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Tipps zum Umgang mit Messengern

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Mobile Messenger bieten umfangreiche Kommunikationsmöglichkeiten von unterwegs und sind besonders beliebt bei Heranwachsenden. Sie bergen aber hohe Risiken etwa durch fremde Kontakte oder ungeeignete Inhalte wie Gewalt oder Pornografie. Sie erfordern daher einen besonders bewussten Umgang sowie die Auswahl und Begleitung durch die Eltern.

Mobile Messenger: Zwischen Kommunikation und Risiko

Wie die JIM-Studie 2016 zeigt, besitzt praktisch jeder (95 Prozent) der Zwölf-bis 19-jährigen ein Smartphone. Die meisten jungen Smartphone-Besitzer haben eine Internetflatrate und verschicken oder empfangen darüber regelmäßig Nachrichten. Neben den Vorteilen, die sich durch die vereinfachte Kommunikation ergeben, beinhalten Messenger-Apps auch Risiken.

Cybermobbing

Messenger sind unmoderiert, meist gibt es keine Möglichkeit, Störer oder Belästiger zu melden – so sind auch die Hemmschwellen (z.B. für Belästigungen) hier niedriger. Nicht zuletzt deshalb sind mobile Messenger ein beliebtes Tool für Cybermobbing – der Ausschluss aus Gruppen, das Gründen von Hetz-Gruppen, das Verbreiten peinlicher Fotos und das Versenden beleidigender Nachrichten.

Ungeeignete Inhalte

Ein Risiko der mobilen Messenger stellt, laut Medienpädagogen, die Konfrontation mit rechtsextremer und islamistischer Propaganda dar. Weitere ungeeignete Inhalte, die über Messenger verschickt werden, sind Pornografie- oder Gewaltvideos: Laut JIM-Studie 2015 ist zwei Dritteln der Handynutzer bekannt, dass solche Filme über das Handy bzw. Smartphone verbreitet werden, 23 Prozent haben so etwas schon im Freundeskreismitbekommen, 13 Prozent wurden selbst schon ungefragt solche Inhalte zugestellt.

Kontaktrisiken

Mit dem Smartphone und Apps gibt es zunehmend mehr Möglichkeiten, von Unbekannten persönlich angesprochen zu werden. Die Preisgabe der eigenen Kontaktdaten erfolgt durch Sorglosigkeit bei der Verbreitung persönlicher Informationen z.B. in Profilen oder bei der Nutzung von Flirt-Apps. Hinzu kommt, dass einige Messenger über eine Suchfunktion verfügen, die Accounts auffindbar machen. Fehlen hier Einstellungen zur Beschränkung der Sichtbarkeit des Profils und den Kontaktmöglichkeiten durch Fremde, ergeben sich ganz unabhängig vom eigenen Verhalten Kontaktrisiken, z.B. in Form von sexueller Belästigung.

Der beliebteste unter den Messengern: WhatsApp

Aufgrund der seit August 2016 geänderten Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen sammelt und speichert WhatsApp Daten, die an den Mutterkonzern Facebook weitergeben werden, unabhängig davon, ob die WhatsApp-Nutzer auch einen Facebook-Account haben oder nicht. Besonders kritisch ist zu sehen, dass die Nummern von Verbrauchern, die lediglich im Telefonbuch der WhatsApp-Kunden gespeichert sind, ebenfalls an Facebook geleitet werden. Somit sind sogar Menschen betroffen, die selbst kein WhatsApp nutzen. Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist dies widerrechtlich, weswegen sie eine Klage gegen WhatsApp eingereicht hat. Den aktuellen Stand zu dieser Klage gibt es hier: www.verbraucherzentrale.de/verbraucherzentrale-bundesverband-verklagt-whatsapp.

Im Mai 2017 urteilte das Amtsgericht Bad Hersfeld, dass so das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Kontakte verletzt wird. Es muss von allen im Telefonbuch gespeicherten Kontakten die schriftliche Zustimmung zur Weitergabe der Nummer an WhatsApp vorliegen.

WhatsApp-Alternativen im Vergleich

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WhatsApp - Sicherheit

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SCHAU HIN!: Medienpädagogische Einschätzung

Zahlreiche Messenger bieten nicht den nötigen Jugend- und Datenschutz und sind daher gerade für Kinder unter 13 Jahren nicht geeignet, zumal sie meist laut den eigenen Geschäftsbedingungen ohnehin erst ab 13 Jahren erlaubt sind. Generell sollte bei Kindern das Installieren der Apps Elternsache sein. Erlauben Eltern die Nutzung, ist es wichtig, dass sie die App vorab prüfen, sich über mögliche Alternativen informieren, gemeinsam mit ihrem Kind Nutzungsregeln vereinbaren und ihm erklären, dass es sich bei unerwünschten Kontakten und einer Konfrontation mit ängstigenden Inhalten an sie wenden kann ohne ein Handyverbot fürchten zu müssen. Auch persönliche Daten wie Bilder, die eigene Messenger-Kennung oder Telefonnummer sollten nicht öffentlich gepostet oder an Fremde weitergegeben werden. Generell können Eltern ihrem Kind vermitteln, dass es nicht immer erreichbar sein muss und hier mit gutem Beispiel vorangehen.

