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Hier helfen Jugendliche Jugendlichen

Wenn Jugendliche gemobbt werden, sind sie verletzt und ziehen sich zurück. Mit den Eltern darüber sprechen wollen viele nicht. Auf der Internetseite juuuport finden sie Gleichaltrige, die helfen.

©FAN2025308-A3-RGB
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Ob Beleidigungen, falsche Gerüchte oder soziale Ausgrenzung – Mobbing und Cybermobbing haben viele hässliche Fratzen. Auch von einem Randphänomen kann nicht mehr die Rede sein: Jeder sechste Jugendliche wird gemobbt, sagt eine neue Studie. Jeder Dritte kennt mindestens eine Person, die im Netz fertig gemacht wurde.

„Das größte Problem bei Cybermobbing ist die Anonymität der Täter“, sagt Julia Liebe. In Handumdrehen ließe sich ein falsches Profil bei Facebook anlegen und das Opfer mit beleidigenden Kommentaren verletzen und ausgrenzen. Julia Liebe kennt sich mit Cybermobbing aus, sie ist Scout bei Juuuport, einem Internetangebot für Jugendliche, denen bei Problemen, wie Cybermobbing oder illegalen Downloads, anonym geholfen wird. Das Besondere von Juuuport: Jugendliche werden nicht von professionellen Erwachsenen beraten, sondern von anderen Jugendlichen, die sich mit digitalen Themen besonders gut auskennen. Experten bezeichnen ein solches Vorgehen als Peer-to-Peer.

Warum ein solcher Ansatz oft gut funktioniert, wird beim Cybermobbing deutlich. Denn viele Jugendliche trauen sich nicht, mit ihren Eltern oder Lehrern über die Verletzungen, die andere ihnen antun, zu sprechen. Auch möchten sie oft die Erwachsenen nicht fragen, was man dagegen tun kann. Bei Juuuport schreiben sie anonym eine E-Mail und wissen, dass die helfende Person nicht viel älter ist als sie selbst. „Mit jemandem im gleichen Alter zu sprechen, fällt vielen Jugendlichen einfacher. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich auch oft nicht zuerst zu meinen Eltern, sondern spreche mit einer Freundin“, sagt Scout Julia Liebe.

"Wissen deine Eltern davon?"

Bevor die Scouts Anfragen beantworten, werden diese von Pädagogen gesichtet und nur diejenigen an die jungen Experten weiter geleitet, die ihrem Wissensstand entsprechen und sie nicht überfordern. Wie das konkret funktioniert, sieht man im Bereich „fooorum“ von Juuuport.

Ein Nutzer schreibt dort:

„Hey Leute, Ich habe in der Schule nicht so viele Freunde oder die die uch habe nutzen mich nur aus. Ich probier alles aber irgendwie klappts nicht. Ich weiss nicht was ich machen soll?  Sie sagen immer ich bin ihre Freundin aber wenn wir gruppen arbeit machen bin ich immer alleine“

Scout Draga antwortet: „Das tut mir sehr leid für dich, ich wäre auch traurig, wenn alle mich ignorieren oder mir vorspielen, dass sie meine Freunde sind.“ Dann rät Draga: „Wissen deine Eltern davon oder hast du vielleicht andere Vertrauenspersonen in deinem Umfeld? Erzähl ihnen von deinem Problem, dann hast du auf jeden Fall jemanden an deiner Seite und bist nicht alleine und zusammen ist man viel stärker, glaub´s mir!“

Medienscouts sprechen die Sprache der Jugendlichen

Der Peer-Ansatz sei für die Medienbildung im schulischen Kontext besonders hilfreich, sagt Meike Isenberg, Leiterin des Projekts „Medienscouts NRW“ im Interview mit dem bpb. „Einerseits lernen junge Menschen lieber von Gleichaltrigen und andererseits können sie Gleichaltrige aufgrund eines ähnlichen Mediennutzungsverhaltens zielgruppenadäquat aufklären – sie sprechen die gleiche Sprache, haben die gleichen Sorgen und nutzen die gleichen Medien.“

Mittlerweise gibt es fast in allen Bundesländern Peer-Projekte, die von professionellen Pädagogen geleitet und unterstützt werden, bei denen die eigentliche Ansprache der Nutzer jedoch die Jugendlichen übernehmen. Neben den Medienscouts NRW und Juuuport beraten etwa auch Schüler-Medienmentoren in Baden-Württemberg oder die Medienscouts in Rheinland-Pfalz. Auch die Zahl der regionalen Initiativen und Projekten an Schulen nimmt zu. Das Netzwerk Cyber-Cops bildet zusammen mit der Polizei des Landes NRW seit 2008 Schüler zu Medienbetreuern aus, die mittlerweile an 13 Schulen Mitschüler beraten oder Vorträge im Unterricht abhalten.

Wie Eltern ihren Kindern bei Cybermobbing helfen können

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