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Fake News: Kinder über Falschmeldungen aufklären

 

Im Internet kursieren häufig Falschmeldungen und es gibt vielerlei Arten von Manipulationsversuchen. Es ist wichtig, dass Eltern ihr Kind darüber aufklären und dabei unterstützen, diese zu erkennen.

 

© Fotolia / Victor Moussa
© Fotolia / Victor Moussa

Täuschung und Manipulation im Internet sind ein vielfältiges Phänomen, welches sehr unterschiedliche Risiken für Kinder und Jugendliche beinhaltet und unterschiedliche Ziele verfolgt. Nicht immer stecken dahinter die in aktuellen Debatten häufig erwähnten "Fake News" bzw. Falschmeldungen. Mit diversen Strategien wird versucht, durch das Vortäuschen von etwas vermeintlich "Authentischem" Aufmerksamkeit zu gewinnen, Klickzahlen zu erhöhen oder gar an persönliche Daten zu gelangen, u.a. über:

  • Clickbait: durch besonders Aufmerksamkeit erregende Überschriften sollen Klicks auf die eigene Seite und damit höhere Werbeinnahmen generiert werden
  • Viren/Phishing: Vortäuschung vermeintlich authentischer Inhalte, Dateien oder Formulare, um persönliche Daten ausspähen zu können oder Viren zu verbreiten. Dies geschieht z.B. mit vorgeblichen Änderungen in AGB, Oberflächen für Online-Banking oder dem Angebot von Zusatzfunktionen für beliebte Dienste, die Viren enthalten
  • Satire als für Kinder nicht immer erkennbare Form der Übertreibung und "Falschmeldung"
  • "Fake Charity": Nachrichten täuschen "gute Absichten" vor, wie angebliche Spende für jedes Teilen eines Inhalts oder das Betrauern von Personen, die gar nicht tot sind.
  • "Hoaxes“: Immer wieder tauchen z.B. Kettenbriefe auf, die mit Problemen oder gar dem Tod drohen, sollten diese nicht weitergeleitet werden. 
  • Hetze/Hass im Netz: Hetze gegen politisch Verantwortliche oder Minderheiten mit falschen Meldungen, z.B. mit vermeintlich authentischen Berichten über kriminelles Verhalten von "Ausländern".

Fake News: Steuern von aktuellen Debatten

Mit dem Begriff "Fake News" wird im engeren Sinne und im Rahmen aktueller Debatten vor allem das Streuen von Falschmeldungen als Propagandamittel verstanden. Meist soll mithilfe von "Fake News" der politische Diskurs verschoben sowie Angst und Hass gegenüber bestimmten Personengruppen geschürt werden. "Fake News“ lassen sich anhand ihres Umgangs mit realen Gegebenheiten und Ereignissen unterteilen in:

  • Aus dem Kontext gerissene Meldungen
  • Manipulierte Nachrichten
  • Erfundene Geschichten

"Fake News“ arbeiten oft nach bestimmten Prinzipien. Diese zu verstehen hilft dabei, "Fake News“ als solche zu erkennen:

  • Aktualität: Fake News knüpfen oft an aktuelle Ereignisse an, um Aufmerksamkeit zu wecken
  • Angst: Fake News nutzen Angst vor Geschehnissen und Bekanntheit von urbanen Legenden, wie die Rasierklinge im Bussitz
  • Seriosität: Fake News arbeiten mit Formulierungen wie "wurde von …“, um durch Nennung von bekannten oder seriösen Quellen Glaubwürdigkeit zu suggerieren
  • Verschwörungstheorien: , Fake News implizieren, dass große Medien die "wahre" Nachricht verschweigen, wegen Gleichschaltung oder staatlicher Kontrolle ("Lügenpresse“)

Es kommen unterschiedliche Strategien zum Einsatz, um mit "Fake News" eine möglichst große Wirkkraft auf die Rezipienten zu erzielen und hierdurch hohe Reichweite zu generieren:

  • Eindimensionale Kuratierung von veröffentlichten Nachrichten
  • Emotionalisierende bzw. skandalisierende Sprache
  • Manipulation von Überschriften, Bildern und Videos
  • Verweise auf ungesicherte Quellen und gezielte Falschmeldungen nebst Verlinkungen auf seriöse Angebote

Informationsbeschaffung zunehmend mittels Internet

Laut JIM-Studie 2016 nutzen Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren neben klassischen Informationsmedien wie Fernsehen, Radio und Tageszeitung vor allem das Internet als Informationsmedium. Wenn Jugendliche sich im Internet informieren, führt sie der erste Weg zu einer Suchmaschine, meist ist das Google. 87 Prozent nutzen regelmäßig (mindestens mehrmals pro Woche) eine Suchmaschine, 58 Prozent täglich. 57 Prozent sehen sich dazu regelmäßig bei YouTube Videos an, 26 Prozent täglich. 36 Prozent informieren sich über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter über Nachrichten, 23 Prozent täglich.

