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Youtube - Was macht mein Kind da eigentlich?

Youtube ist bei Jugendlichen beliebt, man kann Clips schauen und kommentieren, Stars anhimmeln, sich selbst darstellen, doch gibt es auch Probleme mit Jugendschutz und unreflektierter Selbstinszenierung, Cybermobbing und Kommerzialisierung. Wir zeigen, welche Chancen, Risiken und Trends es gibt und wie Eltern ihr Kind dabei begleiten können.

© Youtube.com
© Youtube.com

Faszination YouTube

Das erste Video "Me at the Zoo" ist wenig spektakulär: Es zeigt den Co-Gründer von Youtube vor zwei Elefanten, der erklärt, dass das Besondere an diesen Tieren die langen Rüssel sind. Nach 18 Sekunden ist der Clip vorbei. Und doch wurde er bereits über 21 Millionen mal angeklickt. Denn er ist der Beginn einer medialen Erfolgsgeschichte und des größten Videoportals der Welt: Youtube. Am 15.02.2005 wird die Seite Youtube.com registriert, am 23.04.2005 besagter Clip hochgeladen. Heute kommen in jeder Minute Videomaterial von 300 Stunden Länge dazu, der Videodienst hat weltweit über 1 Milliarde Nutzer.

Heute kommen in jeder Minute Videomaterial von 300 Stunden Länge dazu, der Videodienst hat nach eigenen Angaben weltweit über 1 Milliarde Nutzer. Täglich werden auf YouTube Videos mit einer Gesamtdauer von mehreren hundert Millionen Stunden wiedergegeben und Milliarden Aufrufe generiert.

Youtube ist fester Bestandteil im Alltag der meisten Jugendlichen. Wie die JIM-Studie 2016 zeigt, ist die Plattform für die zwei Drittel der deutschen Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren das beliebste Online-Angebote überhaupt. 86 Prozent aller Jugendlichen nutzen YouTube mindestens mehrmals pro Woche, 56 Prozent sogar täglich. Die Liste bedeutsamer YouTube-Genres wird von Musikvideos angeführt, die von 55 Prozent der YouTube-Nutzer mindestens mehrmals pro Woche angesehen werden. Kurze lustige Clips nutzen 40 Prozent regelmäßig. Es folgen Let’s-play-Videos, bei denen man anderen beim Gaming zusehen kann (33 %), und Comedy-Formate (32 %), aber auch Videos mit ernsthaften Inhalten: Dies umfasst Videos von YouTubern, die Nachrichten und das aktuelle Geschehen präsentieren und kommentieren (22 %), Lernvideos bzw. Tutorials (21 %) und Videos, bei denen es um Sport geht (21 %). Für 16 Prozent sind Mode- oder Beauty-Videos wichtig, ähnlich groß ist der Anteil derer, die sich regelmäßig Fernsehsendungen oder Ausschnitte davon ansehen. Action Cam-Videos aus dem Bereich des Extremsports sind für zwölf Prozent interessant, jedem zehnten YouTube-Nutzer dient die Plattform als digitale Nachhilfe, indem er Erklärvideos zu Themen für die Schule anschaut. Ebenso beliebt sind Videos, die sich als Kaufhilfe oder Anleitung für Produkte verstehen. Eigene Videos stellen nur zwei Prozent der jugendlichen YouTube-Nutzer regelmäßig ein – gerade zehn Prozent sind überhaupt als „Produzent“ tätig.

Zu den beliebtesten Youtube-Kanälen in Deutschland zählen solche von Menschen um die 20, wie Ratgeber Sami Slimani, die singenden Zwillinge DieLochis, Videospieler Simon Unge oder die Modebloggerin Daaruum. Dabei sind Youtuber oft Vorbilder, bester Kumpel, großer Bruder und Ersatzelternteil in einem. Jugendliche fühlen sich ihnen näher als Popstars oder Fernsehschönheiten, da sie direkt zu ihren Fans sprechen und mit ihnen auf Youtube und anderen sozialen Netzwerken kommunizieren und auch bei Kummer beraten. Sie sind die neuen Stars, wie astronomische Klickzahlen, hohe Profite durch Beteiligung an Werbeeinnahmen und das große Fanpublikum bei den Videodays zeigen.

