Werbung und Einkaufen im Internet

Durch vielfältige und raffinierte Werbeformen fällt es Kindern gerade im Internet schwer, Werbung zu erkennen. Zudem können sie mit wenigen Klicks online einkaufen. Dies Tipps helfen Eltern, ihr Kind aufzuklären und Zugriffe auf Bezahlvorgänge zu sichern.

© XtravaganT / Fotolia
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Werbung durchschauen

Kindern begegnet Werbung auf vielen Wegen, zum Beispiel im Fernsehen, Radio, bei Onlinespielen, Zeitschriften, an Bushaltestellen oder in Schaufenstern. Vor allem Onlinewerbung kann für Kinder problematisch sein. Kinder nehmen Werbung oft nicht als solche wahr, da sie nicht als solche zu erkennen ist und häufig begleitet wird von bunten Bildern und Musik. Kinder unter zehn Jahren können noch nicht zwischen redaktionellem Inhalt und Produktwerbung unterscheiden. Auch für ältere Kinder ist es schwierig, versteckte Werbung zu erkennen.

Diese Formate sind in der Online-Werbung gängig:

  • Pre-Rolls sind kurze Spots, die etwa auf YouTube vor dem angewählten Film oder vor einem Computerspiel laufen. Meist kann man nach wenigen Sekunden diese überspringen.
  • Banner können am oberen, unteren oder seitlichen Rand einer Website erscheinen. Mit einem Klick landet man auf der Seite des Werbetreibenden.
  • Pop-ups tauchen beim Öffnen der Seite in einem Fenster auf und lassen sich, oft über ein [x] leicht schließen.
  • Overlays legen sich über die komplette Seite und müssen weggeklickt werden, um zum Inhalt zu gelangen.
  • Logos oder die Nennung von Marken und Sponsoren sind meist direkt in den Inhalt eingebunden und lassen sich nicht davon unterscheiden.
  • Gewinnspiele und Verlosungen sind oft von Werbetreibenden unterstützt und fordern oft die Eingabe von Daten zur Teilnahme.

Vor ungeeigneten Inhalten schützen

Kritisch wird es, wenn sich hinter bunten Bannern ungeeignete Inhalte befinden, Gewinnspiele der Weitergabe persönlicher Daten dienen oder sich Gratis-Angebote als Kostenfallen entpuppen. Negativ für die kindliche Entwicklung ist, wenn Werbung Kinder beim Surfen im Internet verwirrt oder verunsichert. Problematisch und unzulässig können Werbeformen sein, die nicht gekennzeichnet sind oder bei der mit bestimmten Darstellungen von Gewalt und Sexualität geworben wird, Kinder zu etwas Unerwünschtem angestiftet werden oder bewusst ihre Leichtgläubigkeit und Unerfahrenheit ausgenutzt wird.

Werbefrei surfen

Es braucht Zeit bis Werbung von Kindern auch als solche durchschaut wird. SCHAU HIN! empfiehlt Eltern, ihre Kinder frühzeitig über die unterschiedlichen Werbeformen aufzuklären und bei der Mediennutzung auf werbefreie Inhalte zu achten. Gerade bei den ersten Schritten im Netz sollten Kinder nicht durch Werbung abgelenkt werden. Deshalb rät SCHAU HIN! dazu, dass Kinder gerade beim Einstieg ins Internet geschützte Surfräume mit werbefreien, kindgerechten Inhalten nutzen.

Konten sichern

Doch auch Kinder können diese Seiten leicht erreichen und selbst bestellen und einkaufen, falls die Daten der Kreditkarte hinterlegt und schlecht gesichert sind. Besonders schnell geht es über das sogennante 1-Click-Verfahren bei Amazon. Dabei können Nutzer Produkte direkt bestellen, wenn sie eingeloggt sind. Wir raten Eltern daher, ihre Konten gut zu sichern, sich immer auszuloggen und das 1-Click-Verfahren auszustellen. Nutzen Kinder dieselben Geräte wie die Eltern, brauchen sie unbedingt eigene Zugänge und geschützte Surfräume. Zudem sind die Sicherheitseinstellungen am Gerät zu aktivieren.

