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Streaming, Mediathek und Co. - Fernsehen im Internet

© Fotolia/ Drobot Dean
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Das Anschauen von Sendungen, Serien und Filmen über das Internet wird immer beliebter. Auch viele Kinder und Jugendliche schauen mit oder nutzen diese Form des Fernsehens selbstständig. Doch dabei gibt es wie auch bei anderen Angeboten im Netz einige Sicherheitsregeln zu beachten, damit der Nachwuchs auch nur geeignete Inhalte zu sehen bekommt.

Fernsehen wird zeitlich, räumlich sowie gerätetypisch unabhängiger und flexibler. Viele schauen Videos per Stream über Mediatheken der Fernsehsender, Videoportale wie YouTube, Watchbox oder Vimeo, Vod- und Podcasts oder Online–Videotheken wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime Video. Die Inhalte müssen also nicht zuvor heruntergeladen werden, sondern stehen per Abruf („on demand“) bereit. Während man für Online-Videotheken meist kostenpflichtige Abonnements abschließen muss, kann man Videoportale wie YoutTube kostenlos nutzen. Letztere sind auch eine Form soziales Netzwerk, da man sich anmelden, ein Profil anlegen, Videos selbst hochladen, Kanäle abonnieren und Beiträge kommentieren oder „liken“ kann – ein Umstand, der zusätzliche Kommunikationsrisiken birgt.

Was sind Second-Screen Angebote?

Internetfähige Fernsehgeräte, die analog zu Smartphones als „Smart TV“ bezeichnet werden, verbinden das lineare mit dem nicht-linearen Angebot, indem man direkt über Zusatzschnittstellen auf Speicherkarten oder USB-Datenträger bzw. über WLAN auf Angebote im Internet zugreifen kann. Smartphone oder Tablet funktionieren als Fernbedienung bzw. „Second Screen“. Gerade „Second Screen“-Angebote wie Fanseiten oder Profile der Darsteller auf Facebook, Twitter und Instagram enthalten oft beleidigende Kommentare, werden nicht moderiert, bergen Kontakt- sowie Konfrontationsrisiken und sind daher für Heranwachsende ungeeignet. Gewinnspiele, etwa verbunden mit dem Aufruf, Selfies öffentlich unter einem Hashtag zu posten, animieren zudem zur Preisgabe privater Daten. Zudem ermöglicht der EU-weite Standard HbbTV (Hybrid Broadcasting Broadband TV), dass sich Nutzer zusätzliche Inhalte der Fernsehsender ähnlich wie beim Videotext über die Internetverbindung ansehen können.

Kinder- und Jugendschutz beachten

Kinder können bei diesen Angeboten leicht auf ungeeignete Inhalte stoßen. Zwar unterliegen deutsche Anbieter hiesigen Bestimmungen zum Jugendmedienschutz, welche die Ausstrahlung von Inhalten mit einer Freigabe ab 16 Jahren nach 22 Uhr und solche ab 18 Jahren nach 23 Uhr erlauben. Diese Regeln gelten jedoch nicht für ausländische Anbieter.
Smart-TVs bieten Jugendschutzeinstellungen, die Eltern aktivieren sollten.
Streaming Plattformen wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime Video haben oft separate Bereiche für Kinderfilme. Filme mit Altersfreigaben FSK 16 oder FSK 18 lassen sich, je nach Anbieter, durch Passwörter schützen (siehe weiter unten).

Die hohe Nachfrage nach Inhalten im Internet führt bereits dazu, dass Serien und Formate nun ausschließlich für den Online-Gebrauch produziert werden. Der junge Sender der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender „funk“ ist kein Fernsehsender, sondern ein Content-Netzwerk mit Inhalten auf der eigenen Website, YouTube, Facebook, Snapchat und Co.
Auch die beliebten Streaming-Dienste Netflix oder Amazon Prime Video produzieren Filme und Serien ausschließlich für die eigene Plattform.
Darunter sind auch Produktionen, die für ältere Kinder und Jugendliche Diskussionsstoff bieten und zum Teil kontrovers diskutiert werden. Ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist die Netflix-Produktion „Tote Mädchen lügen nicht“. Die Serie basiert auf dem amerikanischen Jugendbuch-Bestseller „13 Reasons Why“. Die zum Teil drastische Darstellung von Mobbing und sexueller Gewalt unter Jugendlichen, aber auch die sehr ausführliche Darstellung eines Selbstmordes sind selbst für ältere Kinder und Jugendliche schwer zu verkraften. Kritiker der Serie sehen außerdem die Gefahr der Nachahmung, vor allem bei gefährdeten Personen. Das Beispiel „Tote Mädchen lügen nicht“ zeigt, wie wichtig es ist, dass Eltern über die Möglichkeiten von Kindersicherungen und Jugendmedienschutz bei Onlineangeboten Bescheid wissen.

