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Grimme-Preis erstmals in der Kategorie Kinder und Jugend verliehen

Der 52. Grimme-Preis wurde erstmals auch in der Kategorie "Kinder und Jugend" vergeben. Wir stellen die Preisträger kurz vor.

VOX

In der neuen Kategorie Kinder & Jugend wurden zwei der drei möglichen Preise vergeben. Ausgezeichnet wurden den Mehrteiler „Club der roten Bänder“ (VOX) und die Mitmach-Sendung „Ene Mene Bu“ (KiKA).

Ene Mene Bu

ENE MENE BU ist eine gezielt für Vorschulkinder gestaltete Sendung zur ästhetischen Bildung. Sie begleitet dokumentarisch Kinder, wie sie Bilder gestalten, basteln oder kreativ spielen. Die Kamera verfolgt den Entstehungsprozess, ohne dass Kinder im Einzelnen inszeniert oder nach Anweisung von Erwachsenen handeln. In frei gesprochenen Kommentaren beschreiben die Kinder ihr kreatives Handeln und erklären so den Kindern vor dem Fernseher, was sie tun und wie sie selber künstlerisch tätig werden können.

Die jungen Protagonist/innen malen im heimischen Kinderzimmer oder Garten oder – wie im Fall der vorliegenden Sondersendung eines Mädchens aus Kenia – in ihrer Schule oder sie spielen als Geschwisterpaar im Wohnzimmer mit Handpuppen eine kleine selbst ausgedachte Geschichte. Neben den dokumentarischen Anteilen fordert jede Sendung dazu auf, ein Stecktier aus Papier auszudrucken, zu gestalten und an den KiKA einzuschicken. In einem virtuellen Museum werden ausgewählte Stecktiere von Kindern präsentiert und zum Teil durch einfache Animation zum Leben erweckt. Von den Stimmen von Vorschulkindern beschrieben und kommentiert, bilden die Stecktiere so eine Ausstellung der besonderen Art, und die jungen Künstler/innen werden mit Bild und Namen vorgestellt.

Begründung der Jury

ENE MENE BU ist eine Sendung für Vorschulkinder, die gezielt zum aktiven Gestalten und Erleben von Kreativität und Kunst anregen will. Was die Jury überzeugte: In dieser Sendung stehen Kinder mit ihrem selbst gesteuerten gestalterischen Prozess im Zentrum! Es geht um das, was 4- bis 6-Jährige in ihrem Alltag kreativ erschaffen: Sie malen, basteln Tiere oder spielen mit Handpuppen selbst erdachte Geschichten. In diesen alltäglichen Momenten ästhetischer Bildung begleitet ENE MENE BU die Kinder dokumentarisch. Die sorgsam geführte Kamera bleibt stets auf Augenhöhe und macht das Schaffen von Kindern in Großaufnahmen sichtbar. Die frei gesprochenen Kommentare der Kinder betonen die Sinnhaftigkeit der ästhetischen Handlung.

Als besonders wohltuend empfand die Jury den Verzicht auf begleitende Musik oder die sonst üblichen, erklärenden Erwachsenen. Neben Vorschulkindern aus Deutschland auch Kinder aus anderen Ländern beim kreativen Gestalten zu zeigen, ist ein Beitrag zur frühen globalen Bildung. Beim Puppenspiel unprätentiös ein Kind mit Behinderung zu integrieren – ein gelungenes Beispiel für selbstverständliche Inklusion.  

Die Sendung besticht aber nicht nur durch ihre dokumentarischen Beiträge. Durch das virtuelle Stecktiermuseum findet eine besondere Anerkennung der gestalterischen Leistung von Kindern statt. Als besonders wertvoll sah die Jury an, dass es nicht unbedingt die aus Erwachsenenperspektive am sorgsamsten ausgemalten oder gestalteten Werke sind, die herausgehoben werden. Entgegen dem Trend zur frühen Normierung und Leistungsbeurteilung gilt bei ENE MENE BU die Wertschätzung der Eigenleistung jedes Vorschulkindes. 

Die Jury war sich einig: ENE MENE BU ist auf allen Ebenen gelungenes Kinderfernsehen zur ästhetischen Bildung, das konsequent und zielgruppenspezifisch Kinder und ihre kreative Handlung in den Mittelpunkt stellt. Die tägliche Sendung bietet Vorschulkindern Raum und Stimme und nutzt das Medium dazu, Kinder anzuregen aktiv zu werden – jenseits des Fernsehens. Sie verfolgt einen pädagogisch ausgesprochen wertvollen Ansatz, der gestalterisch konsequent mit viel Liebe und Verstand im Detail umgesetzt wird. Damit ist sie ein Vorbild für Vorschulkinder, das diese ermutigt, ihrer eigenen Kreativität zu vertrauen. Die Sendung ist aber auch ein Vorbild für das Kinderfernsehen insgesamt, sie ruft dazu auf, ihre Zielgruppe in ihren Fähigkeiten ernst zu nehmen und durch Wertschätzung im aktiven Handeln zu bestärken: ENE MENE BU und dran bist Du!