Die erfolgreichsten deutschen YouTuber

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Unreflektierte Selbstinszenierung

Doch solche Vorbilder können auch viele Kinder und Jugendliche zu einer unreflektierten Selbstinszenierung animieren. Besonders kritisch sind dabei Live-Streams zu sehen, also wenn sich Kinder und Jugendliche wie etwa über die App YouNow in Echtzeit präsentieren. Wichtig ist daher immer zu überlegen, ob dieses Video in die Welt kann, bevor man es hochlädt. Auch sind die Persönlichkeitsrechte anderer zu berücksichtigen, falls diese auch auf dem Video zu sehen sind.

Jugendschutzproblematik

Natürlich sind nicht alle Videos geeignet für Kinder und Jugendliche. YouTube ist ohnehin erst für Jugendliche ab 13 Jahren erlaubt, doch ist keine Altersprüfung erforderlich. Deshalb sollten Eltern von jüngeren Kindern altersgerechte Portale wie juki nutzen sowie bei älteren Kindern und Jugendlichen auf Jugendschutzeinstellungen bei Videoportalen achten. Youtube bietet zwar über Google einen "sicheren Modus" an, damit Kindern nur altersgerechte Inhalte angezeigt werden. Damit wird auch automatisch Google SafeSearch eingestellt, die zu unpassenden Sucheingaben keine Ergebnisse anzeigt. Auch die YouTube-App bietet diese Möglichkeit. YouTube bietet dazu auch einen Elternleitfaden.

Sicherheit

Dennoch stellen wir die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen vor, die Youtube zu bieten hat:

Eingeschränkter Modus 

Im eingeschränkten Modus werden anstößige Inhalte gesperrt. Youtube ermittelt anhand von Altersbeschränkungen und Reaktionen anderer Nutzer, ob ein Video möglicherweise Anstößiges beinhaltet. Sie aktivieren diesen Modus auf der Profilseite des Youtube-Accounts unten über den Button „Eingeschränkter Modus“. 

Datenschutz und Privatsphäre

Unter den Kontoeinstellungen im Profil lässt sich unter „Datenschutz“ auswählen, wer Aktivitäten des Profils sehen kann. Um eine höhere Privatsphäre zu erreichen, sollten Sie das Profil so einstellen, dass Niemand Ihre Aktivitäten nachvollziehen kann. 

Nutzer sperren oder melden

Möchten Sie einen Nutzer sperren oder melden, müssen Sie das Profil desjenigen besuchen und hier das Fähnchen-Symbol wählen. Sperren Sie jemanden, so kann derjenige Ihre Videos nicht mehr kommentieren und keine privaten Nachrichten mehr an Sie schicken. 

Video melden

Um ein Video zu melden, drücken Sie unter dem Video das Icon mit den drei Punkten „Mehr“ und wählen Sie „Melden“ aus.

Kommerzialisierung und versteckte Werbung

Manche Youtuber sind so bekannt, dass sie mit ihren Videos viel Geld verdienen. Sie bekommen einen Teil der Einnahmen aus Werbung, die vor und während ihrer Videos angezeigt wird. Manche betreiben auch gezieltes Product Placement, wie vor allem am Trend sichtbar wird, bei dem Jugendliche ihre Einkäufe in die Kamera halten. Diese Videos werden "haul" genannt, zu deutsch "Ausbeute". Dieses Mittel ist gerade bei Mode- und Lifestyle-Youtubern sehr beliebt. Inwiefern Sie von den beworbenen Marken Geld erhalten, bleibt oft im Dunkeln. Nur manchmal findet sich ein Hinweis, dass es sich um einen "Sponsored Post" handelt. Eine Übersicht bietet dieser Leitfaden der Landesmedienanstalten.

Das zeigt: 10 Jahre nach der Gründung ist Youtube auch ein Milliarden-Geschäft geworden. Firmen wollen über die Youtube-Stars junge Käufer erreichen und rangeln um den nächsten viralen Hit im Netz. Andere Firmen versuchen, ihre Anzeige wie ein Nutzervideo aussehen zu lassen. Das geschah bei dem Video "First Kiss", in dem sich scheinbar Fremde zum ersten Mal küssten. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es sich dabei um gecastete Schauspieler handelt, die für eine Modefirma werben.

Netzwerke wie Mediakraft ziehen Youtube-Stars professionell hoch und vermarkten sie gewinnbringend. Schlagzeilen machte der Youtuber Unge, der dem Netzwerk öffentlich kündigte und Ausbeutung vorwarf, hier im Interview mit Spiegel Online. Auch der Youtuber LeFloid hat sich dazu in einem Statement geäußert. Es ist die große Krux im Geschäft der Blogger, YouTuber und Instagram-Sternchen: Wie kann ich aus mir selbst Kapital schlagen, ohne meine Glaubwürdigkeit und damit die Grundlage meines Erfolgs zu zerstören?