Was ist YouTube Kids?

Seit September 2017 stellt Google mit YouTube Kids auch in Deutschland eine Kindervariante seines Angebots als App für Smartphone, Tablet und einige Fernseher zur Verfügung. Eine kindergeeignete Bedienung, diverse Einstellungs- und Kontrollmöglichkeiten und eine Vorfilterung der Inhalte machen das Angebot zu einer Alternative zum bereits bekannten YouTube. Allerdings: Auch YouTube Kids ist nicht werbefrei. Gerade jüngere Kinder im Vor- und Grundschulalter, die die Hauptzielgruppe des Angebots darstellen, können zwischen Werbung und den eigentlichen Inhalten noch nicht unterscheiden. Hinzu kommt, dass die Werbung auf ebendiese Zielgruppe zugeschnitten ist und Produkte zu Figuren aus Serien oder Filmen bewirbt, was die Unterscheidung noch schwieriger macht.
Auch die Vorfilterung kann keinen ganzheitlichen Schutz bieten. Sie basiert auf Algorithmen (also einer automatisierten Auswahl) und der Rückmeldung von Nutzern. Dadurch kann nicht gewährleistet werden, dass YouTube Kids vollkommen kindgerecht ist. In der App heißt es: „Es besteht trotz allem die Möglichkeit, dass dein Kind auf ungeeignete Inhalte stößt.“
Eltern sollten die Suchfunktion deaktivieren und die Inhalte möglichst mit ihrem Kind gemeinsam ansehen. Bei Fragen, Verunsicherung oder Angst sind Eltern so sofort zur Seite.

YouTube Kids - so funktioniert's

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Netflix, Maxdome und Co.: Wie geschützt sind bezahlte Streaming-Dienste?

Im Internet gibt es oft, anders als es im Fernsehen der Fall ist, keine zeitliche Begrenzung für FSK-beschränkte Inhalte. Eine Ausnahme stellen Mediatheken der öffentlich rechtlichen Sender dar. Es ist die Pflicht der Eltern, Streaming-Portale wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime Video kindgerecht einzurichten.

Netflix: Um Netflix kindersicher zu machen, empfiehlt es sich ein Kinderprofil anzulegen. Hier erscheinen nur Filme und Serien bis einschließlich FSK 12. Es ist möglich die FSK-Einschränkung auf FSK 6 oder FSK 0 zu begrenzen. Im „normalen“ Netflix Profil sind lediglich Inhalte ab FSK 18 mit einer PIN geschützt.

Maxdome: Für den Streaming-Dienst Maxdome ist es erforderlich unter „Altersfreigabe“ eine Personalausweisnummer zu hinterlegen, um so anschließend eine Jugendschutz-PIN einrichten zu können. Die PIN gilt dann für alle Filme mit FSK-Freigabe. Optional kann der Profil-Inhaber einstellen, jedes Mal per E-Mail benachrichtigt zu werden, wenn Inhalte mit FSK 16 oder FSK 18 Kennzeichnung geschaut werden.

Amazon Prime Video:
Auch bei Amazon Prime Video ist es erforderlich eine PIN einzurichten. Nicht alle Inhalte sind im Streaming-Dienst inklusive, sondern teilweise nur als Kaufoption verfügbar. Die PIN gilt dann als Kindersicherung und Kaufbeschränkung. Die FSK Beschränkung der PIN kann in diesem Fall individuell gewählt werden. Mit der App Free Time Unlimited bietet Amazon Eltern daneben einen kostenpflichtigen Abo-Service für Kinder an: In einer abgesicherten Benutzeroberfläche steht den kindlichen Nutzern u.a. eine große Auswahl vorausgewählter Kinderserien und –filme zur Verfügung, Eltern werden Kontrollmöglichkeiten wie Zeitbeschränkungen eingeräumt.    

