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Ballerspiele, Egoshooter und Killergames

In der Diskussion um für Kinder ungeeignete Inhalte spielten gewalthaltige Computer- und Videospiele, sogenannte "Ballerspiele", "Egoshooter" oder "Killerspiele" lange eine große Rolle. Um sie davor zu schützen, begleiten Eltern am besten gerade jüngere Kinder, achten auf altersgemäße Inhalte, nutzen die Möglichkeiten des technischen Jugendschutzes und setzen sich bei älteren Kindern mit der Faszination dieser Games kritisch auseinander.

halowaypoint
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Gewalthaltige Inhalte sind in Computer- und Videospielen besonders häufig zu finden: von moderaten, kindgerechten und witzigen Formen über distanzierende strategische Inszenierungen bis hin zu Gewaltorgien und blutigem Abschlachten. Die technologische Entwicklung erreicht dabei mittlerweile eine (super)realistische Darstellung. Wenn sich das Spielgeschehen aus der Sicht der subjektiven Kamera entfaltet, wird die sichtbare Distanz zur realen Welt geringer, und es erfordert vom Spieler größere kognitive Anstrengungen, zwischen virtueller und realer Welt zu differenzieren.

Da es sich hier um ein sehr interaktives Medium handelt, hängt die Häufigkeit und Dichte von gewalthaltigen Inhalten nicht nur vom Genre und Titel, sondern auch von der individuellen Spielweise ab. Im Hinblick auf Mehrspieler- und Online-Games ist zudem die soziale Interaktion der Spieler zu berücksichtigen. Diese können sich zu gewalthaltigen Aktionen animieren und auf den entsprechenden Plattformen spielintern wie -extern persönlich beleidigen. Zudem kann das Spielen unter Wettbewerbsbedingungen unabhängig vom Gewaltgehalt der Spiele die Aggressivität der Spieler erhöhen. Dies gilt auch für spielbedingte Frustrationen.

Rezeption

Heranwachsende können mediale Gewalt sehr unterschiedlich erleben. Dabei spielen eine Rolle

  • Kontext,
  • Realitätsgrad und Alltagsnähe,
  • Inszenierung,
  • Identifikationsanreize und
  • Interaktivität.

Ferner wird das Erleben medialer Gewalt von unterschiedlichen Faktoren auf Seiten der Heranwachsenden beeinflusst. Hierfür sind von Bedeutung Alter bzw. Entwicklungsstand,

  • gewaltbezogene Werthaltungen und persönliche Erfahrungen mit Gewalt, oft verbunden mit der Geschlechtsrolle sowie dem soziokulturellen und sozioökonomischen Milieu,
  • Erfahrung mit dem relevanten Genre,
  • für die Mediennutzung relevante Motive.

Das Zusammenspiel medialer und personaler Faktoren beeinflusst, inwieweit Heranwachsende Gewaltspiele erleben, sich davon distanzieren können sowie geneigt sind, sich in fragwürdigen Werthaltungen und Verhaltenstendenzen bestätigt zu fühlen oder diese zu entwickeln.

Faszination

Folgende Aspekte können Kinder und Jugendliche an Gewaltdarstellungen faszinieren:

  • Spannung: Gewalt dient oft dazu, den Spieler in das Spiel zu vertiefen. Dabei sieht sich der Spieler in seiner virtuellen Existenz gefährdet und muss alle Kraft aufbieten, dies zu verhindern.
  • Macht, Herrschaft und Kontrolle: Viele Computerspiele basieren darauf, dass Spieler Macht entfalten und das Spiel kontrollieren. Gerade Jugendliche, die im Alltag ängstlich und verunsichert sind, neigen oft dazu darüber Selbstzweifel zu kompensieren.
  • Gesellschaftliche Vorbilder: Gewalt ist gesellschaftlich geächtet und doch virulent. Für viele Jugendliche sind Gewaltspiele interessant, weil sie sich so gesellschaftlich abgrenzen können.
  • Mediale Vorbilder: Die Präsentation virtueller Gewalt folgt medialen Vorbildern wie Helden und dient zur Identifikation und zur Projektion eigener Fantasien von Macht und Kontrolle.
  • Dispens von Empathie: Statt Empathie verlangen viele Computerspiele taktisches Verhalten im Rahmen eines festgelegten Regelsystems. Ein virtuelles Gegenüber ist dabei Objekt; die „Spielmoral“ trennt dabei oft in vereinfachender Schwarz-Weiß-Manier „Gute“ von „Bösen“.
  • Emotionsbewältigung: Spieler halten in einer real sicheren Situation bewusst die Spannung der fiktionalen Bedrohung aus und bewältigen Angst symbolisch.

Wirkung

Wirkungsrisiken medialer Gewalt sind

  • situative emotionale Überforderung/Verängstigung
  • Verstärkung eines bedrohlichen Weltbildes
  • Verstärkung einer Wertorientierung, die Gewalt als legitimes Mittel der Durchsetzung und Konfliktlösung akzeptiert und entsprechender Verhaltenstendenzen
  • Minderung von Empathie bzw. Abstumpfung gegenüber Gewalt.

