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Partizipation mit Medien: Mitmachen und informieren

Medien ermöglichen und erleichtern Informationsbeschaffung, Austausch und Teilhabe, auch für Kinder und Jugendliche. Kinder wollen sich mit zunehmendem Alter gesellschaftlich und politisch orientieren und eigene Positionen entwickeln, mit anderen diskutieren und auf gesellschaftliche Prozesse Einfluss nehmen. Eltern können dieses Bedürfnis unterstützen, indem sie kindgerechte Angebote empfehlen und gemeinsam über aktuelle Ereignisse sprechen.

© Dmitry Naumov / Fotolia
© Dmitry Naumov / Fotolia

Zuletzt aktualisiert am 24.08.2017

Medienhandeln und gesellschaftliche Partizipation sind eng verbunden. Idealerweise bieten Medien Kindern und Jugendlichen die notwendigen Informationen, damit sie sich gesellschaftlich und politisch orientieren und eigene Standpunkte entwickeln können. Online-Medien bieten Gelegenheit, mit anderen zu gesellschaftlich relevanten Fragen in Austausch zu treten, den eigenen Standpunkt darzulegen und auf gesellschaftliche und politische Prozesse und Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Auch Kinder und Jugendliche möchten sich gern über Aktuelles informieren, Gehör finden und sich für andere einsetzen - hierfür gibt es viele gute Medienangebote.
Studien belegen, dass dem Internet in Sachen Partizipation eine Schlüsselrolle zukommt: Hier finden Kinder und Jugendliche Informationen und bekommen gleichzeitig auch Möglichkeiten aufgezeigt sich zu beteiligen und zu engagieren.

Medien sind wichtig für die Teilhabe an der Gesellschaft. Kinder und Jugendliche brauchen Möglichkeiten, an Medien auch über die Anwendung kommerzieller Angebote hinaus, kritisch und gestaltend zu partizipieren. Eltern können dieses Bedürfnis unterstützen, indem sie kindgerechte Angebote empfehlen und gemeinsam altersgerecht über aktuelle Ereignisse sprechen.

Das Internet: Formen und Kriterien der ePartizipation

Jugendliche nutzen häufig das Internet, um sich für soziale, politische, ökologische Angelegenheiten einzusetzen. Sie zeigen ihre Meinung, z.B. indem sie einer entsprechenden Gruppe in einer Community beitreten (44%), sich an Diskussionen im Netz beteiligen (27%), andere auf Online- oder Offline-Aktionen (17%) aufmerksam machen oder eine Online-Unterschriftenliste unterschreiben (11%) (Wagner/Gebel 2013).

Partizipation im Netz ist sehr vielfältig, gerade was den Entscheidungsgrad betrifft: inwiefern kann Aktivismus tatsächlich etwas bewegen? Dafür hat Jürgen Ertelt, Projektkoordinator von „jugend.beteiligen.jetzt“ der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., Kritierien der ePartizipation formuliert:  Nutzer können etwas entscheiden, es gibt einen klaren Bezug zur Lebenswelt der Adressaten, die Fragestellungen sind thematisch eindeutig sowie grundlegende Informationen erreichbar . Insgesamt handelt es sich um ein transparentes, verständliches Verfahren mit eindeutigen, verbindlichen Regeln. Dabei unterscheidet er verschiedene Formen der ePartizipation:

  • Jugendliche werden zur „Dekoration“ von Ergebnissen die andere ohne Einbeziehung der Betroffenen beschlossen haben, instrumentalisiert. Kommunikation statt Partizipation. Öffentliche Repräsentation erduldeter bis vermeintlich zugestimmter Anliegen.
  • „Clicktivism“– durch (aufgefordertes) Liken von Beiträgen und Aktionen wie (Online-)Petitionen von avaaz.org oder campact.de Zustimmung signalisieren und für virale Verbreitung sorgen
  • „Crowdsourcing“ bzw. „Crowdfunding“, um gemeinsam nach Ideen und (Produkt-)Lösungen zu suchen bzw. Projekte zu finanzieren und dadurch daran teilzuhaben.
  • Simulierte (Online-)Wahlen etwa über www.u18.org oder Wahl-O-Mat machen mit Parteien und deren Positionen sowie mit eigenen Standpunkten vertraut
  • „Liquid Democracy“ als digitales „basisdemokratisches“ Politikmodell mit flexiblen, themenbezogenen Verfahren der Meinungs- und Mehrheitsfindung, z.B. www.adhocracy.de