Schleichwerbung im Internet: Product Placement auf Blogs und Youtube

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Intolerante Kommentarkultur

Auch auf Youtube selbst geht es nicht immer freundlich zu. Viele Nutzer drücken sehr deutlich aus, wenn ihnen ein Video bzw. ein Youtuber missfällt, oft gepaart mit Beleidigungen oder gar Androhungen. Auch viele homophobe oder rassistische Bemerkungen sind darunter. Unter dem Hashtag "YouGeHa", für "Youtuber gegen Hass", haben einige Kanalbetreiber dagegen eine Kampagne gestartet. 

Ungeklärte Urheberrechte

Auch an anderer Stelle rumort es: In Deutschland streitet Youtube sich seit Jahren mit der Verwertungsgesellschaft Gema über die Vergütung für Musikvideos. Deshalb finden Nutzer oft folgende Nachricht, wenn sie etwa nach Musikvideos suchen: "Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar". Vorsicht gilt gerade auch für Produzenten: Urheberrechtliches Material ist nicht zu verwenden, dazu zählt auch wenn nur Musik im Hintergrund läuft.

YouTube Kids

Seit September 2017 stellt Google mit YouTube Kids auch in Deutschland eine Kindervariante seines Angebots als App für Smartphone, Tablet und einige Fernseher zur Verfügung. Eine kindergeeignete Bedienung, diverse Einstellungs- und Kontrollmöglichkeiten und eine Vorfilterung der Inhalte machen das Angebot zu einer Alternative zum bereits bekannten YouTube. Allerdings: Auch YouTube Kids ist nicht werbefrei. Gerade jüngere Kinder im Vor- und Grundschulalter, die die Hauptzielgruppe des Angebots darstellen, können zwischen Werbung und den eigentlichen Inhalten noch nicht unterscheiden. Hinzu kommt, dass die Werbung auf ebendiese Zielgruppe zugeschnitten ist und Produkte zu Figuren aus Serien oder Filmen bewirbt, was die Unterscheidung noch schwieriger macht.
Auch die Vorfilterung kann keinen ganzheitlichen Schutz bieten. Sie basiert auf Algorithmen (also einer automatisierten Auswahl) und der Rückmeldung von Nutzern. Dadurch kann nicht gewährleistet werden, dass YouTube Kids vollkommen kindgerecht ist. In der App heißt es: „Es besteht trotz allem die Möglichkeit, dass dein Kind auf ungeeignete Inhalte stößt.“ Eltern sollten die Suchfunktion deaktivieren und die Inhalte möglichst mit ihrem Kind gemeinsam ansehen. Bei Fragen, Verunsicherung oder Angst sind Eltern so sofort zur Seite.

YouTube Kids - so funktioniert's

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5 Tipps für Eltern

Familien-Account erstellen: Bei jüngeren Kindern über gemeinsame Accounts den Überblick behalten, was Ihr Kind anschaut, postet und kommentiert sowie bei älteren Kindern dazu im Gespräch bleiben.

Jugendschutz aktivieren:
Sicherheitseinstellungen am Gerät und im Browser aktivieren und Jugendschutzprogramme installieren. Achtung: Manche Jugendschutzfilter sperren gleich die gesamte Youtube-Seite. Stattdessen können Eltern auf Youtube auch den "sicheren Modus" aktivieren und über ein Passwort sichern.

Vorsicht beim Hochladen: Mit Kindern über Selbstinszenierung und Privatsphäre sprechen. Falls sie Videos hochladen, sollte der Publikumskreis auf "Private" oder "Unlisted" eingestellt werden, damit nur ausgewählte Personen diese sehen können bzw. diese gar nicht erscheinen.

Kommentare moderieren: Bei eigenen Videos Kommentare deaktivieren oder einschränken, so dass sie nur nach Prüfung veröffentlicht werden. Das verhindert Cybermobbing.

Inhalte melden: Ungewollte Kommentare im eigenen Kanal löschen und melden, belästigende Nutzer blockieren sowie nicht jugendfreie Videos melden oder externe Stellen wie jugendschutz.net informieren.

Common Sense Media hat 5 Tipps in einem Video (englisch) zusammengefasst.  

Youtube: Die besten Kanäle mit Erklärvideos

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