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„Onlinespiele gemeinsam mit dem Kind auswählen“

Kinder sind fasziniert von Onlinespielen. Doch nicht alle Onlinespiele sind für Kinder geeignet - sei es durch mögliche Kosten oder versteckte Werbung, durch Datenabfragen, entwicklungs­beeinträchtigende Inhalte oder durch einen zeitintensiven Spielablauf ohne Unterbrechungs­möglichkeit. Anders als Computerspiele tragen Online-Spiele nicht die Alterskennzeichen der freiwilligen Selbstkontrolle USK. Das macht es für Eltern schwierig, die Lieblingsspiele ihrer Kinder einzuschätzen.
Ein besonders beliebtes Portal auch bei Kindern ist "SpielAffe.de". SCHAU HIN! hat deshalb mit Lars Tillmann von Kaisergames zum Thema Kinder und Onlinespiele gesprochen. Das Unternehmen entwickelt Onlinespiele und betreibt auch "SpielAffe.de."

SCHAU HIN!: Was sind beliebte Onlinespiele bei sechs- bis 13-jährigen Kindern?

Lars Tillmann: Da der Entwicklungsschritt vom Grundschulkind bis zum Jugendlichen sehr groß ist, sind auch die Interessen hinsichtlich der Spiele sehr unterschiedlich. Es gibt durchaus Genres und Spielinhalte, die einfach aufgebaut und daher bei Kindern als auch bei Erwachsenen beliebt sind. Gute Beispiele dafür sind Tetris und unser eigenes Spiel "Smarty Bubbles".

Bei den Jungs besonders angesagt sind Sport- und Rennspiele, die eine gute Motorik, Reaktion und Hand-Augen-Koordination erfordern. Die jüngeren Mädchen mögen Spiele, bei denen es um Styling, Dekoration und Kochen geht. Das klingt im ersten Moment nach Stereotypen und Klischees. Aber diese Spiele setzen Kreativität und Zeitmanagement voraus und sind durchaus anspruchsvoll. Bei beiden Geschlechtern beliebt sind alle Spiele, die Geschicklichkeit und Köpfchen verlangen, um Lösungswege auszutüfteln, Rätsel zu lösen oder Bauernhöfe und Restaurants zu bewirtschaften.

SH!: Was ist bei Onlinespielen für Kinder besonders zu beachten?

LT: Grundsätzlich empfehle ich Eltern, ihr Kind bei seinen Erfahrungen im Internet möglichst oft zu begleiten, Tipps zu geben und auch selbst daraus zu lernen. Kinder nehmen das Internet anders wahr als Erwachsene. Darauf müssen Eltern eingehen und so ihrem Kind unterstützend zur Seite stehen. Das gilt für den generellen Internetkonsum genau wie für die Onlinespiele und Mobile Games. Da es hier keine offizielle Alterseinstufung etwa durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) gibt, sollten Eltern nach Möglichkeit selbst testen, ob ein Spiel für die Fähigkeiten und Reife ihres Kindes geeignet ist. Auf SpielAffe.de untersucht ein eigenes Team alle Spiele im Vorfeld auf jugendgefährdende Inhalte hin und sortiert unpassende Spiele aus.

SH!: Welche Hinweise würden Sie Eltern in Bezug auf kostenpflichtige Spiele geben?

LT: Wichtig ist, dass Eltern ihrem Kind erklären, dass für Erweiterungen oder Spielwährung meist echtes Geld gefordert ist und dafür sorgen, dass ein Kind diese nicht alleine erwerben kann. Animieren Spiele stetig dazu, hier und dort einen Euro auszugeben, kommen schnell größere Beträge zustande. Daher muss man das "Free-to-Play"-System von der Variante "Pay-to-Win" abgrenzen, die nicht für Kinder geeignet ist. Hier bedeutet nämlich der Einsatz finanzieller Mittel auch einen unmittelbaren Spielvorteil: Ich bezahle, um zu gewinnen. Bei Free-To-Play hingegen erkaufe ich mir Zeit, um etwa einen Gegenstand im Spiel schneller zu besitzen. Mit ein wenig Geduld kann ich diesen aber auch ohne Geld erspielen.

SH!: Welche Spiele würden Sie für Kinder und Jugendliche empfehlen?

LT: Im Bereich der klassischen Computer- und Konsolenspiele gibt es durch die Alterseinstufung der USK einen guten Leitfaden, an dem sich Eltern orientieren können. Bei Online- und Mobile Games ist dies nicht der Fall. Hier ist auch die Verantwortung der Spielehersteller und Betreiber von Spieleplattformen gefragt. Auf SpielAffe.de bieten wir Kindern und Eltern eine leichte Navigation durch die Themengebiete und Zielgruppen der einzelnen Spiele und stufen diese einem bestimmten Alter ein. Eltern können mit ihren Kindern gemeinsam das Spiel auswählen, das dem Geschmack und Alter entspricht.

SH!: Wie können Eltern ihre Kinder bei einem neuen Spiel begleiten?

LT: Bei jüngeren Kindern ist diese Situation mit einem Kinderbuch vergleichbar. Man liest und erlebt es gemeinsam. So können Eltern auch die Begegnung mit einem Online- oder Videospiel gestalten und die ersten Schritte in einem Spiel mit dem Kind gemeinsam unternehmen. Zudem können Eltern aber auch behilflich sein, wenn etwas unklar ist oder sie bemerken, dass ihr Kind etwa die Steuerung, das Ziel des Spiels oder sonstige Informationen nicht richtig versteht. Dann ist das Spiel vielleicht noch zu komplex und wird auch keinen Spaß machen. Hier können Eltern Alternativen anbieten.

