Instagram: Was Eltern über die Foto-App wissen sollten

Instagram wächst rasant und ist als soziales Netzwerk unter jungen Usern bereits beliebter als Facebook. Wie jedes Netzwerk hat auch Instagram seine Eigenarten, die es zu beachten gilt. SCHAU HIN! erklärt, was Kids mit der App machen und worauf Eltern achten sollen.

Der Instagram-Boom ist beachtlich: Ein Jahr nach dem Start der App 2010 zählt die Plattform bereits eine Millionen Nutzer – Mitte 2016 sind es laut Eigenaussage bereits 500 Millionen monatlich aktive Instagramer, die täglich (!) im Schnitt 80 Millionen Fotos hochladen.

Laut JIM-Studie 2014 zählen 26 Prozent der befragten Jugendlichen zwsichen 12 und 18 Jahren Foto-Apps und Bildbearbeitungsprogramme zu den wichtigsten Apps. Am häufigsten wird hierbei Instagram (21 %) als eine der drei wichtigsten Apps genannt.

Was kann die App?

Instagram ist eine Anwendung, die man sich kostenfrei aufs Smartphone runterladen kann. Bekannt ist Instagram vor allem für die verschiedenen Filter, mit der die Bilder und Videos vor dem Posten verschönert werden und die quadratische Form, die an alte Kodak oder Polaroid-Abzüge erinnert.

Profil erstellen

Ist ein Benutzerkonto eingerichtet, können User Bild- und Videonachrichten erstellen und im Instagram eigenen sozialen Netzwerk in einem Profil veröffentlichen. Wie in anderen Netzwerken auch, kann man anderen Profilen folgen und bekommt so im persönlichen Home-Bereich die aktuellen Highlights der gefolgten Nutzer auf seinem Smartphone angezeigt.

Fotos und Videos aufnehmen

Eingangs konnte man auf Instagram nur Fotos online stellen und diese mit besagten Filtern verschönern. So bekamen viele Bilder einen vermeintlichen Retro-Charakter – insbesondere, da die Fotos im quadratischen Format gepostet werden. Seit 2013 haben User auch die Möglichkeit, kurze Clips online zu stellen, ebenfalls in typischer Instagram-Optik.

Hashtags setzen

Ähnlich wie beim Kurznachrichtendienst Twitter können die einzelnen Beiträge aber auch mit Hashtags versehen werden: Das sind Stichworte, die nach einer Raute (#) gesetzt werden, um so die Fotos und Videos auch für diejenigen auffindbar zu machen, die dem eigenem Account nicht folgen.

Instagram durchstöbern

Mithilfe der Hashtags sammeln sich ganze Themenwelten bei Instagram: Unter dem Hashtag #foodporn präsentieren User beispielsweise ihre kulinarischen Highlights, vom Sandwich bis zur gedeckten Dinner-Tafel. Je nach Privatsphären-Einstellung können Instagramer aber auch Hashtag unabhängig die Fotos von Anderen über die jeweiligen Profile nachstöbern.

Liken, Kommentieren, Chatten

Ob ein Posting in der Community gut ankommt, erkannt man an den „Likes“, also den „Gefällt mir“-Angaben, die man auch von Facebook kennt. Begeisterte Reaktionen kann man auch als Text in der Kommentarfunktion direkt unter dem jeweiligen Bild oder Video hinterlassen. Mit der Funktion „Instagram Direct“ können User aber auch untereinander direkt und privat angeschrieben werden.

Push-Nachrichten

Man kann sich darüber benachrichtigen lassen, wenn andere Personen die veröffentlichten Inhalte liken oder kommentieren, man in einem Bild markiert wurde oder wenn man ein Bild geschickt bekommen hat. Diese Nachrichten sind möglichst abzuwählen oder nur auch „Personen, denen ich folge“ zu begrenzen, damit das Handy nicht ständig wegen jeder Kleinigkeit vibriert.

Story-Funktion

Seit einem Update im August 2016 können Nutzer auch mehrere Bilder und Videos in einer Slideshow teilen, die nach 24 Stunden wieder verschwindet. Diese Bilder können durch verschiedene Werkzeugeinstellungen auch kreativ bearbeitet werden, etwa durch das Hinzufügen einer witzigen Sprechblase. Über "Instagram Direct" können Nutzer sich privat über diese Stories austauschen.

Immer stärkerer Angleich an Snapchat

Seit dem Start der Instagram Story-Funktion gleicht sich die App weiter an Snapchat an. Im November 2016 wurde im Blog des Unternehmens bekannt gegeben, dass die Nutzer nun Nachrichten, Fotos und Videos in privaten Nachrichten (Instagram direct) an Gruppen oder einzelne Personen versenden können, die sich nach zweimaligem Ansehen selbst löschen. Diese Selbstlöschungsfunktion war den Nutzern bisher nur von der App Snapchat bekannt. Außerdem soll es eine Benachrichtigung geben, sollte der Empfänger einen Screenshot der Nachricht oder des Bildes aufnehmen. Dies geschieht jedoch nur, wenn der Screenshot über das abspielende Gerät getätigt wird, nicht etwa wenn mit einem zweiten Gerät das Bild abfotografiert wird. Die Lösch-Funktion ermutigt gerade jüngere Nutzer und Nutzerinnen riskantere oder gewagtere Inhalte zu versenden, die nicht verbreitet werden sollten. 

