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Medien und Migration

Mit geeigneten Medien können sich Kinder gut über Migration und Flucht informieren. Wichtig ist, dass Eltern diese Angebote gut begleiten, mit ihrem Kind über das Thema und die aktuelle Debatte sowie das Bild von Migranten in den Medien sprechen, über Vorurteile und Hetze aufklären und altersgerechte, seriöse Informationen anbieten. 

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Zuletzt aktualisiert am 29.03.2016

Medien eröffnen spannende Einblicke in neue Kulturen und Lebenswelten, können aber auch falsche Nachrichten und Hetze verbreiten und Kinder ängstigen. Wichtig ist daher, dass Eltern für ihr Kind seriöse und altersgerechte Angebote auswählen, es bei seinem Medienkonsum begleiten und mit dem Kind über die Themen sprechen. So können Kinder leichter eigene Standpunkte zu Migration und Integration entwickeln.

Klicktipps für Kinder zum Thema Flüchtlinge

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Darstellung von Flucht und Migration in klassischen Medien

Inhaltsanalysen zeigen, Migranten werden häufiger in negativen als in positiven Kontexten präsentiert. Dieser „Negativismus“ beinhaltet Facetten wie: Migranten kosten den deutschen Steuerzahler Geld. Sie belasten das soziale Netz und die öffentlichen Haushalte. Migranten sind Problemgruppen. Sie machen den Deutschen Probleme und haben selbst viele Probleme. Migranten bedrohen die öffentliche Sicherheit. Sie werden sehr häufig als Kriminelle und Gewalttäter präsentiert – als Schläger, Einbrecher, Geiselnehmer, Erpresser, Mörder, Sexualstraftäter, seit dem 11. September 2001 besonders häufig als Terroristen. Die Analysen bezogen sich jedoch fast ausschließlich auf Nachrichten/Information/Dokumentation vor allem bei Printmedien.

Eine qualitative Analyse zur fiktionalen Fernsehunterhaltung zeigt, dass auch sozialkritisch auf Alltagsrassismus und Flüchtlingselend hingewiesen wird. Nicht untersucht sind bisher Casting-Shows wie Deutschland sucht den Superstar oder Germany's next Topmodel, wo „visible minorities“ (sichtbare Minderheiten) zu den Stars und Gewinnern zählen. Diese bilden Identifikationsfiguren für viele Zuschauer, auch für Migranten. Zudem sind die Forschungsergebnisse schon älter und muss nicht mehr der aktuellen Realität in den Medien entsprechen. Eine kleinere Inhaltsanalyse zu den beiden Lokalzeitungen Siegener Zeitung und Westfälische Rundschau gibt Hinweise darauf, dass sich der Negativismus etwas abgeschwächt hat. So wurden 1996 noch in 42 % aller Artikel über Migranten als Kriminelle präsentiert, 2006 noch in 30 %. Migranten werden häufiger als wichtige Arbeitnehmer oder erfolgreiche Selbständige dargestellt, als gute Nachbarn, als integrierte oder integrationswillige Bürger, die sich engagieren.

Eine Ausnahme bildet jedoch das mediale Bild von Islam und Muslimen. Berichte zu Terror-Anschlägen haben die Akzentuierung der vom Islam ausgehenden Gefahren erheblich verstärkt, wie Studien (Javadian 2009) belegen; Islam und Islamismus werden nicht klar voneinander getrennt.

Darstellung und Debatte in den sozialen Medien

Jugendschutz.net hat in seinem Bericht Rechtsextremismus online 2014 über 6.000 rechtsextreme Webangebote dokumentiert, jedes dritte verstieß gegen den Jugendmedienschutz. Im Zuge der aktuellen Flüchtlingsdebatte haben sich die Hinweise auf rassistische Hetze bereits verdreifacht. In 58 % der Fälle gelang es jugendschutz.net, Jugendliche schnell vor gefährdenden Inhalten zu schützen. Effektivstes Mittel war dabei der direkte Kontakt zu den großen Plattformbetreibern.