SCHAU HIN! empfiehlt:

Eltern sollten mit ihrem Kind bei Games klare Regeln vereinbaren, was, wie oft und wie lange am Bildschirm gespielt darf. Dazu probieren Eltern die Spiele am besten selbst aus und achten dabei auf die Reaktion ihres Kindes. Kommen in den Games realistische Gewalt, düstere Szenarien und übermäßige Effekte vor, sind sie kaum geeignet und kindgerechte Alternativen gefragt.

SH!: Gibt es Spiele, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch einen Lerneffekt haben?

LT: Sogar sehr viele. Mit Onlinespielen lernt man zwar nicht wie mit einem Schulbuch. Jedoch gibt es viele Spiele, die sich gerade für Schulkinder eignen, um verschiedene Fähigkeiten zu unterstützen: von der Reaktionsschnelligkeit über Geschick und Logik bis hin zu  Problemlösungsstrategien. Quizspiele, Puzzles und Zahlenrätsel fördern ganz gezielt Allgemeinbildung, Gedächtnis, Zahlen- und Textverständnis. Wichtig ist, dass der Spielspaß nicht zu kurz kommt, damit Kinder motiviert bleiben.

SH!: Welche Spiele würden Sie nicht empfehlen?

LT: Wie bei allen Medien gibt es auch unter den Online- und Mobile-Games Titel, die absolut nicht für eine junge Zielgruppe gemacht wurden. Dort findet man Gewalt, Erotik und andere jugend­gefährdende Inhalte. Nicht alle Spiele sind harmlos. Aus diesem Grunde ist es auch so wichtig, dass Eltern ihren Kindern zur Seite stehen. Die Sicherheit erhöht man durch aktives Begleiten und unterstützende technische Instrumente wie geschützte Surfräume oder Jugendschutzfilter. Kinder surfen und spielen im Idealfall nur dort, wo es sicher ist, brauchen aber auch die nötige Kompetenz, selbst zwischen passenden und unpassenden Inhalten unterscheiden zu können.

SH!: Woran können sich Eltern orientieren, welches Spiel für ihr Kind angemessen ist?

LT: Am besten gemeinsam mit dem Kind auf die Suche nach passenden Spielen und Internetseiten gehen. SpielAffe.de und unser Portal für Kinder im Vorschulalter namens SpielZwerg.de sind natürlich nicht die einzigen Angebote. Gerade jüngere Kinder können mit Suchmaschinen wie fragfinn.de oder blinde-kuh.de einfach und sicher passende Inhalte finden. Auch hier gilt natürlich: vorher ausprobieren.

SH!: Was können Eltern tun, um auf einen angemessenen Spielekonsum bei ihren Kindern zu achten?

LT: Das Spielen generell zu verbieten ist sicherlich der falsche Weg. Vielmehr hilft es, gemeinsam mit dem Kind Regeln aufzustellen und Interesse an dem zu zeigen, was die Kinder spielen oder selbst mitzuspielen. Dabei sollten Spiele nicht als Druckmittel oder als Belohnung bzw. als Bestrafung eingesetzt werden. Feste Uhrzeiten und die Kontrolle, was mein Kind überhaupt spielt, sind Wege, den Spielekonsum auf ein gutes Maß einzupendeln. Während dies zu Hause leicht umzusetzen ist, funktioniert das bei Smartphones allerdings weniger. Für jüngere Kinder ist es daher ratsam, dass sie überhaupt kein mobiles Internet nutzen und damit auch keine Spiele herunterladen oder konsumieren können, solange die Eltern nicht dabei sind.
Mit steigendem Alter können Kinder und Jugendliche Medien selbstständiger nutzen. Gerade das Internet und auch Spiele gehören für viele Jugendliche zum Alltag und sind Gesprächsthema. Viele Kinder und Jugendliche sitzen aus Langeweile vor dem PC oder Handy und spielen. Ein guter Weg ist, wenn Eltern von sich aus Alternativen anbieten, etwa nach draußen gehen und Fußball spielen oder auch Brettspielabende mit der ganzen Familie.

SH!: Und wenn es doch zu viel wird?

LT: Bei Unsicherheit hilft der Austausch mit anderen Eltern oftmals weiter. Bei klaren Anzeichen, dass der Spielekonsum überhandnimmt, besteht Handlungsbedarf. Wird das Kind zum Beispiel aggressiv, wenn es nicht spielen darf, oder werden Dinge wie die Mithilfe bei der Hausarbeit oder die Erledigung von Schulaufgaben ignoriert, sollten Eltern aktiv werden, das intensive Gespräch mit dem Kind suchen und sich gegebenenfalls auch an Beratungsstellen wenden.

Mehr auf SCHAU HIN!

Im Bereich „Games“ bietet SCHAU HIN! umfangreiche Informationen und Hilfestellungen für Eltern an. Dazu gehören „Goldene Regeln“, Sicherheitseinstellungen sowie eine Spieledatenbank mit geprüften Games für Kinder und Jugendliche

Weitere Linktipps

Weitere Portale, die bei der Suche nach geeigneten Spielen weiterhelfen, sind die Spielkiste der Kindersuchmaschine Blinde Kuh unter www.blinde-kuh.de, www.internet-abc.de, www.spielbar.de und www.klick-tipps.net/spielen.

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