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Erfolgreich, aber brisant: "Tote Mädchen lügen nicht" auf Netflix

Eine neue Serie auf Netflix wird gerade heiß diskutiert. Gesundheitsorganisationen warnen davor. Worum es geht und warum das Thema brisant ist? Hier erfahren Sie mehr.

© Netflix
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Über keine Serie wurde in letzter Zeit so viel diskutiert wie über diese: „Tote Mädchen lügen nicht“ (englischer Originaltitel: Thirteen Reasons Why). Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jay Asher aus dem Jahre 2007. Seit dem 31. März 2017 ist die Serie online verfügbar. "Tote Mädchen lügen nicht" ist netflix größter Erfolg in Deutschland: Keine Serie wurde nur annähernd so oft bei Google gesucht wie diese.

Worum geht es?

Eine High School in Amerika – die Zuschauer erleben das Geschehen an der Seite des 17-jährigen Clay Jensen, der stark mitgenommen vom Suizid seiner Mitschülerin Hannah Baker ist. Eines Nachmittags findet er ein Päckchen mit Audiokassetten vor seiner Tür. Schockierender Weise handelt es sich dabei um das letzte Vermächtnis von Hannah: Sie erzählt, was sie zu ihrem Suizid bewegt hat und welche dreizehn Personen dabei eine Rolle spielen.
Die Serie hat nach Aussagen der Produzenten den Anspruch zu sensibilisieren. Es werden im TV wenig repräsentierte Themen wie Cybermobbing, sexualisierte Gewalt und schließlich auch Suizid aufgearbeitet. Die Serie bewegt, das zeigen auch die Einschaltquoten.

Was ist problematisch?

Die mediale Präsenz des Themas Suizid und die Art seiner Darstellung sind häufig problematisch, weil sie suizidgefährdeten Personen ungeeignete Modelle bieten können. Menschen, die psychische Probleme haben, fühlen sich oft von solchen Darstellungen angesprochen und in ihren Suizidabsichten bestärkt (Werther-Effekt). Besonders problematisch an dieser Serie ist, dass die Methode mit der Hannah sich selbst tötet, gezeigt und teilweise romantisiert dargestellt wird. Problematisch ist zudem, dass der Suizid durch das Fehlverhalten anderer "gerechtfertigt" erscheint. Im Kids-Bereich auf Netflix ist die Serie nicht abrufbar. Im "normalen" Bereich hingegen lädt die Serie mit dem Titelbild vor allem Jugendliche zum Klicken und Gucken ein. Die FSK Freigabe der Serie wird zurzeit noch geprüft.

Gerade für junge Zuschauer ist die Serie potenziell gefährdend. Wenn überhaupt, sollte die Serie von Jugendlichen unbedingt zusammen mit einer erwachsenen Bezugsperson geschaut und diskutiert werden.

Nun warnen auch Gesundheitsorganisationen

Die australische Organisation Headspace, die Jugendliche mit psychischen Problemen unterstützt, verbucht vermehrt Anrufe Jugendlicher aufgrund dieser Serie. Das Onlinemagazin CHIP fragte bei der deutschen Nummer gegen Kummer an, ob es hierzulande ähnliche Fälle gibt. Dies sei noch nicht der Fall. Jugendliche können sich an die Nummer gegen Kummer unter 116 111 oder per E-Mail an eine anonyme Beratung wenden. Auch für besorgte Eltern gibt es die Elternhotline, erreichbar unter 0800 111 0 550.
Darüber hinaus hat die Suizidpräventionsorganisation SAVE, eine Liste mit Tipps zum Gucken von „Tote Mädchen lügen nicht“ veröffentlicht.

Zwischen Bewusstsein schaffen und Gefahr

Auch wenn die Serie Probleme wie Cybermobbing, sexuelle Belästigung und Gewalt anspricht, hat sie nur scheinbar aufklärerischen Charakter, da sie keine Lösungen aufzeigt. Eine solche Lösung wäre es beispielsweise, sich an erwachsene Vertrauenspersonen zu wenden, was sowohl für die verzweifelte Hannah gilt als auch für die Jugendlichen, die nach ihrem Tod mit ihrer „Mitschuld“ konfrontiert werden.

Anmerkung der Redaktion
Wir haben uns in diesem Fall entschieden, über ein Suizid-Thema zu berichten. Wir nehmen die Gefahr ernst, dass Menschen mit psychischen Problemen sich nach Artikeln dieser Art in der Ansicht bestärkt sehen könnten, selbst zu solchen Maßnahmen zu greifen.
Sollte es Ihnen so ergehen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Hilfe finden Sie bei kostenlosen Hotlines wie 0800 1110111 oder 0800 3344533. Kinder und Jugendliche finden bei der Nummer gegen Kummer unter 116 111 anonym Hilfe. Besorgte Eltern können sich an 0800 111 0 550 wenden.


Organisation SAVE: Gefahren-Punkte, die 13 Reasons Why bietet

©www.save.org
©www.save.org

Allgemeine Beratung

Hilfe über's Telefon in Krisensituationen:

Telefonseelsorge

Kinder und Jugend Telefon

Nummer gegen Kummer

Spezielle Online-Beratungsstellen für suizidgefährdete Jugendliche

Youth Life Line: Hier werden Jugendliche von Jugendlichen per Chat und E-Mail beraten. Die Jugendlichen-Berater werden von hauptamtlichen Fachleuten unterstützt und ausgebildet.

Junoma: Kostenlose Online-Beratung (Jugendnotmail) für Personen bis zu 25 Jahren bei Krisensituationen wie Depressionen, Essstörungen, Angst oder anderen Problemen. Die Beratung ist auch auf Türkisch möglich.

[U25] ist speziell für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren da. Ein Team von Fachleuten - verstärkt durch ehrenamtliche Mitarbeiter zwischen 17 und 23 Jahren - ist ansprechbar in persönlichen Notlagen, oder bei Sorgen um einen nahestehenden Menschen.

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