Was passiert auf der App?

Interessant zu beobachten sind die Trends, die bei solch einer großen Community entstehen. So stehen Postings unter dem Hashtag #TBT für „Throwback Thursday“ (engl. „Donnerstagsrückblick“) und rufen auf zum sentimentalen Rückblick auf ältere Fotos. Doch das wohl am meisten verbreitete Phänomen bleibt das Selfie, das Eigenportrait durch Selbstauslöser oder Foto vorm Spiegel.

Die ausgeprägte Selbstdarstellung der Instagramer hat es zum eigenen Charthit (The Chainsmokers: „Let me take a #Selfie“) und einer breiten Auswahl an Selfie-Formen gebracht: vom Gym Selfie aus dem Fitness-Studio über das Strand-Selfie mit Blick auf versandete Füße bis hin zum Quokka Selfie, dem Schnappschuss mit dem gleichnamigen Kurzschwanzkänguru. Doch wird Instagram auch für kritische Statements verwendet. Unter #thepowerofmakeup, zeigen sich Mädchen und Frauen auf einer Gesichtsseite komplett und auf der anderen gar nicht geschminkt, um eine Diskussion zu Schönheitsidealen anzuregen.
Wo die Massen sich neuen Trends hingeben, sind natürlich auch Stars und Sternchen nicht weit. Diese stellen durch persönliche Fotos und Videos eine Nähe zu ihren Fans her. So finden sich unter den Top 10 Instagram-Accounts ausschließlich Größen des Pop und internationalen Regenbogenpresse. Ausnahme: Der seit jeher meistgefolgte Instagram-Account, dem automatisch gefolgt wird stammt natürlich von Instagram selbst. Ein Großteil der Stars nutzt ihren Account übrigens zur exzessiven Selbstdarstellung – wie zum Beispiel Selfie-Vollprofi Kim Kardashian mit über 41 Millionen Followern.

Die Social Media Stars von Morgen

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Was muss ich beachten?

Altersfreigabe

Laut Nutzungsbedingungen ist Instagram ab 13 Jahren zugelassen. Jedoch gibt es keine Altersprüfung. Für Kinder eignen sich altersgerechte Alternativen eher, wie knipsclub.de oder juki.de.   

Datenschutz

Wie bei den anderen sozialen Netzwerken und Applikationen auch, ist es ratsam auf den Datenschutz zu achten. Besonderes Augenmerk gilt den Datenschutzrichtlinien. Die App ist so voreingestellt, dass die eigenen Beiträge automatisch öffentlich sind. Die Privatsphäre-Einstellungen sollten daher im Bereich "Profil bearbeiten" auf erhöhten Schutz eingestellt werden.

Außerdem empfiehlt Instagram sich mit den eigenen Profilen anderer Netzwerke zu verbinden. Dies ist bezeichnend, da Instagram seit 2012 zu Facebook gehört, genau wie mittlerweile auch WhatsApp. Die Verbindung zu anderen Netzwerken kann jedoch den Datenschutz weiter gefährden, gerade wenn der Account gehackt und ausspioniert wird.

Privatsphäre und Mobbing

Auch wenn junge User ihre Fotos und Videos nur im kleinen Instagram-Kreis teilen, können andere das Material problemlos beispielsweise durch direkte Aufnahmen des Bildschirms (Screenshots) speichern und online verbreiten. Ähnliche Risiken gibt es etwa auch bei der App Snapchat. Gerade Heranwachsende, die sich dessen nicht bewusst sind, können so Opfer von Cybermobbing werden. Hier gilt die Regel: Erst denken, dann posten. Nur Bilder und Clips veröffentlichen, die auch problemlos in der Zeitung oder im Fernsehen zu sehen sein könnten. Nutzer können nur Belästigungen unter "Ein Problem melden" anzeigen.

In den Nutzungsbedingungen heißt es dazu "Du darfst weder Personen noch Unternehmen diffamieren, stalken, schikanieren, missbrauchen, belästigen, bedrohen, nachahmen oder einschüchtern, und du darfst keine privaten oder vertraulichen Informationen über den Dienst posten". Doch ist die Plattform nicht moderiert. Dazu heißt es weiter lapidar: "Du trägst die alleinige Verantwortung für dein Verhalten".

Ungeeignete Inhalte

Der Selbstdarstellungsdrang und der Wunsch nach vielen Likes führen dazu, dass sich User mit immer außergewöhnlicheren, extremen oder vermeintlich perfekten Selfies überbieten möchten. Die Folge sind Trends, die zum Posten freizügiger, sehr dünner oder anderweitig fragwürdiger Körperbilder animieren.