Tipps

  • Medien kritisch reflektieren: Gerade bei den Themen Flucht und Migration ist die Berichterstattung nicht immer seriös, die Debatten in sozialen Medien und in Kommentaren auf Nachrichtenseiten oft grob unsachlich. Umso wichtiger, dass Eltern ihr Kind darauf aufmerksam machen, dass nicht alles stimmen muss, was sie im Internet lesen und  am besten gemeinsam die Quellen genau prüfen und Eltern Störer mit hetzenden Beiträgen melden. Besonderes Augenmerk sollten Eltern dabei auch auf Bilddarstellungen richten. Junge Menschen unterstellen Bildern häufig unreflektiert eine hohe Glaubwürdigkeit und sind zu wenig über die manipulative Wirkung von Bildern durch selektive Ausschnitte oder digitale Nachbearbeitung informiert.

  • Propaganda entlarven: Nicht jeder menschenfeindliche Beitrag ist als solcher offensichtlich. Prüfen Sie gemeinsam Informationen zu Überfremdung, Deutschenhass, Flüchtlingsströmen etc., nutzen Sie Infomaterial und stärken Sie so Ihr Kind auch argumentativ.

  • Sensibilisieren und schützen: Verdeutlichen Sie Ihrem Kind durch einen Perspektivwechsel, welches menschenfeindliche Weltbild hinter rechten Allgemeinplätzen steht: „Was wäre, wenn Du flüchten müsstest und Dich niemand willkommen heißt?“ Stärken Sie das das Selbstvertrauen des Kindes, damit es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren kann.

  • Hassparolen melden: Rechtsextreme Inhalte können gegen deutsches Recht oder die Geschäftsbedingungen der Dienste verstoßen und sollten gemeldet werden. Ansprechpartner sind Seiten wie www.jugendschutz.net, www.internet-beschwerdestelle.de oder www.i-kiz.de. In Netzwerken können Sie Inhalte bei den Betreibern melden. Als Beweise dienen Screenshots und Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname etc.

  • Informieren und thematisieren: Wenden Sie sich an die Schule oder an Beratungsstellen, wenn Ihr Kind vermehrt mit rechten Parolen konfrontiert wird. Beratung bieten Portale wie www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de, www.hass-im-netz.info oder www.netz-gegen-nazis.de. Diese sind kostenlos, anonym und vertraulich. Projekte vor Ort finden sich im Atlas des Bundesprogramms "Demokratie leben", das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen hat.

Perspektive Migranten

Potenziale nutzen

In einer Studie zur Nutzung digitaler Medien durch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt sich, dass der Zugang zu den digitalen Medien in vielerlei Hinsicht integrierende Potenziale eröffnet – beispielsweise über die Verbindung mit Peers aber auch mit Fachkräften, für das Erlernen der Sprache, die Orientierung in der Aufnahmekultur und an den neuen Orten. Dabei wird deutlich, dass die digitalen Medien sowohl eine verbindende Funktion (im Kontakthalten mit der Herkunftsfamilie, Verwandten an anderen Orten und Peers) als auch eine Brückenfunktion in die Aufnahmegesellschaft haben. Die Brückenfunktion, die erweiterte soziale Beziehungen eröffnet und neue Kenntnisse, Unterstützungsoptionen und Fähigkeiten zugänglich macht, wird bislang erst teilweise durch die jungen Flüchtlinge aber auch seitens der für sie Verantwortlichen durch eine gezielte Gestaltung von entsprechenden Angeboten wahrgenommen.

Gute Gesprächssituationen schaffen

Kinder lernen von Personen, sie brauchen die Beziehung zu vertrauten Menschen. Am besten vermitteln Menschen mündliche Sprache und Sprechstile. Gerade bei jüngeren Kindern sind vertraute Erwachsene die idealen Gesprächspartner. Suchen Sie sich gemütliche und ruhige Orte, um miteinander zu erzählen, setzen sie sich gegenüber zu Ihrem Kind und halten Sie Blickkontakt.

