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Hungern für die Bikinifigur: Kinder vor problematischen Communities schützen

Jugendliche sind von Online-Gemeinschaften fasziniert. Doch nicht alle sind geeignet. Wir erklären, woran Eltern diese erkennen und wie sie entsprechende Inhalte melden können.

Teenager mager auf Couch
© Photographee.eu / Fotolia

Gruppen und Foren bieten Jugendlichen die Möglichkeit, sich untereinander zu bestimmten Themen auszutauschen und dabei andere mit gleichen Interessen kennenzulernen. Sie geben ihnen ein Gefühl von Gemeinschaft und Vertrautheit. Doch können in manchen Communities problematische Inhalte wie Gewalt und Pornografie kursieren oder Personen für extreme politische Positionen oder ein ungesundes Körperverhalten werben. Schwierig ist, dass die meisten Communities nicht öffentlich und nicht moderiert sind. So können gerade unsichere Jugendliche für bestimmte Positionen vereinnahmt werden und unter sozialen Druck geraten.

Über Aktivitäten im Netz sprechen und Selbstvertrauen stärken

Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder aktiv im Netz begleiten, Bescheid wissen, wo sich ihr Kind mit wem austauscht und welche Themen gerade angesagt sind sowie bei Problemen ein offenes Ohr haben. So können Eltern früh entgegenwirken, wenn ihr Kind in ein ungeeignetes Umfeld im Netz gerät. Stärken Eltern das Selbstvertrauen des Kindes, kann es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren. Generell ist es ratsam, dass Eltern ihrem jugendlichen Kind empfehlen, Websites, Gruppen und Foren sowie Profile, Seiten und Freundschaftsanfragen in sozialen Netzwerken genau zu prüfen.

Kritische Communities sind etwa solche, die Essstörungen als Lifestyle verherrlichen. Diese sind gerade bei Jugendlichen in der Pubertät weit verbreitet, die einem krankhaften Schlankheitsideal nacheifern, das ihnen auch durch die Medien und die Modewelt vorgelebt wird. Essstörungen sind längst ein Massenphänomen: Jedes fünfte Kind zwischen elf und 17 Jahren leidet nach den Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS) unter den Symptomen. Das sind 1,4 Millionen Betroffene, neun von zehn sind Mädchen.

Was viele Gruppen und Foren verharmlosend als "Pro-Ana" und "Pro-Mia" bezeichnen, sind Krankheiten wie Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht). Bestimmte Inhalte sind besonders bedenklich: So kursieren fiktive Briefe, die die Essstörung als einzig wahre Freundin personifizieren ("Ana's/Mia's Brief"), predigen Gebote, Psalme und Gedichte Verhaltensanleitungen, dienen Fotos und Videos dünner, ausgemergelter Frauen zur Inspiration ("Thinspirations", von engl. "thin", dünn) und geben Seiten Tipps zum Abnehmen und zur Geheimhaltung der Essstörung sowie Motivation und "Hilfe" in Form von Ess-/Gewichtstagebüchern oder Abnehm-Wettbewerben ("Contests"). Lebensbedrohliche Folgen werden oft ausgeklammert oder gar gebilligt. Gerade Jugendliche, die bereits Anzeichen eines essgestörten Verhaltens zeigen oder auf der Suche nach Hilfsangeboten sind, können leicht auf solch problematische Seiten stoßen statt ernsthafter Beratung zu finden.

Achtsam sein, Inhalte melden und aktiv werden

Erfahren Eltern, dass ihr Kind mit ungeeigneten Beiträgen oder Personen konfrontiert wurde, die problematische Positionen vertreten, sollten sie sich diese zeigen lassen und direkt beim Betreiber oder bei Beschwerdestellen melden. Hierzu zählen Angebote wie www.jugendschutz.net oder www.internet-beschwerdestelle.de. Als Beweise dienen Screenshots (bei Windows per Strg+Drucktaste und dann Strg+V zum Einfügen bei Word o.ä.; bei Mac Cmd+Shift+4, dann ist das Bild automatisch auf dem Desktop abgelegt) sowie Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname oder Impressum. Jugendschutzprogramme oder Jugendschutzeinstellungen im Betriebsystem sind neben der aktiven Begleitung der Eltern eine gute Möglichkeit, Kinder vor jugendgefährdenden Inhalten zu schützen.

Weitere Informationen

Weitere Beratung und Aufklärung bieten seriöse Portale wie www.hungrig-online.de. Hier können sich Betroffene und Angehörige anonym über Essstörungen austauschen und nach Hilfe suchen; etwa in moderierten Mailinglisten, einem Chat und einem Diskussionsforum. Weitere Angebote sind www.anad.de, eine Beratungsstelle, die auch ambulante Gesprächsgruppen bietet und an therapeutische Einrichtungen vermittelt, www.magersucht.de, www.EssFrust.de oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.bzga-essstoerungen.de. Zudem bietet der Bundes Fachverband Essstörungen einen Quick-Check. Weitere Informationen zum Thema bietet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Ratgeber "Gegen Verherrlichung von Essstörungen im Internet".

Weitere Informationen im Interview mit Katja Rauchfuß, Expertin für Selbstgefährdungsangebote bei jugendschutz.net sowie Hinweise zu Sicherheitseinstellungen

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