Position

Begleiten Eltern ihre Kinder von Anfang an durch die Medienwelt, können sie eher darauf achten, dass sie nicht mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden und können gewaltfreie alters- und kindgerechte Inhalte anbieten. Bei jüngeren Kindern ist es besonders wichtig sie vor Gewalt zu schützen, während Eltern bei älteren Kindern und Jugendlichen Gewaltinszenierungen kritisch reflektieren können.

Tipps für Eltern

Inhalte einordnen

Eltern können gewalthaltige Games genauer überprüfen, indem sie die Spielerfahrung auf der einen Seite sowie einzelnen Faktoren des Angebots auf der anderen Seite berücksichtigen. Hierzu gehören etwa der Kontext, das Spielgenre, die Form der Darstellung und Häufigkeit von Gewalt, die Inszenierung über Effekte wie Musik und Sounds sowie das Identifikationspotenzial der Figuren.

Alterskennzeichnung beachten

Eine erste Orientierung bieten die Altersfreigaben der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Eltern und Erziehende sollten darauf achten, dass ihre Kinder nur solche Spiele nutzen, die für ihr Alter frei gegeben sind. Andernfalls ist ein klares „Nein“ in der Erziehung wichtig, verbunden mit der Erklärung, warum dieses Spiel nicht geeignet ist. Die Altersfreigaben sind allerdings keine pädagogische Empfehlung und sagen nichts über die Qualität eines Spiels aus. Eltern sollten wissen, dass eine dem Alter des Kindes entsprechende Freigabe nicht ausschließt, dass das individuelle Kind den Inhalt als belastend erleben kann.

Pädagogische Empfehlungen nutzen

Eltern finden auf kindgerechten Seiten wie internet-abc.de/spiele, blinde-kuh.de/spiele, klick-tipps.net/spielen und seitenstark.de, bei Kindersoftwarepreisen wie TOMMI, Pädi oder GIGA Maus, über andere Eltern, Bibliotheken oder die Schule Empfehlungen für gewaltfreie Spiele, die sie ihrem Kind anbieten und gemeinsam mit ihm testen können. In unserer Spieledatenbank, bei spielbar.de oder spieleratgeber-nrw.de erhalten Eltern pädagogische Einschätzungen. Auch in der aktuellen Ausgabe des Spieleratgebers „Digitale Spiele pädagogisch beurteilt“ können sich Eltern informieren. 

Kinder vor Gewalt schützen  

Eltern tragen zum Schutz ihres Kindes vor altersunangemessener medialer Gewalt bei, indem sie es beim Medienkonsum begleiten, geeignete Inhalte gemeinsam auswählen, auf Altersfreigaben achten und technische Maßnahmen wie Sicherheitseinstellungen und Jugendschutzprogramme nutzen. Gewalt ist jedoch auch ein reales gesellschaftliches Phänomen, das auch im Alltag von Kindern vorkommt und mit dem sie sich auseinandersetzen wollen und müssen. Die Auswahl geeigneter Angebote, die das Thema altersgerecht behandeln, kann Kinder dabei unterstützen.

Jüngere Kinder beim Spielen von Games begleiten

Spielen Sie mit jüngeren Kindern gemeinsam und bleiben Sie bei älteren in Reichweite. Zeigt ihr Kind dabei Anzeichen von Angst oder Anspannung, fragen Sie es, ob es das Spiel wirklich für geeignet hält. Stehen Sie ihrem Kind für Fragen zur Verfügung und sprechen sie mit ihm darüber.

Mit älteren Kindern und Jugendlichen Gewalt hinterfragen

Eltern können die Gewaltdarstellungen auch mit älteren Kindern und Jugendlichen anhand der vorgestellten Leitfragen hinterfragen, um sie dafür zu sensibilisieren und zu einer kritischen Haltung gegenüber der Inszenierung von Gewalt in Medien animieren. Insbesondere kann dabei der Frage nach alternativen gewaltfreien Lösungsmöglichkeiten nachgegangen werden.

Standpunkt gegenüber Jugendlichen vertreten

Jugendliche spielen gewalthaltige Games oft um die eigenen Grenzen zu testen oder um mitreden zu können. In einem Gespräch können Eltern ihr Kind fragen, ob und warum es gewalthaltige Spiele nutzt. Dabei können sie selbst das Selbstbewusstsein ihres Kindes stärken, um dem Gruppendruck zu wiederstehen, und einen klaren Standpunkt einnehmen. So können sie ihrem Kind vermitteln, dass Gewalt keine Lösung und kein Zeichen von Stärke oder besonderer Reife ist. Wichtig ist, dass Eltern klare Grenzen setzen und bestimmte Spiele nicht erlauben sowie dies begründen.

Die Diskussion um gewalthaltige Computerspiele fasst dieser Artikel zusammen.

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