Kinder und Sport in den Medien

Sportliche Großereignisse werden intensiv durch die Medien begleitet. Auch viele Kinder und Jugendliche fiebern bei Übertragungen mit und nehmen sich Sportler als Idole.  Auch die Inszenierung von Sportstars in sozialen Medien sowie die Vermarktung und Werbung mit Sportlern ist bei Kindern und Jugendlichen ein wichtiges Thema.

© drubig-photo / Fotolia
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Zuletzt aktualisiert am 28.07.2016

Laut Interviews von FLIMMO unter 63 Mädchen und Jungen zwischen 6 und 13 Jahren zum Thema „Sport und Medienkonsum“ gaben zwei Drittel an, dass sie eine Sportlerin oder einen Sportler besonders mögen. Darunter finden sich vor allem Fußballer wie Manuel Neuer, Lionel Messi, Mario Götze, Robert Lewandowski, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Douglas Costa, Marco Reus und Cristiano Ronaldo. Bei ihren Idolen achten die Kinder nicht nur auf die sportlichen Fähigkeiten, sondern auch auf die charakterlichen Eigenschaften. Besonders beeindrucken Charisma, ein „guter“ Charakter und der Wille zum Erfolg. Doch es gibt auch Kritik, wenn Leistung oder Teamgeist zu wünschen übrig lassen, Sportler eingebildet wirken oder sich aggressiv verhalten.

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Sport im Fernsehen oder in anderen Medien ist Kindern auch als Motivationshilfe, Informationsquelle und Anregung für die eigenen sportlichen Aktivitäten wichtig. Der überwiegende Großteil der Mädchen und Jungen schaut regelmäßig Sportsendungen im Fernsehen, vor allem Sportübertragungen. Fußball ist dabei die Nummer eins, darunter Bundesliga, Champions League oder Länderspiele wie zur Europa- oder Weltmeisterschaft, aber auch Boxkämpfe und Autorennen stehen auf dem Programm. Im Sendungsrepertoire der Kinder finden sich auch fiktionale Angebote mit Sportbezug wie die Trickserie "Die wilden Kerle" oder die Tanzserie "Dance Academy", aber auch Unterhaltungssendungen wie die Tanzshows "Got to Dance" und "Let’s Dance".

 

Sport in Medien kann inspirieren, packende Geschichten erzählen um Leistung, Wettkampf, Technik und Teamwork. Die soziale Interaktion, das Mitredenkönnen und das emotionale Mitfiebern machen dabei für viele den Reiz aus. Erleben Eltern diese Ereignisse mit ihrem Kind teilen sie diese Erlebnisse und erfahren, wie ihr Kind mit Spannung und Siegen oder Niederlagen umgeht. Dies eignet sich auch gut, um über Toleranz, Respekt und „Fair Play“ sowie Vermarktung und Inszenierungen zu sprechen sowie als Motivation selbst Sport zu treiben.

Tipps

Fernsehzeiten planen und Prioritäten setzen

Wichtig ist, dass Eltern langfristig gemeinsam mit ihrem Kind planen, was sie anschauen dürfen, die Wünsche der Kinder einbeziehen und Kompromisse suchen. So kann man vereinbaren, dass sie nur Wettkämpfe mit ihrem Idol oder ihrer Lieblings-Mannschaft sehen. Auch während sportlicher Großereignisse gibt es Pflichten wie Schulaufgaben, die erledigt werden müssen, am besten vor dem Fernsehen, wenn Kinder noch konzentriert sind. Auch darauf achten, dass wirklich nur der Sport im Mittelpunkt steht und nicht die Werbung oder lange Vor- und Nachberichte. Fernsehfreie Tage sind wichtig, um auch einmal abzuschalten.

Ausnahmen abwägen und sich absprechen

Bei Übertragungen zu später Stunden spielt eine große Rolle, was am nächsten Tag ansteht, etwa eine Klassenarbeit. Am besten sprechen sich Eltern mit Lehrern und anderen Eltern im Klassenverbund ab. Ist die Übertragung zu spät für das Kind, gilt es konsequent zu bleiben und zu erklären, dass Schlafmangel zu schlechter Laune führt und die Schule am nächsten Tag noch anstrengender macht. Stattdessen kann man zusammen die Aufzeichnung ansehen. Fernsehen vorm Zubettgehen sonst meiden, da Kinder dann oft schlechter einschlafen. Wollen Eltern oder jugendliche Geschwister nicht auf die spätabendliche Live-Übertragung verzichten, versteht es sich, dass sie dies den Jüngeren nicht unter die Nase reiben.

Emotionen teilen und selbst sportlich sein

Die Übertragung eines sportlichen Wettkampfs kann sehr emotional sein. Vor allem Grundschulkinder und Jüngere können sich noch nicht so von der Situation distanzieren und reagierten daher mitunter sehr emotional. Es ist wichtig, dass Eltern mit ihrem Kind diese Gefühle gemeinsam ausleben, es bei einer Niederlage trösten und Siege gemeinsam bejubeln. Das Spiel eignet sich auch gut, um über Fairplay sowie gute Verlierer oder Gewinner zu sprechen. Darauf achten, dass Kinder viel aufschnappen, auch wenn etwa vorm Fernseher geflucht wird.

