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Lernen mit Medien

Internet, Fernsehen, Apps und Games sind in unserem multimedialen Alltag ein ständiger Begleiter. Meist dienen sie dem freizeitlichen Zeitvertreib, doch die Medien können mehr: Sie helfen beim lernen, verbessern mitunter die Denkleistung und einige Games machen uns sogar kreativer.

© fotolia/contrastwerkstatt

Alles über Lernmedien

Viele Eltern haben ihre Bedenken, ob Medien das Lernen wirklich fördert. Dabei kann z.B. Videomaterial komplizierte Mechanismen gut veranschaulichen und können interaktive Games den Entdeckergeist wecken. Wichtig ist, dass das Kind sich durch die Medien motiviert fühlt, sich neues Wissen anzueignen und Spaß dabei hat. SCHAU HIN! empfiehlt, offen zu sein für Lernmedien, bei der Auswahl aber kritisch zu schauen, ob das Angebot den Interessen und dem Wissensniveau des Kindes entspricht.

Was sind nun Lernmedien?

Fast alle Medienangebote vermitteln Wissen, wenn auch nicht immer bewusst: soziale Rollen, Handlungsorientierungen und Weltbilder finden sich in vielen TV-Serien, Games oder sozialen Medien. Zudem erlernt man durch die Nutzung mit digitalen Medien einen kompetenten Umgang damit. Unter Lernmedien versteht man jedoch im engeren Sinne Angebote, die bewusst auf Wissensvermittlung abzielen, wie beispielsweise Wissenssendungen wie Die Sendung mit der Maus, Vokabeltrainer auf dem PC und als App oder ein Geografie-Quiz im Internet. Dabei kann zwischen verschiedenen Vermittlungsstrategien unterschieden werden: explizit und wissenszentriert (didaktisch oder dokumentarisch) oder implizit und unterhaltend, z.B. eingebettet in fiktionale Geschichten oder in Spiele und Shows.

Was macht ein gutes Lernmedium aus?

Lernmedien sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern gleichzeitig den Entdeckergeist und die Lust am Lernen wecken. Erfolge wie Misserfolge sollten daher zurück gemeldet werden, jedoch auch Motivationshelfer und Hilfestellungen dazu beitragen, dass das Kind nicht zu schnell aufgibt. Umfang und Inhalt des Lernstoffs sollten an das Alter und Vorwissen des Kindes angepasst sein. Eine übersichtliche, ansprechende Gestaltung erleichtert den Zugang; ebenso eine intuitive, logische und konsistente Bedienung.

Ob mit oder ohne Medien, bleiben Motivation und Interesse des Kindes wichtige Faktoren des Lernerfolges, ebenso eine emotionale Beteiligung und ein gewisses Vorwissen. So lernt jedes Kind anders und ist nicht jeder Lernweg der passende. Das übergeordnete Ziel von guten Lernmedien ist es, Kinder herauszufordern und dabei gleichzeitig zu unterstützen sowie, wenn nötig, Hinweise zur Aufgabenbewältigung zu geben. Nur so kann eine emanzipierte Entwicklung gefördert werden, die Kinder dazu motiviert, weiterzumachen und die Welt zu entdecken. Wichtig ist eine starke Einbindung der Kinder; da besonders interaktive Programme zum Lernen animieren können.

Lernen durch Fernsehen?

Lange Zeit waren Forschende der Ansicht, dass Fernsehen der Bildung eines Kindes schaden würde. Langzeitstudien zeigen jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen TV-Konsum und Schulleistungen. Und auch wenn sich die Wissenschaft bis heute uneins ist, ob stark unterhaltende Elemente die Lernleistung tatsächlich fördern, so unterstützt der Großteil der Studien einen positiven Einfluss von Lernmedien. So erweitern kindgerechte TV-Programme wie Dora the Explorer den Wortschatz und helfen beim Erst- und Zweitspracherwerb. Ähnliches gilt für die Sesamstraße: Eine US-amerikanische Langzeitstudie konstatiert positive Auswirkungen auf Vorstellungsvermögen und kreatives Engagement bis ins Jugendalter (Anderson, Huston, Schmitt, Linebarger & Wright, 2001). Insbesondere Kindersender bieten Wissenssendungen für die junge Zielgruppe und stellen ergänzende Angebote im Internet zur Verfügung.

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Lernen durch Games?

Ähnlich dem TV, hatten Games lange Zeit nicht den besten Ruf, was ihren Einfluss auf Kinder betrifft. Bis heute dauert die Diskussion um Gewalt- und Suchtpotenziale an. Auch wenn die Sorgen nicht ganz unbegründet sind, muss jedoch zwischen den Spielen stärker differenziert werden und können auch Games Lerninhalte vermitteln – schließlich besteht bereits evolutionär ein Zusammenhang zwischen Spielen und Lernen. Auch perspektivisch eröffnen Konsolen und mobile Geräte wie Tablets durch Weiterentwicklungen immer neue Einsatzmöglichkeiten. Spielgenres wie Serious Games  verbinden aktiv unterhaltendes Spielen mit Erkenntnisgewinn: Diese Computerspiele und Apps bringen etwa Ursachen und Symptome von Erkrankungen spielerisch näher und können bei betroffenen Kindern und ihrem Umfeld das therapeutische Selbstmanagement verbessern, damit Therapiepläne eingehalten werden (z.B. Re-Mission, Patchie). Andere Serious Games verdeutlichen politische (z.B. Genius –Im Zentrum der Macht) oder ökologische Prozesse (z.B. Ecopolicie). Spiele wie Minecraft regen hingegen Kreativität und logisches Denken an.

