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Cosplay: Karneval oder Rollenspiel?

Zur aktuellen Gamescom tummeln sich in den Kölner Messehallen wieder viele „Cosplayer“, die mit verblüffend detailgetreuen Kostümen für Aufsehen sorgen. SCHAU HIN! erzählt, woher Cosplay kommt und was Eltern über das Kostümspiel wissen sollten.

Eröffnung der Gamescom 2015 © Gamescom

Cosplay verbreitete sich im Laufe der 1990er Jahre von seinen Ursprüngen in Japan auch zunehmend nach Deutschland – ungefähr zu der Zeit, als Manga und Anime auch hierzulande immer beliebter wurden, mit Geschichten von Dragon Ball bis Pokémon. Der Begriff Cosplay ist ein Schachtelwort aus den englischen Begriffen „costume“ und „play“ und bedeutet frei übersetzt „Kostümspiel“. Dabei geht es bei Cosplay nicht einzig und allein um die Verkleidung, sondern um die konkrete Nachahmung einer fiktiven Figur: Verhalten, Körpersprache und Sprechweise werden bis ins letzte Detail kopiert. Als Vorlage dienen längst nicht nur Charaktere aus Manga und Anime, sondern auch Helden aus Games, Filmen und TV-Serien.

Wo sich Cosplayer aufhalten

Doch wo trifft man auf Cosplayer? Auf der Gamescom zum Beispiel, wo es sogar einen eigenen Bereich, das „cosplay village“, gibt mit Showacts, einer Fotoecke mit nachgebautem japanischen Klassenzimmer und einem Erste-Hilfe-Bereich für gerissene Kostüme. Auch im Internet wird sich virtuell getroffen auf Foren wie Animexx, dem Portal der eingetragenen Vereinigung von deutschen Cosplayern, die auch die jährlichen Meisterschaften im Cosplay austragen. Und natürlich spielen auch soziale Medien wie Tumblr und YouTube eine Rolle, wo in Tutorials die neuesten Tipps zum Kostümbasteln ausgetauscht und die Kunstwerke der Mitstreiter bewundert werden.

Mehr als nur Verkleidung

Wer sich einmal die Verkleidungen der Cosplayer genauer anschaut, merkt auch schnell, dass es sich um weit mehr als um ein Fasching von Gamern handelt. Die Detailtreue und Perfektion der Kostüme sind zumeist verblüffend. Auch wenn man Outfits im Internet bestellen kann, legen viele Cosplayer Wert darauf, selber Hand anzulegen und monatelang an dem perfekten Kostüm zu basteln. Zum Outfit gehören dann natürlich Perücken oder getönte Haare, farbliche Kontaktlinsen und aufgemalte Tattoos. Wenn Mädchen sich als Jungs und Jungs als Mädchen verkleiden, ist das auch weiter nichts Ungewöhnliches und wird als „crossplay“ bezeichnet.

Im Grunde genommen handelt es sich bei Cosplay also um ein klassisches Hobby, mit all seinen Ritualen, Interessen und Vorbildern: Junge Leute verabreden sich zum Kostüme basteln, tauschen sich über Trends aus, inspirieren einander und schwärmen dem ein oder anderem Cosplay-Star nach. Denn nicht nur die Figuren selbst, sondern auch deren Nachahmer sind bekannte Namen der Szene: So kommt die Cosplayerin „Abby Dark Star“ aus Kalifornien auf knapp eine halbe Millionen Fans alleine auf Facebook.

Was Eltern wissen sollten

Manche Eltern sorgen sich, dass Ihre Kinder dem Cosplay zu viel Bedeutung beimessen, sich in die phantasievollen Welten flüchten und zu viel Zeit aufwenden. Kein Wunder, dass insbesondere viele Heranwachsende, die sich noch mitten in der Identitätssuche befinden, gerade für Cosplay begeistern können. Eltern sollten dann das offene Gespräch suchen, sich dabei jedoch vor allem interessiert für die Vorlieben Ihrer Kinder zeigen und Cosplay als Hobby und Subkultur akzeptieren und nicht diskreditieren.

Ebenfalls verstörend mögen die Wettbewerbe wirken, die mitunter die Nachstellung berühmter Szenen und Showkämpfe miteinbeziehen. So gibt selbst die Gamescom einen klaren Verhaltenskodex vor, welche Arten von Waffenähnlichen Nachbildungen erlaubt sind und welche schlicht zu gefährlich sind: Stäbe nur aus Pappe, stumpfe Stacheln nicht aus Metall und unter 5 cm Länge und ein Verbot jeglicher Art von Pyrotechnik.

Eine weitere Kontroverse bleibt die anzügliche Komponente, die einigen Cosplay-Figuren innewohnt. Zwar zeigt sich die Szene einerseits offen für Experimente – wie das genannte crossplay – doch ist andererseits nicht von der Hand zu weisen, dass insbesondere weibliche Charaktere teilweise übersexualisiert und/oder unterwürfig dargestellt werden. Das ist nicht dem Cosplay an sich, sondern viel mehr dem Manga-Genre und der stark auf den männlichen Blick fokussierten Gamedesign von Videospielen zuzuschreiben. Eltern sollten hier auf ihre Kinder zugehen und über realistische und gesunde Körperbilder sowie über die Ungerechtigkeit einseitiger Rollenverteilungen sprechen.

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