Tipps für die Partizipation mit Medien

Engagement fördern: Eltern können über Medien ihr Kind dabei unterstützen, sich und seine Umwelt zu erschließen, für seine Interessen einzutreten und sich auch für andere zu engagieren. Da, wo Kinder- und Jugendliche ein Thema für sich entdeckt haben, wo sie Stellung beziehen und sich engagieren wollen, sind Medien zentrale Mittel, liefern Anlässe, Werkzeuge und Plattformen, das eigene Umfeld neu zu entdecken und die eigene Sichtweise zu zeigen. In vielen Kommunen gibt es zudem Kinder- und Jugendparlamente, -foren, -sprechstunden in den Rathäusern oder Kinderbeauftragte. Eltern können mit ihrem Kind herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt. Dabei hilft z.B. die Seite www.kinderrechte.de/kinderpolitische-landkarte.

Initiativen im Netz kritisch prüfen: Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten, sich zu gesellschaftlichen Fragen zu äußern, sich an politischen Diskussionen und Aktivitäten zu beteiligen. Eltern können das Engagement von Kindern und Jugendlichen unterstützen, indem sie mit ihnen besprechen, welche Anliegen den Heranwachsenden am Herzen liegen und welche Aktivitäten geeignet sind, diese voran zu bringen. Bei Aktionen, z.B. in Sozialen Netzwerken, empfiehlt es sich zunächst herauszufinden, wer die Aktionen angestoßen hat und welche Zwecke damit verfolgt werden. Neben wichtigen und ernsthaften Anliegen finden sich auch immer wieder Aktionen, wie z.B. Kettenbriefe, die nur vorgeblich einem guten Zweck dienen. Unter Umständen stecken hinter ansonsten konsensfähigen Themen wie z.B. Tierschutz oder Opferschutz auch Initiativen mit extremistischem oder rein kommerziellem Hintergrund, die sich mit diesen Aktionen Aufmerksamkeit verschaffen wollen. Partizipation in der Familie leben: Demokratie wird überall gelernt, auch in der Familie. Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligen und ihre Ideen und Vorstellungen soweit wie möglich berücksichtigen.

Über Kinderrechte aufklären:
Eltern können Kinder mit passenden Angeboten über ihre Rechte aufklären. Die sichere Mediennutzung von Kindern betrifft dabei das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung, indem Kinder passende altersgerechte Unterhaltungsangebote nutzen. Dies gilt auch für das Recht, sich zu informieren und sich mitzuteilen, etwa über Kinderseiten und Kindersuchmaschinen. Zum Recht auf Privatsphäre gehört auch, auf den Datenschutz etwa im Internet oder in Sozialen Netzwerken zu achten.

Auf kindgerechte Informationen achten: Kinder sind zunehmend daran interessiert, was in der Welt geschieht. Doch brauchen sie kindgerechte Informationen ohne schockierende Bilder und mit verständlichen Erklärungen, wie sie Nachrichtensendungen und –seiten für Kinder bieten. Am besten begleiten Eltern die Information über das aktuelle Geschehen und stehen für Nachfragen zur Verfügung. Erwachsenennachrichten sind für Kinder bis etwa zehn Jahre ungeeignet.

Zu kritischer Medienreflektion animieren:
Eltern können anknüpfend an aktuelle Berichte und Debatten um Urheberrecht, Überwachung, Privatsphäre und Datenschutz ihr Kind darin bestärken als Verbraucher und Nutzer von Medienangeboten kritisch und versiert im Netz zu agieren, Informationen gut zu recherchieren und persönliche Daten zu schützen. Denn Medienkompetenz umfasst neben der Mediennutzung auch Medienkritik, Medienkunde und Mediengestaltung.