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Lernen durch das Internet?

Das Internet bietet eine Fülle an Datenbanken, Videos, Grafiken und Texten mit denen sich Kinder informieren können. Insbesondere für aktuelles Geschehen lässt sich Wissenswertes für Kinder herausziehen, wie z.B. die Kindernachrichten auf logo.de. Webseiten eignen sich auch für den Einsatz im Unterricht (www.klick-tipps.net/lernen) und haben den Vorteil, dass sie in der Regel von Redaktionen regelmäßig aktualisiert werden. Hinzu kommt eine Vielzahl an interaktiven Wissensportalen, die Informationen mit kleinen Spielen und Aufgaben spannend aufbereiten, den Entdeckergeist der Kinder wecken, direktes Feedback bei erfolgreicher Aufgabenbewältigung geben und so die Motivation steigern.

Um ihren Wissensdurst zu stillen, nutzen Kinder gern auch Angebote, die nicht speziell für Kinder gemacht sind und User Generated Content enthalten wie Wissensforen, Gruppen und Seiten in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Video-Anleitungen auf Portalen wie YouTube. Laut KIM-Studie 2016 schaut jedes Vierte Kind zwischen sechs und 13-Jahren mindestens einmal in der Woche ein Video auf YouTube zu aktuellen Schulthemen. Solche Angebote bündeln Informationen aus unterschiedlichen Bereichen und regen den Wissensaustausch zwischen den Nutzenden an. Doch sind diese gerade für jüngere Kinder ungeeignet, da diese kaum moderiert werden und für Kinder unpassende oder unverständliche Inhalte umfassen können. Zudem können Kinder hier auf ungeeignete bzw. entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte stoßen. 

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SCHAU HIN! Tipps

Lernmedien wirken nicht per se, sondern müssen als aktive Leistung des Kindes, das mit den Medien umgeht, verstanden werden. Entscheidend ist nicht der Medienkonsum an sich, sondern ob der Inhalt und seine Aufbereitung jeweils in Relation zu individuellen Eigenschaften und zur Motivation des Kindes sind. Wie bei anderen Medien auch spielt zudem die aktive Begleitung durch die Eltern eine entscheidende, unterstützende Rolle.

Empfehlungen nutzen: Nicht alle Lernmedien sind speziell für Kinder gemacht. Eltern achten deshalb auf die Altersempfehlungen. Weiter geben eine Reihe von Siegeln und Auszeichnungen Hinweise für gute Lernmedien (siehe Links unten). Preise für Bildungsmedien wie digita, Giga Maus, TOMMI oder Comenius EduMedia, aber auch pädagogische Portale helfen bei der Orientierung. Kinderspezifische Angebote wie das Klexikon.de im Internet sind allgemeinen Portalen vorzuziehen.

Passende Angebote auswählen: Es ist wichtig, Lernmedien auszuwählen, die das Kind fordern, ohne es zu unter- oder überfordern. Eltern wissen, wie unterschiedlich die Interessen ihrer Kinder sind und wie schnell sich diese ändern. Die Lernmedien sollten idealerweise dazu passen, wofür sich das Kind auch offline interessiert: Kommt es begeistert aus dem Historischen Museum zurück, findet sich möglicherweise eine App oder Website, die das Interesse direkt aufgreift. Bei der Auswahl ist das Kind einzubeziehen, so ist es motivierter.

Gute Lernsoftware (Games, Apps, internetgestützte Programme) sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie ist unterhaltsam und schafft so eine positive, motivierende Lernsituation.
  • Sie erklären Inhalte altersgerecht und knüpft an die Lebenswelt der Kinder an.
  • Sie bezieht sich auf gängige Lehrpläne und Wissensstände.
  • Sie ist interaktiv, bezieht das Kind direkt ein und ruft es auf, selbstständig zu kombinieren und sich weiter zu informieren.
  • Sie geht individuell auf Wissenslücken ein und wiederholt Erlerntes.

Quellen prüfen: Wichtig ist auch darauf zu achten, welche sozialen Rollen, Weltbilder oder kommerzielle Interessen die Medien transportieren. Sind es nur männliche Akteure, die sich für die Wissenschaft interessieren? Werden Fakten politisch verzerrt dargestellt? Platzieren große Konzerne Werbebotschaften oder ein bestimmtes Unternehmensbild? Eltern sollten daher Absender und Produzenten der Lernmedien genau prüfen, um objektive Inhalte zu gewährleisten. Aber auch die Kinder sollten dazu angeregt werden, kritisch zu hinterfragen, von wem z.B. Informationen im Netz stammen und ob diese immer richtig sind.

