1. Home
  2. Informieren
  3. Medien
  4. Surfen
  5. Werbung und Einkaufen im Internet

Werbung und Einkaufen im Internet

© Fotolia / XtravanganT
© Fotolia / XtravanganT

Kinder müssen erst lernen, Werbung als solche zu erkennen und ihre Intention zu verstehen. Immer vielfältigere und raffiniertere Werbeformen auf Websites oder in Apps erschwert das. Neben leicht identifizierbaren Werbeformen, wie beispielsweise Bannerwerbung, gibt es auch versteckte Werbung, die direkt zu kostenpflichtigen Angeboten wie In-App-Käufen oder Abonnements führt. Nicht selten werden beim Surfen zudem personenbezogene Daten wie das Surfverhalten der Nutzer erfasst, so dass Warenangebote genau auf den Nutzer zugeschnitten werden können.

Kinder für Werbeformate sensibilisieren: Werbung durchschauen

Kindern begegnet Werbung auf vielen Wegen, zum Beispiel im Fernsehen, Radio, bei Onlinespielen, in Apps, in Zeitschriften, an Bushaltestellen oder in Schaufenstern. Vor allem Online-Werbung kann für Kinder problematisch sein, weil das Spektrum an Werbeformen im Internet breiter und differenzierter ist als bei anderen Medien und Kinder durch die Interaktivität stärker anspricht. Kinder im Vor- und Grundschulalter können noch nicht sicher zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten unterscheiden. Erst mit zunehmender Erfahrungen und fortschreitendem Alter werden die Erkennungsmerkmale für Werbung, wie klare Kennzeichnung oder Platzierung, erlernt. Das Erkennen von Werbung geht dabei jedoch nicht zwangsläufig mit einem Verständnis für die Intention einher. Zwar ist das Wort Werbung oftmals bekannt, gerade für junge Kinder sind die ökonomischen Hintergründe und Motive noch nicht ersichtlich. Besonders kritisch wird Werbung, wenn sich hinter bunten Bildern etc. ungeeignete Inhalte befinden, Gewinnspiele der Weitergabe persönlicher Daten dienen oder sich vermeintliche Gratis-Angebote als Kostenfallen entpuppen. Werbung enthält oftmals eine direkte werbliche Ansprache an Kinder, manche sogar die direkte Aufforderung zum Kauf von Produkten oder In-App-Käufen. Negativ für die kindliche Entwicklung ist, wenn Werbung Kinder beim Surfen im Internet verwirrt, verunsichert oder behindert. Problematisch und unzulässig können Werbeformen sein, die direkte Kaufaufforderungen an Kinder enthalten, die nicht gekennzeichnet sind und damit die Unerfahrenheit der Kinder ausnutzen sowie nicht altersgerechte Werbeinhalte, die einer freien Persönlichkeitsentwicklung entgegenwirken können, z.B. Gewaltdarstellungen, Geschlechterrollenklischees, Partnerschaftsbörsen etc.

Diese Formate sind in der Online-Werbung gängig: (Mehr bei Klicksafe)

  • Pre-Rolls sind kurze Spots, die etwa auf YouTube vor dem angewählten Film oder vor einem Computerspiel laufen. Meist kann man nach wenigen Sekunden diese überspringen.
  • Banner können am oberen, unteren oder seitlichen Rand einer Website erscheinen. Mit einem Klick landet man auf der Seite des Werbetreibenden.
  • Pop-ups tauchen beim Öffnen der Seite in einem Fenster auf und lassen sich, oft über ein [x] leicht schließen.
  • Overlays legen sich über die komplette Seite und müssen weggeklickt werden, um zum Inhalt zu gelangen.
  • Logos oder die Nennung von Marken und Sponsoren sind meist direkt in den Inhalt eingebunden und lassen sich nicht davon unterscheiden.
  • Gewinnspiele und Verlosungen sind oft von Werbetreibenden unterstützt und fordern oft die Eingabe von Daten zur Teilnahme.

Werbung erkennen: Produktplatzierungen in den Sozialen Netzwerken

Kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten in sozialen Medien ist im Bezug auf Werbungessentiell für Heranwachsende. Viele beliebte Youtuber oder Instagramer sind so bekannt, dass sie mit ihren Videos und Fotos viel Geld verdienen. Es wird gezieltes Product Placement betrieben – Produkte werden in Videos in die Kamera gehalten und empfohlen oder auf einem schönen Bild für Instagram drapiert. Dass es sich dabei um Werbung handelt und nicht um nette Empfehlungen für Zuschauer und Follower können viele Kinder und Jugendliche nur schwer durchschauen.
Diese Vermarktung zu erkennen ist umso schwerer, denn inwiefern die Influencer von den beworbenen Marken Geld erhalten, bleibt oft im Dunkeln. Nur manchmal findet sich ein Hinweis, dass es sich um einen "Sponsored Post" oder „Ad“ handelt. Dabei gehören die sozialen Netzwerke Youtube und Instagram zu den beliebtesten Beschäftigungen im Internet von Heranwachsenden. Laut KIM-Studie 2016 sehen sich 55 Prozent der 6- bis 13-Jährigen zumindest selten ein Video auf Youtube an. Von den 12- bis 19-Jährigen, die im Rahmen der JIM-Studie 2016 befragt wurden, nutzen 86 Prozent Youtube mehrmals pro Woche. Fast zwei Drittel (64 %) gaben Youtube sogar als Lieblingsplattform an, auf Platz 3 findet sich die Foto-Plattform Instagram mit 23 Prozent. Die Beliebtheit dieser Sozialen Netzwerke zeigt, wie wichtig es also ist, Kinder und Jugendliche über diese Art von Werbung aufzuklären und zu kritischem Hinterfragen anzuhalten.

