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SCHAU HIN!

Digitaler Elternabend: Kinder-Apps

SCHAU HIN! veranstaltet ab sofort regelmäßig digitale Elternabende zu Fragen rund um die Medienerziehung Ihrer Kinder zusammen mit Experten.

Wir begannen auf unserem Facebook-Account mit dem Thema "Kinder-Apps". Diese faszinieren mit Spielen, Rätseln oder interaktiven Büchern schon Kleinkinder. Hier sind Eltern gefragt, die Angebote bewusst auszuwählen und die Geräte kindgerecht einzustellen. Doch wann ist der Nachwuchs reif dafür? Wie erkennt man kindgerechte Inhalte? Und wie können Eltern ihre Kinder beim Entdecken der App-Welten unterstützen?

Kristin Langer, Mediencoach von SCHAU HIN!, und Dr. Sigrid Fahrer, Leiterin des Entwicklungsbereichs „Digitales Lesen“ bei der Stiftung Lesen, beantworteten am gestrigen Abend Ihre Fragen. 

Helfen Apps beim Grunderwerb von Medienkompetenz bei Kindern?

Kristin Langer: Mit Apps können Kinder nicht nur lernen, wie sie Geräte bedienen. Mit dem, was die App ihnen bietet, lernen sie abwägen und vergleichen und schauen, ob es für sie hilfreich, lästig oder überflüssig ist. Bleiben Eltern mit ihren Kindern im Gespräch über das was Spaß macht, aber auch über Risiken (Datenschutz, was poste ich wem, welches Foto gehört nicht ins Netz), dann ist das ein guter Weg, kompetenter im Umgang mit Medien zu werden.

Dr. Sigrid Fahrer: Die technische Seite, also Bedienen von Apps (Wischen, Drücken, Spielmechaniken verstehen), wird natürlich beim Ausprobieren jeder App geübt. Um gezielt andere Dimensionen der Medienkompetenz wie Recherchieren oder kreative Medienarbeit zu lernen, bietet es sich an, spezielle Angebote zu nutzen. In der Kinderbuch-App "Sophie, die erste" gibt es z.B. ein Puppentheater, mit dem eigene kleine Theaterstücke animiert und vertont werden können. Die Wimmel-App "Meine große Stadt" von Ali Mitgutsch hat ein Suchspiel, bei dem auch schon Kitakinder erste Recherchekompetenzen spielerisch anwenden.

Pimaldaumen gesehen - Was ist eine geeignete Zeitspanne pro Tag für ein Vorschul-/Kindergartenkind, sich mit einer altersentsprechenden App ggfs. mit Hilfe eines Erwachsenen auseinander zu setzen? Wäre diese Zeitspanne von der empfohlenen Zeit pro Tag von +/- 30min. für z.B. Fernsehen dann zu reduzieren? Welche Apps von welcher Firma sind grundlegend zu empfehlen?

Dr. Sigfrid Fahrer: Wie du schon sehr richtig angemerkt hast, sollte man immer die komplette Mediennutzungszeit im Blick behalten und Apps nicht herausgelöst betrachten. Ganz grundsätzlich ist es wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass es einen Anfang und ein Ende bei der Mediennutzung gibt und das sollte man mit dem Kind einüben. Ebenso beachten sollte man, womit sich das Kind in der medienfreien Zeit beschäftigt: Ein ganz wichtiger Ausgleich ist der Austausch in der Familie, gemeinsame Gespräche und das Erzählen von Alltagserlebnissen. Das ist ein ganz wichtiger Baustein der Sprachförderung, der nicht zu vernachlässigen ist. Gemeinsame Vorlesestunden bieten dafür gute Anlässe.

Übrigens: Vorgelesen werden sollte unbedingt auch noch, wenn die Kinder selbst schon lesen können. Wir haben schon Vorleseaktionen mit begeisterten Teenies gemacht. Welche Apps sind zu empfehlen? Toll sind natürlich immer Apps, die Lese- und Spieleanteile miteinander verbinden. Für die ganz kleinen der Klassiker: Fiete (Ahoiii Entertainment UG) ist auch auf dem Bauernhof. Ab 2: Mit „Pulpo“ (Bastei Lübbe) Meeresbewohner kennenlernen. Ab 4: „David Wiesners Spot“ (Houghton Mifflin Harcourt) bietet stundenlanger Entdeckerspaß für Regentage. Ab 5: „Barefoot Weltatlas" (Touch Press / Thienemann) für das Reisen mit dem Zeigefinder. Ab 8: „Die Olchis werden Fußballmeister“ (Oetinger) passend zur EM. Ab 12: „One button Travel“ (TheCodingMonkeys) das Reisethema aus einer ganz anderen Perspektive, ein toller Sciencefiction-Chat-Roman.