Kinder begleiten:
Indem Eltern das Kind bei der Benutzung des Lernmediums begleiten, können sie beim Einstieg helfen, aufkommende Fragen beantworten, Zusammenhänge zur Lebenswelt des Kindes und zu seinem Lernhorizont herstellen und dabei prüfen, ob das Angebot wirklich geeignet ist. Fühlt das Kind sich überfordert oder gelangweilt, sind Alternativen in Betracht zu ziehen.

Lehrer ansprechen: Mittlerweile gibt es zu Lehrbüchern auch anknüpfende Medien wie Hörspiele, Websites und weiteres. Eltern können die Lehrer der Kinder darauf ansprechen, ob sie bereits Erfahrungen mit den Medien gemacht haben und ob sie weitere Angebote empfehlen können.

Medien als gute Ergänzung nutzen:
Dienen Spiele der Bildung des Kindes, ist zu empfehlen, dass Eltern diese nicht auf die vereinbarte freie Zeit für die Nutzung von Handy, Internet oder Konsole anrechnen. Generell ist jedoch bei Grundschulkindern eine Stunde Mediennutzung am Stück genug. Das digitale Lernen ist immer nur als Ergänzung und nicht als Ersatz klassischer Bildungsangebote zu verstehen und sollte andere Freizeitbeschäftigungen wie das Spielen an der frischen Luft nicht verdrängen. Schließlich wollen Schulkinder Tiere oder Pflanzen nicht nur am Monitor kennenlernen, sondern auch bei einem Waldspaziergang oder einem Zoobesuch direkt erleben.

Medien kreativ einsetzen: Eltern können ihre Kinder animieren, Medien kreativ einzusetzen, um sich Themen mit Lerneffekt zu nähern: Auf Familienausflügen kann man z.B. gemeinsam einen Fotospaziergang durch den Wald machen, um im Anschluss Wissenswertes über gesehene Pflanzen und Tiere herauszufinden oder im Zoo ein Audioprotokoll von Tierstimmen zu erstellen, um später ein Ratespiel daraus zu machen.

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Studien zur aktuellen Nutzung: Lernmedien Zuhause

Für Kinder und Jugendliche der Generation Digital Natives ist die Nutzung digitaler Medien selbstverständlich und stellt im Lernprozess keine prinzipielle Hürde da. Sie ziehen Medien gern heran, um sich die Welt zu erschließen und gezielt nach Informationen zu suchen. Laut KIM-Studie 2016 haben 97 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen Zugang zu einem Computer und Laptop und die Möglichkeit ins damit das Internet zu nutzen. Zuhause für die Schule im Internet zu arbeiten gehört für 48 Prozent der Jüngsten zum Alltag – bei den Ältesten steigt dieser Anteil auf 90 Prozent an. Mindestens wöchentlich recherchieren 74 Prozent im Internet, 66 Prozent schreiben zu Hause Texte für die Schule am Computer, 54 Prozent nutzen ein Lernprogramm. Weniger verbreitet ist das Erlernen und Einüben spezieller Programme wie Word oder Powerpoint oder die Durchführung von Berechnungen (je 32 %). 20 Prozent erstellen mindestens wöchentlich zuhause eine Präsentation für die Schule.

Studien zur aktuellen Nutzung: Lernmedien in der Schule

Der Einsatz von digitalen Medien im schulischen Kontext findet noch immer sehr punktuell und
weniger fachübergreifend statt. Nur 27 Prozent der Grundschulkinder nutzen einen Computer in der Schule, jedes zweite Kind nutz es hingegen an weiterführenden Schulen. Der Einsatz des Computers erfolgt in erster Linie in einem eigenen Fach für Computerbildung (74 %), mit Abstand folgen die Fächer Deutsch (44%), Mathematik (35%) und Sprachen (25%). Der Einsatz von Lernprogrammen kommt bei 71% der Kinder vor.

Die mediale Ausstattung der Schulen nimmt laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom von 2015 immer weiter zu, sodass stationäre PCs und Notebooks zu 99% bzw. 89% und Beamer zu 98% bereits Einzug in Schulen gefunden haben und damit zur digitalen Grundausstattung der Schulen gehören. Whiteboards sind mittlerweile an sechs von zehn Schulen verfügbar, während Tablets und E-Reader seltener in der Ausstattung zu finden sind. Doch sind diese Ergebnisse differenziert zu betrachten: nur jeder dritte Schüler (n_502) gibt an, dass Whiteboards und PCs täglich Einzug in den Unterricht finden. Klassische Fotokopien dagegen werden in 85% der Fälle im Unterricht verwendet. Lehrer (n=502) geben an, dass sie digitale Medien zunehmend im Unterricht einsetzen: Neun von zehn sagen, dass sie Notebooks und Digitalkameras einsetzen (2011: 49 %, bzw. 14 %), sechs von zehn benutzen Whiteboards (2011: 34 %).

 

Zuletzt aktualisiert am 27.09.2017

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