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Aufregung um Facebookseite mit Kinderfotos

Eine Facebook-Seite sammelt Bilder von Kindern, die Eltern öffentlich auf der Plattform stellen. Der Aufschrei ist groß und zeigt auch die Sorglosigkeit vieler Erziehungsberechtigter.

© Nino Pavisic / Fotolia
© Nino Pavisic / Fotolia

Wenn Eltern ihre Kinder auf fremden Facebookseiten sehen, werden sie unruhig und sauer. Genau das machen sich jetzt unbekannte Betreiber zunutze. Die mittlerweile deaktivierte Seite "Little Miss & Mister" durchsucht Elternprofile nach öffentlich sichtbaren Fotos von Kindern und verbreitet diese.

Unzählige Fotos haben sie so zusammen getragen: Kinder, die auf dem Spielplatz toben, im Schwimmbecken planschen, mit Haustieren schmusen, aber auch zum Teil nackte Kinder in der Badewanne oder am Strand sind auf den unzähligen Fotos zu sehen. In den Kommentaren äußern sich viele Nutzer spöttisch zu den Bildern, viele loben die Aktion.

Andere sind entsetzt. "Es wurde ein Bild gepostet von meiner Tochter ohne mein Einverständnis ich möchte bitte das das Foto von ihr gelöscht wird denn wird es nicht getan fühle ich mich gezwungen es zur Anzeige bei der Polizei zu bringen" (Fehler im Original), schrieb eine Facebook-Nutzerin laut Medienberichten.

Öffentliche Bilder zu posten ist meist keine Straftat

Das Profilbild der Seite, die innerhalb weniger Tage über 200 Abonnenten hat, zeigt ein Kind, das sich mit einem Lippenstift schminkt. Wer die Seite betreibt, ist unklar. Die Absender geben sich den offensichtlich nicht erst gemeinten Namen "SAsha TIschREin". Auf Nachrichten reagieren die Betreiber nicht, die Telefonnummer führt zu Personen, die mit der Sache nichts zu tun haben.

Bei einer Straftat handelt es bei jetztigem Kenntnisstand dennoch nicht, da die Betreiber der Seiten die Nutzerprofile nicht hacken, sondern lediglich Bilder teilen, die sowieso öffentlich sichtbar sind. Somit ist der Zugriff auf die jeweiligen Bilder erlaubt. Die Betreiber geben sogar an, Kinder schützen zu wollen. In einem Post schreiben sie: "Viele FB Nutzer schmeißen ihre Informationen durchs www wie Konfetti. Genau das wollen wir aufzeigen. Besonders liegt uns der Schutz von Kinderbildern am Herzen. Das www ist voll von üblen Menschen, die diese Bilder für ihre Zwecke missbrauchen und dem wollen wir entgegen wirken."

Dass die Administratoren oft die Sorglosigkeit und Unkenntnis vieler Eltern missbrauchen, welche Bilder wie bei Facebook veröffentlicht werden und wie man die Einstellungen verändern kann, nehmen sie in Kauf. Wie Eltern ihre Daten und die Informationen ihrer Kinder schützen, erfahren Sie hier.

Auch Kinder haben Persönlichkeitsrechte

Rechtlich gesehen können Eltern minderjähriger Kinder frei entscheiden, ob sie Bilder ins Netz stellen. Die Kinder gelten als noch nicht einsichts- und geschäftsfähig, und das betrifft auch das Recht am eigenen Bild. Sobald das Kind die Risiken, die damit verbunden sind, selbst einschätzen kann, darf es aber mitentscheiden. Das ist in etwa im Alter von 12 bis 14 Jahren der Fall. Dann können Kinder theoretisch auch von ihren Eltern verlangen, Bilder aus dem Netz zu nehmen.

Doch gerade wenn Kinder noch nicht einschätzen können, welche Folgen das Veröffentlichen hat, sind die Eltern in ihrer Verantwortung gefragt. Denn grundsätzlich haben Kinder wie alle anderen Personen auch das Recht am eigenen Bild. Dieses wird vom Gesetz nur an deren Vormund übertragen im Glauben, dass diese damit auch verantwortlich umgehen und Risiken abschätzen.

Denn auch wenn etwa das Bild im Profil oder Blog später gelöscht wird, können die Aufnahmen weiter kursieren. Andere können diese kopieren, verfremden und verbreiten. Zudem können Werbetreibende und fremde Nutzer Informationen über Hobbys und tägliche Gewohnheiten sammeln.

Kinder eignen sich nicht zur Selbstinszenierung

Eltern sollten sich fragen, ob nicht bei der Veröffentlichung nicht der Stolz auf das eigene Kind eine Rolle spielt, sondern auch das eigene Geltungsbedürfnis. Das Posten von kuriosen Szenen aus dem Familienalltag sei oft mit dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und "Likes" verbunden. Doch ist dies in Verbindung mit Fotos von den eigenen Kindern unpassend. Viele Eltern würden selbst solche Fotos später nicht von sich im Netz entdecken wollen.

Kinder nur undeutlich zeigen und Zugang beschränken

Falls Eltern doch Bilder des Kindes veröffentlichen, sollten Kinder auf Fotos nicht direkt erkennbar sein, sondern etwa nur im Anschnitt oder mit Sonnenbrille und Mütze. Beim Hochladen von Bildern über das Smartphone ist darauf zu achten, dass die Ortsbestimmung deaktiviert ist. Ansonsten können andere Nutzer sehen, wo das Bild aufgenommen wurde. Profilinformationen und Bilder sollten nur für ausgewählte Kontakte und auf keinen Fall für Suchmaschinen sichtbar sein. Gerade Eltern sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen, um ihr Kind zu schützen, aber auch um Vorbild für den sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten im Netz zu sein.

Aufnahmen besser nur stationär speichern

Doch auch das Hochladen in einen Online-Speicher ("Cloud") ist mit Risiken verbunden. Schließlich vertraut man persönliche Daten einem Unternehmen an. Zudem können diese Speicher auch von Unbefugten gehackt werden. Daher gilt, sich genau über die Geschäfts- und Datenschutzbedingungen des Anbieters zu informieren und den Zugang über ein ausgefeiltes Passwort zu schützen. Am sichersten ist es, Bilder oder Clips nur auf der Festplatte zu speichern.

Gegentrend: Kinder posten Jugendfotos der Eltern

Längst gibt es dazu auch die Gegenbewegung: Kinder, die Jugendbilder ihrer (damals) coolen Eltern veröffentlichen. Auch hier geht es natürlich weniger um die Eltern, sondern um die eigene Inszenierung als cooler Spross einer Familie, die schon vor Instagram und Hipstertum Trends setze. "Den Fotos haftet eine unantastbare Glaubwürdigkeit an. Ein Retro-Flair ganz ohne Instagram-Filter, der alles ein bisschen authentischer wirken lässt", schreibt Eva Hoffmann dazu in ihrem Kommentar auf jetzt.de.

 

Weitere Beiträge und Informationen

In den Bereichen mobile Geräte und soziale Netzwerke sowie im Extrathema zum Datenschutz finden Sie weitere Informationen zum Umgang mit Bildern und anderen persönlichen Daten. Daddylicious und Das Nuf haben zum Thema lesenswerte Beiträge geschrieben, die die Debatte gut zusammenfassen. Zudem hat die Uni Basel dazu eine Entscheidungshilfe und einen Elternratgeber veröffentlicht, Wissenschafter der Universitäten Washington und Michigan publizierten hierzu eine Studie.

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