1. Home
  2. News
  3. Essstörungen und problematische Communities: Wenn Hungern zur Gemeinschaft wird

Essstörungen und problematische Communities: Wenn Hungern zur Gemeinschaft wird

Jugendliche sind von Online-Gemeinschaften fasziniert. Doch nicht alle sind geeignet. SCHAUHIN! erklärt, woran Eltern diese erkennen und wie sie entsprechende Inhalte melden können.

© photographee.eu / Fotolia

Online-Communities geben ein Gefühl von Gemeinschaft und Vertrautheit, können aber auchproblematische Inhalte wie Gewalt und Pornografie oder extreme Positionen wie ein ungesundesKörperverhalten verbreiten. Was viele Gruppen und Foren verharmlosend als "Pro-Ana" und "Pro-Mia" bezeichnen, sind Krankheiten wie Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht).

Bestimmte Inhalte sind besonders bedenklich: So kursieren fiktive Briefe, die die Essstörung als einzig wahre Freundin personifizieren ("Ana's/Mia's Brief"), predigen Gebote, Psalmeund Gedichte Verhaltensanleitungen, dienen Fotos und Videos dünner, ausgemergelter Frauen zurInspiration ("Thinspirations") und geben Seiten Tipps zum Abnehmen und zur Geheimhaltung derEssstörung sowie Motivation und "Hilfe" durch Ess-/Gewichtstagebücher oder Abnehm-Wettbewerbe ("Contests"). Lebensbedrohliche Folgen werden oft ausgeklammert oder gar gebilligt.

So können gerade unsichere Jugendliche, die bereits Anzeichen eines essgestörten Verhaltens zeigen oder auf der Suche nach Hilfe sind, vereinnahmt werden und unter sozialen Druck geraten.

Über Aktivitäten im Netz sprechen

Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder aktiv im Netz begleiten, Bescheid wissen, wo sich ihr Kindmit wem austauscht und welche Themen gerade angesagt sind sowie bei Problemen ein offenes Ohrhaben.

Selbstvertrauen stärken

So können Eltern möglichst früh entgegenwirken, wenn ihr Kind in ein ungeeignetes Umfeld im Netzgerät. Stärken Eltern das Selbstvertrauen des Kindes, kann es sich leichter von gefährdendenInhalten und Personen distanzieren.

Kanäle prüfen

Generell ist es ratsam, dass Eltern ihrem jugendlichen Kind empfehlen, Websites, Gruppen und Foren sowie Profile, Seiten und Freundschaftsanfragen in sozialen Netzwerken genau zu prüfen.

Kritische Communities sind etwa solche, die Essstörungen als Lifestyle verherrlichen. Diese sind gerade bei Jugendlichen in der Pubertät weit verbreitet, die einem krankhaften Schlankheitsidealnacheifern, das ihnen auch durch die Medien und die Modewelt vorgelebt wird.

Inhalte melden

Erfahren Eltern, dass ihr Kind mit ungeeigneten Beiträgen oder Personen konfrontiert wurde, dieproblematische Positionen vertreten, sollten sie sich diese zeigen lassen und direkt beim Betreiberoder bei Beschwerdestellen melden. Hierzu zählen Angebote wie www.jugendschutz.net, www.internet-beschwerdestelle.de oder das Zentrum für Kinderschutz im Netz (www.i-kiz.de). Als Beweise dienen Screenshots (bei Windows per Strg+Drucktaste und dann Strg+V zum Einfügen beiWord o.ä.; bei Mac Cmd+Shift+4, dann ist das Bild automatisch auf dem Desktop abgelegt) sowie Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname oder Impressum.

Rat suchen

Weitere Beratung und Aufklärung bieten seriöse Portale wie www.hungrig-online.de. Hier könnensich Betroffene und Angehörige anonym über Essstörungen austauschen und nach Hilfe suchen; etwain moderierten Mailinglisten, einem Chat und einem Diskussionsforum. Weitere Angebote sind www.anad.de, eine Beratungsstelle, die auch ambulante Gesprächsgruppen bietet und antherapeutische Einrichtungen vermittelt, www.magersucht.de, www.EssFrust.de oder dieBundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.bzga-essstoerungen.de. WeitereInformationen zum Thema bietet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Ratgeber "Gegen Verherrlichung von Essstörungen im Internet".

Weitere Informationen finden Sie im Interview mit der Expertin Katja Rauchfuß.

Veröffentlicht am