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Freunde-System: Snapchat sorgt für sozialen Druck auf Kinder

Viele Jugendliche nutzen Snapchat, um mit ihren Freunden zu kommunizieren. Und das nicht ohne Grund: Die Social-Media-App animiert ihre Nutzer mit einem Belohnungssystem dazu, möglichst viele Momente über die Anwendung zu teilen. Für die jungen Nutzer kann das jedoch enormen Druck bedeuten.

© SCHAU HIN!/ Screenshots SnapChat
© SCHAU HIN!/ Screenshots SnapChat

Kontakt zu Freunden ist Jugendlichen wichtig. Laut JIM-Studie 2016 widmen Jugendliche 41 Prozent ihrer Onlinezeit dem Austausch von Nachrichten oder „Snaps“. Fast die Hälfte der Befragten nutzt die App Snapchat mindestens mehrmals pro Woche – und das besonders aktiv. 72 Prozent der befragten Nutzer produzieren selbst Inhalte in Form von Nachrichten, Fotos oder Videos. Oft folgt der Austausch mit Freunden über Social-Media-Dienste bestimmten Regeln und Ritualen, die für junge Menschen einen hohen Stellenwert einnehmen können. Wichtig ist, dass die jungen Nutzer ihre Freundschaften nicht von den Mechanismen der Sozialen Netzwerke abhängig machen, sagt der Medienratgeber SCHAU HIN!.

Das Snapchat-Belohnungssystem

Neben einem generellen Trend zur bildhaften Kommunikation ist auch Snapchats Belohnungssystem ein Grund für die große Beliebtheit der App. Mit verschiedenen Smileys bewertet der Social-Media-Dienst den Austausch zwischen zwei Nutzern: Ein rotes Herz neben dem Namen eines Kontaktes zeigt zum Beispiel an, dass die Snapchat-Freunde sich seit mindestens zwei Wochen gegenseitig die meisten Snaps schicken. Das Flammensymbol bedeutet, dass zwei Nutzer mindestens drei Tage am Stück jeweils innerhalb von 24 Stunden Snaps ausgetauscht haben; die Zahl neben der Flamme dokumentiert die Anzahl der Tage mit regelmäßigem Kontakt. Besonders die Snapchat-Flamme (oder: Snapstreak) weckt den spielerischen Ehrgeiz der Nutzer. Wie lange kann der heiße Draht zwischen den Usern aufrecht gehalten werden?

Sozialer Druck durch Snapchat-Smileys

Was für viele Nutzer ein witziges Detail ist, kann durchaus sozialen Druck auf Jugendliche aufbauen. Ein grinsender Smiley neben einem Kontakt zeigt beispielsweise an, dass dieser Freund dem Nutzer besonders viele Snaps schickt, aber keine Antwort erhält. Auf der Snapchat-Supportseite heißt es: „Du bist der beste Freund dieser Person, aber sie ist nicht dein bester Freund“.
Vergleiche dieser Art können im sozialen Gefüge der jungen Nutzer eine große Rolle einnehmen und dementsprechend Selbstbewusstsein und -wahrnehmung der Jugendlichen beeinflussen, wenn der Wert einer Freundschaft durch einen Smiley oder die Anzahl der „Snapstreaks“ definiert wird.

SCHAU HIN!-Tipps im Umgang mit Sozialen Netzwerken

Jüngere Kinder unter 12 Jahren sollten Snapchat nicht nutzen. Eltern können einstellen, dass Apps ab einer bestimmten Altersstufe aus dem Appstore gefiltert werden. Dann kann Snapchat nicht auf das Smartphone des Kindes geladen werden.

Ab dem Teenageralter gehört Snapchat für die meisten zum Alltag. Eltern können ihr Kind dabei unterstützen, die App maßvoll zu nutzen, und es vor möglichen negativen Auswirkungen schützen:

1.    Abwechslung bieten und bestärken

Kinder sollten unterschiedliche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kennenlernen und Medien als Mittel und nicht als Zweck, etwa gegen Langeweile, nutzen. Wichtig ist auch, das Selbstwertgefühl zu stärken. Dazu gehören die Fähigkeit, lösungsorientiert mit belastenden oder als stresshaft erlebten Situationen des täglichen Lebens umzugehen, sowie zu selbstbestimmtem Handeln.

2.    Vorbild sein

Eltern können mit Ihrer eigenen Mediennutzung ein gutes Vorbild für ihr Kind sein und sich auch selbst kritisch fragen, wie oft Sie welche Medien wozu nutzen. Für ältere Kinder sind Smartphone-Verbote und begrenzte Medienzeiten nicht sinnvoll. Aber ein gemeinsamer medienfreier Tag in der Woche oder Medienfasten als Challenge innerhalb der Familie können helfen, auch mal Snapchat-Pausen einzulegen.

3.    Im Gespräch bleiben

Eltern können mit ihrem Kind regelmäßig über Medienthemen und Medienerlebnisse sprechen. Kinder können im Gespräch über Medien von ihrem Alltag, ihren Kontakten und Themen erzählen. Eltern können die Entwicklung und Sozialisation ihrer Kinder reflektieren, und deren Perspektive nachvollziehen. Sie können ebenso über ihre Sichtweise und eigenen Erfahrungen sprechen, dies miteinander abgleichen und dabei ihre eigenen Standpunkte vertreten und begründen sowie Kinder dafür sensibilisieren.

Bei SCHAU HIN! gibt es mehr zu Snapchat in der Rubrik Chatten in unserem Netzwerkatlas oder unter Wissenswertes.

Auf der Snapchat-Hilfeseite gibt es weitere Informationen zu Bedeutung und Anpassungsmöglichkeiten der einzelnen Freundschafts-Smileys der App.

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