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Gewalt in TV & Film

Blutrünstige Actionfilme oder Kriegsbilder in TV-Nachrichten: Kinder und Jugendliche können in Film und Fernsehen mit gewalthaltigen Inhalten konfrontiert werden. Um sie davor zu schützen, begleiten Eltern am besten gerade jüngere Kinder bei der Mediennutzung, achten auf altersgemäße Inhalte, nutzen die Möglichkeiten des technischen Jugendschutzes und setzen sich mit älteren Kindern mit Gewaltinszenierungen kritisch auseinander.

 

© Brilliant Eye / Fotolia

Studien

Laut KIM-Studie 2014 gibt jedes fünfte Kind im Alter von 6 bis 13 Jahren an, im Fernsehen schon einmal mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert worden zu sein, etwas mehr Jungen als Mädchen. Unangenehme Dinge hat etwa jedes zehnte Kind schon einmal im Fernsehen gesehen – unabhängig vom Geschlecht. Mit Inhalten, die Angst gemacht haben, wurden 17 Prozent der Kinder schon einmal konfrontiert – hier etwas mehr Mädchen. Während der Kontakt mit für Kinder ungeeigneten Inhalten mit steigendem Alter deutlich häufiger auftritt (6-7 Jahre: 13 %, 8-9 Jahre: 18 %, 10-11 Jahre: 24 %, 12-13 Jahre: 29 %), gibt es bei Inhalten, die Angst machen, nur einen geringen Zusammenhang mit dem Alter der fernsehenden Kinder (6-7 Jahre: 21 %, 8-9 Jahre: 17 %, 10-11 Jahre: 15 %, 12-13 Jahre: 17 %). Bei den ungeeigneten Inhalten stehen Gewalt und Brutalität an erster Stelle, aber auch Horrorfilme, Krimis oder Filme für Ältere. Bei den angstmachenden Inhalten werden Gewalt- und Horror-/Geisterfilme in gleichem Maße genannt.

Jedes zweite Kind zwischen 6 und 9 hatte Angst beim Fernsehen, ein Drittel Albträume.

Laut einer Befragung im Rahmen der Grundlagenstudie “Having and showing emotions“ von 1.458 Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 19 Jahren hatte jedes zweite Kind zwischen sechs und neun Jahren manchmal Angst beim Fernsehen, ein Drittel hat manchmal Albträume. Bei den 10- und 11-Jährigen hat knapp die Hälfte manchmal Angst, ein Viertel manchmal Albträume. Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit von Angst und Albträumen weiter ab. Nach Genre kategorisiert werden am häufigsten Sendungen aus dem Bereich Mystery/Science Fiction/Fantasy genannt (21 %), gefolgt von Horror (12 %) und Krimis (9 %). In allen Stichproben tragen etwa die Hälfte der Sendungen, die von Kindern als angsteinflößend erlebt wurden, eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren. Doch nennen die Befragten auch Titel als angsterregend, die nach FSK-Bewertung für sie freigegeben sind bzw. im Tagesprogramm gesendet wurden.

Wirkung

Grundsätzlich ist zwischen der Darstellung fiktionaler und realer Gewalt zu unterscheiden. Insbesondere sind Angebote problematisch, die fiktional sind, aber Realität suggerieren, die real sind, aber Darstellungstechniken fiktionaler Formate etwa mittels Kameraeinstellung oder Musik integrieren und somit eine hohe Emotionalisierung erzeugen. Ferner können Gewaltinhalte, die auf mysteriöse und übernatürliche Ursachen rekurrieren, Kinder und jüngere Jugendliche nachhaltig verängstigen, insbesondere, wenn ihr Realitätsgehalt bzw. ihre Fiktionalität zweifelhaft ist. Zudem ist davon auszugehen, dass Gewaltinhalte, die einen engen Bezug zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen haben, eher eine negative Wirkung entfalten.

Wie Gewalt wirkt, hängt vor allem von der Realitätsnähe, Identifikation und Interaktion ab.

Ebenso haben Gewaltinhalte eine besondere Wirkung auf Kinder und Jugendliche, wenn sie viele Identifikationsanreize und eine hohe Interaktivität bieten, was gerade auch bei Gewalt in Games der Fall ist.

