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Handy in die Schultüte?

In jeder zehnten Schultüte steckt ein Handy. Doch sind Kinder schon reif dafür und wie funktioniert der Start in die Handy-Welt am besten? Zum Schulstart haben wir dazu eine Blogparade veranstaltet. Hier finden Sie eine Übersicht zu den diversen Beiträgen und Kommentaren zum Thema.

Insgesamt geben Eltern von Schulanfängern in Deutschland rund 150 Euro für die erste Schulausrüstung sowie weitere 70 Euro für die gefüllte Schultüte aus. Das sind zehn Euro mehr als im Vorjahr, wie eine Umfrage ergab. Eltern in den neuen Bundesländern bezahlen für die Tüte samt Inhalt rund 83 Euro, in den alten Bundesländern dagegen etwa 67 Euro. Gefüllt werde sie hauptsächlich mit Süßigkeiten, Schreibwaren und Spielzeug. In jeder zehnten Tüte befinde sich inzwischen auch ein Handy.

Nicht mehr wegzudenken...

Britta Flaitz von "zwergalarm" findet es gut, Kindern den Zugang zu mobilen Geräten in Maßen zu ermöglichen, in die Schultüte gehört ein Handy ihrer Meinung nach noch nicht: "Mobile Geräte sind ganz sicher – auch in der Zukunft – nicht wegzudenken, wir werden sehen, was noch alles auf uns zukommen wird. Wahrscheinlich kann man es genauso wenig erahnen, wie man damals auch keine Vorstellung von einem Smartphone hatte, geschweige denn mit Ja geantwortet hätte, auf die Frage, ob man so etwas braucht. Da kann Steve Jobs wirklich als Genie bezeichnet werden. Vielleicht gibt es ja in Zukunft eines unserer aller Kinder, dass seine grandiosen Visionen weiterzuspinnen vermag?"

Wichtig ist mir nur, dass er erreichbar ist...

Für mamaskind.de ist die Antwort darauf sehr einfach. Sie möchte ihr Kind auf jeden Fall erreichen, wenn es zum Abendessen noch nicht zu Hause ist - egal ob es erst sechs oder schon zehn Jahre alt ist. Sie selbst hat damals in der 7. Klasse ein Prepaid-Handy bekommen, mit den man auch heute noch den Gebrauch gut steuern kann. Ihr heute vierjähriger Sohn wird also definitiv zur Einschulung ein sogenanntes Notfall-Handy bekommen. "Sollte er ein (günstiges) Smartphone bekommen, das spieletauglich ist und Internetzugang hat, werden wir Möglichkeiten finden, diese zeitweise zu sperren, damit seine Schul- und Lernzeit nicht gestört wird. Ein einfaches Handy zu kaufen, finde ich in der heutigen Zeit Quatsch, zumal mein Sohn auch schon iPad und iPhone kennt. Warum sollten wir ihn zurück zum einfachen Tastentelefon führen?"

Heute ist nicht damals

Auch die Bloggerin von Alltagsschrott zieht Parallelen zwischen der eigenen Kindheit und der ihrer Tochter. Während Sie damals erst mit 14 Jahren ein einfaches Handy bekam, besitzt diese als "Schlüsselkind" schon seit der 3. Klasse ein Handy und ab der 5. Klasse, also mit Beginn der weiterführenden Schule, ein "richtiges" Smartphone, ein abgelegtes "3er Apfel". "Natürlich hätte es auch noch das einfache Handy getan, aber ich denke, dass ich in einem gewissen Umfang auch mit der Zeit gehen sollte... Die Gesellschaft unterliegt nun mal einem ständigen Fortschritt, den ich weder ausblenden noch -bremsen kann." Allerdings gab es das Gerät nicht bevor Sie es, so gut es eben möglich war, kindgerecht eingerichtet und gemeinsam sechs kluge Regeln vereinbart hat:

1. Begrenzte Nutzungszeiten und Benimmregeln

2. Downloads sind Elternsache

3. Einrichten einer Code-Sperre

4. Social Media erst mit 13

5. Datenschutz hat Priorität

6. Vertrauen ist gut, kontrolliert wird trotzdem

Kindern Raum zur Selbstständigkeit lassen

Für Martina geht Selbstständigkeit vor: "Wir nehmen den Kindern dadurch die Chance selber Lösungen für fremde, ungeplante Situationen zu finden. Wenn z.B. auf dem Schulweg das Kind plötzlich alleine da steht, weil die Laufgemeinschaft aufgrund eines Missverständnisses schon losgegangen ist, sollte das Kind lernen mit dieser plötzlich aufgetretenen, neuen Situation zunächst alleine klarzukommen. Nicht zum Handy zu greifen, sondern eigenverantwortlich zu handeln und die Situation erfolgreich zu meistern, fördert das Selbstvertauen sehr viel mehr, als die Mama anzurufen und sich abholen zu lassen. Wir sind alle ohne Handy groß geworden und haben lernen dürfen Situationen selber zu meistern. Dieses Privileg sollten wir unseren Kindern auch zugestehen".