41 Prozent der Befragten halten die Tageszeitung, ein Viertel das Fernsehen, ein Fünftel das Radio und ein Sechstel das Internet im Falle widersprüchlicher Berichterstattung für am vertrauenswürdigsten. Während sich Mädchen und Jungen gleichermaßen an erster Stelle für die Tageszeitung entscheiden, tendieren Mädchen stärker zum Fernsehen (26 %, Jungen: 22 %), Jungen zum Internet (18 %, Mädchen: 11 %).

Vertrauenswürdigkeit von Medien

Mit steigendem Alter der Befragten gewinnt das Internet Vertrauenspunkte, während Radio und Fernsehen an Glaubwürdigkeit verlieren. Bei dieser Frage zeigt sich zudem ein deutlicher Einfluss der formalen Bildung: Während Gymnasiasten sich deutlich häufiger für die Tageszeitung entscheiden, votieren Jugendliche, die andere Schulformen besuchen, häufiger für das Radio. Die Jugendlichen, die bei widersprüchlicher Berichterstattung auf das Internet setzen (n=176), nannten als vertrauenswürdige Websites Spiegel Online (20 %), Google (13 %), Facebook (11 %), Zeit.de (10 %), YouTube und Wikipedia (8 %).

Laut KIM-Studie 2016 nutzt ein Drittel der surfenden Kinder zwischen drei und 13 Jahren das Internet, um sich selbst über Nachrichten und aktuelle Meldungen ein Bild zu machen.

Aktualität geht vor Genauigkeit

Laut einer Studie des JFF und der Universität Leipzig wollen je nach Alter 70 bis 80 Prozent der Jugendlichen wissen, was in Deutschland geschieht. Fast zwei Drittel der 16- bis 18-Jährigen informiert sich online. Den meisten ist es wichtig oder sehr wichtig, dass Informationen geprüft sind und von Leuten stammen, die sich damit auskennen; unter den Ältesten halten dies zwei Drittel für sehr wichtig, unter den Jüngsten die Hälfte. Wichtiger als geprüfte Informationen ist ihnen jedoch die Aktualität. Für die Hälfte der Jugendlichen ist wichtig, was die Leute, mit denen sie im (Online-)Kontakt stehen, über ein Thema denken. Das, was Journalisten meinen oder recherchiert haben, ist dagegen nur für ein knappes Drittel relevant.

Nach einer Befragung von Jugendlichen in Österreich, haben Heranwachsende Schwierigkeiten in der Informationsflut des Internets wahre von falschen Meldungen zu unterscheiden. 86 Prozent geben an, zumindest manchmal nicht sicher zu sein, ob die Informationen mit denen sie konfrontiert sind, richtig oder falsch sind. Bei rund 4 von 10 Jugendlichen (38 %) ist das sogar "oft“ oder "sehr oft“ der Fall. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass 61 Prozent der Jugendlichen die Informationsbewertung im Internet als große Herausforderung beurteilen.

Die ICLIS-Studie zeigt zudem, dass sich Bildungs- und Migrationshintergrund auf die Medienkompetenz Jugendlicher auswirken und damit auch auf die Fertigkeit, Informationen zu bewerten. Allgemein seien es Jugendliche aus unteren und mittleren sozialen Lagen sowie mit Migrationshintergrund, die vergleichsweise geringe IT-Kenntnisse haben. Als Risikogruppe gelten insbesondere Jungen aus Familien mit wenigen kulturellen und ökonomischen Ressourcen.

Informationen genau prüfen

Wichtig ist, dass Eltern ihrem Kind dabei helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Informationen im Internet echt sein könnten und welche nicht. Das erreichen sie am besten, wenn sie schon früh mit ihrem Kind über das Weltgeschehen sprechen und ihnen helfen, Nachrichten und Meinungen einzuordnen und zu hinterfragen. Dabei kann auch die Schule unterstützen. Hilfreich ist auch ein gemeinsamer Ausflug zu einem Medium oder ein Medien-Workshop, in dem man selbst journalistisch wirkt. Wichtig ist, dass Eltern ihrem Kind auch früh vermitteln, Informationen gerade im Internet genau zu prüfen und nicht leichtfertig zu teilen, um nicht andere zu verunsichern.

Aufklären und erklären

Im Zuge der aktuellen Debatte können Eltern mit ihrem Kind über Falschmeldungen sprechen. Vielleicht haben sie selbst auch schon einmal unseriöse und reißerische Beiträge gesehen oder sich gefragt, ob eine Meldung wirklich echt ist. Dabei können Eltern betonen, dass es Menschen gibt, die gezielt falsche Informationen streuen, um damit Geld zu verdienen oder Meinungen zu beeinflussen. Nur weil etwas oft geteilt wurde oder eine Seite professionell gestaltet ist, heißt das nicht, dass die Informationen auch wahr sind.