In jedem Fall gilt aber, dass die FSK Beschränkung keine pädagogische Empfehlung ist, sondern angibt, ob für ein bestimmtes Alter beeinträchtigende Inhalte gezeigt werden. Es kommt immer individuell auf das Kind, seine Interessen und seine Erfahrungen an, welche Inhalte geeignet sind und welcher lieber vermieden werden sollten.

Kostenlose und dubiose Streams: Urheberrecht beachten

Tauschbörsen, in denen urheberrechtlich geschützte Inhalte hoch- und heruntergeladen werden, sind in jedem Fall illegal. Seit Frühjahr 2017 handelt es sich nun auch beim Streamen von Inhalten über Portale wie kinox.to um Urheberrechtsverletzungen. Bevor der Europäische Gerichtshof (EuGH) das richtungsweisende Urteil ausgesprochen hatte, fielen lediglich Bereitstellung, Download und Vervielfältigung von Streaming-Inhalten unter das Urheberrecht. Eltern müssen ihren Kindern in jedem Fall klar machen, dass solche dubiosen Angebote nicht genutzt werden dürfen und einen Straftatbestand darstellen.

SCHAU HIN!-Tipps

© Getty Images / golero
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Damit ihr Kind nicht mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert wird, sollten Eltern im Blick haben, was es sich über welche medialen Wege ansieht, auf Altersfreigaben und Empfehlungen von pädagogischer Seite achten, sich über die einzelnen Angebote sowie deren Funktionen zum Jugendmedien- und Datenschutz informieren, Sicherheitseinstellungen am Gerät aktivieren und zudem Jugendschutzprogramme oder –Apps installieren. Jugendschutzprogramme speziell für Smart-TV, Set Top-Boxen, Konsolen oder Bluray-Player gibt es jedoch bis auf den eingebauten Filter bei der Xbox One keine. Die Seiten werden zwar ggf. generell blockiert, eine differenzierte Filterung ungeeigneter Filme findet in der Regel aber nicht statt. Denn die meisten Streaming-Dienste sind nicht oder nur unzureichend differenziert gelabelt und werden daher von Jugendschutzprogrammen in der Regel komplett gesperrt, auch wenn sich darauf für Kinder geeignete Inhalte befinden.

Kinder begleiten
Am besten begleiten Eltern ihre Kinder beim Fernsehen, sprechen über den sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten und über ungeeignete Inhalte, weisen ihr Kind auf Risiken bei unseriösen Angeboten hin und zeigen, ihm wie es diese erkennt. So sind häufig die Betreiber der Seite nicht erkennbar und stellen Kinofilme bereit, die sonst noch nicht im Internet verfügbar sind.

Technischen Schutz nutzen
Meist können Eltern den Zugang zu bestimmten Inhalten über eine Jugendschutz-PIN sperren oder Jugendschutzeinstellungen aktivieren. Da die Bedienung variiert, machen sie sich dazu am besten mit den Anleitungen für das Angebot oder das Gerät vertraut. Bei Unsicherheiten können sie die Hilfeseiten im Internet aufsuchen bzw. sich beim Fachhändler beraten lassen. Zwar empfiehlt sich generell die Installation anerkannter Jugendschutzprogramme wie z.B. „JusProg“ , doch helfen diese Angebote bei der Filterung streambarer Inhalte nur bedingt, da sie nur für PC und mobile Geräte nutzbar sind, sowie auf dem meist unzureichenden Labeling der Website-Anbieter basieren.

Altersgerechte Alternativen anbieten
Gerade für Kinder sind altersgerechte Angebote zu empfehlen wie die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Kinderprogramme, die unter www.zdf.de/kinder, www.kika.de/videos,
www.checkeins.de/videos, www.neuneinhalb.wdr.de abrufbar bzw. als App verfügbar sind.
Möchten Kinder Medieninhalte selbst erstellen, statt sie nur zu konsumieren, können sie altersgerechte und werbefreie Portale wie auditorix.de und audiyou.de oder juki.de nutzen. Weitere Informationen und kindgerechte Bild-, Video- und Musikportale finden Eltern auf entsprechenden Kinderseiten. Empfehlungen unter seitenstark.de und klick-tipps.net.    