Schleichwerbung im Internet: Product Placement auf Blogs und Youtube

zur Bildstrecke

Jüngere Kinder schützen: Werbefrei surfen

Es braucht Erfahrung und eine kognitive Reife bis Werbung von Kindern erkannt und auch als solche durchschaut wird. SCHAU HIN! empfiehlt Eltern, ihre Kinder frühzeitig über die unterschiedlichen Werbeformen aufzuklären und bei der Mediennutzung zunächst auf werbefreie, kindgerechte Inhalte zu achten. Gerade bei den ersten Schritten im Netz sollten Kinder nicht durch Werbung abgelenkt werden, sondern das Netz in einem geschützten Surfraum ungestört erkunden können.

Einkaufen im Internet: Kinder aufklären

Wichtig ist, dass Kinder die vielfältigen Formen von Werbung kennen und auch Bezahlvorgänge Bescheid wissen. Am besten vereinbaren Eltern gerade bei Kindern bis 12 Jahren, dass sie Anmeldungen, Downloads und Käufe nur in Absprache tätigen.

Generell sind Kinder und Jugendliche nur bedingt geschäftsfähig und müssen außerdem in der Lage sein, „die Gefährlichkeit beziehungsweise das Unrecht ihres Handelns“ zu erkennen. Wie bei Fragen des Urheberrechts ist es also wichtig Kinder zu schützen und Jugendliche über mögliche rechtliche Folgen aufzuklären. Weitere Informationen in diesen FAQs und bei irights.info.

Rechte kennen: Taschengeldparagraph greift online nicht

Beim Online-Einkauf gelten dieselben Regeln wie bei herkömmlichen Bargeschäften. Ein Kaufvertrag mit Minderjährigen bedarf grundsätzlich der Zustimmung der Eltern. Bestellen Kinder und Jugendliche auf eigene Faust, ist die Order ungültig ­ es sei denn, die Eltern erteilen nachträglich ihre Zustimmung. Dazu sind sie jedoch nicht verpflichtet. Außerdem können nach dem Fernabsatzgesetz sämtliche Waren, die über das Internet bestellt werden, noch zwei Wochen nach Zusendung zurückgegeben werden.

Zudem ist auch der Taschengeldparagraph nach Auffassung von Experten bei Onlinebestellungen unwirksam. Taschengeld, von dem Minderjährige grundsätzlich genehmigungsfrei einkaufen können, muss bar ausgegeben werden. Ausnahme: Ein Jugendlicher besitzt ein eigenes Konto.

Vorsicht bei Profilen in Online-Shops: Konten sichern

Auch Kinder können gängige Online Shops, in denen Eltern ein Profil besitzen, leicht erreichen, selbst bestellen und einkaufen, falls die Daten der Kreditkarte hinterlegt und schlecht gesichert sind. Besonders schnell geht es über das sogennante 1-Click-Verfahren bei Amazon. Dabei können Nutzer Produkte direkt bestellen, wenn sie eingeloggt sind. Wir raten Eltern daher, ihre Konten gut zu sichern, sich immer auszuloggen und das 1-Click-Verfahren zu deaktivieren. Nutzen Kinder dieselben Geräte wie die Eltern, brauchen sie unbedingt eigene Zugänge und geschützte Surfräume. Zudem sind die Sicherheitseinstellungen am Gerät zu aktivieren.

SCHAU HIN! Tipps

Frühzeitig aufklären: Früh über die verschiedenen Werbeformen wie Produktplatzierungen, Banner, Pop-Ups oder Gewinnspiele und über dahinter stehende wirtschaftliche Absichten sprechen.

Gemeinsam surfen: Surfanfänger begleiten, eigenes Nutzerkonto einrichten, Sicherheits-einstellungen aktivieren und altersgemäße, möglichst werbefreie Kinderseiten und -Apps zeigen.

Regeln vereinbaren und Vertrauen schaffen: Mit dem Kind vereinbaren, welche Seiten und Apps es nutzen darf sowie dass es sich bei Problemen an die Eltern wendet, z.B. wenn es über Werbung auf eine ungeeignete Seite gelangt ist etc.

Daten schützen: Kindern muss vermittelt werden, dass sensible Daten nicht unbedarft weitergegeben werden sollten, auch wenn ein spannender Gewinn lockt. Formulare, z.B. für Gewinnspiele, unbedingt prüfen, immer gemeinsam ausfüllen und dabei versuchen sensible Daten auszusparen oder dafür eine zweite E-Mail-Adresse einrichten.

Werbung blocken: Werbeblocker helfen dabei, dass bestimmte Formen von Werbung nicht mehr angezeigt werden. Den Browser so einstellen, dass Cookies nur in Einzelfällen aktiviert und die Browser-Historie nach Beenden der Sitzung gelöscht wird. Ad-Tracking in den Einstellungen untersagen. Technische Hilfsmittel bieten jedoch keinen alleinigen Schutz vor Werbefallen und ersetzen nicht die aufmerksame Begleitung durch die Eltern.

Apps vorher testen: Insbesondere Apps sollten vorab auf mögliche In-App-Käufe überprüft werden. Ggf. In-App-Käufe am Gerät deaktivieren oder mit einer Code-Sperre versehen. Für jüngere Kinder geeignete Apps ohne In-App-Käufe wählen.

Teilen