Werbung und Einkaufen im Internet

Kinder müssen erst lernen, Werbung als solche zu erkennen und ihre Intention zu verstehen. Immer vielfältigere und raffiniertere Werbeformen auf Websites oder in Apps erschwert das. Neben leicht identifizierbaren Werbeformen, wie beispielsweise Bannerwerbung, gibt es auch versteckte Werbung, die direkt zu kostenpflichtigen Angeboten wie In-App-Käufen oder Abonnements führt. Nicht selten werden beim Surfen zudem personenbezogene Daten wie das Surfverhalten der Nutzer erfasst, so dass Warenangebote genau auf den Nutzer zugeschnitten werden können.

© XtravaganT / Fotolia
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Werbung durchschauen

Kindern begegnet Werbung auf vielen Wegen, zum Beispiel im Fernsehen, Radio, bei Onlinespielen, in Apps, in Zeitschriften, an Bushaltestellen oder in Schaufenstern. Vor allem Onlinewerbung kann für Kinder problematisch sein, weil das Spektrum an Werbeformen im Internet breiter und differenzierter ist als bei anderen Medien und Kinder durch die Interaktivität stärker anspricht.

Kinder im Vor- und Grundschulalter können noch nicht sicher zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten unterscheiden. Erst mit zunehmender Erfahrungen und fortschreitendem Alter werden die Erkennungsmerkmale für Werbung, wie klare Kennzeichnung oder Platzierung, erlernt. Das Erkennen von Werbung geht dabei jedoch nicht zwangsläufig mit einem Verständnis für die Intention einher. Zwar ist das Wort Werbung oftmals bekannt, gerade für junge Kinder sind die ökonomischen Hintergründe und Motive noch nicht ersichtlich. Besonders kritisch wird Werbung, wenn sich hinter bunten Bildern etc. ungeeignete Inhalte befinden, Gewinnspiele der Weitergabe persönlicher Daten dienen oder sich vermeintliche Gratis-Angebote als Kostenfallen entpuppen.

Werbung enthält oftmals eine direkte werbliche Ansprache an Kinder, manche sogar die direkte Aufforderung zum Kauf von Produkten oder In-App-Käufen. Negativ für die kindliche Entwicklung ist, wenn Werbung Kinder beim Surfen im Internet verwirrt, verunsichert oder behindert. Problematisch und unzulässig können Werbeformen sein, die direkte Kaufaufforderungen an Kinder enthalten, die nicht gekennzeichnet sind und damit die Unerfahrenheit der Kinder ausnutzen sowie nicht altersgerechte Werbeinhalte, die einer freien Persönlichkeitsentwicklung entgegenwirken können, z.B. Gewaltdarstellungen, Geschlechterrollenklischees oder Partnerschaftsbörsen.

Diese Formate sind in der Online-Werbung gängig:

  • Pre-Rolls sind kurze Spots, die etwa auf YouTube vor dem angewählten Film oder vor einem Computerspiel laufen. Meist kann man nach wenigen Sekunden diese überspringen.
  • Banner können am oberen, unteren oder seitlichen Rand einer Website erscheinen. Mit einem Klick landet man auf der Seite des Werbetreibenden.
  • Pop-ups tauchen beim Öffnen der Seite in einem Fenster auf und lassen sich, oft über ein [x] leicht schließen.
  • Overlays legen sich über die komplette Seite und müssen weggeklickt werden, um zum Inhalt zu gelangen.
  • Logos oder die Nennung von Marken und Sponsoren sind meist direkt in den Inhalt eingebunden und lassen sich nicht davon unterscheiden.
  • Gewinnspiele und Verlosungen sind oft von Werbetreibenden unterstützt und fordern oft die Eingabe von Daten zur Teilnahme.

Produktplatzierungen in den sozialen Medien

Kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten in sozialen Medien ist im Bezug auf Werbung ebenso essentiell für Heranwachsende. Viele beliebte Youtuber oder Instagramer sind so bekannt, dass sie mit ihren Videos und Fotos viel Geld verdienen. Es wird gezieltes Product Placement betrieben – Produkte werden in Videos in die Kamera gehalten und empfohlen oder auf einem schönen Bild für Instagram drappiert. Dass es sich dabei um Werbung handelt und nicht um nette Empfehlungen für Zuschauer und Follower können viele Kinder und Jugendliche nur schwer durchschauen.

Diese Vermarktung zu erkennen ist umso schwerer, denn ob die "Influencer" von den beworbenen Marken Geld erhalten, bleibt oft im Dunkeln. Nur manchmal findet sich ein Hinweis, dass es sich um einen "Sponsored Post" oder „Ad“ handelt. Der Youtuber „Flying Uwe“ wurde deswegen zu einem Bußgeld von 10.500 Euro verdonnert. Laut einer Studie der kalifornischen Stanford-Universität fällt es rund 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen schwer, solche Beiträge von News zu unterscheiden. Es ist daher wichtig, Kinder daüber aufzuklären und zu kritischem Hinterfragen anzuregen. 

