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Hass im Netz: Wie schütze ich mein Kind?

Wegen Hetze auf Facebook sind aktuell zwei Personen verurteilt worden. Rechtsextreme setzen verstärkt auf das Netz, um ihre Propaganda zu verbreiten und gerade Jugendliche an sich zu binden. Wir empfehlen Eltern, ihr Kind aufzuklären und Hass zu melden.

Illustration gegen Rechtsextremismus
© JiSign / Fotolia

Für Hetze über sein Facebook-Konto ist ein 20-jähriger Arbeitsloser aus Düsseldorf zu einem halben Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss er 1500 Euro zahlen, entschied das Amtsgericht Düsseldorf am Montag und sprach den Mann wegen Volksverhetzung und öffentlicher Aufforderung zu Straftaten schuldig.

Er habe im Januar dazu aufgerufen, Polizeiwachen anzuzünden sowie Flüchtlinge "in einem Container langsam ersticken zu lassen" oder "in einem Boot zu versenken". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Vor einer Woche war ein Facebook-Hetzer in Würzburg zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Er hatte in dem sozialen Netzwerk gegen Flüchtlinge, Ausländer und Juden gehetzt sowie zu Gewalt und Mord aufgerufen.

Rechte Hetze im Netz nimmt zu

Keine Frage: Rechte Propaganda im Netz nimmt zu, vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und YouTube. Mit Angeboten wie Apps und Quick Response-Codes, die über ein einzuscannendes Muster direkt auf eine Website führen, einer modernen Erscheinung sowie versteckten Botschaften versuchen rechte Gruppen gerade Jugendliche auf subtile Weise zu ködern.

Dies belegen auch der Internetatlas des sächsischen Landesamts für Verfassungsschutzes (LfV) und der Bericht "Rechtsextremismus online 2013" von jugendschutz.net, der länderübergreifende Stelle für den Jugendschutz im Internet. Laut des Jahresberichts stieg die Zahl der festgestellten illegalen Botschaften 2013 auf einen neuen Höchststand von 1842 - 2012 waren es noch 1673 Fälle.

Hemmschwelle sinkt

Immer häufiger verbreiten Neonazis auch Hasspropaganda und Gewaltvideos auf Websites, in sozialen Netzwerken, auf Blogs, Musikportalen und geschlossenen Communitys. Rechtsextreme unterwandern die Diskussion in Foren, Blogs oder sozialen Netzwerken zum Umgang mit Flüchtlingen, aber auch zu Themen wie Umwelt- und Tierschutz sowie Kindesmissbrauch, um rechte Parolen zu streuen. Als scheinbar „besorgte Bürger“ nutzen sie diffuse Ängste, verbreiten verzerrte und falsche Informationen und schüren Vorurteile und Hass. Die vermeintliche Anonymität im Netz senkt die Hemmschwelle: Der Übergang von politisch extremer Äußerung bis zum Aufruf zu direkter Gewalt gegen Flüchtlinge wird fließender. Die Moderatorin Anja Reschke fordert dagegen einen „Aufstand der Anständigen“.

Kinder und Jugendliche gefährdet

Mit modernem Auftritt sowie humorig verpackten Botschaften in Texten, Bildern, Comics und Clips oder Einladungen zu Flashmobs ködern rechte Gruppen auch Jugendliche auf der Suche nach Orientierung, Zugehörigkeit und Anerkennung. Auch in Onlinespielen wird rechtes Gedankengut verbreitet, über Nutzernamen wie Sturmführer, Spielergilden wie Landser sowie die begleitenden Chats. Weitere Mittel sind Videos oder Musik mit rechten Parolen. Auch islamistische oder linke Gruppen sind im Netz unterwegs, um Jugendliche für sich zu gewinnen. Hier sollten Eltern ebenso aufmerksam sein.

