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Deutscher Filmpreis 2015

Der Countdown läuft: Heute wird die "Lola" in Berlin verliehen, auch in der Kategorie "Kinderfilm". Wir stellen die Filme für Kinder und Jugendliche unter den Nominierten vor.

G+J Entertainment Media / © farbfilm verleih

Der Deutsche Filmpreis ist mit Preisgeldern in Höhe von knapp drei Millionen Euro der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. In insgesamt 16 Kategorien vergibt die Deutsche Filmakademie Auszeichnungen. Klarer Lola-Favorit ist mit 7 Nominierungen der gerade im Kino gestartete Echtzeit-Thriller "Victoria" von Sebastian Schipper, der ohne einen einzigen Schnitt gedreht wurde. Die von Jan Josef Liefers moderierte Verleihung wird am 19. Juni um 22:45 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Doch auch Filme für Kinder und Jugendliche sind unter den Nominierten. Wir stellen sie kurz vor:

Bester Kinderfilm

Quatsch und die Nasenbärenbande

Das Leben der Kinder von Bollersdorf könnte so schön sein, wenn der Ort wegen seiner Durchschnittlichkeit nicht von der Gesellschaft für Konsumforschung entdeckt worden wäre. Hier sollen neue Produkte getestet werden. Was den Bollersdorfern gefällt, lässt sich überall gut verkaufen, wissen die Marktforscher. Doch während die Eltern des Ortes begeistert mitmachen, haben ihre Kinder schnell die Rotznasen voll von den lästigen Warentestern. Erst recht, als sie ihre geliebten Omas und Opas ins Heim abschieben wollen, damit der Altersdurchschnitt wieder passt. Das ist ein Fall für die Nasenbärenbande! Gemeinsam mit dem pfiffigen Nasenbären Quatsch hecken die Kinder einen cleveren Plan aus: Mit abenteuerlichen Erfindungen und verrückten Weltrekorden wollen sie Bollersdorfs Einzigartigkeit beweisen, damit die Konsumforscher endlich wieder verschwinden…

Kinderfilmwelt meint dazu: Herrlich knallt und kracht es, wenn Schiff, Kran, Traktor, LKW und Eisenbahn der Reihe nach geschrottet werden. Gerade den Jüngeren unter euch wird die ausgedehnte Zerstörungslust der Kinder viel Vergnügen bereiten. Bollersdorf wirkt dabei wie eine bunte Spielzeugwelt, in der Kinder nach Herzenslust Dinge kaputt machen und wieder neu zusammenbauen können.

Dieser Film hat von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) das Prädikat „besonders wertvoll“ erhalten. Die Begründung finden Sie hier.

FSK: ab 0 Jahren
Altersempfehlung: ab 6 Jahren

Rico, Oskar und die Tieferschatten

Der zehnjährige Rico lebt in Berlin Kreuzberg. Er ist ein tiefbegabtes Kind, was bedeutet, dass ihm Dinge manchmal aus dem Kopf fallen, wenn er überfordert ist. Dann verwechselt er Osten und Westen, links und rechts. Deshalb bleibt Rico am liebsten zuhause, in der „Dieffe 93“. Trotz seiner beschränkten Welt ist er ein glückliches Kind, denn er hat die beste Mama der Welt. Dennoch wünscht er sich zwei Dinge: einen Papa und einen Freund, mit dem er durch die Welt streifen kann. Eines Tages trifft er Oskar, 8 Jahre, hochbegabt und im Vergleich zu Rico ein ganzer Angstkomplex! Trotz ihrer Verschiedenheit verstehen sich die beiden sofort – doch plötzlich ist Oskar weg. Entführt vom miesen Schnäppchenentführer. Die Suche nach seinem Freund stellt Rico auf eine harte Probe: er muss sich alleine in die weite Welt Berlins hinauswagen und die Puzzleteile zusammensetzen um Oskar zu retten.

Kinderfilmwelt meint dazu: Ein bunter, quirliger Film voller ulkiger Figuren, mit viel Witz und einer schönen Freundschaftsgeschichte. Besonders toll sind die Szenen, in denen Rico und Oskar sich gemeinsam gegen fiese Eisverkäuferinnen, knittrige Muffelköpfe und Kinderhasser aus der Nachbarschaft oder unwirsche Taxifahrer durchsetzen. Wer die Buchvorlage von Andreas Steinhöfel kennt, hat sich Ricos äußere Welt vielleicht etwas weniger schrill und knallig vorgestellt. Umso gelungener haben die Filmemacher Ricos innere Welt in Bilder umgesetzt. Seine eigenen Beschreibungen von Fremdwörtern zum Beispiel werden in Form schräger kleiner Animationsfilme präsentiert. Tolle Schauspieler, Tempo, eine Portion Spannung  und der Titelsong machen diesen Film zu einem großen Spaß.

Dieser Film hat von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) das Prädikat „besonders wertvoll“ erhalten. Die Begründung finden Sie hier.