Nicht zu viel Ablenkung

"mami mami" findet es nicht schlimm, wenn die Zwerge ein einfaches Notfall-Handy bekommen. Das aber noch kein Smartphone sein, schließlich könnten sie ja noch nicht einmal lesen und schreiben. "Es wäre auch nicht gut wenn sie durch solche Medien wie Internet vom Schulweg abgelenkt werden." Zu Hause könnten sie ja dann auf dem Tablet oder Smartphone der Eltern kontrolliert spielen.

Kinder nicht überfordern

Sabine Beck findet schade, dass viele Eltern das Gefühl haben, ihren Kindern heutzutage so früh wie möglich alles bieten zu müssen. "Es sind meistens nicht die Erwartungen der Kinder sondern die der Eltern die da verwirklicht werden müssen... Kurz und gut ich bin der Meinung einem Kind das eingeschult wird ein Handy in die Schultüte zu stecken ist völliger Blödsinn. Laßt Kinder doch solange Kind sein wie möglich, mit dieser ganzen ständigen Kommunikation heute sind doch schon Erwachsene oft vollkommen überfordert tut das doch Kindern nicht auch schon so früh an".

Vertrauen geht vor

Auch Rosanna Pierantognetti ist dagegen, da es zu teuer ist und zuviel Ablenkung vom normalen Alltag und dem Austausch mit der Umwelt bedeutet. "Nichtdestotrotz kann man ja auch ein Zweit-Handy für Notfälle dem Kind mitgeben. Ich glaube die Vergabe sollte auf gegenseitigem Vertrauen und individuellem Entwicklungsstand des Kindes basieren."

Medienkompetenz - aber nicht zu früh

Auch Helene findet ein Handy in der Schultüte eindeutig übertrieben: "Sicher sollen die Kinder baldmöglichst Medienkompetenz entwickeln, aber das ist eindeutig zu früh!".

Viele Wege führen zur Antwort

Für die Sprachlaborantin ist die Antwort gar nicht so einfach. Sie wägt in ihrem amüsant geschriebenen Beitrag das Für und Wider über einen mehrerstufigen Eltern-Test ab. Sie sieht die Eltern in ihrer Funktion als Vorbild gefragt, gerade weil viele von ihnen wie selbstverständlich jeden Tag mit einem Smartphone hantieren: "Man könnte die Vermutung hegen, dass die Eltern den Kindern Handys zum daddeln besorgen, weil sie selbst schon in totaler Abhängigkeit leben und ihr Smartphone nur unter Qualen aus der Hand legen können. Oder weil sie nicht wollen, dass der Nachwuchs die absolut sinnfreien aber lustigen WhatsApp Kommentare und Partyfotos der Eltern einsehen kann."

Der Neugier des Kindes folgen

Selina hat ihrem Kind bei Schuleintritt ein Handy besorgt. "Aber kein Smartphone, sondern so ein dickes Wertkarten-Telefon, das außerhalb von Telefonieren, SMS schreiben und Snake keine Funktionen hat. Das Handy wird morgens von der Lehrerin eingesammelt und liegt dann bis Ende des Schultages auf dem Lehrertisch. Bei Bedarf kann ich bei Schulschluss dann mein Kind erreichen, was bei meinen Beruf schon öfters nötig war. Auch sonst leben wir zu Hause einen eher offenen Umgang mit Medien. Ich verbiete nichts und versuche der Neugier des Kindes zu folgen. Jedoch gibt es schon Grenzen und Rahmenbedingungen, an die sich der Nachwuchs halten muss. Medien sind heutzutage ein wichtiger Alltagsfaktor im Leben der Kinder, ein baldiges Training im richtigen Umgang ist meiner Ansicht nach essenziell."

