Sicheres Internet für Kinder

Kinder und Jugendliche finden das Surfen im Netz spannend und entdecken gerne neue Seiten, am besten sicher und ohne erhobenen Zeigefinger. Wichtig ist, dass Eltern notwendige Netz- und Sicherheitsregeln vereinbaren, über die Surfgewohnheiten ihrer Kinder Bescheid wissen, kindgerechte Angebote wählen und unterstützend technische Schutzmöglichkeiten nutzen.

© Markus Bormann / Fotolia
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Laut KIM-Studie 2016 haben 97 Prozent der Kinder zwischen sechs und 12 Jahren die Möglichkeit, zuhause das Internet zu nutzen. Das Internet wird meistens zuhause mit dem Laptop oder Computer genutzt, die Hälfte aller Kinder zwischen sechs und 12 Jahren surft auch gemeinsam bei Freunden. Kinder nutzen häufig kommunikative Angebote wie Communities, Chats und Messenger. Beliebt sind Facebook und Youtube, aber auch das Angebot von KiKA im Internet, genauso wie Kindersuchmaschinen.

Zu den Problemen des Internets gehören für Kinder neben Kontaktrisiken, die sich aus der leichtfertigen Preisgabe persönlicher Daten ergeben können, vor allem sie ängstigende oder unzulässige Inhalte – Gewalt, Pornografie, Extremismus. Aber auch Cybermobbing zählt zu den negativen Begleiterscheinungen. So berichten insgesamt 14 Prozent der Internet-Nutzer, dass sie schon einmal mit für sie problematischen Inhalten konfrontiert wurden. In der kindlichen Wahrnehmung umfassen ungeeignete bzw. unangenehme Inhalte vor allem sexualisierte Inhalte, während ängstigende Inhalte vor allem aus dem Bereich von Grusel- oder Horrorvideos kommen. Aber auch Kontaktversuche von Fremden im Internet waren für sieben Prozent problematisch, wobei Mädchen (10 %) doppelt so häufig wie Jungen im Internet auf unangenehme Leute gestoßen sind. Unangenehme oder belästigende Kontaktaufnahmen erfolgten hauptsächlich über Facebook.

Position von SCHAU HIN!

Wichtig ist, dass Eltern sich Zeit nehmen, um die Angebote anfangs gemeinsam mit ihrem Kind zu nutzen und auch später weiterhin Interesse zeigen. Denn so, wie sie in der realen Welt die Interessen, Erlebnisse, Freunde und Treffpunkte ihres Kindes kennen, sollte das auch für jene im Netz gelten. Als Credo gilt dabei: „Verstehen und vertrauen ist besser als verbieten.“ Dafür ist es wichtig, dass Eltern sich über Trends informieren. Technische Hilfsmittel, wie die Aktivierung von Sicherheitseinstellungen und die Installation von Jugendschutzprogrammen, können diese aktive Medienerziehung unterstützen.

10 Tipps zu Sicherheit im Netz

Technische Hilfsmittel ergänzen eine aufmerksame Begleitung durch die Eltern, ersetzen sie aber nicht. Generell ist es für Eltern ratsam, ein Auge darauf zu haben, was ihr Kind sich anschaut, verbreitet oder herunterlädt. Hierfür empfiehlt es sich, dass Kinder bis etwa zwölf Jahren noch im Familienzimmer und am Familiengerät surfen. Auch Downloads und Anmeldungen sollten bis zu diesem Altern noch in Absprache mit den Eltern erfolgen.

1. Gemeinsam starten

Auch Kinder im Vorschulalter sind schon neugierig auf die Netzwelt, mit der elterlichen Begleitung und dem richtigen Angebot spricht nichts gegen eine gemeinsame Entdeckungsreise. Eine gute Möglichkeit für die Jüngsten das Netz zu entdecken, bieten kindgerechte Seiten, die intuitiv aufgebaut, werbefrei sind und mit denen Kinder spielerisch lernen können. Dazu finden Sie eine gute Übersicht unter: www.klick-tipps.net/surfanfaenger. Wenn das Kind aber bereits geübt beim Surfen ist, gut lesen und schreiben kann und wichtige Sicherheitsregeln kennt, kann es auch erste eigenständige Schritte im Internet unternehmen. Diese bedürfen aber trotzdem noch der aufmerksamen Begleitung durch die Eltern. Bis etwa zwölf Jahren empfiehlt es sich daher auch, dass Kinder in Sichtweite surfen und Eltern als Ansprechpartner zur stehen.

