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17. Shell Jugendstudie: Online, aber misstrauisch

Fast alle Jugendlichen nutzen Google, Facebook & Co., auch wenn die meiste diese skeptisch sehen, gerade was den Datenschutz betrifft. Diese und weitere Ergebnisse im Überblick.

© loreanto / Fotolia

Länger on, doch bleibt Zeit für anderes

Fast alle Jugendlichen (99 %) sind inzwischen online. 2002 waren es erst 66 %. Fast die Hälfte (47 %) der Jugendlichen aus der oberen Schicht berichtet von drei oder mehr Zugängen (Smartphone, Laptop, Desktop-Computer, Tablet etc.). Bei Jugendlichen aus der unteren Schicht trifft dies nur auf gut ein Sechstel (17 %) zu. Zusammen mit der nun flächendeckenden Verbreitung des Internets geht noch einmal eine deutliche Steigerung der Zeit einher, die die Jugendlichen im Netz verbringen. Im Durchschnitt sind Jugendliche pro Woche mehr als 18 Stunden online. Die geringste Zustimmung findet die Aussage, dass "ich sooft im Internet bin, dass mir für andere Dinge wenig Zeit bleibt". Fast zwei Drittel (65 %) der Jugendlichen stimmen dem nicht zu.

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Datenschutz ist vielen Jugendlichen wichtig

Mehr als vier von fünf Jugendlichen (84 %) stimmen der Aussage, dass "große Konzerne wie Facebook oder Google mit den Daten der Nutzer viel Geld verdienen wollen", voll und ganz oder abgeschwächt zu. Insgesamt ist das Vertrauen von Jugendlichen in Facebook im Hinblick auf den Umgang mit den eigenen Daten sehr gering. Gerade einmal jeder achte Jugendliche (13 %) gibt an, Facebook hierzu vertrauen. Davon unabhängig nutzen 27 % der Jugendlichen Facebook "sehr häufig", weitere 30 % "häufig" und 26 % "ab und an". Auch meint eine große Mehrheit, dass "große Konzerne wie Facebook oder Google mit ihren Angeboten das Internet beherrschen wollen". Fast drei Viertel (72 %) stimmen dieser Aussage voll und ganz oder abgeschwächt zu. Die gleiche Zustimmung (72 %) findet sich bei der Aussage "Ich gehe im Internet vorsichtig mit meinen persönlichen Daten um".

Soziale Netzwerke werden zwiespältig beurteilt

Differenzierter fallen die Antworten der Jugendlichen zum interaktiven/sozialen Charakter des Internets aus. Zwei Fünftel (39 %) sehen es so, dass "man bei sozialen Netzwerken deshalb dabei sein muss, weil man sonst nicht mitbekommt, was die anderen machen". Die emotionale Bewertung, dass es "Spaß macht, private Kontakte über das Internet zuknüpfen und zu pflegen", trifft bei zwei Fünfteln (39 %) der Jugendlichen auf Zustimmung. Rund ein Drittel der Jugendlichen stimmt beiden Aussagen jedoch explizit nicht zu. Fast zwei Drittel (65 %) der Jugendlichen stimmen dem nicht zu.

Gruppiert man auch hier die Jugendlichen nach ihrer Haltung zum "Social Web", so gilt für 39 %, dass sie sich "kritisch geben und sich nicht auf alles einlassen wollen". Diesen Jugendlichen sind mögliche Risiken geläufig, und sie kontrollieren ihr Nutzerverhalten nach eigenen Angaben auch etwas stärker, ohne allerdings auf Aktivitäten im SocialWeb grundsätzlich zu verzichten. 32 % geben sich "kritisch, wollen trotzdem aber mit dabei sein". Auch diese Jugendlichen stimmen den Aussagen zum Internet als "Geschäftsmodell" vorrangig zu, legen vor allem aber Wert darauf, die Möglichkeiten im Social Web umfassend zu nutzen. 26 % sehen den Verwendungszweck "eher unkritisch und sind mit dabei". Eine kleine Restgruppe von 3 % lehnt die "Kritik am Internet generell ab". Primär geht es darum, "dabei zu sein im Social Web". Lesen Sie hier mehr zu den Potenzialen sozialer Medien.

Surfalltag geprägt von Unterhaltung, Information und Interaktion

Jugendliche nutzen das Internet vor allem zur Unterhaltung, Information und Interaktion. Im ersten Bereich finden sich Inhalte, die für Unterhaltung stehen. "Videos, Filme, Fernsehen", "Musik runterladen oder hören", "Chats" sowie "Spiele, Gamen" sowie "auf soziale Netzwerke zugreifen" sind hier zu finden. Vor allem junge und häufiger männliche Jugendliche sind unter diesen Nutzern zu finden.

