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Casting- und Datingshows als Schulhofthema

Heute startet die neue Staffel von Dschungelcamp. Damit beginnen auch die Diskussionen auf dem Schulhof. Wir empfehlen jüngeren Kindern Alternativen anzubieten und mit älteren Kindern gemeinsam zu schauen.

@RTL
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Schon bevor die 11. Stafel der Reality-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" beginnt, steht vieles bereits fest: Prominente, die Kakerlaken essen, sich am Lagerfeuer ausweinen und viel nackte Haut in die Kamera strecken. Auch andere Reality-Formate, die in den nächsten Wochen anlaufen, bedienen sich drastischer Mittel und nutzen Online-Angebote wie Facebook und Insagram, um ihre Sendungen zu bewerben. "Dschungelcamp", "Bachelor" (ab 1. Februar), "DSDS" (läuft bereits) oder "Germany's next Topmodel" (ab 9. Februar) wecken so Emotionen und sorgen gerade bei der jungen Zielgruppe für Gesprächsstoff. Viele Eltern fragen sich, ob ihr Nachwuchs diese Sendungen sehen soll.

Faszination verstehen

Am besten fragen Eltern erstmal ihr Kind, warum es die Sendung unbedingt sehen möchte. Dann können sie die Hintergründe besser einschätzen und daraus eine begründete Haltung entwickeln. So merken Eltern schnell, ob ihr Kind die Sendung schaut, weil diese im Freundeskreis gerade „in“ ist, zum reinen Zeitvertreib oder weil es mit bestimmten Personen mitfiebert beziehungsweise sich über diese lustig macht.

Möchte ihr Kind selbst Musik zu machen und zu singen, können Eltern dies unterstützen, indem sie Workshops oder Kurse vor Ort anbieten, die Talente unterstützen statt schnellen Ruhm zu versprechen.

Jüngeren Kindern Alternativen anbieten

Bei den meisten jungen Zuschauern geht es darum, nicht Außenseiter zu sein, sondern mitreden zu können. Doch sind diese Formate mit Themen aus der Erwachsenenwelt für jüngere Kinder weniger geeignet. Das zeigt schon der späte Sendeplatz. Sendungen nach 20 Uhr, wie „GNTM“, „Bachelor“ und „DSDS“ sind erst für Zuschauer ab zwölf, solche nach 22 Uhr wie das „Dschungelcamp“ für Zuschauer ab 16 Jahren zugelassen.

Eltern können jüngeren Kindern Alternativen im Kinderprogramm empfehlen, in denen Gleichaltrige die Hauptakteure sind. Ein Beispiel ist die Sendung „Dein Song“ mit 16 jungen Songwritern, die ab 20. Februar im Kika zu sehen ist.

Mehr Informationen

Mit älteren Kindern schauen und diskutieren

Je älter Kinder werden, umso größer sind der soziale Druck und damit der Wunsch, die Sendung sehen zu dürfen. Hält dieser an, ist es sinnvoll, zumindest einige Folgen zusammen zu schauen. So können Eltern mit ihrem Kind über die Sendung sprechen.

Differenzierte Haltung anregen

Gerade Kinder durchschauen oft nicht die Inszenierung in diesen Formaten und das damit verbundene klischeehafte Menschen- und Rollenbild. Eltern können darauf aufmerksam machen, dass die Dramaturgie und hämische Kommentare aus dem Off bewusst Emotionen wecken sollen und wie erniedrigend manche Dschungelprüfung oder der Kampf um die Gunst der Jury sein kann.

Crossmediale Vermarktung besprechen

Viele TV-Formate sind so erfolgreich, weil sie das Publikum eng an die Protagonisten binden. Dazu dienen „Second Screen“-Angebote wie Fanseiten oder Profile der Darsteller auf Facebook, Twitter und Instagram. Gewinnspiele, etwa verbunden mit dem Aufruf, Selfies öffentlich unter einem Hashtag zu posten, animieren zudem zur Preisgabe privater Daten. Die Plattformen enthalten oft beleidigende Kommentare, werden oft nicht moderiert, bergen Kontakt- sowie Konfrontationsrisiken und sind daher für Heranwachsende ungeeignet.

Am besten achten Eltern auf die Altersfreigaben der Dienste, informieren sich über Risiken, klären ihre Kinder darüber auf und vereinbaren Chatregeln, etwa Störer zu melden und zu blockieren. Zudem ist die Anmeldung bei bestimmten Diensten oder die Teilnahme an Gewinnspielen vorher zu besprechen.

5 Tipps für den Umgang mit fragwürdigen Sendungen

1.    Motivation und Faszination der Kinder verstehen.

2.    Jüngeren Kindern altersgerechte Alternativen anbieten.

3.    Mit älteren Kindern Formate gemeinsam schauen und kritisch reflektieren.

4.    Differenzierte Haltung anregen und zu einer eigenen Meinung ermuntern.

5.    Gemeinsam die Vermarktung im Netz untersuchen und bewerten.

Weitere Informationen

Pädagogische Einschätzungen zu den einzelnen Sendungen finden Sie bei Flimmo, dem Programmratgeber für Eltern. Wir haben mit deren Vorsitzenden, Verena Weigand, in einem Interview über Klischees im TV gesprochen.

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