2. Regeln vereinbaren

Wichtig ist, dass Eltern mit ihrem Kind über Risiken beim Surfen reden und gemeinsam vereinbaren, wie lange und oft es welche Seiten besuchen, und welche Dienste es im Netz nutzen darf. Diese Regeln können auch schriftlich festgehalten werden. Gute Tools dafür finden Eltern bei www.surfen-ohne-risiko.net/netzregeln und www.mediennutzungsvertrag.de. Eltern sollten zudem Downloads und Anmeldungen gerade bei Kindern selbst vornehmen und sich bei Fragen oder Problemen als Ansprechpartner anbieten. Ältere Kinder und Jugendliche können das Internet selbstständiger nutzen und benötigen entsprechend einen größeren Spielraum.

3. Surfzeiten festlegen

Feste Surfzeiten sorgen dafür, dass andere Interessen nicht zu kurz kommen. Dabei ist auch die Nutzung anderer elektronischer Medien zu berücksichtigen. Als Orientierung bei der Bildschirmzeit gilt ein Limit der Medienzeit von 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag oder 1 Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Für Kinder ab 10 Jahren bietet sich das Wochenkontingent an, das sich Kinder ähnlich wie beim Taschengeld zunehmend selbstständig einteilen können. Das Kontingent beschränkt sich auf die freizeitliche Mediennutzung und nicht, wenn das Kind mit Medien lernt.

4. Geräte direkt sichern

Es empfiehlt sich, über das Betriebssystem des Computers einen eigenen Account für den Nachwuchs einzurichten und dort Funktionen wie die Installation von Programmen oder auch Inhalte je nach Altersangabe einzuschränken. Auch mobile Geräte bieten Möglichkeiten den Internetzugriff einzuschränken. Zeitlimitierung können Eltern nutzen, wenn andere Lebensbereiche vernachlässigt werden. Die Installation von Programmen ist bei Kindern bis zwölf Jahren Aufgabe der Eltern.

5. Kindgerechte Angebote nutzen

Damit vor allem jüngere Kinder nicht wahllos im Internet surfen, können Eltern spezielle Angebote für Kinder auswählen und als Favorit oder Startseite im Browser speichern. Zu empfehlen sind kreative, lehrreiche und werbefreie Angebote, die für Kinder konzipiert und pädagogisch geprüft bzw. begleitet sind. Hierzu zählen Kindersuchmaschinen wie fragfinn.de und blinde-kuh.de oder Kinderseiten wie klick-tipps.net, internet-abc.de, juki.de, seitenstark.de.

6. Technischen Jugendschutz anpassen

Ältere Kinder brauchen mehr Freiräume im Netz als jüngere. Für jüngere Kinder sind geschützte Surfräume, für ältere Kinder ab etwa zwölf Jahren Jugendschutzprogramme geeignet. Geschützte Surfräume wie der des “KinderServers“ erleichtern einen kindgerechten Start ins Netz. Diese Anwendung ermöglicht das Surfen auf den geprüften Seiten von „fragFINN“, „Blinde Kuh“, „Seitenstark“ sowie allen Websites mit Anbieterkennzeichnung bis 12 Jahren. Sie ist als kostenloser Download für den PC oder als Plugin für gängige Browser verfügbar. Für ältere Kinder ab zwölf Jahren empfehlen sich Jugendschutzprogramme, die von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) empfohlen sind, nämlich „JusProg“ oder „SURF SITTER“. Diese sortieren ungeeignete Websites auf Basis technischer Filter aus oder lassen nur geprüfte Websites zu. Eltern sind zudem gut beraten, die Einstellungen regelmäßig zu überprüfen, altersgerecht einzustellen sowie den Zugang mit einem sicheren Passwort zu sperren.

