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Heimliche Verführer: Auf Onlinewerbung bei Spielen achten

Das Urteil des Bundesgerichtshofs gegen Werbung in einem Onlinespiel für Kinder zeigt, dass Kinder in Medien auf immer raffiniertere Werbeformen stoßen. Oft fällt es ihnen noch schwer, diese als solche zu erkennen. Wir empfehlen Eltern, bei der Mediennutzung ihrer Kinder auf werbefreie Inhalte zu achten und sie frühzeitig über Werbeformen aufzuklären.

Mutter mit Tochter vor Laptop
© Picture Alliance
Mutter mit Tochter vor Laptop
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Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil bekräftigt, das Kaufaufforderungen in Onlinespielen für Kinder untersagt. Diese sind häufig in sogenannten „Free to Play“- Spielen zu finden, die zunächst kostenlos sind, sich jedoch durch teure Zusatzfunktionen etwa für Spielgegenstände finanzieren. Gerade Kindern unter zehn Jahren ist oft nicht bewusst, dass für die geforderte Spielwährung echtes Geld benötigt wird. Deshalb raten wir dazu, dass Kinder gerade beim Einstieg ins Internet geschützte Surfräume und geeigente Kinderseiten mit werbefreien, kindgerechten Inhalten nutzen. 

Über versteckte Werbung aufklären

Werbung bei Online-Spielen wird oft begleitet von Musik und bunten Bildern und weckt Wünsche das Spielzubehör zu erweitern. Auch für ältere Kinder ist es schwierig, versteckte Werbung zu erkennen. Womöglich verstecken sich hinter bunten Bannern ungeeignete Inhalte, dienen Gewinnspiele der Weitergabe persönlicher Daten oder entpuppen sich Gratis-Angebote als Kostenfallen.

Eltern sollten ihre Kinder daher frühzeitig über die verschiedenen Werbeformen wie Gewinnspiele, Banner und Pop-Ups und die dahinter stehenden wirtschaftlichen Absichten aufklären, damit der Nachwuchs Werbung von anderen Medieninhalten zu unterscheiden lernt. Wichtig ist auch, dass Eltern ihren Kindern erklären, dass sie sensible Daten wie Handynummer, Name oder Anschrift nicht weitergeben dürfen, auch wenn ein spannender Gewinn lockt.

Werbung lässt sich zum Teil mit Jugendschutzsoftware filtern. Auch sogenannte Werbeblocker helfen dabei, unerwünschte Inhalte nicht mehr anzuzeigen. Technische Hilfsmittel bieten jedoch keinen alleinigen Schutz vor Werbefallen für Kinder und ersetzen nicht die aufmerksame Begleitung durch die Eltern.

Wie gehen Kinder mit Werbung um?

Genau wie Kinder den Umgang mit Medien generell erst erlernen müssen, müssen sie auch den Umgang mit Werbung erlernen. Denn Werbung im Internet spricht Kinder viel direkter an als Print- oder TV-Werbung. Sie sitzen davor und können gleich agieren. Zudem sind Kinder noch nicht in der Lage, so zielgerichtet wie Erwachsene im Internet zu surfen: Informations- und Werbetexte können Kinder noch nicht klar voneinander trennen. So können beispielsweise eingebettete Werbeanzeigen auf einer Internetseite von ihnen auch als Inhalt wahrgenommen werden. Dadurch entsteht die Gefahr, dass Kinder von der für sie unübersichtlichen Flut an Informationen leicht überfordert werden.

Tipps für Eltern

Kinder grundsätzlich vor Onlinewerbung bewahren zu wollen, ist nahezu unmöglich. Jedoch können Eltern ihre Kinder beim Umgang mit Werbung anleiten und sensibilisieren, und sie so vor ungeeigneter Werbung und Kostenfallen schützen.

  • Sich informieren und Kinder begleiten
    Informieren Sie sich darüber, wann und wo Ihr Kind im Internet Werbung begegnet. Wie reagiert Ihr Kind darauf? Wann ist es in der Lage, die Werbung zu verstehen und wann hat Ihr Kind Schwierigkeiten, Inhalte und Werbung voneinander zu trennen? Bilden Sie sich eine Meinung über den Umgang Ihres Kindes mit Werbung, am besten durch gemeinsames Surfen. Unterstützen Sie Ihr Kind bei Problemen.
  • Erklären und Kinder aufklären
    Kinder sind auf Aufklärung über Werbung, deren Erscheinungsformen und Absichten angewiesen – nicht nur von Eltern, auch von Freunden und Lehrern in der Schule. Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, was Werbung ist, welchen Zweck sie hat und wo sie in welcher Form auftreten kann. Erst wenn Kinder die Hintergründe von Werbung verstehen lernen, können sie kritisch mit ihr umgehen.
  • Regeln aufstellen und vereinbaren
    Verbindliche Regeln helfen, damit Kinder nicht in Werbe- und Kostenfallen tappen. Vor einem Vertragsabschluss oder der Preisgabe persönlicher Daten bei einer Registrierung sollten Kinder immer erst mit ihren Eltern sprechen und sich deren Erlaubnis einholen. Geschäftsbedingungen und kleingedruckte Anmerkungen müssen vorab genau studiert werden.
  • Gute Angebote und Alternativen aufzeigen
    Kinder sind neugierig und wissbegierig und probieren im Internet deshalb eine Menge aus. Statt Ihre Kinder aber nur auf beworbenen Produktwelten aus dem Kinderfernsehen oder Internetseiten mit vielen Werbeanzeigen surfen zu lassen, sollten Sie Ihre Kinder auf geeignete Alternativen wie werbefreie und empfehlenswerte Kinderseiten aufmerksam machen.

Weitere Informationen

Mehr zum Thema finden Eltern in unserem Extrathema Werbung.

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