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Coming-out im Netz

Schwule, lesbische, bisexuelle, trans* und inter* Jugendliche outen sich zunehmend auch online. Hier können sie sich in Communities anonym mit Gleichaltrigen austauschen und erfahren Halt, manchmal aber auch Anfeindungen.

Zwei Jugendliche fotografieren sich gegenseitig. Dabei strecken die je einen Arm nacheinander aus.
© Adrian Sava/Unsplash

Medien können bestärken...

Viele queere Jugendliche suchen online nach Kontakten und Informationen, oft bevor sie sich vor ihrem persönlichen Umfeld outen. Das kann helfen, um sich in seinen Gefühlen klarer zu werden oder eben in "geschützten Räumen" und anonym zu anderen Kontakte zu knüpfen, die in einer ähnlichen Situation sind. Das Internet bietet zudem Gelegenheiten, sich zu engagieren und selbst aktiv zu werden etwa ein Forum zu moderieren oder über seine Erfahrungen zu bloggen. Auch Stars aus den Medien, die sich outen, können Jugendliche bestärken, etwa das medial inszenierte Coming-out von Thomas Hitzelsberger oder die Transgeschlechtlichkeit von Balian Buschbaum. Auf YouTube gibt es einige Kanäle, auf denen Jugendliche und junge Erwachsene ihre Erlebnisse und Gefühle zu Beispiel während des Outings dokumentieren. Durch eine öffentliche Thematisierung werden zudem auch Menschen konfrontiert bzw. sensibilisiert, die nicht unmittelbar mit den Themen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität befasst sind.

... aber auch verunsichern

Die unüberschaubare Flut von Informationen im Internet kann es aber auch erschweren, seriöse und aktuelle Inhalte zu finden, etwa bei der Online-Suche nach Freizeit- oder Beratungsangeboten, Dates oder die Antworten auf rechtliche, finanzielle oder medizinische Fragen. Zudem ist die nötige Privatsphäre nicht immer gewährleistet, gerade wenn Kinder oder Jugendliche keinen eigenen Zugang zum Internet haben. Zudem ist zu bedenken, was man wo von sich online preisgibt und mit wem man diese Informationen teilen möchte. Geschlossene Foren und Communities sind geschützter als öffentliche Soziale Netzwerke wie Facebook und Youtube. Zudem sollte man sich nicht zu einem öffentlichen Outing drängen lassen, auch wenn etwa bekannten Stars sich zu ihrer Sexualität bekennen. Wann und wie jemand diesen Schritt tut, bleibt jedem selbst überlassen. Mobber melden und sperren. Werden Jugendliche im Netz angefeindet, sollten sie die Inhalte speichern und diese zusammen mit dem Nutzernamen dem Betreiber melden, damit diese enfernt bzw. ausgeschlossen werden. Die meisten Communities verbieten auch laut ihren AGBs feindliche und diskriminierende Inhalte. Die Initiative juuuport.de bietet Jugendlichen Beratung durch Gleichaltrige bei Problemen im Netz.

LSBTI* werden immer noch diskriminiert

Laut der ersten bundesweiten Studie vom Deutschem Jugendinstitut, die das Bundesfamilienministerium herausgibt, ist lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder inter* (LSBTI*) zu sein, gesellschaftlich immer noch nicht selbstverständlich. Viele LSBTI*-Jugendliche und junge Erwachsene erfahren in unterschiedlichen Lebensbereichen Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt. Mehr als ein Drittel der lesbischen, schwulen, bisexuellen und orientierungs*diversen Jugendlichen (38%) beschreibt, öffentlich Diskriminierung erfahren zu haben. Bei trans* und gender*diversen Jugendlichen ist es die Hälfte. LSBTI*-Jugendlichen erleben ihre Coming-outs als einen ambivalenten und zumeist komplizierten Prozess. Im Schnitt sind sie dabei 16,9 Jahre alt. Wenn sie ein Alter für die Bewusstwerdung angegeben haben, vergehen zwischen innerem und äußerem Coming-out bei lesbischen und bisexuellen jungen Frauen 1,7 Jahre, schwulen und bisexuellen jungen Männern 2,9 Jahre, orientierungs*diversen Jugendlichen 1,4 Jahre.

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