Kristin Langer: Wir geben Eltern mit unserer SCHAU HIN!-App auch die Möglichkeit, mit dem interaktiven Spielomat aus über 100 Spielideen eine passende Auswahl zusammen zu stellen, je nach Altersgruppe des Kindes, ob drinnen oder draußen und wie viel Zeit zum Spielen bleibt. So kommt auch der Spaß abseits der Medien garantiert nicht zu kurz.

Ab welchem Alter empfehlen sie das gemeinsame Entdecken von Tablets und ab welchem Alter das gemeinsame Entdecken von Smartphones? Gibt es Erfahrungen/ Studien zur unterschiedlichen Nutzung und Wirkungsweise der verschiedenen Geräte?

Kristin Langer: Die Entdeckungsreisen sind in Familien, je nach digitaler Ausstattung, sehr unterschiedlich. Wird Ihr Kind bereits mit 2,5 bis 3 Jahren neugierig, spricht nichts dagegen, auch mal eine Bilderbuch-, Farben- oder Musik-App gemeinsam zu nutzen. Das Interesse steigt mit zunehmendem Alter. In der Regel beziehen sich Vier- bis Fünfjährige aus eigenem Antrieb mit ein.

Dr. Sigrid Fahrer: Vielleicht kann man für diese Frage auch die Bedienkompetenzen heranziehen. Es gibt zwar Apps für das Tablet und für das Smartphone für Kinder ab zwei Jahren. Allerdings sind die Bedienkompetenzen der Kinder in diesem Alter noch nicht sehr stark ausgeprägt und der Umgang mit den Geräten muss erst mit der Begleitung der Eltern eingeübt werden. Eine intuitive Bedienung ist nicht gegeben, Faktoren wir das Gewicht von Tablets oder kleinflächige Bedienelemente wie bei Smartphones sind für kleinere Kinder ebenfalls eine Herausforderung. Beobachten Sie Ihr Kind und wenn es die Lust verliert, dann gehen Sie darauf ein und spielen etwas anderes.

Mir geht es um den Sicherheitsaspekt. Welches Endgerät liefert hier ein übersichtliches Menü, mit dem ich die angebotenen Anwendungen zum Jugendschutz "wasserfest" installieren kann? Bzw. existieren Blogs, die in denen sich valide Informationen zum Thema Jugendschutz, Apps für Kinder, Verbraucherfreundlichkeit etc. finden?

Dr. Sigrid Fahrer: Beide Betriebssysteme, iOS und Android, halten verschiedene Möglichkeiten parat, um das Gerät kindersichererer zu machen und vergeben sich in der Handhabung dabei wenig. Auch die zugehörigen Onlineverkaufsplattformen wie App-Store und Google Play haben Kinderbereiche, in denen Sie zusammen mit den Kindern nach Apps stöbern können. Achtung: die Altersangaben im App-Store sind nur vage Richtwerte. Machen Sie sich am besten selbst ein Bild von der App, bevor Sie sie ihrem Kind geben. Schauen Sie diese ggf. zuerst gemeinsam an und stehen Sie bei Fragen als Ansprechpartner zur Verfügung. „Wasserfest“ können Sie Ihr Gerät am besten machen, indem sie Funktionen wie App-Store-Downloads mit einem Passwort schützen.

Hinweise auf geeignete Kinder-Apps, die nach den Jugendschutzkriterien bewertet werden liefert die Datenbank des DJI

Geeignete Kinderbuch-Apps finden Sie bei unseren Leseempfehlungen.

Kristin Langer: Tipps zu Sicherheitseinstellungen finden sich auf der SCHAU HIN!-Webseite, Stichwort „Sicherheit“, mit Querverweisen zu empfohlenen Apps und Software. Natürlich sind wir Eltern als Sicherheitssystem ebenso wichtig.

Wie schätzen Sie die Kindertauglichkeit der Apps Instagram und Musical.ly ein? Ab wann sollte man ein öffentliches Profil erlauben? Mit wachsendem Alter wächst auch die Nachfrage nach einer Umstellung von privaten Profil auf öffentlich, auch um gesehen zu werden und mehr Abonnements zu generieren. Welcher Zusammenhang gibt es aus Ihrer Sicht zwischen Mediennutzung und beginnender Pubertät? Was gibt es genau für diese Altersklasse (11-12) zu beachten? Bei WhatsApp in der Gruppenkommunikation: Wie können wir unsere Kinder gegen Cybermobbing sensibilisieren?

