Spiele-Plattform „Steam“: Wissenswertes für Eltern

Auf der Spiele-Plattform „Steam“ stehen Games kleiner und großer Spiele-HerstellerInnen zum Kauf und Download zur Verfügung, aufgrund problematischer Inhalte steht sie immer wieder in der Kritik. Die Plattform reguliert kaum, welche Spiele hochgeladen werden. Genau dieses fehlende Eingreifen wird oft missbraucht und es kommt immer wieder zu Uploads von gefährdenden Inhalten. SCHAU HIN! erklärt, was es für eine sichere Nutzung zu beachten gilt.

Computerspiel auf einem PC-Bildschirm
Sean Do/Unsplash

Was ist „Steam?“

Bei Steam handelt es sich um die größte internationale Online-Spiele-Plattform. Über 30.000 Spiele verschiedenster Genres und Anbietender werden hier durch die Betreibenden Valve zur Verfügung gestellt. Durch lockere Upload-Regelungen haben nicht nur große, bereits etablierte Game-DesignerInnen die Möglichkeit ihre Spiele anzubieten. Auch kleine sogenannte „Indie“-Spiele bekommen hier die Chance auf ein großes Publikum und einen möglichen Durchbruch. Über die Plattform können außerdem Filme gekauft werden und nebenbei gibt es regelmäßig News aus der Spiele-Welt. Steam ermöglicht NutzerInnen, Spiele innerhalb kürzester Zeit zu kaufen, herunterzuladen und direkt zu spielen. Der geschätzte Community-Aspekt der Plattform entsteht durch Spielgruppen, Clans, spielinterne Chats und den allgemeineren Steam Chat, in dem Diskussionen zu Inhalten und Neuigkeiten der Games-Welt abgehalten werden. Auch Live-Stream-Möglichkeiten stärken die Gemeinschaft innerhalb der Seite. Rund 100 Millionen monatliche NutzerInnen freuen sich außerdem über Early-Access-Angebote, also den früheren Zugang zu Spielen, welcher jedoch meist gegen einen Aufpreis erworben werden muss. Steam unterstützt außerdem die Arbeit von Spiele-EntwicklerInnen, indem es mit Steamworks Werkzeuge zum Game-Design und zum Hochladen eigener Spiele zur Verfügung stellt.

Plattform „Steam“ birgt viele Risiken

Troll

Person, die online gezielt provoziert, beleidigt und Unwahrheiten verbreitet. „Trolls“ bleiben in der Regel anonym und sind in Foren, Kommentarspalten und Chats aktiv. Ihre Motivation ist meist ein Wunsch nach Aufmerksamkeit.

Wenige Regeln, viele Probleme

Unter der sehr großen Vielfalt an Spielen auf Steam sind einige für Kinder ungeeignet und teilweise sogar gefährdend. Auf Steam gibt es kaum Regelungen, die bestimmen, was hochgeladen werden darf und was nicht. In einem Statement sagen die Betreibenden Valve, dass ihrer Meinung nach der richtige Ansatz wäre, zunächst alles zu erlauben. Die einzigen Ausnahmen seien Inhalte, die sie als illegal oder „trolling“ einstufen.

 

Altersfreigabe

Auch gibt es Probleme mit der Altersfreigabe der Plattform. Genutzt werden darf sie offiziell ab 13 Jahren, jedoch stehen auch Inhalte zur Verfügung, die erst ab 18 freigegeben sind. Das Alter der Spielenden wird zwar abgefragt, jedoch nicht zuverlässig geprüft. Lediglich ein Geburtsdatum müssen Spielende eingeben, wenn sie Spiele nutzen wollen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Dieses können sie natürlich auch erfinden und sich so Zugriff zu ungeeigneten Inhalten verschaffen.

Abgesehen von gefährdenden Inhalten ist die Plattform auch in Sicherheitsfragen kritisch zu betrachten. Die durchgehende Verbindung zum Internet und die hohe Anzahl aktiver NutzerInnen macht Steam zu einem beliebten Ziel für HackerInnen.

Problematische Inhalte

Berlin 1936

Vom 14. bis zum 22. August 2019 war es möglich auf Steam für 16,79 Euro das Spiel Berlin 1936 zu kaufen. Spielende nehmen die Rolle von Adolf Hitler ein, der die Olympischen Spiele 1936 in Berlin eröffnet. Laut Spielentwickler El Oliver dient das Spiel zur Aufklärung und Bildung. Die einzige Option, um Wissen im Spiel zu erlangen sind jedoch Wikipedia-Artikel, die sich zu verschiedenen Gebäuden abrufen lassen. Es gibt die Möglichkeit, den Hitlergruß zu zeigen und dann von allen Umstehenden mit diesem gegrüßt zu werden. Auch sind in fast jedem Spielausschnitt mehrere Hakenkreuze zu sehen. Das Gremium der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien prüft das Spiel, um herauszufinden, ob es sich um Verherrlichung des Nationalsozialismus handeln könnte. Solange diese Überprüfung stattfindet, ist das Spiel auf Steam für den deutschen Markt gesperrt.