Schleichwerbung im Internet: Product Placement auf Blogs und Youtube

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Werbefrei surfen

Es braucht Zeit bis Werbung von Kindern auch als solche durchschaut wird. SCHAU HIN! empfiehlt Eltern, ihre Kinder frühzeitig über die unterschiedlichen Werbeformen aufzuklären und bei der Mediennutzung auf werbefreie Inhalte zu achten. Gerade bei den ersten Schritten im Netz sollten Kinder nicht durch Werbung abgelenkt werden. Deshalb rät SCHAU HIN! dazu, dass Kinder gerade beim Einstieg ins Internet geschützte Surfräume mit werbefreien, kindgerechten Inhalten nutzen.

Konten sichern

Doch auch Kinder können diese Seiten leicht erreichen und selbst bestellen und einkaufen, falls die Daten der Kreditkarte hinterlegt und schlecht gesichert sind. Besonders schnell geht es über das sogennante 1-Click-Verfahren bei Amazon. Dabei können Nutzer Produkte direkt bestellen, wenn sie eingeloggt sind. Wir raten Eltern daher, ihre Konten gut zu sichern, sich immer auszuloggen und das 1-Click-Verfahren auszustellen. Nutzen Kinder dieselben Geräte wie die Eltern, brauchen sie unbedingt eigene Zugänge und geschützte Surfräume. Zudem sind die Sicherheitseinstellungen am Gerät zu aktivieren.

Kinder aufklären

Wichtig ist, dass Kinder die vielfältigen Formen von Werbung kennen und auch Bezahlvorgänge Bescheid wissen. Am besten vereinbaren Eltern gerade bei Kindern bis 12 Jahren, dass sie Anmeldungen, Downloads und Käufe nur in Absprache tätigen. 

Generell sind Kinder und Jugendliche nur bedingt geschäftsfähig und müssen außerdem in der Lage sein, „die Gefährlichkeit beziehungsweise das Unrecht ihres Handelns“ erkennen können. Wie bei Fragen des Urheberrechts ist es also wichtig Kinder zu schützen und Jugendliche über mögliche rechtliche Folgen aufzuklären. Weitere Informationen in diesen FAQs und bei irights.info.

Rechte kennen

Beim Online-Einkauf gelten dieselben Regeln wie bei herkömmlichen Bargeschäften. Ein Kaufvertrag mit Minderjährigen bedarf grundsätzlich der Zustimmung der Eltern. Bestellen Kinder und Jugendliche auf eigene Faust, ist die Order ungültig ­ es sei denn, die Eltern erteilen nachträglich ihre Zustimmung. Dazu sind sie jedoch nicht verpflichtet. Außerdem können nach dem Fernabsatzgesetz sämtliche Waren, die über das Internet bestellt werden, noch zwei Wochen nach Zusendung zurückgegeben werden.

Zudem ist auch der Taschengeldparagraph nach Auffassung von Experten bei Onlinebestellungen unwirksam. Taschengeld, von dem Minderjährige grundsätzlich genehmigungsfrei einkaufen können, muss bar ausgegeben werden. Ausnahme: Ein Jugendlicher besitzt ein eigenes Konto.

SCHAU HIN!-Tipps im Überblick

  • Frühzeitig aufklären: Früh über die verschiedenen Werbeformen wie Banner, Pop-Ups oder Gewinnspiele und über dahinter stehende wirtschaftliche Absichten sprechen.
  • Gemeinsam surfen: Surfanfänger begleiten, eigenes Nutzerkonto einrichten, Sicherheits-einstellungen aktivieren und altersgemäße, möglichst werbefreie Kinderseiten und -Apps zeigen.
  • Regeln vereinbaren und Vertrauen schaffen: Mit dem Kind vereinbaren, welche Seiten und Apps es nutzen darf sowie dass es sich bei Problemen an die Eltern wendet, z.B. wenn es über Werbung auf eine ungeeignete Seite gelangt ist etc.
  • Daten schützen: Kindern muss vermittelt werden, dass sensible Daten nicht unbedarft weitergegeben werden sollten, auch wenn ein spannender Gewinn lockt. Formulare, z.B. für Gewinnspiele, unbedingt prüfen, immer gemeinsam ausfüllen und dabei versuchen sensible Daten auszusparen oder dafür eine zweite E-Mail-Adresse einrichten.
  • Werbung blocken: Werbeblocker helfen dabei, dass Werbung nicht mehr angezeigt wird. Den Browser so einstellen, dass Cookies nur in Einzelfällen aktiviert und die Browser-Historie nach Beenden der Sitzung gelöscht wird. Ad-Tracking in den Einstellungen untersagen. Technische Hilfsmittel bieten jedoch keinen alleinigen Schutz vor Werbefallen und ersetzen nicht die aufmerksame Begleitung durch die Eltern.
  • Apps vorher testen: Insbesondere Apps sollten vorab auf mögliche In-App-Käufe überprüft werden. Ggf. In-App-Käufe am Gerät deaktivieren oder mit einer Code-Sperre versehen. Für jüngere Kinder geeignete Apps ohne In-App-Käufe wählen.