Hass im Netz: Wie schütze ich mein Kind?

Extremistische Gruppierungen und einzelne Aktivisten verbreiten im Internet ihre Ideologien, unter anderem indem sie Andersdenkende und Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe abwerten und beleidigen. Zudem versuchen sie Kinder und Jugendliche für ihre dogmatischen Ideologien zu gewinnen. Was kann ich tun, um mein Kind vor Hetze und Hass im Netz sowie extremistischen Orientierungen zu schützen? Diese Frage beschäftigt viele Eltern.

Merkmale für Extremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind vor allem die Ablehnung des Verfassungsstaats, die Verneinung der Interessensvielfalt in der Bevölkerung, starke Freund-Feind-Stereotypen, ideologischer Dogmatismus, ausgeprägtes Missionsbewusstsein. Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen wie politischer oder religiöser Extremismus.

Extremisten nutzen Webseiten, Foren, Blogs, Messenger, soziale Netzwerke oder Chats, um verzerrte und falsche Informationen sowie Parolen zu streuen und damit Ängste, Vorurteile und Hass zu schüren. Sie verbreiten im Internet ihre Ideologien, unter anderem indem sie Andersdenkende und Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe abwerten und beleidigen. Zudem versuchen sie Kinder und Jugendliche für ihre dogmatischen Ideologien zu gewinnen. Im Netz besonders aktiv, auch bei der Ansprache Heranwachsender, sind dabei rechtsextreme und islamistische Strömungen.

Begleiten Eltern das Onlineverhalten ihres Kindes von Anfang an aufmerksam, ist das eine gute Basis für gegenseitiges Verständnis und Vertrauen. Denn so, wie sie in der realen Welt die Interessen, Erlebnisse, Freunde und Treffpunkte ihres Kindes kennen, sollte das auch für jene im Netz gelten. Aufgabe der Eltern ist es auch, den Heranwachsenden zu vermitteln, dass die Werte der Offenheit und Toleranz sowie des respektvollen Umgangs, die für das soziale Miteinander wichtig sind, online wie offline gelten und aktiv vertreten werden sollten.

Hate Speech

Unter Hate Speech versteht man zumeist verbale Angriffe auf Personen oder Gruppen aufgrund bestimmter Attribute wie Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Weltanschauung oder Religion. Hate Speech wird online häufig in Social Media in Form von Kommentaren, Beiträgen, Memes oder Videos verbreitet. Hate Speech missachtet die Würde von Personen, diffamiert diese, grenzt sie aus und kann in einer Spirale aus sich verstärkendem Hass Gewalt provozieren.
Hate Speech ist strafbar, wenn sie die Kriterien der Volksverhetzung erfüllt, also wenn Menschen etwa aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe böswillig verächtlich gemacht werden, in einer Form, die ihnen ihre Menschwürde abspricht. Oder wenn gegen diese Gruppen zu Gewalt- und Willkürmaßnahmen aufgefordert wird. Auch strafbar sind die Verwendung verbotener Symbole bzw. Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wie das Hakenkreuz oder die Fahne des „Islamischen Staats“, die Verherrlichung von Gewalt und der Aufruf zu Straftaten.

Unabhängig davon kann Hate Speech gegen Jugendschutzgesetze verstoßen, wenn sie verrohend wirken und dadurch die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigt oder gefährden können. Wer rechtswidrige Inhalte Dritter verbreitet oder verlinkt, riskiert ein medien-, zivil- oder strafrechtliches Verfahren. Dies kann sogar gelten, wenn Dritte Hate Speech unter einem Beitrag oder in einem Profil eines Nutzers posten, und dieser trotz Kenntnis nichts unternimmt.

Islamismus im Netz

Laut eines Berichts von jugendschutz.net transportieren islamistische Inhalte eine totalitäre Ideologie, negieren Freiheitsrechte, verunglimpfen die Demokratie, lehnen Werte und Lebensformen moderner, pluralistischer Gesellschaften als „verkommen“ ab oder propagieren das Kalifat sowie die Herrschaft der Scharia als Gegenmodell. Die zugrunde liegende Ideologie der Ungleichwertigkeit teilt Menschen in Gläubige und Ungläubige ein und legitimiert Hass auf Personen, die nicht in das Weltbild passen.