Rape Day

Anfang des Jahres stand Steam wegen eines anderen problematischen Spiels in der Kritik. Bei Rape Day können Spielende in die Rolle eines Serienmörders schlüpfen und während einer Zombie-Apokalypse wehrlose Frauen vergewaltigen und umbringen. Nach einem Aufschrei der Steam-Community und auf Social-Media-Seiten sowie viel medialer Kritik an der Plattform, entschloss Valve, den Titel nicht weiter über Steam zu vertreiben.
Doch auch weniger extreme Inhalte können für junge NutzerInnen ein Risiko darstellen. Kinder können beispielsweise Gewalt und Brutalität in Shooter- und Killergames noch nicht klar von ihrer Realität trennen und erfahren so Überforderung oder Verängstigung. Ohne die nötige Aufklärung und Begleitung durch Eltern und Erziehende kann bei Kindern der Eindruck entstehen, dass Gewalt auch in realen Auseinandersetzungen ein Lösungsansatz sein kann.

Kann Steam kindgerecht genutzt werden?

Sicherheitsvorkehrungen treffen

Neuerdings gibt es auf Steam mehr Möglichkeiten für Kinder- und Jugendschutzeinstellungen. Es können nicht altersgerechte Spiele durch eine PIN gesichert werden. Auch die registrierte Kreditkarte kann gesperrt werden, um ungewollte Käufe zu verhindern. Auch verschiedene Online-Funktionen wie der Steam-Shop, Chats und Gruppen, von anderen NutzerInnen eingestellte Inhalte und Online-Freundschaften können gesperrt werden. Außerdem gibt es jetzt auch einen Family-Modus, in dem einzelne, von Eltern und Erziehenden ausgesuchte Spiele gespeichert und genutzt werden können. Alle anderen Inhalte der Plattform sind in diesem Modus nicht zugänglich.

Die Funktion SteamLeft gibt Spielenden einen Überblick über ihre Spielzeiten. Hier wird berechnet, wie viel Zeit benötigt werden würde, um alle in der Bibliothek gespeicherten Spiele durchzuspielen. Die meist erschreckend hohen Zeitangaben machen bewusst, wie viel Zeit ins Spielen investiert wird. Nebenbei gibt es humorvolle Vergleiche, was in der gleichen Zeit auch getan werden könnte: „Jede einzelne Episode der Simpsons siebenmal anschauen“ oder „29-mal quer durch Russland reisen“.
Leider fehlt bei Steam bislang die Möglichkeit, Spiele nach USK-Kennzeichen zu filtern.

Kinder beim Spielen begleiten

Am besten erkunden Eltern neue Spiele gemeinsam mit ihren Kindern. So zeigen sie Interesse an der Faszination der Heranwachsenden und vermitteln, dass sie bei Problemen mit dem Spiel als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Eltern können während dem gemeinsamen Spielen auf die Reaktionen der Kinder achten und so besser einschätzen, welche Inhalte sie eher überfordern oder verängstigen. Auch vor dem gemeinsamen Spielen können Spiele durch Altersfreigaben und Beschreibungen oder Trailer von den Eltern als geeignet oder ungeeignet eingeschätzt werden. Angaben zum Alter der Spielenden sollten jedoch lediglich als erste Einschätzung und nicht als vertrauenswürdige Empfehlung gesehen werden.

Spielzeiten vereinbaren

Oft fesseln Inhalte Spielende so sehr, dass sie am liebsten stundenlang in der fiktiven Welt verbringen würden. Viele Spiele-Hersteller belohnen ihre SpielerInnen auch mit Zusatzlevels und besonderen Inhalten für langes Spielen. Eltern können gleichwertig attraktive Alternativen anbieten, die im realen Leben stattfinden. So können die jungen GamerInnen einen Ausgleich zu Herausforderungen in der digitalen Welt schaffen. Wenn die Regelung der Nutzungszeiten zum Problem wird, könnte ein Mediennutzungsvertrag eine Lösung sein. In diesem können Eltern und Kinder ihre Anliegen einbringen und am Ende unterschreiben. Bei manchen Spielen empfiehlt es sich, keine Vereinbarung über die Zeit, sondern über die Rundenanzahl zu treffen.

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