Wichtig ist, dass man deutlich und in ganzen Sätzen spricht gegenseitig aufmerksam zuhört, auf den Gesprächspartner eingeht und den anderen zu Wort kommen lässt. Zeigen Sie Zustimmung mit kleinen Lautäußerungen und kurzen Rückfragen. Wenn Sie die Aussagen in der richtigen Form wiederholen, nehmen die Kinder diese Korrekturen positiv wahr.

Angebote für Kinder

Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Medieninhalte aus, die zum Mitmachen einladen und gezielt die Sprache fördern.

  • TV & Film: Schauen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine Fernsehsendung an und unterhalten Sie sich währenddessen mit Ihrem Kind über das Programm. Sie regen dadurch eine sprachliche Auseinandersetzung über die Inhalte der Sendung an. Nutzen Sie den Einsatz von DVDs. Damit können Sie eine Sendung sehr gezielt einsetzen. Sie haben somit auch die Möglichkeit, eine Sendung in Ihrer Familiensprache anzubieten. Ebenso können Sie die Fernsehzeit individuell auf Ihr Kind anpassen und sind in Zeitpunkt und Uhrzeit flexibel.

    Seit 2015 gibt es die tägliche Kindernachrichtensendung "logo!" mit arabischen und englischen Untertiteln. Abrufbereit sind die einzelnen Ausgaben jeweils am folgenden Morgen im Internet.

    Cinemanya – Filmkoffer für geflüchtete Kinder und Jugendliche: bjf.info/projekte/cinemanya

  • Hörspiele & Musik: Bieten Sie Hörspiele (auf CD, Kassette oder als MP3) oder Musik an. Hören Sie die Geschichten oder Lieder mit Ihrem Kind, sprechen Sie über die Inhalte oder singen Sie mit.

  • Internet & Software: Bieten Sie Ihrem Kind Lernsoftware an, die Sprachkompetenz (in Wort und Schrift) fördert (z. B. schlaumaeuse.de). Tauschen Sie sich mit anderen aus, welche Software geeignet ist. Orientierung bieten auch Softwarepreise wie „digita“, „TOMMI“, „Giga-Maus“.

    wdrmaus.de/sachgeschichten/maus-international

    amira-pisakids.de/#page=home


    kinder.niedersachsen.de/index.php?id=147


    klick-tipps.net/surfanfaenger

  • Apps & Bücher: Lesen Sie Ihrem Kind aus Büchern vor oder betrachten Sie gemeinsam ein Bilderbuch oder eine Bilderbuch-App. Viele Bilderbuch-Apps bieten interaktive Funktionen an, etwa das Ein- und Ausschalten der Vorlesestimme, Spielelemente, Töne und Geräusche oder die Möglichkeit, die eigene Stimme aufzunehmen – so können Sie mit Ihrem Kind etwa die Geschichten in unterschiedlichen Sprachen neu vertonen. Allerdings handelt es sich bei diesen Apps eben nicht um Bilderbücher, sondern um ein digitales Medium. Darum ist bei der Auswahl darauf zu achten, dass Ihr Kind diese Effekte auch verstehen und verarbeiten kann.

    Linksammlung zu Medien für Kinder bzw. solche für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache: ekz.de/medien-services/willkommen-bei-uns/informationen-und-downloads

Informationen zu Flucht für Erwachsene

 Für Eltern

  • Die Süddeutsche Zeitung bietet hier Fakten zur Zuwanderung und hier eine Statistik über “Wirtschaftsflüchtlinge”.
  • Tagesschau.de hat Vorurteile gegen Flüchtlinge hier und Balkanflüchtlinge hier entkräftet und klärt hier über die Unterschiede zwischen Asylbewerbern, Flüchtlingen und Migranten auf.
  • Der Mediendienst Integration informiert hier über die Situation in Herkunftsländern von Flüchtlingen.

Für Lehrer

Mehrsprachige Angebote für Kinder

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