Über Vorbilder sprechen

Kinder und Jugendliche orientieren sich oft an sportlichen Vorbildern, die zudem während sportlicher Großereignisse in den Medien omnipräsent sind. Es gibt sie auch auf Plakaten, als Aufsteller und Sammelbilder oder in Computerspielen. Kinder brauchen positive und altersgerechte Orientierungshilfen beim Heranwachsen und Erlernen sozialer Kompetenzen. Idole aus der Sport- und Medienwelt können helfen den Kindern mit Stärke, Fantasie und Humor beim Großwerden, sollten aber nicht die wichtigsten Bezugspunkte sein. Die Wahl des Vorbilds hängt stark vom Alter der Kinder, ihren Vorlieben, ihrem Umfeld und vom Zeitgeist ab. Interessant ist für Eltern, warum Kinder bestimmte Vorbilder haben. Damit erhalten Eltern Einblick, welche Eigenschaften, Charaktere usw. den Mädchen und Jungen wichtig sind und was sie antreibt.

Eltern können Kinder im Umgang mit Vorbildern unterstützen, indem sie mit ihnen über deren Image in den Medien sprechen und sie dazu animieren, deren Inszenierung in sozialen Medien und Vermarktung über Werbung kritisch zu betrachten. Wichtige Denkanstöße sind, sich in die Medienhelden hineinzuversetzen: Welche Anforderung bedeutet das für die Sportler, was erwarten die Zuschauer? Wie genau werden sie beobachtet, welche Privatsphäre bleibt ihnen? Wie funktionieren Sportstars als Werbe- und Imageträger für Marken? Welche Rolle spielen dabei die Medien und wie präsentieren sie Helden und Verlierer?

Die Orientierung an Idolen kann sich positiv auf die Entwicklung von Heranwachsen auswirken, indem sie lernen, dass man durch eigene Leistung etwas erreichen kann. Wichtig ist nur, dass sie sich von ihnen nicht einschüchtern lassen oder ihrem Vorbild zu sehr nacheifern, etwa was das Äußere betrifft. Doch wichtiger als die Markenkleidung und Frisur der Stars ist das eigene Selbstvertrauen und das Selbstvertrauen, seinen eigenen Weg zu finden.

Selbst Sport treiben

Wichtig ist auch der nötige Ausgleich, um sich auszutoben, etwa beim gemeinsamen Bolzen. Eltern können ihr Kind daher bestärken, Sport im Fernsehen auch als Motivation und Anregung für eigene sportliche Aktivitäten zu nehmen, auch um einen gesunden Ausgleich zu schaffen. Wenn sie selbst Fußball spielen oder anderen Sport im Verein ausüben, lernen sie viel über Sozialverhalten, sich in einer Gruppe einzufinden, gemeinsame Ziele zu verfolgen, Herausforderungen zu meistern, mit Niederlagen umzugehen und Erfolge zu feiern, also ihr eigener Held zu sein.

Werbemechanismen erklären

Ob Süßigkeiten, Spielzeug oder Sammelbilder: Viele Unternehmen nutzen sportliche Großereignisse für die Bewerbung ihrer Produkte und fokussieren dabei gerade auch die jüngere Zielgruppe. Das Marketing vollzieht sich über unterschiedliche Kanäle, vom TV-Spot über das Internet bis zum Supermarkt. Am besten nutzen Eltern den Anlass, um mit ihrem Kind darüber sprechen, wie Marken das Sport-Fieber geschickt nutzen, um Kunden zu gewinnen und an sich zu binden. Man kann auch fragen: Muss es gerade dieses Trikot oder dieses Stickeralbum sein? Was ist wirklich dran an diesem Produkt? Ist es vielleicht nur interessant weil es überall angepriesen wird und Freunde damit angeben?

Zusammen kreativ sein

Eine gute Alternative ist, Dinge selbst zu entwerfen, etwa ein selbst gebastelter Tischkicker. Das Netz bietet dazu viele Anleitungen, Basteltipps und Zeichenvorlagen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern schafft auch schöne gemeinsame Erlebnisse. Oder man sucht in der Familie die witzigste und merkwürdigste Werbeaktion während eines sportlichen Großereignisses und spricht darüber.

Sich über Land und Leute informieren

In den Medien wird auch immer viel über das Land berichtet, in dem das sportliche Großereignis befindet. Kinder können dafür altersgerechte Webseiten, Sendungen und Bücher nutzen.

Weitere Informationen aus den Studien

Knapp die Hälfte der Befragten schaut ihren Favoriten jede Woche an bzw. so oft das Angebot im TV kommt. Die andere Hälfte gibt an, ihre Auswahl ab und zu anzuschauen. Wurden Spiele wegen der Zeitverschiebung spät übertragen, mussten manche Kinder darauf verzichten. Ausnahmen gibt es etwa beim Finale der Fußball-WM und Deutschlandspielen. Meist sehen die Kinder die Sendung mit Vater und/oder Mutter oder den Geschwistern. Die meisten schauen gern zusammen, weil es mehr Spaß macht, das gemeinsame Erlebnis durch den Austausch intensiviert wird und man zusammen auch Frustsituationen besser bewältigen kann. Zudem kann man sich über Spielverläufe austauschen oder langweilige Phasen und Werbepausen überbrücken.

Zwei Drittel der Befragten geben an, auch digitale Sportspiele zu spielen. Unter den Spielenden finden sich etwas mehr Jungen als Mädchen. Gespielt wird vor allem auf Konsolen wie Wii, Playstation und Xbox aber auch auf Tablet und Smartphone. Unter den Lieblingsgames befinden sich vor allem Fußballspiele (verschiedene FIFA-Versionen, Football Academy oder Pass 2015) sowie unterschiedliche Sportdisziplinen für die Wii (von Tanz über Wintersport bis Tennis, Bowling, Basketball) vorne. Mit großem Abstand folgen Auto- oder Motorradrennspiele (Asphalt 8, Need for Speed). Gespielt wird alleine, aber auch mit Freunden, dann vor allem im Multiplayer-Modus.

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