Tipps

Persönliche Daten schützen

Mobile Messenger greifen meist bei der Anmeldung auf Handy- und Kontaktdaten zu und erlauben dem Anbieter durch weitere Berechtigungen ggf. den Zugriff auf Speichermedien wie Fotos und Videos oder den Standort. Auch in der weiteren Nutzung bieten sie kaum Schutz für persönliche Daten: Oft wird die Mobilfunknummer als Kennung genutzt, außerdem haben andere Nutzer Zugriff auf Profildaten wie Name und Foto. Daher ist es hilfreich, wenn Eltern ihr Kind dafür sensibilisieren, vorsichtig mit der Weitergabe von Daten umzugehen – sowohl gegenüber dem App-Anbieter, als auch gegenüber anderen Nutzern. Zusammen mit dem Kind sollten sie nach Möglichkeit die Berechtigungen ansehen und dann gemeinsam überlegen, wozu die App die Berechtigungen braucht und welche Folgen diese haben können. Im Zweifelsfall sollte die App lieber nicht installiert werden. Bei Android-Smartphones der neusten Generation ist es z.B. auch möglich, einzelne Berechtigungen, die der Anbieter einfordert, zu verweigern. Zudem sind gerade private Daten wie Bilder und Standortdaten vor dem Einblick anderer Nutzer zu schützen. Von den wenigen Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre ist unbedingt Gebrauch zu machen. So können Nutzer bei WhatsApp ausstellen, dass andere sehen, wann man zuletzt online war („Zeitstempel“) und ihr Profilbild oder ihre Info nur für gespeicherte Kontakte oder niemandem zugänglich machen. Für den Status können auch gezielt Kontakte ausgewählt werden, mit denen dieser geteilt werden soll.

Unangenehme Kontakte blockieren

Sofern möglich, sollte man die Kontaktaufnahme durch Fremde unterbinden und Bilder, Anrufe etc. nicht automatisch annehmen. Heranwachsende sollten auf Nachrichten von Unbekannten nicht reagieren und Absender unangenehmer Nachrichten blockieren, damit die weitere Kommunikation nicht mehr möglich ist. Es ist ratsam, hin und wieder darüber zu sprechen mit wem das Kind Kontakt hält. Aus Gruppen mit unangenehmen Inhalten sollte man austreten. Eltern sollten zu ihrem Kind eine Vertrauensbasis aufbauen, so dass es sich bei Problemen wie Belästigungen und Mobbing an sie wendet. Eltern können dann mit ihrem Kind das weitere Vorgehen besprechen, etwa Nutzer und Inhalte zu melden und ggf. bei der Polizei Anzeige zu erstatten

Technischen Schutz und Beratungsangebote nutzen

Eltern sind gut beraten, den Zugriff ihrer Kinder auf Apps in App Stores zu beschränken, vor der Installation nach Möglichkeit die Zugriffsberechtigung der App und die Datenschutzerklärung zu studieren, Sicherheitseinstellungen der Anwendung sowie am Gerät zu aktivieren und Ortungsdienste auszuschalten. Unterstützung beim Schutz vor ungeeigneten Inhalten erhalten sie durch kostenlose Sicherheits-Apps wie von fragFINN. Wichtig dabei: Technische Hilfsmittel ersetzen keine aktive Medienerziehung und können keinen ganzheitlichen Schutz bieten.

Nicht immer erreichbar sein

Man muss nicht ständig verfügbar und „up to date“ sein. Eltern können mit ihrem Kind dazu Regeln, wie z.B. handyfreie Zeiten vereinbaren, sind selbst Vorbild und halten sich auch daran. So hat das Handy etwa beim Essen, bei den Hausaufgaben, dem Familienausflug oder vor dem Schlafengehen Sendepause. Handys öfter mal lautlos stellen, damit der Nachrichtenton einen nicht ständig ablenkt. Während des Schlafens das Handy besser ganz ausschalten. Wenn das schwerfällt, kann es auch zumindest anfangs abgegeben werden. Um den Ehrgeiz zu erhöhen, kann man daraus auch eine Art Wettbewerb machen und bei Treffen die Handys übereinanderstapeln. Wer seines als erstes nutzt, hat verloren. Oft merken Kinder, dass sie sich so besser konzentrieren können und weder etwas verpassen noch gleich außen vor sind, wenn sie erst später auf Nachrichten antworten oder Beiträge erst später lesen. Folgende Tipps können Eltern ihrem Kind mitgeben und auch selbst beherzigen:

  • Vorher überlegen was man im Chat klärt und was lieber persönlich. Ein kurzer Anruf ist oft effektiver als ewig hin und her zu tippen.
  • Nachrichten nicht ständig checken, sondern nur alle paar Stunden. Langeweile auch mal aushalten oder sich anders beschäftigen.
  • Push-Nachrichten bewusst auswählen, damit man nicht wegen jeder Kleinigkeit abgelenkt wird. Gruppen, in denen viel kommuniziert wird, sofern möglich, stumm schalten.
  • Bei Messengern im Status/in der Info anzeigen, dass man beschäftigt ist, damit andere Bescheid wissen.
  • Ausstellen, dass andere sehen, wann man zuletzt online war oder ob man eine Nachricht gelesen hat.
  • Auf das Weiterleiten von Kettenbriefen verzichten, insbesondere wenn sie Unheimliches oder Bedrohliches beinhalten.