Weitere Informationen zur Sendung

Der Club der roten Bänder

Leo, Jonas, Emma, Alex, Toni und Hugo führen ein besonderes Leben: Die Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren verbringen eine lange Zeit im Krankenhaus. Dem an Krebs erkrankten Jonas soll ein Unterschenkel amputiert werden. Er wird der neue Zimmernachbar von Leo, der ebenfalls Krebs hat. Sie beschließen, dass Jonas unbedingt eine Abschiedsparty für sein Bein feiern muss. Doch zu einer echten Party gehört auch ein Mädchen – und da kommt für Leo nur Emma in Frage, die auf einer anderen Station wegen ihrer Essstörung behandelt wird.

Neben Jonas wird noch ein weiterer neuer Patient aufgenommen: Es ist Alex, der auf dem Schulhof nach einer Herzattacke zusammengebrochen ist. Er kommt auf ein Zimmer mit dem kleinen Hugo, der schon seit zwei Jahren im Koma liegt. Zwischen Rollstuhl-Rennen und Operationen entsteht unter den jungen Patienten eine tiefe Verbundenheit. Die kranken Teenager leben zwar im Hospital, aber entwickeln dort ihren eigenen, faszinierenden Kosmos. Die ungleichen Charaktere legen sich als Erkennungszeichen ihre roten OP-Armbänder an und gründen den „Club der roten Bänder“. Als Team erleben sie im Krankenhaus nicht nur viele Abenteuer, sondern auch wahre Freundschaft und unglaubliche Lebensfreude.

Begründung der Jury

Leo: „Du siehst ja aus, als hättest du 10, 20 Gramm zugenommen – nicht, dass Du den Mädchen auf der Station noch alles wegfrisst.“ Emma: „Vielen Dank, ihr Krüppel seid echt charmante Typen.“ Leo: „Ja, wir sind nur immer so ein bisschen… unausgeglichen.“

Von entwaffnendem Charme und Galgenhumor wie diesem lebt die Serie. Sie lassen einen mitunter vergessen, dass es hier um schlimme Krankheiten und um tragische Schicksale von jungen Menschen geht, denen der größte Teil ihres Lebens eigentlich noch bevorstehen sollte. Die Dramedy, die auf den wahren Erlebnissen von Albert Espinosa basiert, findet stets einen ganz besonderen Ton: positiv, optimistisch, lebensbejahend. „Club der roten Bänder“ ist anders als gewöhnliche Medical-Serien: Ärzte, Pfleger und sonstige Erwachsene spielen nur Nebenrollen, im Zentrum stehen konsequent die sechs jugendlichen Hauptfiguren mit ihren bewegenden Geschichten. Auf einen Fall der Woche verzichtet die Serie. Stattdessen erlebt der Zuschauer ein Drama, das von einer Sekunde auf die nächste herzergreifend komisch und dann wieder so tragisch ist, dass man es am besten mit dem Etikett der emotionalen Achterbahnfahrt beschreiben kann. Plötzlich lacht man über Krebs und bangt um einen furchtbar unsympathischen Snob.

Die beiden Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf sowie die beidenProduzenten Gerda Müller und Jan Kromschröder haben eine sehr eigenständige Adaption des katalanischen Originals „Polseres Vermelles“ geschaffen: Manche Charaktere wurden ausdifferenziert, Erzähltempo und -rhythmus auf ein neues Niveau gehoben. Dabei fällt vor allem das Gespür fürs richtigeTiming wohltuend auf – sowohl in den geschriebenen Dialogen als auch im Spiel des aus Tim Oliver Schultz (Leo), Damian Hardung (Jonas), Luise Befort (Emma), Ivo Kortlang (Toni), Timur Bartels (Alex) und Nick Julius Schuck (Hugo) bestehenden Ensembles. Mit diesen Zutaten gelingt „Club der roten Bänder“ etwas im Fernsehen mittlerweile selten Gewordenes – echtes Family Entertainment im besten Sinne, das Eltern mit ihren Kindern anschauen können und das tatsächlich Generationen vor dem Fernseher vereint hat. Als erste eigenproduzierte Fiction-Serie von VOX war „Club der roten Bänder“ für den Sender wie auch für die junge Produktionsfirma Bantry Bay ein durchaus mutiges Unterfangen.

Obwohl sie vielen konventionellen Gesetzen des deutschen TV-Markts widerspricht (horizontale Erzählung, tödliche Krankheiten, keine erwachsenen Hauptfiguren), haben die Macher mit viel Herz und Einfühlungsvermögen den verdienten Publikumserfolg geerntet. Neben der TV-Quote erreichte auch der Social-Media-Buzz ungeahnte Höhen, weil viele Menschen tief berührt waren und den wunderbaren Impulsen zur Anschlusskommunikation folgten.

Weitere Informationen zur Serie

Weitere Informationen zu den Grimme-Preisträgern 2016

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