Achtsam sein und aufklären

Medien sozialisieren Kinder, prägen Einstellungen und ihr Verhalten. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder im Netz begleiten, über rechte Parolen aufklären und ein offenes Ohr haben. So kann es sich mitteilen, wenn es auf Hetze im Netz trifft. Erfahren Eltern, dass ihr Kind damit konfrontiert wurde, sollten sie sich diese zeigen lassen, darüber sprechen und diese melden. Zudem ist es wichtig, das Selbstvertrauen des Kindes zu stützen und falschen Informationen auch argumentativ zu begegnen.

Die folgenden fünf Tipps helfen Eltern, ihre Kinder vor Rechtsextremismus im Netz zu schützen:

1. Quellen kritisch prüfen

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, Websites sowie Profile und Seiten in sozialen Netzwerken kritisch zu prüfen, auch Freundschaftsanfragen. Weitere Informationen bietet die Bundeszentrale für politische Bildung in einem Dossier Rechtsextremismus.

2. Propaganda entlarven

Nicht jeder menschenfeindliche Beitrag ist als solcher offensichtlich. Prüfen Sie gemeinsam Informationen zu Überfremdung, Deutschenhass, Flüchtlingsströmen etc., nutzen Sie Infomaterial und stärken Sie so Ihr Kind auch argumentativ.

  • Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet ein Dossier Migration, Flyer zu Rassismus, Homophobie und Antisemitismus und einen Erklärfilm zu Rassismus.
  • Fluter, dem Jugendangebot der Bundeszentrale für politische Bildung, bietet altersgerechte Informationen im Heft zu Flucht.
  • ProAsyl hat viele Vorurteile gegen Flüchtlinge hier mit Fakten entkräftet.
  • Die Süddeutsche Zeitung bietet hier Fakten zur Zuwanderung und hier eine Statistik über “Wirtschaftsflüchtlinge”.
  • Tagesschau.de hat Vorurteile gegen Flüchtlinge hier und Balkanflüchtlinge hier entkräftet und klärt hier über die Unterschiede zwischen Asylbewerbern, Flüchtlingen und Migranten auf.
  • Der Mediendienst Integration informiert hier über die Situation in Herkunftsländern von Flüchtlingen.
  • Der UNHCR liefert hier Zahlen und Lageberichte über die Situation der Flüchtlinge weltweit.
  • Eine genauere Statistik über “Wirtschaftsflüchtlinge” gibt es hier bei der Süddeutschen Zeitung.

3. Hassparolen melden

Rechtsextreme Inhalte können gegen deutsches Recht oder die Geschäftsbedingungen der Dienste verstoßen und sollten gemeldet werden. Ansprechpartner sind Seiten wie www.jugendschutz.net oder www.internet-beschwerdestelle.de. In Netzwerken können Sie Inhalte bei den Betreibern melden. Als Beweise dienen Screenshots und Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname etc.

4. Informieren und thematisieren

Wenden Sie sich an die Schule oder an Beratungsstellen, wenn Ihr Kind vermehrt mit rechten Parolen konfrontiert wird. Beratung bieten Portale wie www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de, www.hass-im-netz.info oder www.netz-gegen-nazis.de. Diese sind kostenlos, anonym und vertraulich. Projekte vor Ort finden sich im Atlas des Bundesprogramms "Demokratie leben", das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen hat.

5. Sensibilisieren und schützen

Verdeutlichen Sie Ihrem Kind durch einen Perspektivwechsel, welches menschenfeindliche Weltbild hinter rechten Allgemeinplätzen steht: „Was wäre, wenn Du flüchten müsstest und Dich niemand willkommen heißt?“ Stärken Sie das das Selbstvertrauen des Kindes, damit es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren kann. Verzichten Kinder auf die Angabe privater Informationen können Rechte weniger leicht Rückschlüsse auf Namen, Wohnort oder Schule ziehen und bedrohen.

Spiegel Online hat drei Experten gefragt, wie man mit Hass-Postings umgehen soll.

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