Hier spielt die Musik! Kinder und Hörmedien

Ob per Radio, MP3-Player oder App: Hörmedien gehören oft zu den ersten Medienerfahrungen von Kindern. Sie können Kreativität, Sprach-, Lese- und Medienkompetenz fördern, aber auch überfordern.

© iconogenic / iStock
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Bedeutung

Die Relevanz der akustischen Wahrnehmung für die Entwicklung eines Kindes ist hoch. Das Hören und Zuhören erleichtert die Sprachentwicklung und vergrößert den Wortschatz, erleichtert das Mitreden und sich Einbringen sowie das Erlernen der Schrift; besseres Hörverständnis unterstützt soziales Zusammenleben und gibt Orientierung im Alltag.

Das Vorlesen von Büchern, aber auch der richtige Einsatz von kindergerechten Hörmedien kann die Entwicklung eines Kindes fördern, Lesekompetenz und –lust steigern und sich positiv auf die Sprachentwicklung auswirken. Insbesondere beim Zweitspracherwerb können Hörmedien Kinder unterstützen. Hörspielangebote fördern zudem neben der Hörbereitschaft auch die Neugierde und Kommunikationsfreude. Mit Musik können Kinder auch Stimmungen ausleben, sich entspannen oder sie gemeinsam genießen.

Nutzung

Im Kita- und Vorschulalter sind Hörgeschichten besonders attraktiv. Mit kindgerechten Apps oder Websites lassen sich diese Hörspielangebote auch auf dem Tablet nutzen. Im fortlaufenden Alter spielt Musik eine immer wichtigere Rolle: Größere Kinder und Jugendliche hören meist Musik, die in den Charts und bei Gleichaltrigen angesagt ist, gern oft und laut.

Viele Kinder möchten ein eigenes Abspielgerät, um selbstständig Musik zu hören. Schon bei vielen Kleinkindern zwischen zwei und fünf Jahren sind Musikgeräte im Kinderzimmer zu finden. 55 Prozent in dieser Altersgruppe hören mindestens einmal die Woche Musik. Bei Kindern zwischen sechs und 13 Jahren sind es laut KIM-Studie 2016 bereits mehr als drei Viertel. Auch das Radio ist für die meisten Kinder in diesem Alter fester Bestandteil im Medienalltag: Über die Hälfte zählt zu den regelmäßigen Radiohörern – jedes vierte Kind hört täglich zuhause oder im Auto mit. Bei Jugendlichen ist Musikhören ein wichtiger Faktor der Identitätsbildung und eine der beliebtesten Medientätigkeiten (JIM-Studie 2016).

Tipps

SCHAU HIN! empfiehlt Eltern mit geeigneten Angeboten das Hören sowie Zuhören bei ihrem Kind aktiv zu fördern. Die Verarbeitung, Einordnung und Einschätzung von Sinneseindrücken ist entscheidend für die Rezeption der Kindesumwelt. Denn erst der kompetente Umgang mit den eigenen Sinnen ermöglicht eine kreative und selbstbestimmte Mediennutzung.

Tipps für jüngere Kinder

Bewusst auswählen

Einfache Liedtexte und Geschichten machen kindgerechte Hörmedien aus. Gute Hörspiele erkennen Sie an plausiblen Geschichten, die die Lebenswelt der Kinder betreffen und bei denen sich spannenden mit entspannenden Momenten abwechseln, klaren Erzählungen und unterscheidbaren sowie glaubwürdigen Stimmen.

Zusammen hören

Besonders anfangs sollten Sie dabei sein, wenn Ihr Kind Hörspiel oder Lieder hört. Sprechen Sie über das Gehörte, um es zu reflektieren, und bieten Sie Möglichkeiten, dies auch körperlich zu verarbeiten, etwa durch Toben oder Nachspielen.

Nicht zu laut

Auch wenn Musik viel Spaß macht, sollte sie nicht die empfindlichen Ohren Ihres Kindes schaden. Klären Sie über die gesundheitsschädliche Wirkung lauter Musik und Geräusche auf. Achten Sie darauf, dass die Lautstärke der Mediengeräte nur gering eingestellt ist und aktivieren sie, wenn möglich, Lautstärkegrenzen. Regelmäßige stille Momente und ruhige Phasen im Tagesverlauf sorgen dafür, dass das Hörorgan auch zur Ruhe kommt.