Aufs Gerät kommt es an

Auch für Karin macht es "einen Riesenunterschied zwischen 1 Euro Gerät mit Wertkarte ... bzw. irgendeinem Smartphone". Zudem sollten sich Eltern mit anderen Erziehenden austauschen und darüber informieren, was in der Schule überhaupt erlaubt sei. Sie empfiehlt zudem die Checkliste von Klicksafe, um herauszufinden, ob das Kind schon mit den umfangreichen Funktionen des Smartphones umgehen kann. Auch rät sie von überzogenen Geschenken ab, eine Steigerung soll immernoch möglich sein: "Mir geht die von uns Erwachsenen selbstverschuldete Konsum/Selbstverständlich-Haltung der Kids echt gegen mein Bauchgefühl ohne die wirkliche Lösung gefunden zu haben. Eins ist sicher: die Geister, erst gerufen, kriegt man nicht mehr los- zurück gehts dann nicht mehr."

Smartphone aus Schokolade

Bei "Herzgespinst" gibt sich die Autorin durchaus selbstkritisch: "Ehrlich gesagt wäre ich selbst gar nicht auf die Idee gekommen, meiner Tochter (6) zum anstehenden Schulstart ein Handy in die Schultüte zu packen. Und das, obwohl mein eigenes iPhone quasi mit mir verwachsen ist, mein Leben teilweise in Quadraten stattfindet (Instagram) und ich öfter mal am frühen Abend auf dem Spielplatz sage: Kinder, wir müssen nach Hause, mein Akku ist leer!". Die Tochter bekommt aber allein deshalb schon kein Handy, weil "der Kleine" (3) dann auch eines will. Stattdessen gibt es höchstens ein Smartphone aus Schokolade. "Meine Kinder haben auch kein eigenes Tablet, aber sie dürfen ab und zu mit meinem spielen... Wichtig ist mir, dass die Kinder wissen, wie teuer die Smartphones und Tablets sind und dass immer klar ist, dass sie mir gehören und ich sie auch für meine Arbeit brauche. Dadurch üben sie, wie man vorsichtig mit wertvollen Dingen umgeht."

Erstmal zu Hause lernen

Thomas Meurer von Papa Wahnsinn zeigt sich entrüstet ob der Frage: "Ein Handy oder gar ein Smartphone zur Einschulung? Schwachsinn! Erstmal langsam zu Hause am Tablet lernen. Dann ab der 5. Klasse gerne."

Über eigene Handynutzung nachdenken

Sabine hat der Beitrag sehr zum Nachdenken angeregt – auch was ihren eigenen Umgang mit den Medien angeht: "Wir selbst leben den Kindern ja vor, welche Bedeutung Handy & Co in unserem Leben haben: hier mal schnell eine SMS für die Nachmittagsverabredung nächste Woche losgeschickt, dort mal schnell online gegangen, um eine neue Regenhose für meinen kleinen Sohn zu bestellen. Daher denke ich, ist es wichtig, nicht das OB sondern das WIE und WANN mit den Kindern zu besprechen. Ich finde den kontrollierten Umgang sehr wichtig, genauso wie beim Fernsehen oder den lieben Süßigkeiten. Ein Handy in der Schultüte finde ich verfrüht und eher Ablenkung als Rettung für den Notfall. Aber eins kann natürlich nicht früh genug starten: Wenn Regeln mit den Kindern vereinbart sind, muss man sich natürlich auch selbst dran halten."

Erst richtig lesen und schreiben, dann Handy

Der Sohn von Franziska vom Rabenmütter-Blog bekam sein Handy zum 9. Geburtstag: "Er hatte es sich sehr gewünscht und für mich machte es auch Sinn, denn er konnte es bedienen und war schon viel mit seinen Freunden alleine in unserem Viertel unterwegs." Schwierig fand sie dagegen einen geeigneten Tarif zu finden. Die Prepaidkarte könnte im entscheidenden Moment leer sein, ein normaler Tarif könne horrende Rechnung bedeuten. "Für Kinder einen guten Tarif zu finden ist immer noch fast ein Ding der Unmöglichkeit, das hatte mich damals mächtig überrascht." Schließlich habe sie einen gefunden, mit dem sie die monatlichen Gebühren deckeln kann. "Ein Handy in die Schultüte zu geben muss man persönlich entscheiden, denn jede Situation ist einzigartig. Um es nur als Spielzeug zu benutzen, davon würde ich abraten, aber als sinnvolles Instrument, um in Verbindung zu bleiben."

Kommunizieren oder daddeln?