Medien und Partizipation: Das sagen die Studien

Wo finden Kinder und Jugendliche Informationen zum aktuellen Geschehen?

KIM 2016: 6- bis 13-Jährige
Kinder sind interessiert daran was in der Welt passiert. Das beweisen die Zahlen der KIM-Studie 2016:  40 Prozent der 6- bis 13-Jährigen gaben an sich für das aktuelle Weltgeschehen zu interessieren, für die Hälfte sind die Themen Umwelt und Natur wichtig. Um informiert zu bleiben, suchen fast die Hälfte der 12- und 13-Jährigen und ca. ein Viertel der jüngeren Schulkinder regelmäßig in Suchmaschinen nach aktuellen Nachrichten und Meldungen, 26 Prozent der 6- bis 13-Jährigen nutzen Wikipedia. (Weitere Informationen zum Thema „Kinder und Nachrichten“)

JIM 2016: 12- bis 19-Jährige

Das verstärkte Aufkommen von sogenannten „Fake News“ beeinflusst die aktuelle JIM Studie von 2016 im Hinblick auf Partizipation und Medien. Jugendliche im Alter von 12- bis 19-Jahren sollten sich im Rahmen der Studie vorstellen, dass verschiedene Medien unterschiedlich über ein Ereignis berichten: bei widersprüchlicher Berichterstattung schenken 41 Prozent der Jugendlichen der Tageszeitung am meisten Vertrauen, 25 Prozent halten das Fernsehen in dem Fall für glaubwürdig, knapp jeder Fünfte setzt auf das Radio und 15 Prozenthalten das Internet in dieser Situation für vertrauenswürdig.
Wenn  Jugendliche  sich  im  Internet  informieren,  führt  sie  der  erste  Weg  zu  einer  Suchmaschine,  meist  ist  das  Google: 87  Prozent  bemühen  mindestens  mehrmals  pro  Woche  eine  Suchmaschine,  58  Prozent sogar  täglich. Die Möglichkeit, sich bei YouTube Videos anzusehen, um sich über ein bestimmtes Thema  zu  informieren, wird  von  57  Prozent  der  Jugendlichen  regelmäßig wahrgenommen  (täglich:  26 %), mit  36  Prozent  erhält  ein  Drittel  regelmäßig  über  soziale  Netzwerke  wie Facebook oder Twitter Nachrichten und aktuelle Informationen (täglich: 23 %). Online-Lexika wie Wikipedia stellen für 35 Prozent eine bedeutende Informationsquelle dar, Nachrichtenportale von Zeitungen (20 %) oder Zeitschriften (15 %) sind für etwa ein Fünftel der Jugendlichen eine Option. Aber auch mit den Startseiten der Online-Provider, die Nachrichten hier oft als Service präsentieren, kommen 13 Prozent der Jugendlichen regelmäßig in Kontakt. Die Präsenz der Fernsehsender im Internet wird nur von einem geringen Anteil in Anspruch genommen (8%). 

Welche Medien werden für Themen gesellschaftlicher/politischer Relevanz genutzt?