Regeln vereinbaren

Technische Sperren helfen also nur bedingt. Umso wichtiger ist, dass Eltern ihr Kind aktiv im Umgang mit diesen Angeboten und Geräten begleiten sowie klare Nutzungsregeln vereinbaren. Dies betrifft auch Absprachen zur Fernsehdauer. Während Kinder bis fünf Jahren nicht länger als eine halbe Stunde und Kinder bis neun Jahren bis zu einer Stunde täglich vor dem Bildschirm verbringen sollten, bietet sich für Kinder ab 10 Jahren ein Wochenkontingent von etwa neun Stunden an.

Second Screen-Angebote kritisch begleiten

Am besten achten Eltern auf die Altersfreigaben der die TV-Formate begleitenden Online-Kanäle und –Dienste. Facebook und Instagram sind laut Anbieter z.B. erst ab 13 Jahren erlaubt. Nutzen Kinder diese Dienste trotzdem, sollten sich Eltern über Risiken informieren, ihre Kinder entsprechend darüber aufklären und gemeinsam (Chat-)Regeln vereinbaren, etwa ungeeignete Inhalte oder Beleidigungen zu melden und Störer zu blockieren. Zudem ist die Anmeldung bei bestimmten Diensten oder die Teilnahme an Gewinnspielen vorher zu besprechen.

Urheberrecht beachten

Eltern müssen ihr Kind über Urheberrechte und rechtliche Risiken aufklären. Informationen dazu bieten Seiten wie internet-abc.de für Kinder, watchyourweb.de für Jugendliche sowie klicksafe.de und irights.info für Eltern. Am besten schließen Eltern mit ihrem Kind eine Vereinbarung (mediennutzungsvertrag.de oder surfen-ohne-risiko.net/netzregeln) ab, um zu belegen, dass sie ihrer Unterweisungspflicht nachgekommen sind. Vor allem im Hinblick auf das Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu Streaming Plattformen wie kinox.to ist es wichtig, Kinder und Jugendliche über das Thema aufzuklären.

Ergebnisse der Studien: Was wird im Netz geschaut?

Laut KIM-Studie 2016 gewinnt das Betrachten von Bildern bzw. Videos im Netz mit dem Alter stark an Bedeutung: Über die Hälfte (55 %) der sechs bis 13-Jährigen sehen zumindest selten Videos im Internet an.

Laut JIM-Studie 2016 finden sich in 97 Prozent der Haushalte, in denen Jugendliche aufwachsen, ein Fernsehgerät. 52 Prozent der Haushalte verfügen mittlerweile über ein Fernsehgerät mit Internetzugang. Aktuell besitzen mit 55 Prozent immer noch mehr als die Hälfte aller Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes Fernsehgerät (mit Internetzugang: 16 %). Zwei Drittel haben schon einmal Filme oder Serien online angeschaut. Dazu nutzen sie YouTube (47 %), Netflix (29 %) und Amazon Prime (18 %). YouTube-Nutzer sehen dabei vor allem Musikvideos (55 %), kurze lustige Clips (40 %), Let’s-play-Videos (33 %) und Comedy-Formate (32 %). Zu seriösem Content zählen YouTuber, die Nachrichten präsentieren und kommentieren (22 %), Lernvideos bzw. Tutorials (21 %) und Videos, bei denen es um Sport geht (21 %). Für 16 Prozent sind Mode- oder Beauty-Videos von großer Bedeutung, ähnlich groß ist der Anteil derer, die sich regelmäßig Fernsehsendungen oder Ausschnitte davon ansehen. Action Cam-Videos kommen meist aus dem Bereich des Extremsports und sind für zwölf Prozent von großem Interesse, jedem zehnten YouTube-Nutzer dient die Plattform als digitale Nachhilfe, indem er oft Erklär-Videos zu Themen für die Schule anschaut.
Laut JIM-Studie 2016 ist auch die Nutzung des Smartphones als Medium immer wichtiger für Jugendliche geworden: schauten 2014 noch 11 % Videos über ihr Smartphone, hat sich innerhalb von 2 Jahren die Zahl nun fast verdoppelt (20 %). Je mobiler der Konsum von Videos wird, desto schwieriger wird es für Eltern, diesen zu begleiten.

Streamingdienste und Jugendschutz

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Mediatheken für Kinder

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