Kreativität fördern

Mit Aktivitäten wie Hörspaziergängen oder dem Basteln eines Hörmemorys steigern Sie die kreative Ader Ihres Kindes. Besonders junge Menschen können in der Familie beim gemeinsamen Musikhören oder musizieren, beim Geräuscheraten oder Instrumentebasteln den Umgang mit Musik lernen. Geschichten und Lieder bieten schöne Anlässe zum gemeinsamen Nachspielen, Weiterspinnen und Singen. Das stärkt die Identifikation, erleichtert das Einfühlen, schafft schöne gemeinsame Erlebnisse und macht einfach Spaß.

Empfehlungen suchen

Tauschen Sie sich mit Eltern gleichaltriger Kinder, der Kita oder der Schule regelmäßig aus, auch um Schnittstellen zum Musikunterreicht auszuloten und Hinweise für passende Hörmedien zu erhalten. Diese gibt es zudem bei Kinderbibliotheken, von der Stiftung Lesen und der Initiative Hören. Die Initiative vergibt gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen das Auditorix Hörbuchsiegel für kindgerechte Angebote. Weitere Anhaltspunkte bietet der Deutsche Hörbuchpreis.

Musikgeräte altersgerecht einstellen

Überlegen Sie welche Geräte altersgerecht sind und informieren Sie sich vor dem Kauf. Bis etwa elf Jahre sind reine mp3-Player mit überschaubaren Funktionen ohne Internetzugang ausreichend. Handelt es sich um ein internetfähiges Gerät, schalten Sie gerade bei jüngeren Kindern Netzverbindungen aus und aktivieren Sie Sicherheitseinstellungen, damit Ihr Kind nicht mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert wird.

Tipps für ältere Kinder

Über Inhalte sprechen

Nicht alles, was Ihr Kind hört, muss Ihnen gefallen. Zeigen Sie Interesse, was Ihr Kind hört und informieren Sie sich auch über die Band und reagieren Sie, wenn Liedtexte aufgrund sexistischer oder gewaltverherrlichenden Texten problematisch sind. Oft dienen diese der kalkulierten Grenzüberschreitung, können Jugendliche aber auch beeinträchtigen. Informationen zu indizierter Musik bietet die Bundesprüfstelle (BPjM).

Nutzungsregeln vereinbaren

Musik kann inspirieren, aber auch stören. Vereinbaren Sie, dass die Musik ausbleibt, wenn Tätigkeiten wie Schulaufgaben die volle Konzentration erfordern.   

Urheberrechte beachten

Viele Kinder wissen nicht, dass Nutzer Musik im Netz wie andere Inhalte auch meist nicht frei nutzen können. Das gilt für das Herunterladen (dauerhafte Speichern) wie häufig auch für das Streamen (temporäre Speichern). Eltern können ihr Kind dafür sensibilisieren und erklären, dass das Verschaffen und Tauschen von Musik oft illegal ist und rechtliche Konsequenzen haben kann. Zudem kann man sich so Viren einfangen. Kinder bis zwölf Jahren sollten Downloads und Anmeldungen daher nicht selbst vornehmen, sondern Bescheid geben, wenn sie etwas nutzen möchten. Eine Alternative ist lizenzfreie Musik, die als Creative Commons frei nutzbar ist. Musikportale im Netz führen Sammlungen.

Geräte und Konten altersgerecht einrichten

Kinder sollten alleine keine Apps aus den Stores herunterladen. Zum Erstellen eines Accounts bei Google oder Apple ist ein Mindestalter von 13 Jahren vorgesehen. Konten für Kinder sollten Eltern unbedingt altersgerecht einrichten. Dafür lassen sich die geräte- und storeeigenen Sicherheitseinstellungen nutzen. Älteren Kindern lässt sich  über Guthabenkarten eine Verfügung einräumen.
 

So finden Sie geeignete Hörbücher für Ihr Kind

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