Wie 10- bis 13-Jährige sich über politisch relevante Themen informieren, zeigen die Ergebnisse der FLIMMO-Kinderbefragung zum Thema Flucht. Hier zeigt sich vor allem, dass „Flucht“ auch bei Kindern sehr präsent ist. Alle befragten Kinder kamen mit dem Thema in Berührung. Hauptsächlich haben die Mädchen und Jungen über das Fernsehen (84%) sowie, mit deutlichem Abstand, durch ihre Eltern (49%) davon erfahren. Weitere Quellen, durch die sie mit dem Thema in Berührung kommen, sind: Radio (41%), Schule/Unterricht (35%), Zeitung (26%) und das Internet (16%). Medien spielen also insgesamt eine große Rolle bei der Vermittlung des Themas.
Die 10- bis 13-Jährigen nutzen Kinder- aber auch Erwachsenensendungen, um sich darüber zu informieren. Im Fokus des Interesses stehen Fluchtursachen oder die Lage der Menschen nach ihrer Flucht. Einige stellen sich die Frage, wie man selbst helfen kann. Aber auch zu politischen Entscheidungen und der Bewältigung von Herausforderungen im Kontext von Flucht haben Kinder Fragen.
Die Shell-Jugendstudie 2015 zeigt, dass 41 % der 12- bis 25-jährigen Jugendlichen sich für Politik interessieren. So informieren sich 37 % der Befragten täglich bzw. mindestens einmal in der Woche über Politik und im Internet. Das Internet ist dabei auch die wichtigste Anlaufstelle für die Themenbereiche, die die Jugendlichen interessieren (Umwelt/Natur/Klima, Krieg/Frieden, Kinder-/Jugend-/Menschenrechte).
In einer Studie zur Aneignung politisch relevanter Informationen (Wagner/Gebel 2013) bezeichnen gut vier Fünftel (82%) der befragten Jugendlichen das Internet in Bezug auf solche Themen als sehr wichtig oder eher wichtig, gefolgt von Fernsehsendungen (67%), und Zeitungen/Zeitschriften (63%). Im Internet werden neben Suchmaschinen und Online-Lexika vor allem Informations- und Nachrichtenportale sowie Online-Communitys genutzt. Knapp zwei Fünftel der Befragten informieren sich in Online-Communitys täglich oder mehrmals in der Woche zu einem für sie wichtigen gesellschaftlich relevanten Thema. Ein verhältnismäßig kleiner Anteil hingegen nutzt Blogs und Twitter als Informationsquelle. Allerdings nutzt ein wesentlich geringerer Teil der befragten Jugendlichen das Internet, um andere themenbezogen zu informieren. Die größte Bedeutung im Hinblick auf das Verfassen eigener oder Kommentieren fremder Beiträge zum Auswahlthema haben Netzwerke bzw. Communitys (Wagner/Gebel 2013).

Was bedeutet Partizipation im Internet?

In einer Studie von Soßdorf (2016) werden drei Stufen von politischer Partizipation Jugendlicher unterschieden, in denen sich unterschiedliche Formen von Offline- und Online-Aktivitäten abbilden. Je höher die Stufe, desto weniger Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren sind hier zu finden:

  • Bei der informierenden/konsumierenden Partizipationsstufe werden häufiger und mehrere Offline-Quellen als Online-Quellen zur Information herangezogen. Zweitens erfolgt die Informationssuche im Internet automatisierter und unintendierter als offline. Offline sind  das Fernsehen und die Schule die häufigsten Quellen für politische Informationen. Die Beschaffung von politischen Informationen online verläuft oft zufällig. So werden die Jugendlichen nebenbei und automatisch an politische Informationen herangeführt, indem sie sich online auf Sozialen Netzwerk-Seiten (SNS) oder Videoplattformen aufhalten.
  • Bei der teilnehmenden/interagierenden Partizipationsstufe steht der Austausch mit anderen im Vordergrund. Dabei sprechen die Jugendlichen durchweg mehr offline als online mit anderen Personen über Politik; häufige Diskussionspartner zu politischen Themen sind die Eltern. Lediglich die zwei Aktivitäten Petition unterschreiben (offline) und politischen Beitrag in den SNS bewerten (online) sind über das Gespräch hinaus stark favorisiert. Diese spontanen, kurzfristigen und wenig aufwendigen Aktivitäten deuten auf einen unverbindlichen Bezug Jugendlicher zur Politik hin.
  • Nur sehr wenige Jugendliche zeigen Aktivitäten, die der politischen initiierenden/produzierenden Partizipation zuzuordnen sind. Diese wenigen Jugendlichen sind offenbar in Sozialen Netzwerken etwas aktiver als in Bezug auf Offline-Aktionen.


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