Kristin Langer: Allein die AGB zeigen schon, dass diese Apps erst für Teenager gedacht sind – auch wenn viele acht- bis zehnjährige Kinder sie möglicherweise schon regelmäßig nutzen. Wichtig ist in jedem Falle, dass Eltern sich schlau machen – und mit ihren Kindern besprechen – was riskant an den Apps ist und was Spaß bringt.

Im Bereich zu Mobilen Geräten haben wir zu den genannten Diensten viel Wissenswertes zusammengestellt, auch, was Jugendliche daran fasziniert.

Vor der Anschaffung und Nutzung im Alltag erproben Eltern mit den jungen Nutzern am besten einige Funktionen und besprechen Themen des sicheren und verantwortungsvollen Umgangs: Dazu gehört

  • Sicherheitseinstellungen aufzurufen und zu ändern,
  • zu wissen, wann GPS, W-LAN und Bluetooth besser ausgeschaltet bleiben,
  • eine Antivirenschutz-App zu nutzen und Anwendungen auf Datenschutzrisiken einzuschätzen,
  • ein sicheres Passwort zu erstellen und dieses regelmäßig zu ändern,
  • sorgsam mit eigenen privaten Daten und denen von anderen umzugehen,
  • anfallende Kosten etwa bei In-App-Käufen zu durchschauen sowie vereinbarte Nutzungsregeln langfristig einzuhalten.

Was sind Kriterien für gute Kinder-Apps? Gibt es einen Elternratgeber auch in anderen Sprachen zu diesem Thema?

Dr. Sigrid Fahrer: Gute Apps sind einfach und intuitiv zu bedienen, haben ein Inhaltsverzeichnis, eine einfache Hilfsfunktion und laufen einwandfrei. Je intuitiver die Menüführung bzw. Bedienbarkeit und je aussagekräftiger die Steuerungsicons, desto leichter fällt es Kindern, eine App selbstständig zu erschließen. Ideal sind dafür ein Vor- und Zurück-Button, eine Gesamtübersicht der einzelnen Seiten, visuelle Hilfestellung beim Auffinden der Hotspots und ein vorgeschaltetes Audiotutorial.

Multimediale und interaktive Elemente bereichern E-Books und Apps, sollten jedoch sinnvoll in die Geschichte integriert sein. Sie können beim Lesen das Gefühl vermitteln, den Verlauf der Geschichte mitzubestimmen und ermöglichen ein hautnahes Miterleben, wenn man Aschenputtel bei der Hausarbeit helfen kann oder wenn sich der virtuelle Atlas wie ein Globus drehen und mit dem Finger per Zufall anhalten lässt. Diese emotionale Komponente ist nicht zu unterschätzen in ihrer Bedeutung für das Lesen und für die Lesemotivation.

Leider sind nicht in allen Fällen die interaktiven Elemente mit dem Inhalt der Geschichte verknüpft. Dann kann es passieren, dass sich die Kinder vom Wesentlichen abgelenkt fühlen und der Geschichte nicht mehr gut folgen können.

Kristin Langer: Ein Blick darauf, ob sichergestellt ist, dass die App keine Werbung beinhaltet, Verlinkungen auf andere Seiten oder Produkte vermeidet und ohne In-App-Käufe auskommt, wäre zudem ein wichtiges Gütekriterium.

Wie lange sollten Kinder im Vorschulalter sich täglich höchstens mit Apps beschäftigen?

Dr. Sigdrid Fahrer: Wir würden empfehlen, den Blick auf die Inhalte der medienfreien Zeit zu lenken. Ein ganz wichtiger Ausgleich für Medienzeit ist der Austausch in der Familie, gemeinsame Gespräche, sich Alltagserlebnisse zu erzählen. Das ist ein ganz wichtiger Baustein der Sprachförderung, der nicht zu vernachlässigen ist. Gemeinsame Vorlesestunden bieten dafür gute Anlässe. Übrigens: Vorgelesen werden sollte unbedingt auch noch, wenn die Kinder selbst schon lesen können. Wir haben schon Vorleseaktionen mit begeisterten Teenies gemacht.

Kristin Langer: Zur Orientierung bei 3-5-jährigen: nicht länger als eine halbe Stunde pro Tag. Aber wichtig sind, neben einer festen Zeit, immer auch die Umstände, wann, warum und was die Kinder mit Medien machen möchten. Der Tipp von Stiftung Lesen hilft dabei, die Balance im Auge zu behalten.

Nur mal kurz mit deinem Handy spielen Papa/Mama - diese Situation hört und sieht man allzu häufig. Wie mache ich aber mein Gerät tatsächlich für die Kinderhand sicher? Viele Jugendschutzes funktionieren ja doch nicht lückenlos korrekt und mit den Sicherheitseinstellungen des Handys kennt sich auch nicht jedes ältere Semester blendend aus.