Im zweiten Bereich kommen Aktivitäten wie "nach Informationen suchen, die ich gerade brauche", "mich informieren, was in Politik und Gesellschaft passiert", "das Netz für Schule, Ausbildung oder Beruf nutzen" sowie "E-Mails versenden" zusammen. Das Internet wird genutzt, um alltagsrelevante Informationen zu finden. Je älter die Jugendlichen sind, desto häufiger findet sich diese Form der Nutzung. Jugendliche aus einfachen sozialen Verhältnissen gehen dieser Nutzung weniger nach.

Im dritten Bereich des interaktiven Austausches stehen Aktivitäten wie "meinen Blog schreiben", "Bewertungen zu Produkten oder Dienstleistungen schreiben", "Fotos, Videos oder Musik ins Internet hochladen" im Fokus. Damit erschließen sich Jugendliche nicht nur passiv die vorgefundenen Inhalte, sondern bringen sich aktiv mit eigenen Inhalten ein.

Fünf Internettypen

Aus diesen drei Bereichen lassen sich fünf Typen jugendlicher Internetnutzung ableiten:

  • Die Info-Nutzer (25 %): Diese eher weiblichen (61 %), älteren, besser gebildetenJugendlichen nutzen die Vielfaltder Informationen, die das Internet bereithält. Unterhaltung sowie interaktiverAustausch spielen bei ihnen eine geringere Rolle. Mit fast 18 Stunden Internetnutzung pro Woche liegen sie knappunter dem Durchschnitt der Jugendlichen insgesamt.

  • Die Medienkonsumenten (24 %): Beiden Medienkonsumenten dominiert die Unterhaltung. Diese eher männlichen (56 %) und dabei jüngeren Jugendlichenliegen mit fast 20 Stunden hinsichtlichdes Umfangs der wöchentlichen Internetnutzungdeutlich über dem Durchschnitt. 59 % sind hier Schüler und miteinem Drittel sogar überproportional häufig Gymnasiasten.

  • Die digitalen Bewohner (20 %): Die digitalen Bewohner nutzen das Internet allumfassend zur Unterhaltung, zum interaktiven Austausch und für Informationen. Diese eher männlichen (60 %)und älteren Jugendlichen verbringen die meiste Zeit im Internet und kommen auffast 25 Stunden pro Woche. Sie findensich in allen gesellschaftlichen Schichten.

  • Die Gelegenheitsnutzer (19 %): Die Gelegenheitsnutzergehen allen drei Bereichender Internetnutzung weniger häufig nach. Diese vor allem jüngeren Jugendlichenmit etwas geringerem Bildungshintergrundkommen im Schnitt auf nur 11 Stunden pro Woche im Internet.

  • Die interaktivorientierten Selbstdarsteller (12 %): Die Selbstdarsteller nutzenvor allem die interaktiven Möglichkeitendes Social Web. Diese etwas häufiger männlichen (56 %), vor allem aber bereits älteren Jugendlichen verbringen mit 16 Stunden weniger Zeit pro Woche im Internet, nutzen diese dafür aber stärker zur Selbstdarstellung.

Unterschied bei Alter und Geschlecht

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass vor allem die Jüngeren sich das Internet stark über die vielfältigen Unterhaltungsangebote erschließen. Jüngere Mädchen nutzen im Vergleich etwas häufiger die digitalen sozialen Netzwerke,während Jungen in dieser Altersgruppestärker an Computerspielen oder Medienkonsum (Videos, Filme, Fernsehen etc.) interessiert sind. Mit zunehmendem Alter differenziert sich das Nutzerverhalten weiter aus, und das Motiv der Information tritt stärker zutage. Hier sind es Jugendliche aus gehobenen Herkunftsschichten, die das Internet häufiger und besser für ihre Zwecke nutzen können. Gemeinsam ist allen Jugendlichen, im Sozialraum Internet mit dabei sein zu wollen.

Zur Methodik

Die 17. Shell Jugendstudie 2015 stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.558 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren aus den alten und neuen Bundesländern, die von den Interviewern von TNS Infratest zu ihrer Lebenssituation und zu ihren Einstellungen und Orientierungen persönlich befragt wurden. Die Erhebung fand auf Grundlage eines standardisierten Fragebogens im Zeitraum von Anfang Januar bis Mitte März 2015 statt. Im Rahmen einer ergänzenden qualitativen Studie wurden zwei- bis dreistündige vertiefende Interviews mit 21 Jugendlichen dieser Altersgruppe durchgeführt. Weitere Ergebnisse und Materialien der Studie finden Sie hier.

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