7. Auch mobil sicher surfen

Wichtig ist auch, mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets  kindersicher einzurichten. Das Angebot reicht von Programmen, die den Zugriff auf eine Auswahl an Apps beschränken, speziellen Kinder-Browsern wie „fragFINN“ (App), die das Surfen auf unbedenkliche und vorab geprüfte Websites beschränken. Zudem sollten geräteeigene Sicherheitseinstellungen aktiviert werden. Einige wenige Kinderseiten sind auch bereits mobiloptimiert und somit über das Tablet nutzbar.

8. Daten schützen

Wichtig ist auch, dass Eltern ihr Kind für einen sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten sensibilisieren sowie auf mögliche Folgen unbedachter Weitergabe von Daten in Onlinegewinnspielen oder in der Onlinekommunikation aufmerksam machen. Generell gilt im Umgang mit persönlichen Daten wie Name, Telefon- und Mobilfunknummer, Adresse, Geburtsdatum, aber auch Bilder, Videos, Passwörter sowie Daten in Sozialen Netzwerken (z.B. Standorte) oder Messenger-IDs: Weniger ist mehr. Denn unbedacht weitergegebene Daten können zu Werbezwecken verwendet oder für die Kontaktaufnahme durch Fremde genutzt werden.

Am besten richten Eltern gemeinsam mit ihrem Kind eine E-Mail-Adresse oder ein Profil ein und sehen vor einer Anmeldung in Geschäftsbedingungen und der Datenschutzerklärung nach, wofür die Daten verwendet werden und ob das Angebot überhaupt altersgerecht ist. Zudem können Eltern ihrem Kind erklären, dass es beim Surfen Spuren hinterlässt. Diese sollten Eltern durch Einstellungen im Browser vermindern. Ein Benutzername sowie ein sicheres Passwort sollte keinen Bezug zu persönlichen Daten enthalten. Das Passwort sollte zudem aus einem Mix aus Klein- und Großbuchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen bestehen. Dabei gilt, Passwörter nirgends zu speichern und immer geheimzuhalten, nur für jeweils ein Benutzerkonto zu verwenden und häufig zu ändern.

9. Urheberrechte beachten

Es ist wichtig, dass Eltern sich auch bei Streaming und Downloads über die Rechtslage informieren und mit ihrem Kind besprechen, was im Netz legal ist und was zu rechtlichen Folgen wie Abmahnungen führen kann. Während das Hoch- und Herunterladen urheberrechtlich geschützter Inhalte auf Tauschbörsen illegal ist, liegt das Streamen urhebrrechtlich geschützten Materials in einem rechtlichen Graubereich, da die Inhalte nur zwischengespeichert werden und die Nutzung damit dem Fernsehen ähnelt. Online-Videotheken sind altersgerecht einzustellen, unseriöse Seiten ohne Impressum zu blockieren, da sie oft auf Raubkopien verweisen. Zudem lauern besonders hier ungeeignete Inhalte, Kosten- und Datenfallen sowie Sicherheitsrisiken, wie beispielsweise Viren und andere Schadsoftware, die sich auch ohne Installation übertragen können. Besser ist es, dem Kind geeignete Mediatheken zu zeigen, auf dem es gefahrlos Videos schauen kann, z.B. tivi.de/mediathek.

10. Verstöße melden

Eltern sollten mit ihrem Kind vereinbaren, sich ihnen mitzuteilen, wenn es auf unpassende Inhalte trifft. Dazu gehört auch, dem Kind zu signalisieren, dass es keine Schuld trifft, wenn es auf fragwürdige oder problematische Inhalte getroffen ist und dass es bei den Eltern nicht mit Unverständnis, sondern mit Unterstützung rechnen kann. Eltern können Inhalte in der Regel über einen Meldebutton dem Betreiber mitteilen und den betreffenden Nutzer blockieren. Je nach Schwere des Falls können Eltern den Beitrag zudem per Screenshot sichern und an Beschwerdestellen wie i-kiz.de, jugendschutz.net oder internet-beschwerdestelle.de melden.

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