FSK: ab 0 Jahren
Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Bester Spielfilm

Who am I - Kein System ist sicher

Benjamin ist unsichtbar, ein Niemand. Dies ändert sich schlagartig, als er plötzlich den charismatischen Max kennenlernt. Auch wenn beide nach außen nicht unterschiedlicher sein könnten, so eint sie doch dasselbe Interesse: Hacken. Gemeinsam mit Max` Freunden, dem impulsiven Stephan und dem paranoiden Paul gründen sie die subversive Hackergruppe CLAY (CLOWNS LAUGHING @ YOU). CLAY provoziert mit Spaßaktionen und trifft den Nerv einer gesamten Generation. Zum ersten Mal in seinem Leben ist Benjamin ein Teil von etwas und sogar die attraktive Marie wird auf ihn aufmerksam. Doch aus Spaß wird plötzlich Ernst, als die Gruppe auf das Fahndungsraster von BKA und Europol gerät. Gejagt von der Europol-Agentin Hanne Lindberg ist Benjamin jetzt kein Niemand mehr, sondern einer der meistgesuchten Hacker der Welt.

Vision Kino meint dazu: Nach seinem viel beachteten Kinodebüt mit dem Kriminalthriller „Das letzte Schweigen“ (D 2010) wendet sich der Regisseur Baran bo Odar erneut einem Genrestoff zu. Sein modern inszenierter und starbesetzter Cyber-Thriller „Who Am I“ adaptiert mit seiner nicht linearen und doppelbödigen Erzählweise in gewisser Weise die Link- und Verweisstruktur des Internets, das in der Handlung eine zentrale Rolle spielt. In metaphorischen Visualisierungen des Internetverkehrs erscheint der weltweite Datenverkehr als Netz der unbegrenzten, hier meist zwielichtigen Möglichkeiten. Mit seiner elektronischen Musik, den populären Hauptdarstellern und seiner aktuellen Thematik transportiert der spannend und unterhaltsam erzählte Thriller reichlich Zeitgeist.

FSK: ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 13 Jahren

JACK

JACK schmeißt den Haushalt. Er weckt seinen kleinen Bruder auf. Macht das Essen. Läuft zur Schule. Viel für einen 10-jährigen Jungen… Seine Mutter Sanna meint es gut mit ihren Söhnen. Aber sie ist jung. Zu jung und mit sich selbst beschäftigt. Als sie eines Tages nicht nach Hause kommt, ziehen JACK und sein kleiner Bruder los – alleine durch die Stadt, ohne Geld, ohne Essen auf der Suche nach ihrer Mutter. Als sie Sanna endlich finden, trifft JACK eine drastische Entscheidung.

Vision Kino meint dazu: Die Geschichte, die sich überall zutragen könnte, spielt statt in einer stigmatisierenden Hochhaussiedlung an unauffälligen Orten, die nicht vorverurteilen, sondern Universalität und Allgemeingültigkeit vermitteln. Hauptgegenstand des Films ist die Gefühlswelt von Jack, der in beinahe jeder Einstellung des Films auftritt, und an die Regisseur Edward Berger so nah wie möglich und gleichzeitig beobachtend herantritt. Auf visueller Ebene schafft er Nähe durch lange Plansequenzen und durch den Verzicht auf schnelle Montage und von Totalen, auf denen der Blick ruht. Narrativ werden Nebenfiguren und abweichende Erzählstränge im Hintergrund gehalten. Stets an der kindlichen Perspektive haftend, drehte Kameramann Jens Harant nur aus der Hocke, um sich auf Augenhöhe des Hauptdarstellers zu begeben. So begleitet Edward Berger Jack auf leisen Sohlen und in einem teilweise dokumentarisch anmutenden Stil durch die Anonymität und Weite der berlinerischen Landschaft.

FSK: ab 6 Jahren
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Wir sind jung. Wir sind stark.

Rostock-Lichtenhagen 1992. In der verödeten Wohnsiedlung hängen die Jugendlichen herum und wissen nichts mit sich anzufangen. Auch Stefan streift mit seiner Clique ziellos durch die Gegend. Es brodelt, aber immer nur bis kurz vor dem Siedepunkt. Lien lebt mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin in der Siedlung, im sogenannten Sonnenblumenhaus, das von Vietnamesen bewohnt wird. Sie glaubt, in Deutschland eine Heimat gefunden zu haben, und will auch nach der Wende bleiben. Es ist der 24. August, als die Geschichten dieser Menschen zusammentreffen: Stefan führt mit seiner Gruppe die Krawalle vor dem Sonnenblumenhaus an, bis schließlich Molotow-Cocktails geworfen werden und eine tatenlose Menge der Brandstiftung zusieht. Dabei eint sie alle die Sehnsucht nach einer Heimat, nach Liebe und Anerkennung, einer Alternative im Leben und ihrem Traum von Glücklichsein.

Vision Kino meint dazu: Texttafeln informieren über die Ausgangssituation, eingeschnittene Uhrzeiten simulieren den Ablauf des verhängnisvollen Tages – überwiegend Schwarz-weiß-Aufnahmen zeigen gelungen den trostlosen Alltag einer Clique Jugendlicher um Stefan und Robbie, die beide zugleich das Handlungsspektrum zwischen vermeintlicher Besonnenheit und sprunghafter Neigung zu Gewaltbereitschaft verkörpern. Ihre für viele Jugendliche typische Suche nach Geborgenheit einerseits sowie „Action“ andererseits kommt im Wechsel von ruhig inszenierten Szenen und schnellen Bildwechseln zum Ausdruck, jeweils authentisch untermalt von einem phasenweise spröden Soundteppich bzw. dümmlich-derber Nazi-Musik. Parallel dazu verkörpern Devid Striesow als Stefans Vater den feigen Politiker und Trang Le Hong als die um Integration und ums Überleben kämpfende Vietnamesin weitere Konfliktpole.

FSK: ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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