Gewalt wird von Teilen des islamistischen Spektrums zur Erreichung der Ziele befürwortet. Diese Inhalte verbreiten sich vor allem über Hinweise auf Veranstaltungen für Heranwachsende, moderne (Bewegt)Bildpropaganda, Musik-Clips und Schockdarstellungen wie etwa Videos von Enthauptungen.
Insgesamt registrierte jugendschutz.net von Anfang 2012 bis Mitte 2015 in diesem Bereich etwa 1.050 Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz, davon fast alle im Social Web. 37 % entfielen auf Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Bei 29 % handelte es sich um Gewaltinhalte. In 22 % der Fälle wurde der Krieg in Form des bewaffneten Dschihad verherrlicht. Volksverhetzende Äußerungen (8 %) richteten sich vor allem gegen Juden, Nicht-Muslime und Homosexuelle.

Rechtsextremismus im Netz

Rechtsextreme Inhalte im Netz bestehen laut eines Reports von jugendschutz.net vor allem aus rassistischer Hetze gegen Flüchtlinge, auch aus Falschmeldungen, drastischen Gewaltszenen als Propaganda, Verschwörungstheorien sowie Hassbeiträgen gegen Juden (Antisemitismus), Sinti und Roma (Antiziganismus) sowie gegen Homosexuelle (Homophobie). Laut jugendschutz.net wurden 2014 1.762 Verstöße registriert, davon im Social Web 1.568 Verstöße, 89% davon strafbar, 11% jugendgefährdend. Insgesamt wurden mehr als 6.100 rechtsextreme Webangebote gesichtet: 1.417 Websites, 3.443 Profile und Channel, 466 Videos, 846 Einzelkommentare und –postings; 97% bei ausländischen Diensten; meist Facebook, YouTube, Twitter (USA) oder VK, Rutube (Russland), 3% auf deutschen Plattformen (z.B. MyVideo), 209 Websites von Versandhändlern.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet zeigt auf, dass über extremistische Angebote im Internet weit mehr bekannt ist, als über deren Nutzer, was
mit dem erschwerten Zugang zu sich radikalisierenden Jugendlichen zusammenhängt. Als den Radikalisierungsverlauf begünstigende Faktoren werden die verschiedenen Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten, das aufkommende Gemeinschaftsgefühl, die Möglichkeiten zu Selbstdarstellung und -bestätigung, gefühlte Anonymität und die Versorgungsfunktion mit ideologischen Gütern benannt.

Tipps für Eltern gegen Hass im Netz

1. Achtsam sein und aufklären
Medien sozialisieren Kinder, prägen Einstellungen und ihr Verhalten. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass eine Gesellschaft nur dann in Frieden leben kann, wenn die Menschen sich gegenseitig achten und respektvoll miteinander umgehen. Das gilt im Internet genauso wie in der sonstigen sozialen Umwelt. Begleiten Sie Ihr Netz aktiv, klären es über Hass im Netz auf und haben Sie bei Problemen ein offenes Ohr. So hat das Kind genügend Vertrauen, sich mitzuteilen, wenn es auf ungeeignete Inhalte oder Personen im Netz trifft. Erfahren Eltern, dass ihr Kind mit Hassbotschaften konfrontiert wurde, sollten sie sich diese zeigen lassen, darüber sprechen und diese melden.

2. Altersgerechte Angebote nutzen
Um Kinder zu schützen, ist auch drauf zu achten, dass gerade jüngere Kinder nur in kindgerechten Foren unterwegs sind. Kinder müssen das Kommunizieren im Netz erst lernen. Gerade bis zwölf Jahren eignen sich daher Chats, die von geschultem Personal durchgehend moderiert werden.

3. Informieren und aufklären
Wenden Sie sich an die Schule oder an Beratungsstellen, wenn Ihr Kind vermehrt mit extremen Parolen konfrontiert wird. Beratung und Informationen bieten Portale wie online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de, hass-im-netz.info oder netz-gegen-nazis.de. Diese sind kostenlos, anonym und streng vertraulich.

4. Sensibilisieren und schützen
Verdeutlichen Sie Ihrem Kind durch einen Perspektivwechsel, welches menschenfeindliche Weltbild hinter rechten Allgemeinplätzen steht: „Was wäre, wenn Du flüchten müsstest und Dich niemand willkommen heißt?“ Stärken Sie das das Selbstvertrauen des Kindes, damit es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren kann.

5. Allgemeine Sicherheitsregeln vermitteln
Eltern können ihrem Kind fünf Punkte zum sicheren Chatten und Umgang mit Störern vermitteln:

  • Respektvoll sein. Hinter jedem Nutzer stehen Menschen, ein höflicher Umgang gilt auch online.

  • Persönliches schützen. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche keine persönlichen Chatnamen verwenden. In Communitys ist auf die Herausgabe persönlicher Daten und Fotos zu verzichten, vor allem wenn Ihr Kind sich aktiv gegen Hassparolen und deren Absender engagiert.

