Chat-Fiction: Wie Jugendliche heutzutage Geschichten lesen

In den USA lesen und verfassen immer mehr Jugendliche Kurzgeschichten im Chat-Format. Chat-Fiction nennt sich der Trend, der dort zunehmend an Beliebtheit gewinnt. Kommt er jetzt auch nach Deutschland?

Hooked Chat-Fiction App
© HookedStories.com

Wie bringt man die Jugend zum Lesen? Diese Frage hat sich auch Prerna Gupta gestellt und entwickelte die App Hooked. Das ist eine sogenannte „Chat-Fiction App“, die nun mehrere tausend Teenager in den USA in ihren Bann zieht und ihnen Storys in einem Chat-Stil erzählt. 

Die Jugendlichen haben mittels der Chat-Fiction Apps die Möglichkeit, Storys zu verfolgen und zu erstellen, die ähnlich wie ein WhatsApp-Dialog aufgebaut sind. Dabei bekommen sie per „Tap“ – also jedem Fingertipp aufs Display – Nachricht für Nachricht angezeigt. Das hat diverse Vorteile: Zum einen ist es sehr unkompliziert und Smartphone-gerecht zu konsumieren. Zum anderen auch das Gefühl live dabei zu sein. Die meisten Nutzer der App sind zwischen 12 und 20 Jahren alt. Gelesen werden kann eine Geschichte zumeist in fünf Minuten und ist im Durchschnitt etwa 1.000 Wörter lang.

Apps statt Bücher: Chat-Fiction auch bald in Deutschland?

Ob der Trend demnächst in Deutschland zu finden ist, ist noch unklar. Jedoch kann Chat-Fiction eine Alternative sein, Jugendliche für das Thema Lesen und Literatur zu begeistern. Klassische Themen der Literatur wie beispielsweise Liebe, Thriller oder Science Fiction werden vermutlich bleiben, das Medium aber könnte sich ändern. Denn die neuen Gewohnheiten und Technologien in den von Smartphones und sozialen Medien geprägten Zeiten könnten auch dazu führen, dass Jugendliche in Zukunft nicht Bücher schmökern, sondern Chats verfolgen.

Junge Menschen, die gerne ein klassisches Buch in die Hand nehmen und es sich auf der heimischen Couch gemütlich machen, könnten das auch in Zukunft tun. Alternativ könnten sich ihre Zeitgenossen unterwegs mit Chat-Fiction simpel die Zeit vertreiben. Und vielleicht schlummert ja der nächste große Schriftsteller seiner Generation schon unter den Chat-Fiction-Usern. 

Die Kreativität von Kinder und Jugendlichen mit Medien fördern

Die Beschäftigung mit Medien bietet Kindern und Jugendlichen viele Möglichkeiten, kreativ zu sein, Talente zu entdecken und zu entfalten sowie Kompetenzen zu fördern. Dazu gehört natürlich auch das Lesen und kreative Schreiben. Wenn Eltern ihre Kinder dazu animieren möchten, können sie dies am besten mit interaktiven, altersgerechten Medieninhalten bzw. passende Ideen rund um die Medienwelt. Dabei kann man gut Medienerlebnisse reflektieren und Medienkompetenz fördern sowie Kreativität steigern. Einige Tipps sind im Folgenden zusammengefasst.

So können Eltern den kreativen Umgang mit Medien unterstützen:

Kreativität fördern: Mit kreativer Mediennutzung kann die Fantasie der Kinder gefördert werden. Medien bieten schöne Anlässe zum gemeinsamen Nachspielen und Weiterspinnen. Das stärkt die Identifikation, erleichtert das Einfühlen, schafft gemeinsame Erlebnisse und macht einfach Spaß.

Medien aktiv nutzen: Am besten regen Eltern ihre Kinder an, Medien als kreatives Werkzeug zu gebrauchen, z.B. die Digitalkamera, das Handy, den Computer. Selbst kleine Kinder haben Spaß daran, mit Bildern zu experimentieren, z.B. mit unterschiedlichen Perspektiven usw.

Über Inhalte sprechen: In gemeinsamen Gesprächen über die Lieblingsmedien und liebsten Beschäftigungen mit Medien kann auch über ungeeignete Inhalte oder Datenschutz sowie Sicherheitsmaßnahmen beim Teilen persönlicher Inhalte gesprochen werden. 

Identitätsentwicklung unterstützen: Kinder und Jugendliche brauchen Testgelände, in denen sie sich ohne Druck erproben können; in denen sie im Austausch mit anderen ausprobieren können, wer und wie sie sind und sein wollen. Medien liefern Themen und Darstellungsformen, die Kinder in ihrer jeweiligen Entwicklung weiterbringen, für das Spiel mit Rollen und Vorbildern können Medien als Fundgrube oder „Baustellen“ dienen. Zugleich müssen Kinder lernen, dass durch Medien auch problematische Normen und Leitbilder vermittelt werden. Eine kreative, aktive Auseinandersetzung mit medialen Produkten kann Reflexion anregen und Problembewusstsein schaffen.

Auf Urheberrechte achten: Bei der Nutzung und Bearbeitung medialer Inhalte sind die Rechte der Urheber zu achten. Zu empfehlen sind Dateien mit einer Creative Commons-Lizenz. Hierbei räumen Urheber Nutzern unter bestimmten Bedingungen die Verwendung ein, etwa zur privaten, nicht-kommerziellen Nutzung.

Über Medienprojekte informieren: Es gibt viele interaktive und kreative Medienprojekte – vor Ort und online. Am besten informieren sich Eltern im Internet darüber. Auch Führungen oder Tage der offenen Tür bei Medienunternehmen können als Blick hinter die Kulissen inspirieren, etwa dazu, auch einmal selbst Zeitung, Radio oder TV-Sender zu spielen. 

Hier gibt es weitere Tipps und Informationen rund um das Thema Kreativität mit Medien:

https://www.schau-hin.info/extrathemen/kreativ-mit-medien.html

www.surfen-ohne-risiko.net/kreativ

www.handysektor.de/navigation-middle/smartphone-kreativ

Links zu den Apps:

http://www.hooked.co/press/

https://www.netz.de/apps/news/hooked-app-chat-geschichten-mit-suchtfaktor

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