Mobile Geräte

"Facebook nutze ich so gut wie gar nicht"

Warum starren Jugendliche immer auf ihr Smartphone? Darüber hat der 16-jährige Robert Campe ein Buch geschrieben. Im Interview erzählt er, warum ein Leben ohne Handy schwer ist und wie WhatsApp Hausaufgaben einfacher macht.

©Nico Klein-Allermann
©Nico Klein-Allermann

Die Idee zum Buch "What's App, Mama" entstand ja, nachdem Du ein Praktikum bei MEEDIA gemacht und über Jugendliche und Social Media einen Online-Artikel geschrieben hast. Findest Du es schräg, als Sechzehnjähriger schon ein Buch zu veröffentlichen?

ROBERT CAMPE: Ja ziemlich! Als ich die Mail von Eden Books bekam, war ich im ersten Moment echt sprachlos. Ich kenne niemanden in meinem Freundeskreis, der ein Buch geschrieben hat. Es ist aber auch ganz schön cool, ein eigenes Buch rauszubringen und den Erwachsenen endlich mal unsere Online-Welt zu erklären. Die ist nämlich gar nicht so »gefährlich« wie alle denken.

Welche sozialen Netzwerke oder welche Apps nutzt du am meisten?

ROBERT CAMPE: Am meisten benutze ich Snapchat, Instagram, WhatsApp und Spotify. Facebook nutze ich eigentlich so gut wie gar nicht, das ist echt ziemlich old school. Und auch auf Apps wie Musical.ly könnte ich verzichten. Das ist eine App, mit der man playback zu Popsongs performt, die ist aber auch generell eher bei Mädchen beliebt.

Würde es dir schwerfallen, mal eine Woche ohne Smartphone zu verbringen?

ROBERT CAMPE: Ich glaube, das würde mir schon extrem schwer fallen. Wenn ich mein Smartphone mal nicht dabei habe, fühle ich mich immer, als hätte ich was ganz Wichtiges vergessen, irgendwie fast ein bisschen nackt und abgeschnitten von der Außenwelt. Es ist schon krass, wie sehr wir daran gewöhnt sind, dieses kleine Gerät immer und überall dabeizuhaben.

Wenn du dich mit deinen Freunden triffst, wie häufig passiert es, dass ihr nebenher andere Dinge auf dem Smartphone checkt?

ROBERT CAMPE: Wenn ich mich mit Freunden treffe, ist es ganz normal auf das Handy zu gucken. Mich nervt es aber schon, wenn man sich mit einem Freund trifft und der dann die ganze Zeit aufs Smartphone starrt, aber eigentlich macht das niemand. Oder, wenn er es doch tut, hat es manchmal auch einen interessanten Grund. Zum Beispiel ein nettes Mädchen oder so…

Macht ihr eigentlich auch über das Handy Schluss?

ROBERT CAMPE: Nein, per SMS, bzw. bei uns auf WhatsApp, macht eigentlich niemand Schluss. Man kann sich ja per WhatsApp verabreden, aber sowas bespricht man dann schon persönlich.

Kannst du es nachvollziehen, dass sich Erwachsene manchmal Sorgen über das Onlineverhalten ihrer Kinder machen?

ROBERT CAMPE: Ja, auf jeden Fall! Viele Inhalte sind im Internet ja auch nicht für Jugendliche gedacht, aber man kann an solche Inhalte auch im echten Leben rankommen und nicht nur online. Ich denke aber, dass ich damit ganz gut umgehen kann. Ich guck mir dann einfach immer genau die Quellen an, um herauszufinden, ob sie vertrauenswürdig sind. Aber klar, man merkt auch oft, wie viel Müll im Internet verbreitet wird.

Gibt es einen Unterschied zwischen Mädchen und Jungs, das Verhalten auf den Social-Media-Kanälen betreffend?

ROBERT CAMPE: Auf jeden Fall gibt es da Unterschiede! Im Allgemeinen würde ich sagen, dass Mädchen sich lieber präsentieren wollen und deshalb mehr Bilder auf Instagram posten. Das fällt besonders in Netzwerken wie Musical.ly oder Pinterest auf, dort sind vor allem Mädchen sehr aktiv.

Wie präsent ist das Internet in eurem Alltag und in der Schule? Stimmt es beispielsweise, dass Du mit YouTube Channels für die Schule lernst?

ROBERT CAMPE: YouTube hat mir in der Vorbereitung auf Arbeiten oft das Leben gerettet und da spreche ich für Hunderttausende von Schülern! In der Schule wird aber im Unterricht selten mit dem Internet gearbeitet, wir schauen uns höchstens mal eine Doku über YouTube an. Das Smartphone wird dann nach der Schule richtig wichtig, da beginnt dann die Arbeitsteilung für die Hausaufgaben über WhatsApp. Da schickt dann jeder seine Hausaufgaben in die Klassengruppe, so haben sie am Schluss alle. Außer der Klassengruppe, in der nur Schüler drin sind, haben wir auch noch einen Chat zusammen mit unserer Klassenlehrerin. Das ist super entspannt, wenn man mal eine Frage hat.

Hast du manchmal Streit mit deinen Eltern wegen deines Smartphones/Internet etc.?

ROBERT CAMPE: Bei uns gibt es zum Glück eher selten Stress wegen Smartphones. Aber der Standardspruch ist natürlich: „Kannst du mal aufhören immer aufs Handy zu starren, wenn ich mit dir rede?“ Manchmal sag ich das sogar zu meiner Mutter, wenn ich was erzählen möchte und sie gar nicht zuhören kann, weil sie gerade den Facebook-Newsfeed liest.

Schreibst Du auch viele WhatsApp-Nachrichten an deine Eltern?

ROBERT CAMPE: Wir haben sogar eine Familien-WhatsApp-Gruppe. Allerdings chatten wir da nicht richtig, zumindest ich nicht, sondern schicken uns Fotos von irgendwelchen lustigen Sachen.

Eine letzte Frage an dich als Social- Media-Experte: Welche ist gerade die neueste, angesagteste App, von der wir noch nichts mitbekommen haben?

ROBERT CAMPE: Die App, die im Moment richtig gehyped wird, ist Houseparty. Eine sehr einfach zu bedienende und supercoole Videochat-Plattform, die in ihrem Design sehr an Snapchat erinnert, mit der man aber mit mehreren Freunden gleichzeitig telefonieren kann.

Robert Campes Buch "What’s App, Mama? Warum wir Teenies den ganzen Tag online sind - und warum das okay ist!" ist im Verlag Eden Books erschienen und kostet 14,95 Euro.

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