Dr. Sigrid Fahrer: Die Stiftung Lesen zeigt in zwei Screencasts, wie bei Android und iOS, Kinderbuch-Apps sicher heruntergeladen werden können inkl. Passwortschutz und wie sich Kinderbuch-Apps nach Kindermedienschutzkriterien beurteilen lassen. Die Screencasts findest du hier.

In den Kitas meiner Kinder wurde bisher ein großer Bogen um digitale Medien (z.B. Apps) gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass man bereits Kinder im Kita-Alter den sinnvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen sollte - sozusagen als Vorbereitung für das spätere Leben, in dem man (als Eltern) dieses Thema nicht vollkommen ausschließen kann. :-) Die Mischung aus Print und digital macht es m.E. aus, die Auswahl der digitalen Medien, das sinnvolle und begrenzte Nutzen usw.

Was empfehlen Sie, wie insbesondere Kita-Erzieherinnen und Kita-Kinder den sinnvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen können?

Ist es ein Budgetproblem in den Kitas, dass nicht ausreichend Tablets/PCs zur Verfügung stehen oder mehr die Scheu (der Eltern und der Kita-Erzieherinnen) vor dem neuen Medium, das Schützen der (kleinen) Kinder? Was empfehlen Sie hierzu?

Dr. Sigrid Fahrer: In der Tat spielt Medienerziehung in der Kita eine eher untergeordnete Rolle. Viele Kitas fühlen sich bei der Umsetzung von Medienerziehung mehr Unterstützung sowohl konzeptionell als auch bei der Geräteausstattung. In manchen Bundesländern gibt es aber gezielt Fortbildungs- und Informationsangebote (MEC in RLP, Meko Kita Service NRW) oder Medienkoffer zur Ausleihe.

Im Bereich der digitalen Lesemedien kommt hinzu, dass es Orientierung auf Buchkultur im Kitabereich gibt. Uns scheint der Brückenschlag, den du auch erwähnt hast, als eine gute Strategie. Dafür eigenen sich Bücher ganz hervorragend, denn viele Kinderbuchklassiker haben eine digitale Ergänzung und Erweiterung, wie z.B. „Die Raupe Nimmersatt“ oder „Findus und Petterson“. In einer Vorlesestunde können damit beide Welten miteinander verbunden werden.

Kristin Langer: Meine Erfahrung zeigt auch, dass Kitas hier häufig nach alten Konzepten arbeiten. Schritt für Schritt ändert sich das, je nach Elternschaft und Erzieherausbildung. Ich empfehle: gemeinsame Sache machen, Mediengeräte vor allem kreativ zu nutzen für erste Fotoaufnahmen, aus denen ein Memory entstehen kann, Ratespiele mit Geräuschen oder vielleicht das Tablet als Mikroskop. Wenn Eltern und Erzieher sich zudem über altersgerechte Angebote informieren und austauschen, wäre das ein guter Weg.

Gibt es denn aktuelle Forschungsergebnisse, wie sich der Umgang mit Smartphone und Tablet auf die Entwicklung von Kindern auswirkt? In Diskussionen wird meiner Meinung nach schnell alles in einen Topf geworfen (da wird dann Fernsehen, Umgang mit PC/Internet, Gameboy und Smartphone /Tablet gleichermaßen betrachtet)?

Dr. Sigrid Fahrer: Da die Geräte noch relativ neu sind und fundierte Studien die Nutzung über einen längeren Zeitraum untersuchen, gibt es tatsächlich noch wenig Forschung dazu. Du hast auch völlig recht mit deiner Beobachtung, dass viele Studien allgemein von Bildschirm- oder Medienzeit sprechen oder Ergebnisse unbesehen übertragen werden – oft auch um eine meinungsgetriebene Diskussion zu entfachen. Bei reißerischen Überschriften zur Tablet-Nutzung von Kindern lohnt sich ein genaues Hinsehen.

Interessante erste Ergebnisse zum Umgang mit dem Tablet von 2-6 -Jährigen liefert eine Beobachtungsstudie des Deutschen Kinder- und Jugendinstituts. Darin findet man auch den erstaunlichen Satz: „Mediennutzungsregeln in der Altersgruppe der Klein‐ und Vorschulkinder sind weniger Regeln für die Kinder als vielmehr für die Eltern!“ Denn Kinder, die mit den Eltern gemeinsam am Tablet spielen, spielen länger als Kinder, die sich damit alleine beschäftigen.

Die Live-Veranstaltung auf Facebook können Sie hier nachlesen. 

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