Studien zum Thema

Nutzungsgewohnheiten

41 Prozent der Zeit, die Jugendliche online sind, verwenden sie für Kommunikation, das zeigen die Ergebnisse der JIM-Studie 2016. Zu den wichtigsten Apps zählen mit 95 Prozent die Angebote von Instant Messengern wie WhatsApp. 51 Prozent der Jugendlichen zählen zu den regelmäßigen Nutzern von Instagram (täglich: 39%), Snapchat liegt mit 45 Prozent (tägliche  Nutzung: 35%) knapp dahinter, dicht gefolgt von Facebook (43%, täglich: 32%). Bei der Betrachtung nach Altersgruppen zeigt sich, dass Facebook bei den Jüngeren kaum noch Bedeutung hat, bei den 18-bis 19-Jährigen aber nach wie vor sehr stark genutzt wird. WhatsApp liegt in allen Altersgruppen an der Spitze, während Instagram stärker von den unter 16-Jährigen und Snapchat stärker von den ab-16-Jährigen genutzt wird.
Die zunehmende Informationsflut und ständige Erreichbarkeit nehmen Jugendliche als problematisch wahr. 70 Prozent der Besitzer eines Smartphones stimmen der Aussage voll und ganz bzw. teilweise zu, dass sie mit den vielen Apps und Communities ganz schön viel Zeit verschwenden. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen ist manchmal genervt von der Fülle eingehender Nachrichten. Trotzdem meinen 68 Prozent der Jugendlichen, den Freundeskreis ohne Handy nicht mehr organisieren und planen zu können. Jeder Fünfte befürchtet, etwas zu verpassen, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist.

Cybermobbing über mobile Messenger

Die Ergebnisse der JIM-Studie 2016 zeigen: In der Altersgruppe der Zwölf- bis 19-Jährigen gibt jeder Dritte (34 %; Mädchen: 37 % und Jungen: 31 %) an, dass in seinem Bekanntenkreis  schon einmal jemand im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. Je älter die Jugendlichen sind, desto höher ist der Anteil derer, die schon von so einem Fall erfahren haben (12-13 Jahre: 26 %, 14-15 Jahre: 30 %, 16-17 Jahre: 39 %, 18-19 Jahre: 39 %). Bei der Betrachtung des Bildungshintergrunds zeigt sich, dass an Gymnasien mit 32 Prozent etwas weniger Jugendliche von dieser Problematik betroffen sind als bei den übrigen Schultypen (37 %). Mit der Verbreitung von peinlichem und beleidigendem Bild- oder Videomaterial haben 13 % der Jugendlichen Erfahrungen gemacht. Wie bei diesen Inhalten generell, zeigt sich auch bei den Fotos und Videos eine deutliche Zunahme mit steigendem Alter der Befragten (12-13 Jahre: 6 %, 14-15 Jahre: 10 %, 16-17 Jahre: 16 %, 18-19 Jahre: 20 %).  
Laut JIM-Studie 2015 ist zwei Dritteln der Handynutzer bekannt, dass solche Filme über das Handy bzw. Smartphone verbreitet werden, 23 Prozent haben so etwas schon im Freundeskreis mitbekommen, 13 Prozent wurden selbst schon ungefragt solche Inhalte zugestellt.
Hierbei sind Jungen (18 %) deutlich stärker betroffen als Mädchen (7 %), gleiches gilt für Jugendliche mit niedrigerem Bildungshintergrund (16 %, Gymnasium 10 %). Jeder vierte Jugendliche bestätigt, dass Nacktbilder von Bekannten im Freundeskreis verschickt wurden.

Elternsicht

Laut einer Studie des JFF zu mobilen Medien in der Familie sehen Eltern bei diesem Thema folgenden Handlungsbedarf auf Grundlage ihrer persönlichen Erfahrungen:

  • Umfang und Intensität der Nutzung mobiler Medien durch ihre Kinder
  • Sozialer Druck zur Nutzung von Smartphone/Apps beim Übergang in die weiterführende Schule
  • Konflikte und Mobbing in sozialen Netzwerken
  • Daten- und Persönlichkeitsschutz.


Zudem sehen Eltern folgende Hürden bei der Medienerziehung in diesem Bereich:

  • Mangel an Wissen bzw. ist dieses schnell veraltet
  • Geringe Kontrollmöglichkeiten
  • Unzulänglicher technischer Jugendschutz
  • Notwendigkeit, zwischen Geschwisterkindern unterschiedlichen Alters zu differenzieren


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