Zwar heißt es in den Nutzungsbedingungen: "Du darfst keine gewalttätigen, Nackt- bzw. Teil-Nackt-, diskriminierenden, ungesetzlichen, verletzenden, hasserfüllten, pornografischen oder sexuell anzüglichen Fotos oder sonstigen Inhalte über den Dienst posten". Doch kann es sehr lange dauern, bis solche Postings verschwinden. Zumal diese online weiter kursieren können und Instagram sich nicht verpflichtet sieht, bestimmte Inhalte zu entfernen: "Instagram ist nicht verpflichtet, irgendwelche Inhalte vorab zu prüfen, zu überwachen, zu bearbeiten oder zu entfernen".

Vom Selfie bis zum Fatkini - Körperkult im Internet

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Inszenierung

Durch Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung ist nur schwer einzuschätzen, wer realistisches Material online stellt und wer nicht. Auch Stars schummeln nicht selten und tragen zu einem verzerrten Gesamtbild dessen bei, was jungen Leuten als erstrebenswertes Körperbild vermittelt wird. Hierbei hilft den Berühmtheiten unter den Instagramern der Umstand, dass Bilder und Videos als aus dem Leben gegriffen erscheinen und vielen, insbesondere jungen Usern, der Inszenierungsgrad der vermeintlichen Schnappschüsse nicht ersichtlich ist.

Urheberrechte

Vorsicht gilt bei Fotos oder Videos, auf denen auch andere Personen zu sehen sind, davon diesen die Erlaubnis zur Veröffentlichung vorliegen muss. Dies gilt auch für Fotos von anderen aus dem Internet, außer es diese wurden unter der Creative Commons-Lizenz zur freien Verfügung gestellt.

Dazu heißt es in den Nutzungsbedingungen: "Du erklärst und sicherst zu, dass (i) du Inhaber der von dir auf dem oder durch den Dienst geposteteten Inhalte bist bzw. auf sonstige Art berechtigt bist, die in diesen Nutzungsbedingungen festgelegten Rechte und Lizenzen zu gewähren; (ii) das Posten und die Nutzung deiner Inhalte auf dem oder durch den Dienst nicht die Rechte irgendeines Dritten verletzen, widerrechtlich verwenden oder gegen sie verstoßen; dazu zählen u. a. Datenschutz-, Urheber-, Marken- und/oder sonstige Rechte am geistigen Eigentum; (iii) du dich verpflichtest, für sämtliche Abgaben, Gebühren und jedwede sonstigen, aufgrund der von dir auf dem oder durch den Dienst geposteten Inhalte geschuldeten Gelder zu zahlen; und (iv) du das gesetzliche Recht und die Fähigkeit besitzt, diese Nutzungsbedingungen in deiner Gerichtsbarkeit einzugehen... Nutzer können immerhin Belästigungen oder unpassende Beiträge unter "Ein Problem melden" anzeigen."

Product Placement

Die große Nähe, die Stars mit ihren Instagram-Accounts zu ihren Fans aufbauen, wird nicht selten für Werbezwecke (aus)genutzt, die über die Eigenvermarktung hinausgeht. Viele nutzen Fotos und Videos zur versteckten Vermarktung von Produkten: Vermeintlich zufällig fotografieren sich Stars mit ihrem „Lieblings“-Lippenstift oder –Turnschuh und positionieren die Marke unverkennbar vor der Linse. Selten wird die Produktplatzierung als Werbung gekennzeichnet, was nach deutschen Wettbewerbsrecht unlauter ist.

Schleichwerbung im Internet: Product Placement auf Blogs und Youtube

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Instagram – 10 Dinge über die Eltern Bescheid wissen müssen

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SCHAU HIN!-Tipps im Überblick

  • Sicherheit checken: Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das Benutzerkonto an und prüfen Sie die Sicherheitseinstellungen. Eine Anleitung dazu gibt es bei klicksafe.
  • Regeln vereinbaren: Vereinbaren Sie klare Regeln, was gepostet wird und was nicht, sowohl, was das eigene, wie auch das Familienleben betrifft. Regen Sie Handyfreie Zonen an, zum Beispiel zu Tisch oder im Urlaub.
  • Risiken benennen: Reden Sie ganz offen über die möglichen Gefahren durch unüberlegtes Posten, damit Ihr Kind Verhaltensregeln nachvollziehen kann. Sprechen Sie ganz offen über Cybermobbing und stellen Sie klar, dass Sie der erste Ansprechpartner sind.
  • Gesehenes besprechen: Zeigen Sie sich offen für die Interessen Ihres Kindes auf Instagram und schauen Sie sich Postings mal gemeinsam an.
  • Reflektion anregen: Wie kalkuliert entsteht ein Schnappschuss bei Stars wirklich? Geben Sie Ihrem Kind Impulse, Inszenierungen, digitale Bildbearbeitung und Produktplatzierungen kritisch aufzuspüren.