Auf Anzeichen achten

Unseriöse Nachrichten arbeiten manchmal mit reißerischen Überschriften und bewusst schockierenden Aufnahmen, ähnlich wie Boulevardzeitungen. Häufig werden im Social Web auch Überschriften manipuliert, indem Artikel aus seriösen Quellen mit einer neuen drastischen und irreführenden Überschrift versehen werden. Hierzu nach Prüfung des Links den Artikel aufrufen und die Überschriften vergleichen oder die zu prüfende Überschrift kopieren, in Anführungszeichen setzen und bei Google eingeben: Wenn diese Überschrift keine seriösen Treffer erzielt, ist sie manipuliert worden.

Oft sind die Quellen der Nachricht unklar. Hierbei gilt gemeinsam mit den Eltern zu prüfen: Ist der Beitrag besonders reißerisch und unseriös geschrieben, indem er bewusst gegen andere Stimmung macht? Werden besonders emotionalisierende oder drastische Bilder verwendet? Sind Angaben etwa zu Ort und Zeit plausibel? Gib es andere Quellen, die Zitate oder Informationen bestätigen? Meist haben schon andere Nutzer den Beitrag als "Fake" entlarvt und warnen davor.

Das Portal mimikama.at klärt über Falschmeldungen auf und betreibt die Suchmaschine hoaxsearch.org. Das Angebot hoaxmap.org dokumentiert Falschmeldungen über Geflüchtete und versucht diese Gerüchte zu widerlegen. Die Website sogehtmedien.de von ARD und ZDF bietet für Jugendliche Tipps und Clips, wie man Fake News erkennt, sowie Unterrichtsmaterialien zum Thema.

Quellen und Kontext prüfen

Wichtig ist, die Quelle der Nachricht zu prüfen und gerade bei unbekannten Absendern vorsichtig zu sein. Dabei hilft ein Blick ins Impressum oder in das Profil. Hat das Portal kein oder ein dubioses Impressum, etwa nur eine Privatperson, spricht dies oft gegen eine glaubwürdige Quelle. Um den Kontext der Site zu prüfen, kann man bei Google die URL eingeben und "site:" davor schreiben. Nun zeigt Google alle Beiträge an, die auf der Seite veröffentlicht wurden. Sind die Beiträge sehr einseitig, handelt es sich wohl nicht um eine objektive Quelle. Gibt man die URL in Anführungszeichen ein, erhält man Treffer, bei denen über die Seite berichtet wird. Dadurch kann man feststellen, ob eine Seite beispielsweise in rechtsextremen Kreisen besonders beliebt ist.

Im Zweifel kann man eine Bildquelle per Rückwärtssuche mit Google (images.google.com) zurückverfolgen. Hierzu lädt man das Bild hoch oder zieht es direkt in die Suchleiste. Dabei analysiert Google das Bild inklusive Dateinamen und zeigt Webseiten an, auf denen dieses oder ähnliche Bilder zu finden sind. Bei YouTube-Videos auf das Upload-Datum, Informationen zum Absender und Kommentare achten.

Inhalte melden

Am besten sollten Profile und Seiten in sozialen Netzwerken gemieden werden, die vor allem unseriöse Beiträge posten. Posten oder teilen Freunde „Fake News“, sollte man diese darauf hinweisen oder einstellen, dass man deren Beiträge nicht mehr sieht. Bei ungeeigneten Beiträgen, etwa Gewaltvideos, sollten sich Kinder an die Eltern wenden, damit diese die Beiträge direkt dem Betreiber melden können oder sich bei Verdacht auf Straftaten mit Screenshots an externe Beschwerdestellen wie internet-beschwerdestelle.de, jugendschutz.net oder die Polizei wenden. Hass im Netz kann man melden unter: hass-im-netz.info. Außerdem gibt es unter no-hate-speech.de Informationen wie man Vorfälle in den verschiedenen sozialen Netzwerken am besten melden kann.

Vor Spam schützen

Um sich vor Spam per Messenger oder SMS zu schützen, können Verbraucher eine Drittanbietersperre einrichten lassen. Dazu reicht ein formloser Antrag beim Mobilfunkanbieter bzw. der Anruf einer Servicenummer (Telekom: 2202, Vodafone: 1212, 02: 55222). Die Sperre ist kostenlos und die Anbieter sind dazu gesetzlich verpflichtet. Auf Nachfrage ermöglichen manche Anbieter auch eine Teilsperre für bestimmte Nummern oder Dienste.

Alternativen anbieten

Kinder brauchen geeignete Informationen, die geprüft und altersgerecht aufbereitet sind. Google, Facebook & Co. sind daher nicht geeignet. Für Kinder eignen sich Kindermedien mit moderierten und verständlichen Inhalten wie logo!, neuneinhalb, der Kinderradiokanal, kindernetz.de/minitz, news4kids.de, sowieso.de, meine-startseite.de und hanisauland.de oder die Kindersuchmaschinen blinde-kuh.de, fragfinn.de und helles-koepfchen.de

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