  • Quellen kritisch prüfen. Ein kritischer Blick hilft, Propaganda zu entlarven und sich dagegen zu wehren. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, Websites sowie Profile und Seiten in sozialen Netzwerken kritisch zu prüfen, auch Freundschaftsanfragen.Die Polizei bietet online eine Übersicht zu rechten Symbolen und Zeichen.

  • Propaganda entlarven: Nicht jeder menschenfeindliche Beitrag ist als solcher offensichtlich. Prüfen Sie gemeinsam die Quellen vermeintlicher Informationen zu Überfremdung, Deutschenhass, Flüchtlingsströmen etc. und ziehen Sie alternative Informationen.

  • Störer ignorieren und blockieren. In manchen Foren herrscht jedoch ein rauer Umgangston, sogenannte Trolle vergiften im vermeintlichen Schutz der Anonymität mit unpassenden Kommentaren die Diskussion. Diese sind zu ignorieren, nach dem Spruch „Don't feed the trolls“ („Trolle niemals füttern“) und zu blockieren, um keine weiteren Nachrichten zu bekommen.heran. Meist haben auch schon andere Nutzer den Beitrag als „Fake“ entlarvt und warnen davor. Zunächst gilt es die Aufnahme und den Kontext kritisch zu betrachten.

  • Unangenehme Dialoge sofort beenden. Den Chat verlassen, ihn keinesfalls in privaten Foren oder über andere Anbieter fortsetzen oder „reale“ Treffen mit Unbekannten vereinbaren.

6. Hass melden und anzeigen
Stoßen Kinder auf Hass im Netz, sollten sie den Eltern Bescheid geben, damit diese die Inhalte dem Betreiber bzw. Beschwerdestellen wie jugendschutz.net, internet-beschwerdestelle.de und jugend.support melden. Als Beweise dienen Screenshots und Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname etc. Erhält es von bestimmten Freunden oder Seiten oft unseriöse Inhalte oder Angebote, kann es deren Benachrichtigungen abstellen oder die (virtuelle) Freundschaft kündigen. Auch vom Admin einer Gruppe und der Betreiber einer Seite oder eines Kanals kann man die Löschung von Beiträgen verlangen. Als Administrator kann man selbst Beiträge blocken oder löschen, mit einer Netiquette Regeln für die Diskussion festlegen und Nutzer durch Kampagnen ermutigen, selbst gegen Hass im Netz aktiv zu werden. Hass im Netz kann man auch extern melden unter: nohatespeech.de/melden bzw. hassimNetz.info/melden. In schweren Fällen kann man auch Anzeige bei der Polizei erstatten. Viele Bundesländer haben so genannte Internet-Wachen eingerichtet, die online Strafanzeigen entgegennehmen. Grundsätzlich geht dies auch bei jeder örtlichen Polizeidienststelle.

7. Sich engagieren
Im Netz gibt es viele gute Beispiele, wie man sich kreativ gegen Hass wenden kann. Wichtig ist, jegliche Hassbotschaften nicht unwidersprochen zu lassen, sondern ihnen auch verbal etwas entgegenzusetzen. CounterSpeech, Memes, Tipps und Tricks: nohatespeech.de. Wichtig dabei: Selbst sachlich und locker bleiben, um sich auch in der Form von Hetze abzugrenzen. Mit dieser Counter Speech lassen sich etwa rassistisch motivierte Fehlinformationen argumentativ widerlegen. Solche Beiträge sind wichtige Zeichen für Demokratie und zeigen Solidarität mit den Opfern von Hassattacken. Verzichten Kinder auf die Angabe privater Informationen können andere weniger leicht Rückschlüsse auf Namen, Wohnort oder Schule ziehen und Personen bedrohen.

Weitere Informationen

Zu Toleranz im Netz gibt es ein Interview mit Simon Schnetzer, Autor der Studie "Toleranz Online 2014". Im Extrathema Cybermobbing finden Sie zusätzliche Tipps, Experteninterviews sowie Beratungs- und Beschwerdestellen. Zudem empfehlen wir Ihnen die interessanten Beiträge zu Toleranz im Netz im Rahmen der ARD-Themenwoche Toleranz.

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SCHAU HIN!

Infos für Eltern und Pädagogen

netz-gegen-nazis.de

hass-im-netz.info

nohatespeechmovement.org

stimmefuerrespekt.de

Das Portal »Stop Fake News!« auf dem Niedersächsischen Bildungsserver (stop-fake-news.nibis.de) bietet weitere umfassende Informationen und praxisnahe Materialien zum Thema.

Das Unterrichtsmaterial »Meinung im Netz gestalten« steht als Download auf www.medien-in-die-schule.de/unterrichtseinheiten/meinung-im-netz-gestalten/ zur Verfügung.