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Digitale Teilhabe ermöglichen

Online zu sein ist für Jugendliche heute normal. Doch Zugang und Voraussetzungen sind nicht immer gleich, sagt der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung.

© syda productions / Fotolia
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Grenzen digitaler Teilhabe

Für die meisten Kinder und Jugendlichen gehört das Internet heute sowohl in der Schule als auch zu Hause zum Alltag. Jedoch hat nicht jeder die gleichen Möglichkeiten, um an der digitalen Welt teilzuhaben, heißt es im 15. Kinder- und Jugendbericht, der sich mit der Lebenssituation der Zwölf- bis 27-Jährigen in Deutschland auseinandersetzt. Verschiedene Faktoren führen dazu, dass junge Menschen gegenüber Gleichaltrigen benachteiligt sind:

  • Wohnort: Gerade im ländlichen Raum und im Osten Deutschlands sind junge Menschen wesentlich schlechter an das Internet angebunden als im Rest des Landes.
  • Know-how: Eine „Kluft im Netz“ verläuft auch unter Jugendlichen zwischen denen, die Wissen im Umgang mit Medien mitbringen und Nutzern, denen das Internet unverständlich ist.
  • Familie und sozialer Status: Kinder aus Akademikerhaushalten sind nicht nur besser technisch ausgerüstet, sondern werden von den Eltern häufiger unterstützt, um sich die Medienkompetenz anzueignen.
  • Bildung: Gymnasiasten nutzen das Netz häufiger zur Kommunikation, während Hauptschüler hautsächlich spielen.
  • Körperliche und geistige Voraussetzungen: Menschen mit Behinderung werden aus der digitalen Welt oft ausgeschlossen. Zum einen leben sie häufig in armen Haushalten. Zum anderen in Einrichtungen, wo digitale Teilhabe kein Schwerpunkt ist. Zusätzlich sind viele Web-Inhalte nicht barrierefrei.

Wer in der Offline-Welt benachteiligt ist, ist es noch viel mehr in der Online-Welt.

Sharen und Schützen

Mit vielen Menschen online verbunden zu sein, eröffnet Möglichkeiten, die eigene Identität zu stärken. Soziale Medien sehen Jugendliche auch als Chance, eigene Interessen zu finden und sie mit Gleichgesinnten zu teilen. So lernen sie, mit verschiedenen Meinungen und Konflikten umzugehen und Medien kreativ zu nutzen.

Gleichzeitig sind sich Jugendliche auch über die negativen Seiten bewusst. So nehmen sie die ständige Verfügbarkeit in sozialen Netzwerken und Messengern wie WhatsApp, Instagram oder Facebook auch als sozialen Druck wahr. Manche sind getrieben von der Angst, etwas zu verpassen (fear of missing out). Auch Cybermobbing bzw. Hate Speech ist für viele eine große Belastung. Hier wünschen sich Jugendliche eine stärkere Thematiesierung in der Schule.

"Das ist so ein Zwang, dass man irgendwie an das Handy ran muss, dass es piep, piep macht und dass man sofort rangeht"

Sensibel sind die jungen Nutzer immer stärker bezüglich des Datenschutzes: Zwar lehnen sie es ab, dass ihre persönlichen Daten verkauft werden. Gleichzeitig wollen sie aber nicht auf die sozialen Netzwerke verzichten. Viele glauben, dass soziale Teilhabe nur unter der Preisgabe persönlicher Daten an Großkonzerne möglich ist. Nur fünf Prozent veröffentlichen daher ihre Handynummer, aber 67 Prozent Fotos oder Filme.

Die Autoren der Studie plädieren daher für einen jugendgerechten Datenschutz, bei dem junge Menschen dafür sensibilisiert werden, gewissenhaft und verantwortungsbewusst mit den eigenen Daten im Netz umzugehen. Die bisherigen Datenschutzregeln sollten an Jugendliche angepasst und etwa in einer verständlichen Sprache formuliert werden. Ziel sei es, dass die Jugendlichen selbstbestimmt über ihre Daten entscheiden könnten. 

Medienkompetenz ermöglicht Teilhabe

Die Bundesregierung fordert, die Medienkompetenz der Jugendlichen, die Rechte junger Nutzer und den Jugendmedienschutz zu stärken. Letzterer sei eine „Koproduktion zwischen Eltern, Gesetzgeber und Medienanbietern“. Dazu sollen Schutzkonzepte für die Ausgestaltung digitaler Geräte entwickelt und die Kooperation mit Initiativen auf Bundes- und Länderebene verstärkt werden. Dazu zählen neben SCHAU HIN! das Initiativbüro "Gutes Aufwachsen mit Medien", klicksafe, internet-beschwerdestelle.de und jugendschutz.net sowie I-KiZ.de.

Zeitgleich zum Jugendbericht stellte die Bundesregierung auch die Broschüre „Jugend ermöglichen“ vor. Diese richtet sich mit ihrer verständlichen, klaren Sprache insbesondere an Jugendliche. Erstellt wurde die Broschüre durch ein zehnköpfiges junges Redaktionsteam der Jugendpresse Deutschland.

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