Risiken

Laut Infoset des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest bestehe die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche durch einen hohen Konsum von Mediengewalt abstumpfen. Durch das häufige Anschauen gewalttätiger Filme könne auch die Regel abgeleitet werden, gewalttätiges Verhalten sei etwas Normales. Zudem seien emotionale Störungen nicht auszuschließen, z.B. nach Horrorfilmen; bei sensiblen jungen Menschen können allerdings auch andere Handlungen als Gewalt (z.B. besonders bewegende, traurige Szenen) derartige Wirkungen zeigen. Schließlich bestehe die Gefahr, dass, bei entsprechenden sozialen und individuellen Rahmenbedingungen im Alltag, Kinder und Jugendliche gewalttätige Verhaltensmuster aus dem Fernsehen lernen und übernehmen.

Häufiger Gewaltkonsum stumpft ab und verschiebt Normen.

Position

Begleiten Eltern ihre Kinder von Anfang an durch die Medienwelt, können sie eher darauf achten, dass sie nicht mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden. Hilfreich ist dabei auch, gewaltfreie alters- und kindgerechte Inhalte anzubieten. Bei jüngeren Kindern ist es besonders wichtig sie vor Gewalt zu schützen, während Eltern bei älteren Kindern und Jugendlichen das Gespräch suchen können, um sie zu einem kritischen Umgang mit Gewaltinszenierungen in Medien zu animieren. Dabei können sie auch deutlich ihren Standpunkt dazu vermitteln.

Jüngere schützen, mit älteren Kindern kritisch diskutieren und konsequent sein.

Tipps

Inhalte einordnen

Bei der Beurteilung der „Zumutbarkeit“ von Gewaltdarstellungen ist es zunächst wichtig, das Alter und die individuelle „Empfindlichkeit“ der Kinder im Blick haben.

Vorschulkinder können besonders von Gewalthandlungen, die eigene Urängste berühren (Trennung, Tod usw.) überfordert werden. Selbst scheinbar harmlose Aktionen können schon zu viel sein.

Grundschulkinder können Gewalt eher verkraften, doch sind drastische Darstellungen von offenen Wunden, blutverschmierte Leichen, bedrohliches Geschehen und Schockmomente auch für sie beängstigend und verstörend. Realistisch inszenierte Gewalt, die sich in Kontexten abspielen, wie sie Kinder aus ihrem eigenen Umfeld kennen, können auch ältere Kinder verunsichern und belasten.

Um sich über die Einbettung, Darstellungsform und Rechtfertigung der dargestellten Gewalt vorab selbst ein Bild zu machen, helfen folgende Leitfragen:

  • Handlung: Ist die Handlung nachvollziehbar und verständlich? Sind die Gewalthandlungen begründet? Welche Grundstimmung vermittelt das Angebot? Wie drastisch ist Gewalt inszeniert?
  • Folgen: Werden Folgen von Gewalt wie Verletzungen, Schmerzen, Tod etc. gezeigt?
  • Spannung: Ist das Angebot von durchgängiger Spannung oder bietet es entspannende Elemente wie Ruhepausen und Komik oder Spannungsabbau am Ende z. B. über ein Happy End?
  • Figuren: Wer oder was übt Gewalt aus (Personen, Strukturen oder Naturkräfte)? Wer oder was ist der Gewaltanwendung ausgesetzt (Personen, Wesen, Sachen)? Mit wem soll man sich identifizieren und mitfühlen? Was heißt das für die Bewertung von Gewalt?
  • Bewertung: Wird Gewalt als probate Konfliktlösungsstrategie dargestellt? Ist Gewalt legitimiert? Wird die Gewalt sanktioniert? Verletzt die Gewaltdarstellung gesellschaftliche Normen?
  • Gestaltung: Verstärken Inszenierung, Dramatik und Technik die Wirkung von Gewalt?

Altersfreigaben und Sendezeiten beachten

Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle erteilen Altersfreigaben für Medieninhalte, die als Orientierung für Eltern dienen sollen, auch wenn sie keine pädagogischen Empfehlungen aussprechen. Die Altersfreigaben für TV & Film erteilen die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Die FSK entscheidet auf der Basis des Jugendschutzgesetztes (JuSchG) und ihrer Grundsätze über die Altersfreigabe von Kino- und Videofilmen. Die Alterskennzeichen (ab 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren) sind im Kino und auf DVD- und Blu-ray-Hüllen deutlich zu sehen. Die FSK engagiert sich als FSK.online auch im Online-Bereich und bietet für den Jugendschutz im Internet.