Kinder aufklären

Wichtig ist, dass Kinder die vielfältigen Formen von Werbung kennen und auch Bezahlvorgänge Bescheid wissen. Am besten vereinbaren Eltern gerade bei Kindern bis 12 Jahren, dass sie Anmeldungen, Downloads und Käufe nur in Absprache tätigen. 

Generell sind Kinder und Jugendliche nur bedingt geschäftsfähig und müssen außerdem in der Lage sein, „die Gefährlichkeit beziehungsweise das Unrecht ihres Handelns“ erkennen können. Wie bei Fragen des Urheberrechts ist es also wichtig Kinder zu schützen und Jugendliche über mögliche rechtliche Folgen aufzuklären. Weitere Informationen in diesen FAQs und bei irights.info.

Rechte kennen

Beim Online-Einkauf gelten dieselben Regeln wie bei herkömmlichen Bargeschäften. Ein Kaufvertrag mit Minderjährigen bedarf grundsätzlich der Zustimmung der Eltern. Bestellen Kinder und Jugendliche auf eigene Faust, ist die Order ungültig ­ es sei denn, die Eltern erteilen nachträglich ihre Zustimmung. Dazu sind sie jedoch nicht verpflichtet. Außerdem können nach dem Fernabsatzgesetz sämtliche Waren, die über das Internet bestellt werden, noch zwei Wochen nach Zusendung zurückgegeben werden.

Zudem ist auch der Taschengeldparagraph nach Auffassung von Experten bei Onlinebestellungen unwirksam. Taschengeld, von dem Minderjährige grundsätzlich genehmigungsfrei einkaufen können, muss bar ausgegeben werden. Ausnahme: Ein Jugendlicher besitzt ein eigenes Konto.

SCHAU HIN!-Tipps im Überblick

  • Frühzeitig aufklären: Erklären Sie Ihrem Kind die verschiedenen Formen von Werbung im Internet und Kaufvorgänge. Dabei hilft ein Lernmodul des Internet ABC.
  • Surfen Sie gemeinsam: Begleiten Sie Ihr Kind gerade bei den Surfanfängen, richten Sie ihm ein eigenes Nutzerkonto ein, aktivieren Sie Sicherheitseinstellungen und zeigen Sie Ihrem Kind altersgemäße und möglichst werbefreie Suchmaschinen und Kinderseiten.
  • Daten schützen: Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass sensible Daten wie Handynummer, Name oder Anschrift nicht weitergegeben werden dürfen, auch wenn ein spannender Gewinn lockt.
  • Werbung blocken: Werbung lässt sich zum Teil mit Jugendschutzsoftware filtern. Auch sogenannte Werbeblocker helfen dabei, unerwünschte Inhalte nicht mehr anzuzeigen. Technische Hilfsmittel bieten jedoch keinen alleinigen Schutz vor Werbefallen für Kinder und Jugendliche und ersetzen nicht die aufmerksame Begleitung durch die Eltern.
  • In-App-Käufe vermeiden: Bei iOS können Sie In-App-Käufe deaktivieren, bei Android per Passwort einschränken.
  • Bestellungen besprechen: Mit Kindern vereinbaren, dass sie sich den Eltern mitteilen, wenn sie etwas bestellen möchten. Das Einkaufen im Netz sollte bei Kindern bis 12 Jahren Aufgabe der Eltern sein. Das gilt auch für Downloads und Anmeldungen.
  • Konten schützen: Passwort regelmäßig ändern, nicht speichern und geheim halten. Ein sicheres Passwort besteht aus Klein- und Großbuchstaben sowie Zahlen und bestenfalls Sonderzeichen. Bezahldaten nicht speichern, nach Einkauf ausloggen, Direktkauf (One-Click) deaktivieren.
  • Widersprechen: Bei ungewollten Bestellungen von der 14-tägigen Widerrufsfrist Gebrauch machen. Bei Problemen an die Verbraucherzentrale wenden.