Hass im Netz: Wie schütze ich mein Kind?

Was kann ich tun, um mein Kind besser vor Anfeindungen, Beleidigungen sowie Hetze und Hass im Netz zu schützen? Diese Frage beschäftigt viele Eltern. Wir empfehlen gerade für jüngere Kinder moderierte Angebote und geben Tipps fürs sichere Chatten.

Fotolia/VictorMoussa
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Kinder und Jugendliche nutzen das Internet vor allem zur Kommunikation in Foren, sozialen Netzwerken oder über mobile Messenger. So kann man sich leicht verabreden oder über bestimmte Themen und Erlebnisse austauschen. In manchen Foren herrscht jedoch ein rauer Umgangston, sogenannte Trolle vergiften im vermeintlichen Schutz der Anonymität mit unpassenden Kommentaren die Diskussion. Diese sind zu ignorieren, nach dem Spruch „Don't feed the trolls“ („Trolle niemals füttern“), oder bei schweren Fällen zu melden. Schließlich haben viele Seiten eine „Netiquette“ mit Benimmregeln. Verstoßen Nutzer dagegen, können sie ausgeschlossen werden.

Hetze von Radikalen

Auch Rechtsextreme oder Islamisten unterwandern die Diskussion in Foren, Blogs oder sozialen Netzwerken. Rechte besetzen Themen wie Flüchtlingspolitik, aber auch Umwelt- und Tierschutz sowie Kindesmissbrauch, um rechte Parolen zu streuen. Als scheinbar "besorgte Bürger" nutzen sie diffuse Ängste, verbreiten verzerrte und falsche Informationen und schüren Vorurteile und Hass.

Zudem wird auch in Onlinespielen rechtes Gedankengut verbreitet, über Nutzernamen wie Adolf oder Sturmführer, Spielergilden wie Wehrmacht oder Landser sowie die begleitenden Chats innerhalb dieser Gilden. Weitere Mittel sind Videos oder Musik mit rechten Parolen, die online verbreitet werden. Die vermeintliche Anonymität im Netz senkt die Hemmschwelle: Der Übergang von politisch extremer Äußerung bis zum Aufruf zu direkter Gewalt gegen Flüchtlinge wird fließender.

Achtsam sein und aufklären

Medien sozialisieren Kinder, prägen Einstellungen und ihr Verhalten. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder aktiv im Netz begleiten, über Hass im Netz aufklären und bei Problemen ein offenes Ohr haben. So hat das Kind genügend Vertrauen, sich mitzuteilen, wenn es auf ungeeignete Inhalte oder Personen im Netz trifft. Erfahren Eltern, dass ihr Kind mit Hass konfrontiert wurde, sollten sie sich diese zeigen lassen, darüber sprechen und diese melden. Dies gilt auch bei Cybermobbing, wenn Kinder im Internet gezielt, oft von Gleichaltrigen und Bekannten, beleidigt oder bedroht werden. Wichtig ist es, dass Eltern das Anliegen ernst nehmen und in Ruhe den Konflikt und die Ursache besprechen.

Altersgerechte Angebote nutzen

Begleiten Eltern ihr Kind von Anfang an im Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken, kann sich das Kind leichter anvertrauen und können Eltern eher Anzeichen von Mobbing erkennen. Um Kinder zu schützen, ist auch drauf zu achten, dass gerade jüngere Kinder nur in kindgerechten Foren unterwegs sind. Kinder müssen das Kommunizieren im Netz erst lernen. Gerade bis zwölf Jahren eignen sich daher Chats, die von geschultem Personal durchgehend moderiert werden. Empfehlungen finden Sie in unserem Netzwerkatlas.