Ben von Familien Sinn beleuchtet in seinem Beitrag ausführlich den Nutzen und die Risiken eines Handys im Grundschulalter und kommt dabei zum Schluss: "Überlegt gemeinsam mit Euren Kindern, welchen Zweck das Handy haben soll. Ist es eher noch ein Spielzeug, auf dem man so tolle Sachen spielen kann? Oder ist es doch schon das Kommunikationsmittel Nummer 1 im Freundeskreis der Kinder? Wenn das Handy in erster Linie Spielkonsole ist, empfiehlt es sich vielleicht eher, tragbare Spielkonsolen anzuschaffen. Wenn der soziale Aspekt überwiegt und die Kommunikation Eurer Heranwachsenden, zum Beispiel um sich zu verabreden, in erster Linie über das Handy läuft, dann wird es Zeit, über das eigene Gerät fürs Kind nachzudenken. Ein Handy in der Schultüte ist also kein Muss, sondern individuell von der Entwicklung des Kindes und dem Willen der Eltern abhängig."

Regeln definieren und anpassen

Die Angelones stimmt mit unseren Richtwerten überein, nämlich dass Kinder mit 9 Jahren meist in der Lage sind, das Gerät zusammen mit den Eltern einzurichten, damit umzugehen und auch Absprachen über die Nutzung einhalten zu können. Ein reines Notfallhandy kann aber unter Umständen auch bereits zur Einschulung angeschafft werden, etwa wenn das Kind einen besonders weiten Schulweg zurücklegen muss. "Am wichtigsten ist aber letztlich immer die Frage: Weshalb wollen Eltern und Kind ein Handy? Geht es um die Sicherheit des Kindes? Oder fühlt man sich vor allem einem Gruppendruck in der Klasse ausgesetzt?" Wichtig sei, dass das Gerät zu den Bedürfnissen des Kindes passt, sicher eingerichtet ist und Regeln vereinbart sowie an das Alter des Kindes angepasst werden.

Kinder brauchen Aufmerksamkeit und Freiheit

Mariola von Madame Tam Tam ist sich nicht sicher, ob Handys überhaupt in die Hände von manchen Erwachsenen gehören und meint diese lenken im Klassenverband und auf dem Schulhof die Kinder vom Lernen sowie von gemeinsamen Bewegungsspielen ab und wecken Sozialneid: "Das Leben findet draußen statt – nicht vor dem Handy, Computer, Fernseher...". Sowohl soziale und emotionale Kompetenz, als auch Konfliktfähigkeit könnten nur im Umgang mit anderen Mitmenschen erworben werden. "Das muss man lernen, dazu sind Kontakte von Nöten – keine einprogrammierten Smileys." Wichtiger sei Kindern zu vertrauen und sie zu fördern, statt sie ständig kontrollieren zu wollen. "Ich denke, das ist genau die Verantwortung, die wir als Eltern haben: Ihnen die Vorteile dieser Geräte aufzuzeigen und gleichzeitig vor Schäden, die ein übermäßiger Konsum mit sich bringt, bewahren."

Regeln vereinbaren und Töne ausschalten

Für Heike vom Grundschulkönig ist ein Zwischenschritt zum eigenen Handy das gemeinsame Entdecken am Tablet. Hier seien CDs und Hörbücher wunderbar aufgehoben und auch auf langweiligen Autofahrten verfügbar. Zudem können kindgerechte Spiele heruntergeladen und die ersten Nachrichten geschrieben werden. Wichtig sei aber vor allem, dass gemeinsam mit den Kindern Regeln zur Nutzung vereinbart werden. "Um konzentriertes Lernen, eine entspannte gemeinsame Mahlzeit, eine ruhige Nacht und einfach freie Zeit zum Lesen, Spielen und mit der Familie zu haben, sind bei uns die Nutzungszeiten festgelegt und deutlich begrenzt." Um Ablenkungen zu vermeiden und die Nerven zu schonen sind zudem die Benachrichtigungstöne ausgeschaltet. Zur weiteren Lektüre empfiehlt sie das Buch Smartphones aber richtig!: Sichere Nutzung von Handys und Smartphones von Thomas Feibel.

Weitere Informationen

Interessierte erhalten weitere Informationen zum Thema im Bereich "Mobile Geräte" und in unserer Broschüre zum Herunterladen und Bestellen.

Die Blogparade wurde 2014 mit dem Familien-Blog zwergalarm veranstaltet. Weitere Kommentare können Sie direkt unter dem Aufruf auf zwergalarm lesen.

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