kriterien der ePartizipation

Partizipation im Netz ist sehr vielfältig, gerade was den Entscheidungsgrad betrifft. Wichtig ist, dass Nutzer tatsächlich etwas zu entscheiden haben, es einen klaren Bezug zur Lebenswelt der Adressaten gibt, die Fragestellungen thematisch eindeutig sowie grundlegende Informationen erreichbar sind und es ein transparentes, verständliches Verfahren mit eindeutigen, verbindlichen Regeln gibt.

Dabei gibt es verschiedene Formen der ePartizipation:

  • Jugendliche werden zur Dekoration von Ergebnissen, die andere ohne Einbeziehung der Betroffenen beschlossen haben, instrumentalisiert. Kommunikation statt Partizipation. Öffentliche Repräsentation erduldeter bis vermeintlich zugestimmter Anliegen.

  • „Clicktivism“– durch (aufgefordertes) Liken von Beiträgen und Aktionen wie (Online-)Petitionen von avaaz.org oder campact.de Zustimmung signalisieren und für virale Verbreitung sorgen

  • „Crowdsourcing“ bzw. „Crowdfunding“, um gemeinsam nach Ideen und (Produkt-)Lösungen zu Suchen bzw. Projekte zu finanzieren und dadurch daran teilzuhaben.

  • Simulierte (Online-)Wahlen etwa über www.u18.org oder www.wahl-o-mat.de machen mit Parteien und deren Positionen sowie mit eigenen Standpunkten vertraut

  • „Liquid Democracy“ als digitales „basisdemokratisches“ Politikmodell mit flexiblen, themenbezogenen Verfahren der Meinungs- und Mehrheitsfindung, z.B. www.adhocracy.de

Tipps

Engagement fördern

Eltern können über Medien ihr Kind dabei unterstützen, sich und seine Umwelt zu erschließen, für seine Interessen einzutreten und sich auch für andere zu engagieren. Da, wo Kinder- und Jugendliche ein Thema für sich entdeckt haben, wo sie Stellung beziehen und sich engagieren wollen, sind Medien zentrale Mittel, liefern Anlässe, Werkzeuge und Plattformen, das eigene Umfeld neu zu entdecken und die eigene Sichtweise zu zeigen. In vielen Kommunen gibt es zudem Kinder- und Jugendparlamente, -foren, -sprechstunden in den Rathäusern oder Kinderbeauftragte. Eltern können mit ihrem Kind herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, z.B. auf www.kinderrechte.de/kinderpolitische-landkarte

Partizipation in der Familie leben

Demokratie wird überall gelernt, auch in der Familie. Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligen und ihre Ideen und Vorstellungen soweit möglich berücksichtigen.

Über Kinderrechte aufklären

Eltern können mit passenden Angeboten über Kinderrechte aufklären. Die sichere Mediennutzung von Kindern betrifft dabei das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung, indem Kinder passende altersgerechte Unterhaltungsangebote nutzen. Dies gilt auch für das Recht, sich zu informieren und sich mitzuteilen, etwa über Kinderseiten und Kindersuchmaschinen. Zum Recht auf Privatsphäre gehört auch, auf den Datenschutz etwa im Internet oder in sozialen Netzwerken zu achten.

Auf kindgerechte Informationen achten

Kinder sind zunehmend daran interessiert, was in der Welt geschieht. Doch brauchen sie kindgerechte Informationen ohne schockierende Bilder und mit verständlichen Erklärungen, wie sie Nachrichtensendungen und –seiten für Kinder bieten. Am besten begleiten Eltern die Information über das aktuelle Geschehen und stehen für Nachfragen zur Verfügung. Erwachsenennachrichten sind für Kinder bis etwa zehn Jahre ungeeignet.

Zu kritischer Medienreflektion animieren

Eltern können anknüpfend an aktuelle Berichte und Debatten um Urheberrecht, Überwachung und Datenschutz ihr Kind darin bestärken als Verbraucher und Nutzer von Medienangeboten kritisch und versiert im Netz zu agieren, Informationen gut zu recherchieren und Quellen zu prüfen. Seriöse Informationen für Jugendliche bieten etwa www.fluter.de oder die Portale der Landeszentralen für politische Bildung.

Hintergrund

Mediennutzung für Informationen zum aktuellen Geschehen

KIM 2014: 6- bis 13-Jährige
28 Prozent der Kinder sind interessiert an Aktuellem, also „was in der Welt gerade passiert“. 53 Prozent schauen Wissenssendungen, darunter „Galileo“ (17 %), „logo!“ und „Wissen macht Ah“ (je 13 %), „Die Sendung mit der Maus“ (12 %), „Löwenzahn“ (10 %) oder „Willi wills wissen“ (7 %) sowie „WOW Die Entdeckerzone“ von Super RTL (6 %). 34 Prozent der Internetnutzer suchen in Suchmaschinen Nachrichten und Meldungen, 27 Prozent nutzen Wikipedia.

JIM 2015: 12- bis 19-Jährige
Laut JIM-Studie 2015 interessieren sich 83 Prozent für das aktuelle Zeitgeschehen, 59 Prozent für Bundes-, 54 Prozent für Lokalpolitik. Das Fernsehen ist bei aktuellem Zeitgeschehen und Bundespolitik das beliebteste Informationsmedium, die Tageszeitung bei der Lokalpolitik. Für Informationen im Netz nutzen Jugendliche Portale von Zeitschriften und Tageszeitungen sowie von Fernsehsendern, etwa spiegel.de, N24.de, ARD.de, Tagesschau.de, ZDF.de oder heute.de, aber auch Youtube.

Mediennutzung Jugendlicher für Themen gesellschaftlicher und politischer Relevanz

Die Shell-Jugendstudie 2015 zeigt, dass 41 % der 12- bis 25-jährigen Jugendlichen sich für Politik
interessieren. Über Politik und Gesellschaft informieren sich 37 % der Jugendlichen täglich bzw.
mindestens einmal in der Woche im Internet.

Internetnutzung Jugendlicher im Rahmen gesellschaftlichen und politischen Engagements

Jugendliche, die sich für soziale oder politische Angelegenheiten oder für die Umwelt einsetzen
wollen, nutzen häufig auch das Internet dafür. Sie zeigen ihre Meinung, z.B. indem sie einer
entsprechenden Gruppe in einer Community beitreten (44%), sich an Diskussionen im Netz beteiligen (27%) oder andere auf Online- oder Offline-Aktionen (17%) aufmerksam machen oder eine Online-Unterschriftenliste unterschreiben (11%).

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Websites zu Politik für Kinder

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