Anfeindungen per App

Mit der rasant zunehmenden Nutzung mobiler Messenger können Jugendliche Konflikte auch per App austragen. Böswillige Störer sind in der App sofort zu blockieren, um keine weiteren Nachrichten über den Messenger zu bekommen. Um auch SMS oder MMS auszuschließen, ist die Handynummer des Störers in den Einstellungen des Geräts zu blocken. Für Eltern gilt es genau zu überlegen, welche App für ihr Kind geeignet ist, zumal die Dienste Facebook Messenger und Snapchat sowie WhatsApp laut den eigenen AGB erst ab 13 bzw. 16 Jahren zugelassen sind.

Tipps für Eltern gegen Hass im Netz

Eltern können ihrem Kind fünf Punkte zum sicheren Chatten und Umgang mit Störern vermitteln:

  • Respektvoll sein. Hinter jedem Nutzer stehen Menschen, ein höflicher Umgang gilt auch online.

  • Persönliches schützen. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche keine persönlichen Chatnamen verwenden. In Communitys ist auf die Herausgabe persönlicher Daten und Fotos zu verzichten.

  • Quellen kritisch prüfen. Ein kritischer Blick hilft, Propaganda zu entlarven und sich dagegen zu wehren. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, Websites sowie Profile und Seiten in sozialen Netzwerken kritisch zu prüfen, auch Freundschaftsanfragen. Die Polizei bietet online eine Übersicht zu rechten Symbolen und Zeichen.

  • Propaganda entlarven: Nicht jeder menschenfeindliche Beitrag ist als solcher offensichtlich. Prüfen Sie gemeinsam die Quellen vermeintlicher Informationen zu Überfremdung, Deutschenhass, Flüchtlingsströmen etc. und ziehen Sie alternative Informationen heran.

  • Informieren und thematisieren. Wenden Sie sich an die Schule oder an Beratungsstellen, wenn Ihr Kind vermehrt mit rechten Parolen konfrontiert wird. Beratung bieten Portale wie online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de, hass-im-netz.info oder netz-gegen-nazis.de. Diese sind kostenlos, anonym und streng vertraulich. Die Amadeo Antonio Stiftung klärt zudem in einer Broschüre über Hate Speech auf.

  • Sensibilisieren und schützen. Verdeutlichen Sie Ihrem Kind durch einen Perspektivwechsel, welches menschenfeindliche Weltbild hinter rechten Allgemeinplätzen steht: "Was wäre, wenn Du flüchten müsstest und Dich niemand willkommen heißt?" Stärken Sie das das Selbstvertrauen des Kindes, damit es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren kann. Verzichten Kinder auf die Angabe privater Informationen können Rechte weniger leicht Rückschlüsse auf Namen, Wohnort oder Schule ziehen und Personen im Netz oder im realen Leben bedrohen.
  • Vorsicht bei fremden Kontakten. Man kann nie wissen, wer sich auch hinter harmlos klingenden Benutzernamen verbirgt.
  • Hass melden. Rechtsextreme Inhalte können gegen deutsches Recht oder die Geschäftsbedingungen der Dienste verstoßen und sollten gemeldet werden. Ansprechpartner sind Beschwerdestellen wie jugendschutz.net, internet-beschwerdestelle.de oder i-kiz.de. In Netzwerken können Sie Inhalte bei den Betreibern melden. Als Beweise dienen Screenshots und Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname etc. Wenn man im Webforum eines kommerziellen Anbieters beleidigt wird, kann man sogar vom Betreiber Schadensersatz fordern. Dies hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in einem Urteil entschieden.
  • Unangenehme Dialoge sofort beenden und Störer blockieren. Den Chat verlassen, ihn keinesfalls in privaten Foren oder über andere Anbieter fortsetzen oder „reale“ Treffen mit Unbekannten vereinbaren.

Weitere Informationen

Zu Toleranz im Netz gibt es ein Interview mit Simon Schnetzer, Autor der Studie "Toleranz Online 2014". Im Extrathema Cybermobbing finden Sie zusätzliche Tipps, Experteninterviews sowie Beratungs- und Beschwerdestellen. Zudem empfehlen wir Ihnen die interessanten Beiträge zu Toleranz im Netz im Rahmen der ARD-Themenwoche Toleranz.