Wichtig ist auch, dass Eltern ihr Kind nicht zu spät fernsehen lassen, da ab 20 Uhr auch Inhalte ausgestrahlt werden, die ab 12 Jahren freigegeben sind, ab 22 Uhr solche ab 16 Jahren und ab 23 Uhr solche ab 18 Jahren.

Pädagogische Empfehlungen nutzen

Aktuelle TV-Tipps finden Eltern in den Programmtipps und auf den Kinderseiten geeigneter Programmzeitschriften, zum Beispiel TV Spielfilm. Der Ratgeber FLIMMO hilft bei der pädagogischen Einschätzung von TV-Sendungen. Eine Übersicht geeigneter Kinder-Filme finden Eltern z.B. bei kinderfilmwelt.de, kinofenster.de, visionkino.de und top-videonews.de. Zudem finden Eltern über andere Eltern, Bibliotheken oder die Schule Empfehlungen für gewaltfreie Inhalte, die sie ihrem Kind anbieten und gemeinsam mit ihm erkunden können.

Technischen Schutz verwenden und anpassen

Auch einige Fernsehgeräte verfügen über Jugendschutzeinstellungen. Für Downloads und Streaming gelten entsprechende Empfehlungen.

Jüngere Kinder beim Schauen von TV, Film oder Video begleiten

Schauen Sie mit jüngeren Kindern gemeinsam und bleiben Sie bei älteren in Reichweite. Zeigt ihr Kind beim Zuschauen Anzeichen von Angst oder Anspannung (Augen zuhalten, verstecken, zappeln), fragen Sie es, ob es die Sendung wirklich weitersehen möchte. Häufig sind Kinder für eine Unterbrechung dankbar, wenn die Spannung zu groß wird. Möchte das Kind weiterschauen, z.B. um den guten Ausgang der Geschichte zu erleben, so geben Sie ihrem Kind Sicherheit, z.B. indem sie es in den Arm oder auf den Schoß nehmen.

Geben Sie ihrem Kind Gelegenheit das Gesehene zu verarbeiten. Herumtoben, das Gesehene nachzuspielen oder zu malen, hilft die Eindrücke zu verarbeiten. Sprechen sie mit ihrem Kind über das Gesehene und beantworten Sie Fragen. Dies ist besonders wichtig, wenn es sich um reale Ereignisse handelt oder um fiktive Geschichten, die nah an der Lebenswelt von Kindern sind. Besonders, wenn Kinder involviert sind. Besprechen Sie mit ihm, inwieweit dies vorkommt und wie sich das Kind vor Gewalt schützen kann.

Mit älteren Kindern und Jugendlichen Gewaltinhalte hinterfragen

Eltern können die Gewaltdarstellungen auch mit älteren Kindern und Jugendlichen anhand der vorgestellten Leitfragen hinterfragen, um sie dafür zu sensibilisieren und zu einer kritischen Haltung gegenüber der Inszenierung von Gewalt in Medien animieren. Insbesondere kann dabei der Frage nach alternativen gewaltfreien Lösungsmöglichkeiten nachgegangen werden.

Standpunkt gegenüber Jugendlichen vertreten

Jugendliche konsumieren Gewalt in Medien oft um die eigenen Grenzen zu testen, als Mutprobe oder einfach um mitreden zu können. In einem Gespräch können Eltern ihr Kind fragen, ob und warum es gewalthaltige Inhalte nutzt. Dabei können sie selbst das Selbstbewusstsein ihres Kindes stärken, um z.B. dem Gruppendruck zu wiederstehen, und einen klaren Standpunkt einnehmen. So können sie ihrem Kind vermitteln, dass Gewalt keine Lösung von Konflikten und kein Zeichen von Stärke oder Reife ist. Wichtig ist auch, dass Eltern klare Grenzen setzen und bestimmte Inhalte nicht erlauben sowie dies begründen.

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